Logan Lucky

DEN GLÜCKLICHEN GEHÖRT DAS GELD

7,5/10

 

loganlucky
© 2017 StudioCanal / Quelle: indiewire.com

 

LAND: USA 2017

REGIE: STEVEN SODERBERGH

MIT CHANNING TATUM, ADAM DRIVER, DANIEL CRAIG, RILEY KEOUGH U.A.

 

John Denver hat´s einfach drauf. Wenn ein Film schon mit den Klängen des guten alten Country-Titanen beginnt, kann er ja fast nicht schlecht sein. Und wenn dann noch dazu Country Roads blechern aus dem Autoradio scheppert und von einer blutjungen Schönheitskönigin geträllert wird, dann bleibt ja fast kein Auge trocken. West Virgina, Mountain Mama…

Steven Soderbergh´s Rückkehr auf die Leinwand spielt tatsächlich in West Virginia. Seine Familie Logan, die er hier liebevoll ins Rennen um gebunkerte Millionen schickt, ist anfangs mal so was von überhaupt nicht glücklich. Ein Fluch liegt auf dieser Familie. Vom Pech verfolgt, hat der eine Bruder bei einem Militäreinsatz im Irak seinen linken Unterarm verloren, der andere wird aufgrund von Kniebeschwerden fristlos entlassen. Und die Schwester – die macht als Friseuse älteren und jüngeren Damen die Haare schick. Was sie noch dazu alle nicht haben, ist natürlich der schnöde Mammon. Und wie es der Zufall so will, macht Gelegenheit Diebe.

Logan Lucky ist ein waschechter Soderbergh. Seine Dramaturgie, die Art seiner Szenenfolgen, die Kamera. Vor allem die Diskrepanz zwischen einem Regisseur, der weiß was passieren wird und einem Publikum, dass die Dinge erst viel später kombiniert, als ihm lieb ist. Das hatten wir schon bei Ocean´s 11 so. Und das ist hier nicht anders. Nur seine Figuren – die sind diesmal wirklich schräger. Und liebevoller. Was sich so anfühlt wie eine Mischung aus Little Miss Sunshine und einem Heist-Movie, das aus der Feder der Coen-Brüder hätte stammen können, ist wahrlich ein schelmischer Leckerbissen mit ganz viel Understatement. Und vielen kleinen Seitenhieben auf Moral, Mittelstand und Game of Thrones. Was sich die Jungs und Mädels hier einfallen haben lassen, um an das große Geld zu kommen, und auf welche Art und Weise der Knacki Daniel Craig alias Joe Bang hier genötigt wird, mitzuwirken, ist Gaunerkino der wortgewandten, situationskomischen Art. Wobei vor allem Daniel Craig mit sichtlicher Spielfreude wohl eine seiner besten Performances liefert. Mit wasserstoffblondem Bürstenschnitt und ein Faible für Chemie darf er in tiefer Dankbarkeit seine Lizenz zum Töten in die Schublade räumen und mal so richtig ungeniert aufspielen. Dass der Mann mehr kann als nur geschüttelten Martini schlürfen, lässt sich spätestens in Logan Lucky beweisen. Sein auftritt amüsiert, und auch „Kylo Ren“ Adam Driver als etwas einsilbiger Barkeeper hat nicht weniger skurrile Momente.

Ocean´s 11 ist was für die Großen und Reichen. Logan Lucky für den Underdog in uns. Zwar wird der Film erst in der zweiten Spielzeit so richtig gut, nachdem er einige entbehrliche und für die Handlung nicht wirklich notwendigen Szenen hinter sich gelassen hat, doch im Ganzen betrachtet ist der unverwechselbare Cineast Soderbergh erfolgreich zurück im Leinwandbusiness.

Logan Lucky

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