Good Fortune – Ein ganz spezieller Schutzengel (2025)

WER SICH SORGT, DEM WACHSEN FLÜGEL

5/10



© 2025 Leonine Studios


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE / DREHBUCH: AZIZ ANSARI

KAMERA: ADAM NEWPORT-BERRA

CAST: KEANU REEVES, AZIZ ANSARI, SETH ROGEN, KEKE PALMER, SANDRA OH, BLANCA ARACELI, JOE MANDE, ADITYA GEDDADA, ALEXANDER JO, KRISTEN HENLEY U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN



Schau nicht so griesgrämig drein

Dass Keanu Reeves eigentlich auch Lustig kann, hatte ich längst vergessen. Ich muss auch zugeben: Seine Bill & Ted-Kultfilme habe ich nie gesehen (Filmbildungslücke – Ja oder nein?) Wir kennen den bekanntlich mit einer starken sozialen Ader ausgestatteten Filmstar schon seit geraumer Zeit nur noch als Kandidaten für das schwermütige Actionfach, als grübelnden Auserwählten oder als  spaßbefreiten Hardliner, der die Dinge in überzogenem Maße ernst nimmt. Als Ikone der distinguierten Killermaschine wird er sowieso schon längst in die Filmgeschichte eingehen, zusätzlich zu Matrix und My Own Private Idaho. Dabei kann seine Rolle als unkaputtbarer John Wick ohne Selbstironie ja gar nicht existieren. In John Wick: Kapitel 4 hat ihm dann doch jemand das Handwerk gelegt. Bevor sich die Ikone aber wieder aus dem Grabe erhebt und Reeves nur noch dazu ausersehen ist, seine von regennassen urbanen Nächten strähnig wirkende Haarpracht aus dem stoischen Gesicht zu wischen, um raunende Onliner zu schieben, muss er schnell die Seite wechseln. Zurück ins Komödienfach, raus aus dem Slimfit-Anzug, hinein in einen beigen Columbo-Gedächtnis-Trenchcoat. Was hier noch dazukommt, sind Engelsflügel aus dem Diskonter, ganz bewusst auf Billig getrimmt, denn Good Fortune – Ein ganz spezieller Schutzengel, will damit schon die wohllaunige Basis säen, auf der einer wie Reeves schon mal, bevor er auch nur irgendetwas zum besten gibt, gar nicht erst ernstgenommen werden kann.

Reichtum ist keine Schande

Als Schutzengel der Autofahrer, und dort wiederum nur in der Kategorie Handy am Steuer tätig, fühlt sich Gabriel (nicht der Erzengel) längst schon unterfordert und denkt an Karriere, die einhergeht mit etwas mehr Verantwortung. Und zwar über das Leben eines Sterblichen. Also nimmt er sich des von einer Pechsträhne verfolgten Arj an, der alles verliert: Job, Geld, Wohnung, Selbstachtung. Die Chance, beim superreichen Jeff (Seth Rogen) das Mädchen für alles zu machen, vermasselt er ebenso. Was Arj sich wünscht? Soll er doch zufrieden sein mit seinem Dasein, Reichtum ist nicht alles, meint Gabriel, der auf Probezeit nun intervenierender sein darf. Und schon tauschen der Reiche und der Arme wie durch Zauberhand die Rollen. Die Gegenwart schreibt sich neu, Jeff ist nun der Loser, Arj einer, der ein Haus mit Pool in den Hollywood Hills besitzt und auf die sozial Schwachen hinabsieht. Doch damit, dem Neureichen mit dieser Methode zu verklickern, was Materialismus alles für Schattenseiten besitzt, wird Gabriel nichts erreichen. In Good Fortune – Ein ganz spezieller Schutzengel stellen wir alle fest: Geld macht glücklich. Und Arm sein lässt sich nicht schönreden. Zumindest vorerst nicht.

Wohlstandsengel im Argumentationsnotstand

Es ist, als träfe John Landis‘ Die Glücksritter auf Wim Wenders. Fernsehliebling Aziz Ansari dürfte dessen Himmel über Berlin längst gesichtet haben, anders lassen sich die eingängigen Reminiszenzen an den in Schwarzweiß gedrehten Arthouse-Hit der 80er gar nicht anders erklären. Wie Reeves da vom Dach eines Hochhauses auf die darunterliegende Metropole blickt, hat was melancholisch-nostalgisches. Es könnte sich eine himmlische Romanze anbahnen, wie zwischen Nicolas Cage und Meg Ryan, die in der US-Amerikanisierung des Films mit Bruno Ganz die Tiefe der Vorlage etwas trivialisierten. Doch romantisch wird es eigentlich nie – und auch  von einer gewissen schadenfrohen Leidenschaft, die noch bei Dan Aykroyd und Eddie Murphy zu beobachten war, bleibt wenig über. Ansari mag das Drehbuch zwar löblicherweise auch selbst verfasst haben, doch ein Schreiber fürs Kino ist er nicht. Vielleicht liegt es auch am unbeholfenen Charme dieses Engels, der zwei linke Hände hat, der die auf der Hand liegenden Turbulenzen etwas ausbremst. Für mangelnden Verve sorgen auch die etwas zu grobmaschigen Dialogszenen, der betulich arrangierte Plot und die überhaupt nicht aufgehende Besinnung auf das Wesentliche im Leben, für das man dennoch auch ohne Geld schwer seine Motivation zeigen kann. Natürlich will Anzaris Figur von diesem Wohlstand nicht weg, selbst der Engel Gabriel hätte den gern.

Was Good Fortune – Ein ganz spezieller Schutzengel letztendlich aussagen will, sucht nach wie vor nach einer Probe aufs Exempel. Finden wird er sie nie, doch immerhin bleibt die Erkenntnis am Rande für alle übrig, dass Keanu Reeves eben nicht immer den angepissten Elite-Killer spielen muss, sondern einfach den völlig ausgenüchterten Good Guy von nebenan, der dir in der Fast Food Bude die Pommes rüberreicht. Ein angenehmer Anti-Star in einem zu beiläufigen Wertesuchspiel, dessen Ziel irgendwo dazwischen liegt, nur nicht am Ende.

Good Fortune – Ein ganz spezieller Schutzengel (2025)