Jack Reacher: Kein Weg zurück

DON´T FEAR THE REACHER!

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jackreacher

Was ist mit Tom Cruise passiert? Der ewige Maverick und Scientology-Aushängeschild hat sich nun endgültig von seinem juvenilen Image verabschiedet. Er ist zum Mann gereift. Zu einem relativ verbrauchten Helden mit leichtem Übergewicht, Ecken, Kanten und beginnendem Faltenwurf. Dieser Look ist zwar ungewohnt, aber ist zumindest endlich einmal altersadäquat und steht ihm gar nicht so schlecht zu Gesicht.  Und passt überraschenderweise zum Film, der auch um Einiges besser geworden ist als der Erstling mit Bösewicht Werner Herzog und völlig uninteressantem, reichlich konfusem Plot.

Jack Reacher: Kein Weg zurück, als Romanfigur ersonnen von Lee Child und neu aufbereitet von Edward Zwick, dessen Psycho- und Politdrama Bauernopfer ich kürzlich rezensieren durfte, überzeugt mit einer geradlinigen Story, die sich bequem verfolgen lässt und sehr stark an die Jason Bourne-Filme erinnert. Mit dem Unterschied, dass Tom Cruise etwas weniger genervt an die Sache herangeht als Matt Damon. Gut, Mr. „Top Gun“ hat ja auch noch nicht so viele Sequels auf dem Buckel wie Damon, vielleicht kommt das ja noch. Momentan ist Jack Reacher noch ziemlich motiviert, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ein ziemlich perfekt ausgearbeitetes Verteidigungsprogramm, auch ganz ohne zusätzlicher Bewaffnung. Ihm zur Seite steht Ex-HIMYM-Grazie Cobie Smulders, die uns weismachen will, Major beim US-Militär zu sein. Nun, so ganz kann ich ihre Kompetenz nicht nachvollziehen, da war Demi Moore in Eine Frage der Ehre schon glaubwürdiger. Smulder´s Ausstrahlung macht es aber wieder wett, und so geraten alle beide, gemeinsam mit Reacher´s vermeintlicher Tochter, in einen Strudel aus Verfolgen und Verfolgt werden. Das zieht sich den ganzen Film hindurch, dazwischen gibt es kurze Verschnaufpausen in irgendwelchen Hotelzimmern oder im Auto. Sonst aber ist High-Speed angesagt, was dem Actionreißer durchaus zugutekommt.

Problematisch dabei ist allerdings seine inhaltliche Konventionalität. Damit meine ich weniger den Kern der Geschichte an sich. Vielmehr passiert Jack Reacher das, was – um ihn noch einmal zu zitieren – Jason Bourne oder ähnlichen weltrettenden Idealisten wiederfahren ist: Sie sind zu handlungslastig und zu schnell, um in Erinnerung zu bleiben. Sofern sie keine Atmosphäre, keine Tiefe und keine Persönlichkeiten aufbauen, unterhalten diese Filme zwar für den Moment, verschwinden aber aus dem Gedächtnis oder verschmelzen mit anderen Produktionen der gleichen Machart. Wobei, wie schon vorhin erwähnt, Jack Reacher um einen Tick mehr Stimmung erzeugt. Wahrscheinlich aufgrund der zu eigentlichen Thrillerhandlung paralell laufenden Vater-Tochter-Geschichte, die einen verletzlichen Tom Cruise zeigt. Kann sein, dass Zwick´s Sequel über den einzelgängerischen Mitlitärdetektiv etwas länger haften bleibt.

Fazit: Ein zum Glück und nicht ganz faltenfrei gebügelter Thriller klassischen Aufbaus, sehr konventionell und vorhersehbar, aber atemlos inszeniert, kurzweilig und mit einem Ensemble, das gut miteinander auskommt.

 

Jack Reacher: Kein Weg zurück

Bastille Day

ÜBER DEN DÄCHERN VON PARIS

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bastille

Idris Elba ist der neue Bruce Willis. Jener Mann, der Feinripp erst salonfähig gemacht hat, dürfte schon längst mit seinem filmischen Lebenswerk abgeschlossen haben, sieht man sich seine Filmauswahl der letzten Jahre mal genauer an – der stiernackige Brite allerdings läuft erst so richtig zur Hochform auf. Gut, einen Konkurrenten gibt es noch – das wäre Liam Neeson. Der ehemalige Oskar Schindler durfte selbst schon das eine oder andere Mal in der Stadt der Liebe ordentlich aufräumen. Man erinnere sich nur an Pierre Morel´s 96 Hours. Jetzt aber ist er dran – der Star aus The Wire und Luther sowie der Darsteller des Big Daddy Südamerikas – Nelson Mandela.

Bastille Day ist allerdings für den eindrucksvollen Schauspieler eigentlich nicht mehr als ein Routinejob – so wie der ganze Film, den man übrigens schnell wieder vergisst oder dessen Inhalt sich irgendwie mit anderen Actionfilmen amerikanisch-europäischen Couleurs vermischt. Was war da noch gleich? Ach ja, sowas Ähnliches wie ein Stirb Langsam-Szenario – daher auch mein Vergleich mit John McCLane. Bankräuber der organisiertesten Art brechen den Sturm auf die Bastille vom Zaun, um in Ruhe die Goldreserven des Frankenreiches zu plündern. Aber hallo, das ist ja wirklich ein unverblümter Abklatsch des dritten Stirb Langsam-Teils, in welchem Bösewicht Jeremy Irons (wahrlich fehlbesetzt) zu einer ähnlichen Finte gegriffen hat. Damals schon war der dritte Aufguss eines absoluten Actionklassikers – wenn nicht DES Actionklassikers schlechthin – eine ziemliche Gurke. Bastille Day gelingt die Einbettung des verbrecherischen Tarnens und Täuschens ins urbane Setting von Paris zum Glück deutlich besser. Obwohl auch Regisseur James Watkins, der sich für den Grusler Die Frau in Schwarz 2012 ziemlich ins Zeug gelegt hat, hier nicht über das Niveau eines mittelmäßigen Direct-to-DVD-Thrillers hinauskommt. Okay, Idris Elba und Games of Thrones-Thronfolger Richard Madden harmonieren ganz gut. Manche Szenen, wie die Verfolgungsjagd über den Dächern von Paris, die irgendwie an Polanskis Frantic erinnert, sorgen für spannende Kurzweil. Der schnittige Stadtkrimi konzentriert sich gleichermaßen auf Thrill wie auch auf Action und lässt es sich auch nicht nehmen, das Ganze vor dem Hintergrund realer sozialer Unruhen spielen zu lassen. Nicht umsonst bezieht sich der Titel des Filmes auf den Jahrestag der Französischen Revolution.

Somit ist der solide, aber nicht besonders feingezeichnete Reißer sogar ein bisschen wie eine unbequeme, sozialpolitische Vision. Dass aber das Volk dermaßen leicht manipulierbar wäre wie uns Regisseur Watkins hier weißmachen will, ist schon etwas sehr naiv. Fazit: Ein durchschnittliches Räuber-und-Gendarm-Spiel nach bewährten Mustern.

Bastille Day