The Dinner

ANGESPEIST STATT ABGESPEIST

6,5/10


thedinner© 2017 Tobis Film


LAND / JAHR: USA 2016

REGIE: OREN MOVERMAN

CAST: RICHARD GERE, STEVE COOGAN, LAURA LINNEY, REBECCA HALL U. A. 

LÄNGE: 2 STD 1 MIN


Also ganz ehrlich – um gemeinsam mit anderen, mir nicht sonderlich unter die Nase gehenden Personen Probleme zu wälzen, dafür buche ich sicherlich nicht ein sündteures Dinner in einem der nobelsten Lokale weit und breit. Eine Stange Geld für einen möglichen Disput mit meinem Gegenüber? Das selbst gezüchtete Junggemüse und das Sorbet auf welchem Spiegel auch immer verlieren da ihre Bedeutung – aber das ist einem Abgeordneten wie Stan Lohman ziemlich egal. Er hat Mammon wie Heu und steht kurz vor der Wahl zum Gouverneur. Wäre da nicht die Sache mit seinen Kindern und den Kindern seines Bruders, einem psychisch labilen Geschichtsprofessor, den das verheerende Grauen von Gettysburg nicht mehr loslässt. Diese Teenie-Kids haben da etwas ausgebrütet, dass sich nicht so mir nichts dir nichts unter den Tisch kehren lässt. Kurzum: Sie haben ein Verbrechen begangen. Wie mit diesem Verbrechen umgehen? Um das zu klären sitzen die beiden samt ihren Ehefrauen am runden Tisch inmitten dieses noblen Ambientes. Und während dieses Abends, der sich vom Aperitif bis zum Digestif hangelt, kommt so einiges hoch, was man vorab niemals geahnt hätte.

Da ist er wieder – Richard Gere in klassisch snobistischem Look, gefällig und geschäftig, mit lässiger Mähne und diplomatischem Gehabe. In einem Film, den wohl die wenigsten bislang auf dem Schirm hatten, der aber über weite Strecken durch eloquente und hitzig diskutierte Dialoge besticht und auch so einige Fragen aufwirft, die man als Erziehungsberechtigte wohl gar nicht mal so schnell beantworten könnte. Irgendwie erinnert The Dinner vor allem in seiner Ausgangssituation an Yazmina Rezas Theaterstück Der Gott des Gemetzels, welches ja bekanntlich von Roman Polanski unter anderem mit Jodie Foster und Christoph Waltz verfilmt wurde. Dort, in diesem vielmehr ironischen Kammerspiel, ist die gewaltsame Auseinandersetzung zwischen zwei Burschen der Grund, warum zwei Elternpaare sich bemüßigt fühlen, zusammenzutreffen, um den pikanten Umstand auszudiskutieren. In Der Gott des Gemetzels kommen die vier letzten Endes keinen Schritt weiter, während die Kids sich längst versöhnt haben. In The Dinner ist der Grund für diese Conference größeren Kalibers, und es steht viel mehr auf dem Spiel als nur eine Freundschaft. Richard Gere gegenüber agiert Steve Coogan als exzentrischer, intellektueller Zyniker mit Kindheitstrauma überaus beeindruckend, vehement und in seiner Manie zutiefst beharrlich. Ergänzend dazu: Laura Linney und Rebecca Hall, die nichts Unwesentliches zur Stimmung des Abends beitragen.

Im Ganzen hat The Dinner – ein Film, der auf dem Roman Angerichtet von Herman Koch beruht – durchaus starke Momente, wenngleich das Ensemble mehr in der Peripherie der schmucken Location herumirrt als dass es zu Tisch sitzt, dafür lassen allerlei Rückblenden, die sich manchmal aber zu sehr in heeresgeschichtlicher Besinnung verlieren, den Film nicht zum puristischen Dialogdrama werden. Hier gibt es allerlei Substanz, spitzzüngig formuliert und letzten Endes sind die schwelenden Feuer von Gettysburg nur eine Metapher für die bitteren Früchte einer Niederlage, und den Opfern, die notwendig sind, um sich da rauszuwinden.

The Dinner

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