Blood Father

DER PAPA WIRD´S SCHO RICHTEN

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bloodfather

Er ist zurück! Hollywoods berühmt-berüchtigtster Australien-Export und temporäres Enfant Terrible – so lange, bis sich ein anderer Promi unkotrollierterweise selbst erniedrigt und die sprichwörtliche Sau rauslässt – auf Kosten von Ruf, Anstand und Würde. Kaum zu glauben, dass Mel Gibson früher mal, zu Zeiten von Lethal Weapon, tatsächlich mal ein gern gesehener Schauspieler war. Und ja, sympathisch und irgendwie authentisch hat er ja auch gewirkt. Eigentlich meistens. Und aus der Geschichte des Filmes wegzudenken ist er sowieso längst nicht mehr. Da gäbe es, angefangen von Mad Max über seine engagierte Regiearbeit Braveheart bis hin zu Die Passion Christi und Apocalypto einiges zu berichten. In Anbetracht dessen bräuchte sich Gibson tatsächlich nicht mehr anzustrengen. Und das tut er auch nicht, zumindest schauspielerisch und in der Wahl seiner Filme nicht. Schon seit geraumer Zeit beehrt der mittlerweile auch schon ziemlich angegraute und zerknitterte Star aus den 80ern Filmsets, an denen sich normalerweise stereotype Actionhelden wie Dolph Lundgren oder Steven Seagal (dieser wahrscheinlich vor allem aufgrund seiner physischen Expansion mittlerweile auch nicht mehr) herumtreiben. Doch Mel Gibson versucht ganz einfach wieder Fuß zu fassen. Sein Auftritt als Schurke in Stallone´s Expendables 3 hat anscheinend nicht gereicht, um ihn weitestgehend zu rehabilitieren. Doch ehrlich gesagt war sein Mitmischen bei all den Galionsfiguren aus dem verblichenen Videotheken-Zeitalter eher ein Schritt zurück in die falsche Richtung – der er sich nun wieder entgegenstemmt – mit einer neuen Regie. Hacksaw Ridge wird in Kürze in den Kinos anlaufen.

Doch zurück zum eigentlichen Thema, zum Film Blood Father, der Mel Gibson als filzbärtigen, tätowierten Ex-Knacki im Feinripp präsentiert. Zufälligerweise hat dieser eine Tochter, die in großer Gefahr schwebt und Papi um Hilfe bittet. Ganz nach guter alter Charles Bronson-Manier, aber um einen gehörigen Tick warmherziger und einer breiter gefächerten Mimik als das stahlharte Ledergesicht aus den 70ern. In jedem Fall aber besinnt sich der geläuterte Ex-Alkoholiker auf seine elterlichen Pflichten und legt sich mit einem Haufen finsterer Typen an. Und wem diese Fülle an Handlung nicht reicht, der wird leider Gottes enttäuscht durch die Finger schauen müssen. Denn der Thriller des französischen Regisseurs Jean-Francois Richet, der viel und gerne mit Vincent Cassel zusammenarbeitet, ist zwar eine Romanverfilmung, aber trotz allem ziemlich dürftig. Und auch wenn Gibson sich eindeutig mehr anstrengt als all die anderen Haudegen aus vergangenen Zeiten – er kann den Film nicht retten. Zu einsilbig ist die Geschichte, zu vorhersehbar und einfach zu abgedroschen. Ein Vater, der seine Tochter rettet, seiner Tochter beisteht oder was auch immer, dabei über sich selbst hinauswächst und den ganzen finsteren Bösewichten Mores lehrt – das gibt’s einfach schon zu oft. Natürlich nicht mit einem rauschebärtigen Mel Gibson, der dann auch der Grund dafür ist, in den Film aus reiner Neugierde mal reinzuschauen. Doch das Interesse an der Persona non grata ist rasch gestillt und man folgt nur mehr relativ desinteressiert den restlichen Geschehnissen.

Action Made in France, unoriginell bis zum Geht-Nicht-Mehr und bescheiden in all den anderen Eigenschaften, die einen guten B-Movie-Reißer a la 96 Hours von Pierre Morel ausmachen würden. Hinter der Kamera ist Mel mittlerweile eindeutig besser aufgehoben.

 

Blood Father

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