Motherless Brooklyn

DIE BALLADE VOM SCHIMPFENDEN SCHNÜFFLER

6,5/10

 

motherlessbrooklyn© 2019 Warner Bros.

 

LAND: USA 2019

REGIE: EDWARD NORTON

CAST: EDWARD NORTON, GUGU MBATA-RAW, BRUCE WILLIS, WILLEM DAFOE, ETHAN SUPLEE, ALEC BALDWIN, LESLIE MANN, BOBBY CANNAVALE U. A. 

 

Kann noch irgendwer die genaue Handlung aus Howard Hawks Klassiker Die Spur des Falken rekapitulieren? Ich habe nur noch diese Vogelskulptur in Erinnerung, und Humphrey Bogarts müden Blick. Sonst aber war mir schon bei direkter Sichtung des Films der Plot einen Tick zu vertrackt. Der amerikanische Film Noir, der war bekannt dafür, einfach ganz viele Namen in ganze vielen Dialogen zu verstecken, die dann plötzlich immens wichtig waren und nach angestrengtem Erinnern vermutet man, diese irgendwann doch schon gehört zu haben. Hat man einmal nicht aufgepasst, hat man in der ganzen Dichte einer Story nicht den geringsten Durchblick mehr – Aufpassen wie ein Haftelmacher also das einzige Mittel dagegen. Edward Norton dürfte diese Art von Filmen der schwarzen Serie geliebt haben. Tote schlafen fest, Die Spur des Fremden oder wie sie alle heißen. Ein späteres Beispiel, das mir so in den Sinn kommt, ist The Two Jakes von Jack Nicholson, gemeint als Fortsetzung von Roman Polanskis Chinatown. Ein ungelöster Kriminalfall, mysteriöse Frauenfiguren und eine politische Verschwörung im Schatten – genau das ist es, was Norton auf die Leinwand bringen wollte, nicht weniger detailverzettelt und mit allerhand Namen. Um das zu gewährleisten, hat er gleich die literarische Vorlage des Schriftstellers Jonathan Lethem adaptiert. Warum gerade dieses Buch? Womöglich, weil Protagonist des ganzen wortgewaltigen Krimis keiner ist, der völlig unbemerkt in der Menge verschwinden kann. Dieser Lionel Essrog, oder auch Motherless Brooklyn, wie er gerne genannt wird, der leidet unter dem Tourette-Syndrom. Nicht leicht zu spielen so was. Entweder man verpeilt sich als Schauspieler in einer lächerlichen Nummer, oder man stellt die Krankheitssymptome, die sich in unkontrolliertem Lauteschmettern und Schimpfen bemerkbar machen, wirklich als ein pathologisches Defizit dar. Norton gelingt letzteres. Die Nervenkrankheit, die er imitiert, ist ein erschwerender Umstand in einem Job, der äußerste Diskretion verlangt. Ob all die Leute, denen er begegnet, mit diesem Erscheinungsbild umgehen können? Der blitzgescheite Lionel Essrog macht diesbezüglich niemanden etwas vor, denn er hat trotz all dieser Schwierigkeiten etwas, was wiederum andere vielleicht lieber hätten: ein eidetisches Gedächtnis. In diesem Zwielicht aus wandelndem Pocketmemo und Freakshow versucht der grundsympathische Sonderling, dem Mord an seinem Freund Frank (ein relativ farbloser Bruce Willis) aufzuklären. Was natürlich ungeahnte Kreise zieht.

Nortons gepflegte Krimikost samt Ich-Erzähler aus dem Off lädt zur mehr als abendfüllenden Postkartenschau aus dem Nachkriegs-New York, entwickelt eine Vorliebe für formschöne Boliden und erzählt aus einer längst vergangenen Zeit, in der noch Stil großgeschrieben wurde, fahrbare Untersätze noch Schmuckstücke waren und der Fedora als gängige Kopfbedeckung des kultivierten Mannes galt. Des Weiteren hat nicht nur Woody Allen eine fieberhafte Vorliebe für Jazzclubs und der dort gespielten Musik – auch in Motherless Brooklyn trötet die Trompete, klimpert das Klavier und federn die Saiten des Basses. Alles mit Stil, alles formschön und formatfüllend in Szene gesetzt – adrett, geschmackvoll und im Grunde fast jede Einstellung eine Verbeugung vor Huston, Hawks und einer ebenso längst vergangenen Film-Ära, die spannendes Bohren nach der Wahrheit mit sozialkritischen Untertönen vereinbaren konnte. So gesehen erfüllt Motherless Brooklyn als Reminiszenz auf das nostalgische Großstadtkino viele Erwartungen und bringt selbst Verweigerern von Hochprozentigem auf den Geschmack rauchiger Whiskeys. So richtig risikofreudig wird Norton bei der Interpretation bewährter Stilelemente allerdings nicht, wenngleich er nihilistische Weltbilder aus seinem Krimi weitestgehend getilgt hat und letztendlich zugunsten romantischer Ambitionen das Schlachtfeld aus langen Schatten von mantel- und huttragenden Daviden gegen krakengleiche Goliathe leerräumt.

Motherless Brooklyn

The Kitchen – Queens of Crime

EIN CLUB DER TEUFELINNEN

4,5/10

 

thekitchen© 2019 Warner Bros.

 

LAND: USA 2019

REGIE: ANDREA BERLOFF

CAST: MELISSA MCCARTHY, ELISABETH MOSS, TIFFANY HADDISH, DOMHNALL GLEESON, JAMES BADGE DALE, MARGO MARTINDALE U. A.

 

Nein, das hat nichts mit Frauen hinterm Herd zu tun. Obwohl – im übertragenen Sinne vielleicht schon. Denn bei den Damen, die in Andrea Berloffs Regiedebüt The Kitchen – Queens of Crime das männliche Geschlecht zu einem entbehrlichen degradieren, handelt es sich um Frauen in der unfreiwilligen Ausübung einer Geschlechterrolle, die mittlerweile längst schon obsolet ist, in den 70ern aber, aus denen der Film berichtet, leider gang und gäbe war – vor allem in der patriarchalisch geführten Unterwelt, in dessen Dunstkreis sich das Drama abspielt. Und die Vermutung liegt nahe, dass The Kitchen klarerweise Hell´s Kitchen ist, also ein Viertel in New York, in dem die irische Mafia das Sagen hat und alles schaukelt, was gesellschaftlich wie wirtschaftlich zu schaukeln ist. Das meiste Geld verdienen die schurkischen Buben mit Schutzgeldern. Irgendwann aber geraten die Ehemänner der drei Frauen bei einem gescheiterten Raubüberfall in die Fänge des FBI – und landen hinter schwedischen Gardinen. Der Weg ist frei für Female Empowerment. Melissa McCarthy, Tiffany Haddish und Elisabeth Moss lassen die frei gewordenen Nischen nicht unbesetzt und raffen sich auf zu einem Rundumschlag auf Augenhöhe mit den übrigen Mannsbildern. Was nicht allen schmeckt. Eigentlich niemanden. Doch es reichen ein paar Ausnahmen, die sich auf die Seite des quirligen Trios stellen und die notwendige Muskelkraft beisteuern.

Hat man zuvor Michael Scorseses Mafia-Epos The Irishman gesehen, können gefühlt fast alle neueren Filme ähnlichen Themas nur resignierend das Handtuch werfen. The Kitchen – Queens of Crime gehört leider auch dazu. So, wie Andrea Berloff das kriminalistische Umfeld der Endsiebziger entwirft, stellen sich motivierte Filmemacher das urbane organisierte Verbrechen vor. Man könnte auch sagen, dass das, was The Kitchen auf die Straßen bringt, durchaus den Hang zum Klischee hat, zu vertrauten Stereotypen, die hier allesamt vorkommen. Was dabei aber erwähnt werden sollte: The Kitchen beruht auf einer mehrteiligen Graphic Novel von DC, ist also tatsächlich eine Comicverfilmung rund um ein Damentrio, das Berloff etwas umdefiniert hat, und zwar etwas in Richtung einer humorbefreiten Version von Bette Midler, Diane Keaton und Goldie Hawn, die im Club der Teufelinnen ihren chauvinistischen Männern gezeigt haben, wer eigentlich die Hosen anhat. McCarthy und Co machen das erstmal ohne Männer, um dann mit ihren besseren Hälften gehörig Schlitten zu fahren.

Wäre das Mafia-Unterwelt-Szenario aus dem eher beliebigen Fertigteil-Baukasten nicht, hätte The Kitchen ein packender Thriller werden können. Zu den Pro- und Antagonisten erschließt sich für mich aber seltsamerweise kein Zugang, die grassierende Skrupellosigkeit der mordenden, gierenden und erpressenden Ladies macht sie letzten Endes auch nicht besser als ihre Männer. Gleiches mit Gleichem zu vergelten ist hier eben die Devise oder: Was mein Mann kann, kann ich auch. Eine ähnliche Prämisse hat die True-Poledance-Story Hustlers. Auch hier zahlen es die Frauen den Männern heim, im Grunde mit den gleichen Mitteln, die der Zweck angeblich heiligen soll. Auf Sympathie stößt das nicht – einzig Elisabeth Moss darf in ihrer Rolle als geprügeltes Opfer dem Terror auf befreiende Weise ein Ende bereiten. Die anderen beiden zeigen eigentlich nur, dass sie sich genauso schlecht benehmen können wie ihre Männer, deren Handeln sie verurteilen. Rache ist ein süßes Wort, das stimmt schon. Kühlt sie ab, hat es im „Battle of the Sexes“ keiner besser gemacht.

The Kitchen – Queens of Crime

El Camino – A Breaking Bad Movie

BLICK ZURÜCK NACH VORNE

6/10

 

elcamino© 2019 Netflix

 

LAND: USA 2019

REGIE: VINCE GILLIGAN

CAST: AARON PAUL, JESSE PLEMONS, ROBERT FORSTER, SCOTT MCARTHUR, CHARLES BAKER, SCOTT SHEPHERD, BRYAN CRANSTON, JONATHAN BANKS U. A.

 

Der Spoilometer gibt Entwarnung: denn dass Aaron Paul alias Jesse Pinkman einer der wohl besten Fernsehserien der Welt überlebt hat, ist seit dem Trailer zu El Camino – A Breaking Bad Movie kein Geheimnis mehr. Und wer die Serie damals als Mutter aller Binge-Watch-Formate inhaliert hat wie eine frische Tüte Kartoffelchips, der wird wohl die letzten Minuten der letzten Staffel wohl auch nie wieder vergessen: Heisenberg am Boden und Pinkman auf der Flucht, bewerkstelligt in einem schwarzrot-gestreiften El Camino, noch dazu fertig mit der Welt und dem Leben, gepeinigt, verängstigt, verwahrlost. Dieser El Camino ist es auch, der mühelos die Brücke schlägt zwischen dem Finale aus 2013 zu dem nun auf Netflix erschienenen Epilog einer Kette unrühmlicher, bizarrer und tragischer Ereignisse, die mit der Krebsdiagnose des Chemielehrers Walter White überhaupt erst begonnen haben. Mit gewissem Know-How lässt sich viel anrichten, zum Guten wie zum Bösen, und das haben der kongeniale Bryan Cranston und sein Schüler Aaron Paul in einer 5staffeligen Langzeitstudie eindringlich bewiesen. Wer da nicht Couchmaniküre betrieben hat, dürfte etwas ganz anderes gesehen haben, nur nicht Breaking Bad. Und es ist schön, nach so vielen Jahren sozusagen wieder heimzukommen nach Albuquerque, an den Ort weniger schöner, aber unter- und oberweltbewegender Extreme.

Mastermind Vince Gilligan hat letzten Endes also doch darauf verzichtet, das Schicksal des Jesse Pinkman der Fantasie seiner Fans zu überlassen. Das teilweise offene Ende hatte seinen unorthodoxen Reiz, so wie der ganze Stil der Serie, aber dennoch: wie der nicht erklingende letzte Ton einer uns bekannten Melodie dürfte die vage Zukunft wie Schrödingers Katze Gilligan so sehr gequält haben, das der letzte Vorhang um alles in der Welt noch fallen musste. Wir wissen also: Pinkman ist seinen Peinigern entkommen, diese wiederum haben unter dem Kugelhagel von Walter Whites tödlichem MG-Selbstauslöser das Zeitliche gesegnet. Einer von Ihnen, ein ganz perfider Bösling mit Hang zum beiläufigen Alltagsgrauen (Jesse Plemons in erschreckend unguter Psychopathen-Jovialität) dürfte dabei vorher schon sein unrechtmäßig Erspartes irgendwo in die Möblage seiner vier Wände integriert haben – welches Pinkman aber zwecks Neuanfang dringend nötig hat. Blöd nur, dass von dieser Kohle auch andere Leute wissen, und so entwickelt sich das spannende BB-Nachspiel zu einer Art The Good, the Bad and the Ugly, alle auf der Suche nach dem Schatz des Toten, während die Kavallerie Pinkman ganz oben auf die Liste gesetzt hat. Gilligans Reminiszenz an die Heist-Western gipfelt sogar in einer skurrilen Duellszene, die wie ein Plug-In formschön ins Breaking Bad-Universum passt. Notwendig wäre El Camino aber nicht gewesen, geschweige denn ungeduldig herbeigesehnt. Die Umstände einer Flucht nach vorne kann man in Erfahrung bringen, muss man aber nicht. Der Plot war damals schon auserzählt – die einen überleben, die anderen sterben. Pinkman wäre seinen Weg schon gegangen, unterkriegen ließ sich der Bursche ohnehin nie. Das Wiedersehen macht aber dennoch Spaß, und vor allem nerdige Flashbacks halten mit Cameos einiger kultiger Charaktere aus der Serie nicht hinterm Berg. Vor allem in diesen Szenen lässt sich erkennen, wie Aaron Paul seinen Charakter eigentlich angelegt und im Laufe der Geschichte verändert hat: vom blauäugigen, jugendlichen Kleinkriminellen zum traumatisierten Leidensgenossen, dem nichts mehr bleibt außer die Zähigkeit, sich neu zu erfinden.

Der steckbrieflichen Sogwirkung seiner Schöpfung bleibt Gilligan treu, auch in El Camino kann man schwer wegsehen oder sich währenddessen mit anderem beschäftigen. Dabei liegt die Qualität des Thrillers in seinen Konstellationen des Zufalls. Breaking Bad ist somit nach dem Abspann von El Camino endgültig Fernseh- und ein bisschen auch Filmgeschichte. Zeit also, dass sich Gilligan etwas Neues ausdenkt. Und das sollte man, erfahrungsgemäß, eigentlich nicht verpassen.

El Camino – A Breaking Bad Movie

Offenes Geheimnis

NICHT OHNE MEINE TOCHTER

4,5/10

 

offenesgeheimnis© 2018 Thimfilm

 

ORIGINALTITEL: TODOS LO SABEN (EVERYBODY KNOWS)

LAND: SPANIEN, FRANKREICH, ITALIEN 2018

REGIE: ASGHAR FARHADI

CAST: PENELOPE CRUZ, JAVIER BARDEM, RICARDO DARÍN, BÁRBARA LENNIE U. A.

 

In Fluch der Karibik haben sie es ganz knapp nicht geschafft, gemeinsam über die reling zu hechten. Penelope Cruz war in Fremde Gezeiten an der Seite von Jack Sparrow ein rassiger Sidekick, Javier Bardem eine Episode drauf die hinkende Wasserleiche Salazar. In Asghar Farhadis Kriminaldrama haben sie es dann doch geschafft. Oder wieder einmal. Denn kennen und lieben gelernt hatten sie sich eigentlich schon in Woody Allens Vicky Christina Barcelona. Und die beiden Filme sind nicht die einzigen, in denen sie Seite an Seite aus vollen Emotionen schöpfen konnten. Irgend so einen Film über Pablo Escobar gibt es da auch noch, der ist aber seltsam untergegangen. Asghar Farhadi aber übersehen Filmkenner natürlich nicht. Mit The Salesman hat sich der Iraner sogar den Goldjungen aus Los Angeles geholt. Sein Nachfolger zwei Jahre danach ist allerdings nicht ganz so vielschichtig geworden wie der frei nach Motiven von Arthur Millers Stück erzählte Diskurs über Genugtuung und Gerechtigkeit. In Offenes Geheimnis – oder viel griffiger im Original: Todos Lo Saben (was soviel heisst wie: Jeder weiß es) – nimmt das Schicksal mit einer üppigen Hochzeitsfeierlichkeit seinen Lauf. Die ganze unübersichtliche Familie kommt zusammen, irgendwo in Spanien in einer übersichtlichen Kleinstadt, schön rustikal und wo die Nachbarn auch nicht gleich die Polizei rufen, wenn bis spät in die Nacht feuchtfröhlich die Sau rausgelassen wird.
So ganze Familien haben da auch den oder die eine im Schlepptau, der den oder die andere schon lange nicht mehr gesehen hat. Und das vielleicht aus gutem Grund. Denn war man jung und neugierig, gab’s da schon pikante Liaisonen, die dann versandet sind – und vielleicht wieder nachhaltig an die Oberfläche schwappen, wenn genug getrunken wurde. Oder anderes im Argen liegt.

Bevor es aber so weit kommt, verschwindet die halbwüchsige Tochter von Filmmutter Penelope Cruz aus ihrem Zimmer, wohin sie sich mangels Wohlbefinden zurückgezogen hat. Klar, man kann ja nochmal eine Runde drehen und frische Luft schnappen, aber der Teenie ist wie vom Erdboden verschluckt. Weiterfeiern ist nicht, und plötzlich liegt das Wort Entführung in der Luft. Oder ist sie einfach nur abgehauen? Nichts Genaues weiß man nicht, nur, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Was folgt, ist ein Drama voll des Wartens, Harrens und Bangens. Natürlich auch des Suchens, doch das eher vergeblich. Die Familie hält natürlich zusammen, und auch all die alten Bekannten aus der guten alten Zeit zeigen sich motiviert. Das bringt Bardem und Cruz wieder auf Augenhöhe, und im Laufe der Ver- und Entwicklungen dieser undurchsichtigen Tragödie treten Geheimnisse zutage, die sowieso schon jeder geahnt hat. Das ist also das Offensichtliche, und für manche, oder gerade für jene, die es am meisten trifft, dann doch wieder eine erschütternd neue Erkenntnis.

Dabei ist die wirklich spannende Geschichte daran jene, die anfangs mit dem Fokus auf das nonkonforme Denken besagten verschwundenen Mädchens bereits schon drauf und dran war, eine Richtung einzuschlagen, die wohl mehr Gewicht gehabt hätte als das, was letzten Endes dabei herausgekommen ist. Asghar Farhadi ist wohl einer, der eher wenig mit taktisch wohlplatzierten Twists, die den Zuseher trotz einer recht tristen Geschichte bei Laune hält, anfangen kann. In Offenes Geheimnis bleibt die Hoffnung auf die Untergrabung der Erwartungen unerfüllt. Es kommt, was kommen muss, es bleibt alles auf mehr oder weniger geraden Bahnen, mit wenigen Kreuzungspunkten, die aber eigentlich auf der Hand gelegen wären. Nur – Farhadi ergreift sie nicht. Macht daraus keinen Konflikt der Generationen oder auch kein Geheimnis, dessen Lüftung erst so richtig die Katze aus dem Sack lassen würde. Nein, alles ist erahn- und erwartbar. Gedankenspiele vorab vergebene Liebesmüh. Immerhin ist Penelope Cruz verzweifelt genug, und Javier Bardem entsprechend erstaunt darüber, was ohnehin schon alle wissen. Ja, manchmal gneisst man es nicht gleich. Und ich weiß nicht, warum Farhadi es auch nicht gleich begriffen hat, dass sein Drehbuch, hätte es eine andere Wendung genommen, viel mehr Möglichkeiten gehabt hätte, so richtig genüsslich gesellschaftliche Dogmen vor sich herzutreiben anstatt diese nur mit sorgenvollen Blicken zu begleiten. Der ganze Film ist also auch für den Zuseher ein offenes Geheimnis, und ich weiß nicht welchen Reiz das ganze Dilemma dann noch hat, wenn der Unterschied zur finalen Episode einer breitgetretenen Soap nur mehr der ist, mit der spanischen Ausgabe von Brangelina auf Sieg zu setzen. Ein durchaus schwülstiges, eher uninspiriertes Drama also, das an die große Glocke hängt, was eigentlich niemand erwarten will, und im Endeffekt auch nicht sonderlich tangiert, sobald man es endlich weiß.

Offenes Geheimnis

Ben is Back

MUTTER COURAGE, U.S.

7,5/10

 

_DSC9362.ARW© Tobis Film 2019

 

LAND: USA 2018

REGIE: PETER HEDGES

CAST: JULIA ROBERTS, LUCAS HEDGES, COURTNEY B. VANCE, KATHRYN NEWTON U. A.

 

Er ist das Problemkind Hollywoods. Ob als Rabiatbruder in MID90s, als Vollwaise in Manchester by the Sea oder als gequälter Homosexueller in Der verlorene Sohn – Lucas Hedges hat, was seine Filme angeht, keine entspannten Jugendjahre. Und jetzt, jetzt ist er auch noch Ex-Junkie, schwarzes Schaf der Familie und unerwarteter Rückkehrer zur Weihnachtszeit, womit die holde Restfamilie wirklich nicht gerechnet hat. Nun, Mama Julia Roberts schon. oder sagen wir: sie hat es gehofft. Lucas Helges kann von Glück reden, so eine Filmmutter zu haben. Da gibt es ganz andere, zum Beispiel Carrie hat eine, die würde ich niemanden wünschen. Unsere Ex-Pretty Woman ist eine, die ihr Kind über alles liebt, egal was es anstellt. Solche Rollen kennen wir eigentlich von Meryl Streep, aber Julia Roberts kann das auch, und zwar fabelhaft gut. In Ben is Back ist sie die Fürsorge in Person, sich selbst zurücknehmend, aufopfernd, aber durchaus auch und nötigenfalls streng.

Tatsächlich aber steht das Kind der 90er unter der Regie seines alten Herren, nämlich Peter Hedges, seines Zeichens Autor so kultverdächtiger Stoffe wie Gilbert Grape. Seinen Sohn lässt er auf die schiefe Bahn kommen, sich mit Dealern anlegen und auf Entzug gehen, und dann, als alles danach aussieht, als hätte der Junge die Kurve gekriegt, kommt der Querschläger – und ruft Mama Roberts auf den Plan. Dieses Gespann, das spielt sich die Bälle zu, als hätte es weitaus mehr gemeinsam als den Arbeitsalltag am Set. Julia Roberts kann natürlich aus dem Vollen schöpfen, sie ist selbst Mutter, und wie schon einmal erwähnt werden ihre schauspielerischen Qualitäten im Laufe ihrer schillernden Karriere immer besser. Das Format einer Meryl Streep hat sie längst, sie zeigt sich genauso authentisch und scheint zu spüren, was sie vorgibt zu fühlen. Das macht Filmsohn Lucas Hedges auch, und deswegen ist Ben is Back längst kein Familienmelodram von der tränendrückenden Sorte, wie man sie bislang zur Genüge kennt. Das winterliche Krimidrama ist, relativ unüblich für so eine Art von Film, auf Zug inszeniert, sehr straff und eigentlich knochentrocken und auf klarsichtige Weise unprätentiös. Der Genremix tut dem Film erstaunlich gut, entlockt beiden Genres durchaus nicht oft gesehene Facetten und dröselt den gordischen Knoten eines unentkommbaren Dilemmas auf direkt künstlerische Art am Ende auf. Gewohnt bin ich so etwas eher von Einzelgängern wie Jacques Audiard oder Susanne Bier. Tatsächlich wirkt Ben is Back manchmal so, als wäre er ein Teamwork der beiden, vielleicht um eine Spur weniger erdiger und schmutziger, doch das muss Peter Hedges Film gar nicht sein, denn die soziale, krankhafte Finsternis einer labilen Existenz dringt in den abgesichert scheinenden, familiären Wohlstand und nicht umgekehrt. Das Eintauchen ins hoffnungslose Milieu der Drogen spart Ben is Back weitgehend aus, maximal streift der Film die Grenzen der Gefahr, die Julia Roberts fast schon versucht ist zu überschreiten. Das ist natürlich ein enormes Exempel an Selbstlosigkeit, ein Aufopfern für das eigene Fleisch und Blut. Dafür kann man gut und gerne eine Lanze brechen für so viel Familien-Impakt.

Ben is Back ist ein unerwartet intensiver Film aus blaugrauen, kalten Wintertagen. Und obwohl Weihnachten ist, zeigt sich das Fest der Liebe schaumgebremst wie selten. Stimmung kommt hier keine auf, maximal eine ungute, eine vorsichtige – und für manche auch ablehnende, denn der Stiefvater hält nichts von Bens Erscheinen. Herbergssuche sollte inklusive Lerneffekt mittlerweile ganz anders aussehen, vor allem zur stillen Nacht. Doch allein bleibt das Problemkind nicht, hat es doch Schutzengel Mutter an seiner Seite. Wird die Erzieherin aber zur Heldin? Das würde die Überzeichnung eines Ist-Zustandes implizieren, der das Brimborium eines gefeierten Kraftakts nötig hätte. Eine Mutter hat das nicht nötig, vor allem, weil Helden oft temporär solche sind. Und wir sehen: In Ben is Back geht es weniger um die schiefe Bahn junger Menschen. Dafür gibt es andere Filme. Wären es hier keine Drogen, wäre es etwas anderes. Das ist also austauschbar. Die Liebe zum Kind allerdings, die der packende Streifen thematisiert, die bleibt unverändert. Und lässt sich durchs nichts abhalten.

Ben is Back

Loving Vincent

BILDLICH GESPROCHEN

6/10

 

lovingvincent© Bild: Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.

 

LAND: GROSSBRITANNIEN, POLEN 2017

REGIE: DOROTA KOBIELA, HUGH WELCHMAN

CAST: DOUGLAS BOOTH, SAOIRSE RONAN, JEROME FLYNN, ROBIN HODGES, HOLLY EARL U. A.

 

Niemals davor und niemals danach hat je ein Künstler so gemalt wie er: Vincent van Gogh. Der Niederländer war wahrlich kein Kind seiner Zeit, ein aus der Zeit Gefallener sozusagen, einer der als verrückt galt. Der im Malen aber sich selbst fand und die Welt so wiedergab, wie nur er sie sehen konnte. Das war für viele befremdlich, zu wenig vertraut. Van Goghs Stil war weder expressionistisch noch realistisch, aber immerhin einer, den mittlerweile jeder kennt. Denkt man an van Gogh, dann bevorzugt an Sonnenblumen. Wie bei Klimt und seinem Kuss. Oder Da Vinci und seiner Mona Lisa. Van Gogh war aber mehr als Sonnenblumen, mehr als ein ein strahlender Sternenhimmel, beides und anderes bevorzugt auf Souvenirtassen und Postkarten, T-Shirts und jedem nur denkbaren Merchandising. Van Goghs Kunst ist längst ausverkauft. So wie die von Klimt. Ihn zu entkitschen wäre an der Zeit. Das hat Julian Schnabel dieses Jahr mit seiner faszinierenden Psychostudie, die weit mehr ist als ein biographischer Auszug, sondern gleichzeitig auch ein Diskurs über das Schaffen von Kunst an sich, bereits getan. Ganz famos, wie ich finde.

Wenn jemand so einen Stil kreiert wie van Gogh, dann wäre es auch interessant, herauszufinden, ob sich so ein Stil auch animieren lässt. Ob man einen Film drehen kann, der so aussieht wie Malerei, der jede Szene neu bepinselt, wo die Struktur auf der Leinwand auch zur Struktur auf dem Screen werden kann. In Loving Vincent, einem abendfüllenden Werk der polnischen Künstlerin Dorota Kobiela und des britischen Animationsfilmers Hugh Welchman (u. a. Peter und der Wolf), wurde die Probe aufs Exempel gemacht – und mit irrem Aufwand Kader für Kader im Sinne des künstlerischen Erbes van Goghs bemalt. Wer sich so etwas antut, muss von seiner Idee wirklich mehr als überzeugt sein. Und das Œuvre des großen Avantgardisten abgöttisch lieben. Wobei die Person des Niederländers gar nicht mal wirklich eine Rolle spielt, denn in Wahrheit ist es eine Spurensuche, die nach dessen Tod erst seinen Anfang nimmt. Es geht um einen Brief, gezeichnet mit Loving Vincent, der für Bruder Theo bestimmt war. Allerdings: Zustellung unmöglich, der kaufmännisch tätige Bruder, der stets ein gutes Verhältnis zu Vincent hatte, lebt ebenfalls nicht mehr. Was also tun? Wie wär´s damit, herauszufinden, ob am Selbstmord des Malers wirklich was dran ist. Der Sohn des Postmeisters Joseph Roulin, der ebenfalls von van Gogh portraitiert wurde, trifft folglich alte Bekannte des Verstorbenen und schafft sich und dem Zuseher ein ganz anderes Bild des Vordenkers, das ihn als ruhelosen, obsessiv malenden Menschen darstellt, dessen Innerstes sich eigentlich niemandem wirklich erschlossen hat. Der bekannt war, aber nicht wirklich gekannt wurde. Der in einer ganz eigenen Blase seiner Wirklichkeit daheim war, und die vielleicht wirklich so ausgesehen haben könnte wie das, was er zu Papier brachte, ja geradezu bringen musste, denn was man sagen kann, und was auch mit Julian Schnabels Interpretation d’accord geht, ist die Prämisse: „Ich male, also bin ich. Male ich nicht, bin ich tot.“ Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit aber scheint an van Goghs Ableben keine Zweifel zu haben – Suizid war es in diesem Film keiner. Eine Theorie, die sich immer noch hält. Und ein Geheimnis, das weder dieser oder der andere Streifen wirklich lüften kann.

Natürlich ist es verblüffend, was Loving Vincent visuell hergibt. Der Film ist ein Experiment, Animation auf einer Stufe, die van Goghs Meisterwerke an eine semidokumentarische, fiktive Handlung bindet, die im Gegensatz zu dem entfachten Bildersturm in kühler Klarheit, ja geradezu nüchtern-sachlicher Art aufklärerischen Schulfernsehens auf eine nicht unangestrengte, investigative Reise mitnimmt, auf der wir sogar trotz Überpinseln bekannte Gesichter wie jenes von Saoirse Ronan oder Game of Throne-Star Jerome Flynn erkennen. Die in abstrakte Räume führt, die alle schon mal Motive für van Gogh waren, an denen er gearbeitet und gelebt hat. Loving Vincent ist wie eine begehbare exklusive Ausstellung, an der man keinen Schritt tun muss, deren Exponate mit unermüdlicher, flirrender Nervosität auf den Zuseher einwabern und das Auge durchaus fordern, da all die Bilder nicht wirklich Tiefe haben, weniger als ein klassischer Trickfilm. Das ist mitunter anstrengend, vor allem weil der Plot selbst in gediegener Ruhe gemächlich vor sich her schummert und die Dynamik eines im Wasserglas gerührten Farbpinsels hat. Das ist versponnen, sinnierend, es sind Gespräche, sonst nichts. Was andererseits aber wieder gut ist, denn die Optik lenkt von allem ab, man sucht die Details und lässt sich beeindrucken, doch es ist auch klar, was der Film will. Ein Experiment sein, ein faszinierendes Kuriosum, einzig und allein der Machart wegen. Weil geht, was geplant war. Ob van Gogh selbst beeindruckt wäre? Sicher kann ich das nicht sagen, vielleicht würde er meinen, dass diese Art Plakativität auch nichts anderes ist als ein Ausverkauf seiner Kunst. Weil sie eben gefällt, weil diese Farben und Formen alle Gemüter ansprechen, weil es bunt ist und opulent. Das hätte dem Meister wohl eher gefallen, vielleicht aber auch Angst gemacht. Wer wird das je wissen, ist der Mann doch ein einziges Mysterium, dem man sich vielleicht nur über dem Bildweg nähern und so einen großen gemeinsamen Nenner finden kann, eben wie in Loving Vincent.

Loving Vincent

Widows – Tödliche Witwen

VIER FRAUEN UND EIN TODESFALL

5,5/10

 

widows© 2018 Twentieth Century Fox

 

LAND: USA 2018

REGIE: STEVE MCQUEEN

CAST: VIOLA DAVIS, ELIZABETH DEBICKI, MICHELLE RODRIGUEZ, COLIN FARRELL, CYNTHIA ERIVO, LIAM NEESON, DANIEL KALUUYA, ROBERT DUVALL U. A.

 

Fünf Jahre ist es schon her, seit der Brite Steve McQueen mit seiner Leidensgeschichte 12 Years a Slave das Kinopopcorn im Halse stecken hat lassen. Eine Schaffenspause, schön und gut, nach so viel emotionaler Schwere durchaus legitim. Sein neuester Streifen ist zwar um einiges leichter, aber immer noch ein finsterer Brocken an Film, der sich sicherlich nicht auf die leichte Schulter nehmen lässt. Im Kern ist Widows – mit dem banalen deutschen Zusatz Tödliche Witwen – ein Heist-Thriller aus dem urbanen Randbezirk, voller windschiefer Politiker, Korruption und vertuschten Morden. Das gabs im amerikanischen Thriller-Genre natürlich schon des Öfteren, wie zum Beispiel The Drop, ein nicht weniger finsterer Krimi des Belgiers Michaël R. Roskam, mit James Gandolfini in einer seiner letzten Rollen. Auch Ben Affleck´s The Town fügt sich bequem ein in dieses Subgenre sozialkritischen Räuberpiostolen in diffuser moralischer Grauzone. Widows ist dann doch etwas anders, da sich der Film im Zuge der aktuellen weiblichen Casting- und Umbesetzungswelle männlich dominierter Franchises als reine Damen-Rochade behauptet. Ein feministischer Film Noir also, der das Schicksal von drei völlig unterschiedlichen Frauen herausfordert, die allesamt mehr oder weniger vor dem Nichts stehen, nachdem die überhebliche Dominanz ihrer risikofreudigen männlichen Partner zu nichts anderem geführt hat als zu den Kosten für eine Beerdigung, die garantiert nicht zur Seite gelegt wurden. Stattdessen rückt der sinistre schwarze Bezirkspolitiker Manning der trauernden Viola Davis auf die Pelle, um 2 Millionen Dollar zurückzufordern, die ihr verstorbener Gatte den politisch motivierten Gangstern abgeluchst zu haben scheint.

Es wären keine tödlichen Witwen, würden sich diese auch nur irgendwie einschüchtern lassen. Natürlich, mit der Angst bekommen Sie es sehr wohl zu tun. Doch mit diesen Wassern, mit denen gewiefte Frauen eben gewaschen sind, lässt sich die Sauerei an Männerwirtschaft, die da hinterlassen wurde, zumindest mal in der Theorie ganz gut wegschaffen. Mit einem 5 Millionen-Doller-Bonus, der da winkt, dank eines schlauen Notizbuches von Ganove Liam Neeson, der einmal mehr mit seinem knorrig-impulsiven Gastauftritt womöglich dank eines klugen Rollen-Managements jenseits seiner Action-Stereotypie zeigt, was er sonst noch kann. Allerdings nur in wenigen Szenen, doch diese sind wichtig, um dem Plot seine Twists machen zu lassen, die auch nicht von ungefähr kommen, da Starautorin Gillian Flynn (Gone Girl, The Girl on the Train) gemeinsam mit McQueen das Drehbuch verfasst hat. Was einige von euch womöglich nicht wissen: Widows beruht auf einer britischen TV-Serie, und die wiederum auf einer Romanvorlage von Lynda La Plante. Zum zweistündigen Kriminaldrama zusammenkomprimiert, ist Widows auf jeden Fall illustres Schauspielkino, das kernige Cameos wie die eines Robert Duvall durch den Sumpf des Verbrechens waten lässt. Die resolute Viola Davis ist wie meist von einer tief verwurztelten, spaßbefreiten Tragik erfasst, und Elizabeth Debicki als blond-blasser, verletzlicher Engel entgleitet wohl am Deutlichsten die Balance des Lebens. Als diabolisches Schreckgespenst des Kleinstadt-Terrors: Daniel Kaluuya, bekannt geworden aus Get Out.

Dennoch – auch wenn all diese strauchelnden und bedrohlichen Gestalten recht glaubwürdig agieren – bis auf wenige Momente weiß Widows nicht wirklich zu berühren. Die kalte, herbstgraue Ödnis der Chicagoer Peripherie ist die richtige Kulisse für kalte, herbstgraue Egozentriker, die nur sich selbst als Nächsten wähnen, auch wenn der Reverend der örtlichen Gemeinde das solidarische Soll mit Inbrunst predigt. Geliebt wird hier eigentlich niemand, maximal der Schoßhund von Viola Davis – die Idee, das Glück eines anderen zu schmieden, findet in einer Welt des Übervorteilens und Unterdrückens kein Gehör. Das macht all die Damen und Herren hier nicht wirklich sympathisch, und wieso soll ich als Zuseher Mitgefühl mit jenen haben, die, sozial isoliert, ausschließlich eigennützig agieren. Gut, es sei den vier Frauen der Erfolg ihres Unterfangens schon vergönnt, das demonstrativ emanzipierte Schnippchen natürlich sehr gerne geschlagen. Der unnahbare Stil des Filmes aber, die eigenwillige, zugegeben durchaus interessante Methode, gesprochene Dialoge zeit- und ortsversetzt zu platzieren, Gesprächspartner gar nicht mal zu zeigen und Sequenzen in relativ groben Cuts miteinander zu verflechten – das alles trägt nicht wirklich dazu bei, Berührungspunkte mit dem Publikum zu schaffen. Das macht Widows zu einem affektiert kaltschnäuzigen Thrillerdrama, das relativ ignorant sein Ding durchzieht. Ob dieses dann gelingt, ist bei solchen Leuten wie im Film für mich fast schon irrelevant.

Widows – Tödliche Witwen