Greenland

WIR, DIE NEUEN DINOS

7/10


greenland© 2020 Tobis


LAND: USA 2020

REGIE: RIC ROMAN WAUGH

CAST: GERARD BUTLER, MORENA BACCARIN, SCOTT GLENN, ROGER DALE FLOYD, DAVID DENHAM, HOPE DAVIS U. A. 

LÄNGE: 2 STD


Irgendwann, und zwar sehr bald, wird die Natur zurückschlagen. In welcher Form auch immer, das hat bereits die liebe Greta prophezeit, dabei fiel sogar das Wort Krankheit. Das ist spooky, denn 2020 war’s dann wirklich soweit und eine nun weltbekannte Pandemie hat des Menschen Freiheitsliebe schon mal ordentlich ausgebremst. Nicht auszudenken, was wäre, wenn Homo sapiens mit einem Kometen jonglieren müsste. War schon den Dinos vor 65 Millionen Jahren der Himmel auf den Kopf gefallen, blüht das jetzt, eine ganze Weile später, dem Homo prosperitas innerhalb von 48 Stunden. Denn in Greenland, einem waschechten Katastrophenfilm, hat sich der aus der Fremde heraneilende Komet Clarke vorgenommen, unserer lieben Terra körpernahe Avancen zu machen. Das Besondere an Clarke: er ist nicht nur ein Komet, sondern ein ganzes Sammelsurium an Brocken, die allesamt herabregnen wollen. Mittendrin Gerald Butler als Hochbau-Profi, der von der Homeland Security ausgewählt wird, samt Familie in einen Flieger zu steigen, der sie in einen Schutzbunker nach Grönland bringen soll. Nur: leichter gesagt als getan. Auf dem Weg in Abrahams Schoß stellt sich der Mensch, als solcher verhaltensauffällig in Extremsituationen wie diese, in den Weg.

Roland Emmerich würde wohl angesichts dieses Szenarios schnell und nebenbei bemerken: He, das ist doch der Stoff, aus dem meine Filme sind? 2012 ist noch gut in Erinnerung. Der dort explodierende Yellowstone-Supervulkan ebenso. Da wir 2020 sowieso schon als No-Go-Jahr abgeschrieben haben, zeigt der Komet zumindest auf der Leinwand, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Und wer nun vermuten würde, hier Emmerich’sche Verhältnisse vorgesetzt zu bekommen, wird sich, angenehmen überrascht, so ziemlich irren. Greenland hat nicht vor, das Effekt-Bummbumm einschlagender Trümmer und in üppiger CGI-Slowmotion kaputtgehende urbane Welten zu komponieren. Auch starten keine grotesken Nerds wie in Michael Bays Armageddon gen Asteroiden. Es gibt auch keine verkannten Wissenschafter mit Kassandra-Komplex, auf die niemand hört. Ric Roman Waugh (u. a. Angels has Fallen, ebenfalls mit Butler) lässt die Beschaffenheit der Apokalypse außen vor. Von ihm aus könnte der Untergang auch anders gelagert sein. Der Komet ist nur eine Variable. Im Fokus stehen viel mehr unterschiedliche menschliche Verhaltensmuster, die zum Zug kommen, wenn es keine oder nur noch vage Hoffnung gibt. Der im Chaos wild rudernde Mensch wird brutal, panisch, agiert irrational, resigniert, feiert Partys oder tut alles, um nochmal mit Nächstenliebe sein Karma aufzubessern. Alle Schattierungen sind hier irgendwo zu finden. Dem Menschen steht frei, sein ganz eigenes Not-Programm zu wählen. Das zu beobachten, ist interessant, zeitweise beklemmend und faszinierend. Und vor allem eines: immens aufwühlend.

Greenland

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