Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone

HEILE, HEILE WELT

5/10

 

mazerunner3© 2018 Twentieth Century Fox

 

LAND: USA 2018

REGIE: WES BALL

MIT DYLAN O’BRIEN, KAYA SCODELARIO, WALTON GOGGINS, GIANCARLO ESPOSITO, ADIAN GILLEN U. A.

 

Ich habe da so mein Problem mit Fortsetzungsfilmen im Kino – sie funktionieren nur selten. Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste war 2015 im Kino. Seit damals sind zweieinhalb Jahre vergangen. Jeder, der sich nicht ausführlich mit den Inhalten der dystopischen Jugendbuchreihe auseinandergesetzt hat oder diese zwischenzeitlich gelesen hat, und jeder, der nicht kurz vor Sichtung von Tteil 3 noch mal Teil 1 und 2 auf dem Radar gehabt hat, wird in Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone, nur vage anknüpfen können. Gut, hat man keine Vorarbeit geleistet, hat man selbst Schuld. Aber wie viele Kinogeher machen das? Ich hab das bei Blade Runner durchgezogen, auch bei Guardians of the Galaxy (was nicht zwingend notwendig gewesen wäre). Bei Maze Runner habe ich es verabsäumt. Doch besser wäre gewesen, ich hätte es getan. Denn Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone zu sehen ist so, als würde man die Staffel einer spannenden Fernsehserie nach einem Cliffhanger unterbrechen und zwei Jahre warten, bis das Geschehen wieder nahtlos anschließen kann – obwohl man die nachfolgenden Episoden in petto hätte. Bis ins Detail erinnern kann ich mich beim besten Willen nicht mehr. Leute mit eidetischem Gedächtnis können da nur lachen. Aber egal, irgendwie werde ich schon anknüpfen ans Finale.

Iim Grunde ist das Unterbrechen einer kontinuierlichen Handlung inmitten eines Kapitels eine Taktik, die nach hinten losgeht. Gibt es reichlich Action, fällt das nicht weiter auf. So viel zum Plan dahinter. Und ja, die Action fetzt – zumindest anfangs. Und dann ist die Erinnerung glücklicherweise auch wieder da. Wer zu wem gehört und warum sie alle da sind wo sie sind. Thomas, der Vorzeige-Maze Runner, und Newt, sein treuer Begleiter. Ja, da gibt es noch Teresa, die die Seiten gewechselt und alle verraten hat. Und Breaking Bad-Star Giancarlo Esposito als ergrauter Pistolero im Jeep, der einen Flieger kapert und die visuell beeindruckendsten Szenen für sich verbuchen kann. Alles Figuren, die zumindest in einer Serie das Potenzial hätten, den Zuseher emotional abzuholen. Die Beziehung zu den jungen Helden findet im Kino allerdings nicht statt. Auch wenn der Plot sehr auf das Thema Freundschaft setzt und die Belastbarkeit einer solchen bis zur Schmerzgrenze ausreizt. Aber wozu sind auch Freunde da, angesichts tintespuckender Zombies und vor der nächtlichen Kulisse bedrohlich funkelnder Hochhäuser. Wieso die Organisation WCKD das ganze Brimborium ins Rollen gebracht hat, nur um ein Heilmittel gegen einen hartnäckigen Virus zu finden, ist ebenso rätselhaft wie die umständlich erzählte Befreiungsaktion ins Herz der bösen Wissenschaft.

Vieles aus bereits gesehenen Dystopien wie Blade Runner, World War Z und Mad Max findet im Finale ihre Verwendung. Das Ganze wirkt eher mühsam zusammengesetzt als virtuos vereint. Und gipfelt in einer überlangen, pyrotechnischen Apokalypse, die wohl Sylvester Stallone mit seinen Expendables gerne gesehen hätte. Warum Trilogien letzten Endes immer davon ausgehen, den Begriff Finale Furioso fast schon zwingend wörtlich nehmen zu müssen, bleibt angesichts einer im Grunde fesselnden Story, die in Kriegsgewitter ausufert, reichlich unverständlich.

Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone

The Last King

DES KÖNIGS NEUE NEIDER

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lastking

Wie firm seid ihr in norwegischer Geschichte? Ausbaufähig? Diese Lücke lässt sich etwas schließen, insbesondere bei jenen, die noch dazu verzweifelt auf die Fortsetzung von Vikings warten. Der norwegische Filmemacher Nils Gaup, seines Zeichens Macher des Abenteuerdramas Pathfinder, der 1988 für den Oscar als fremdsprachiger Film nominiert war, widmet sich in dem historischen Actiondrama einer bedeutenden Episode aus dem norwegischen Bürgerkrieg.

Wir schreiben das Jahr 1206 – das tiefste Mittelalter, auch im hohen Norden. Und gerade da. Es ist – wie denn anders auch – noch dazu tiefster Winter. Und der rechtmäßige Erbe des norwegischen Throns, Håkon Sverresson, ist in großer Gefahr. Warum? Er ist noch ein Säugling, noch dazu der einzige, aber uneheliche Sohn des vorhin erwähnten, kürzlich verstorbenen Regenten. Zwei Adelshäuser, die Birkebeiner und die Bagler – um hier ein klein wenig Geschichtswissen zu verbreiten – schenken sich nichts. Beide wollen das weite, wilde Land regieren, die einen zu Recht, die anderen weniger. Und so versuchen die beiden Skifahrer Torstein Skjevla und Skjervalv Skrukka, beides Birkebeiner, den Sprössling in Sicherheit zu bringen. Mehr muss man über die historischen Hintergründe gar nicht wissen. Ich selbst war bei Betrachten des Streifens ziemlich grün hinter den Ohren, was das norwegische Mittelalter betrifft. Nun weiß ich aber zumindest in groben Zügen über das damals herrschende Thronfolgerchaos Bescheid. Der Rest des Filmes ist souveräne Mittelalter-Action, ganz im Stile der eingangs erwähnten Wikingerserie Vikings. Geschmackvoll ausgestattet, in pittoresken Bildern und authentisch anmutender Ausstattung. Die meiste Zeit des Schneeknirschenden Abenteuers hetzen fellbekleidete, vermummte Krieger, ausgestattet mit Schwertern und Beilen, auf Holzskiern durch lichte Nordwälder. Es spritzt das Blut, es färbt sich der Schnee rot. Hinter den Kulissen archaischer Holzburgen werden Intrigen und Ränke geschmiedet. Ganz so, wie man es aus der Geschichte Europas rund um diese Zeit gewohnt ist. Und wie man es als Besucher stattlicher Mittelalterfeste gerne sieht. Das Ganze hat schon eine eigene Faszination, diese raue Vergangenheit. Nichtsdestotrotz erliegen wir einer gewissen verfälschten Romantik – die sich aber im wahrsten Sinne des Wortes sagenhaft gut fürs Kino und auch für Geschichten eignet. So erfüllt Nils Gaup auch mit The Last King die Sehnsucht nach der martialischen Zeit, wo das Schicksal der Menschheit fast schon im Minutentakt neu ausgerichtet wurde. Was hier fehlt, sind Hexen und Drachen. Magier und Kobolde. Aber das fehlt auch – fast – bei Vikings. So sehen wir im mittelalterlichen Schneethriller die Geburtstunde des in Norwegen sehr beliebten Birkebeiner-Rennens – einem traditionellen Ski-Langstreckenlauf von 50km – basierend auf den wahren Ereignissen zur Errettung des letzten Königs.

The Last King ist ein routiniertes, europäisches B-Movie. Ohne dramaturgische wie schauspielerische Besonderheiten, aber solide inszeniert, gut ausgestattet und mit einer verträglichen Härte, die Männer fürs Grobe – und auch Frauen – unterhalten dürfte. Bei uns war der Streifen nie im Kino – wäre aber auch nicht notwendig gewesen. Ideal fürs Heimkino, vor allem wenn man nach den Ritterspielen mit dem Nachwuchs artverwandte Zerstreuung sucht.
 

The Last King