Meine Cousine Rachel

BACK TO BLACK

6/10

 

rachel© 2017 20th Century Fox / Quelle: empireonline.com

 

LAND: GROSSBRITANNIEN, USA 2017

REGIE: ROGER MICHELL

MIT RACHEL WEISZ, SAM CLAFLIN, IAN GLEN U. A.

 

Irgendwann in den Neunziger Jahren hatte ich das Vergnügen, im Vienna´s English Theatre einer Bühnenadaption von Daphne Du Maurier´s Suspense-Klassiker My Cousin Rachel beizuwohnen. In gesittetem, verständlichem Englisch, vor uninspirierten, aber authentischen viktorianischen Kulissen. Natürlich habe ich nichts davon mehr in Erinnerung, nur dass ich relativ viel verstanden habe. Zumindest das Ende der Geschichte. Das kam mir dann wieder in den Sinn, als ich Roger Michell´s brandneue Verfilmung des 1951 entstandenen Romans zu sehen bekam. Du Maurier´s urbritische Landhaus-Mystery ist Inspirationsquelle und Vorbild für Regiemeister wie Alfred Hitchcock oder Robert Siodmak. Ihre nie ganz klar definierte Grenze zwischen Schein und Sein, Verdacht und Vertrauen erzeugt eine düstere Aura der Unbehaglichkeit und der auf Samtpfoten daherkommenden Paranoia hinter flackerndem Kerzenlicht.

Meine Cousine Rachel ist nicht nur ein leiser Thriller. Es finden sich Elemente aus dem Subgenre des Gothic-Grusels. Und überhaupt setzt der Notting Hill-Regisseur betont auf Ausstattung. Das Interieur des herrschaftlichen Sitzes in all seinen Details badet im natürlichen Licht der Jahreszeiten, das von außen durch die hohen Fenster bricht. Das wechselhafte Wetter betont die Dramatik, und nicht zuletzt der modische Trauerflor, welcher Namensvetterin Rachel Weisz stets umhüllt, lässt die Frau in Schwarz einerseits bedrohlich, andererseits verletzlich wirken. Gleichzeitig trauernd und sehnsüchtig, andererseits berechnend und abweisend. Rachel Weisz taucht ein in die irrlichternde Grauzone eines literarischen Charakters und führt den eben erst volljährig gewordenen Philipp scheinbar mit Leichtigkeit an der Nase herum. Durch ihr nuanciertes Spiel lässt sie sich kein einziges Mal in die Karten sehen und lässt nicht nur ihren Verehrer vor all diesen widersprüchlichen, nonverbalen oder missverständlich ausgesprochenen Botschaften schier verzweifeln.

Bis allerdings die erste Tasse Tee gereicht wird – und Kenner der Vorlage wissen, was es damit auf sich hat – braucht das Liebes- und Heucheldrama zuerst mal ganz viel Anlauf, um in die Gänge zu kommen. Erst mit dem zu lang erwarteten Auftritt der mysteriösen Schönen in Schwarz kommt es zu einigen knisternden Momenten und die Gedanken des Zusehers bleiben beim Film. Michell´s Rachel hat Ausstrahlung, enorme Ausstrahlung. Niemals vulgär, immer bedacht und von einer versteckten Erotik, die manipulativ wirkt. Oder ist das nur die Sicht des armen Philipp?

War sie es oder war sie es nicht? Wer Rachel wirklich war, werden wir nie erfahren. Sam Claflin, der hier überzeugend agiert, legt seiner großen Liebe fast schon ein Königreich zu Füßen – und wird seine Zweifel an diesem einen Herbst der Leidenschaft, die Leiden schafft, selbst mit ins Grab nehmen müssen.

Meine Cousine Rachel

Ein Gedanke zu “Meine Cousine Rachel

  1. […] Zugegeben, Der seidene Faden ist ein Film, der es anfangs nicht unbedingt leicht macht, ins Geschehen einzutauchen. Die Welt des Reynolds Woodcock ist eine weit entfernte, mit der wohl nur Karl Lagerfeld und Co sofort auf Du und Du wären. Wohin das ganze führen soll, weiß der Zuseher wohl erst, wenn die junge Alma in der häuslichen, starren Geschwisterbeziehung zwischen Reynolds und seiner Schwester Cyril (großartig distinguiert: Lesley Manville) Unruhe hineinbringt. Und dann ist bald schon klar, woran wir hier sind. Der seidene Faden ist so fein gesponnen wie die reinste Seide, und erinnert an seiner hauchzarten, eleganten Düsternis an die Romane von Daphne DuMaurier. Ihre Suspense-Dramen spielen ebenso wie der Seidene Faden mit Etikette, Gesellschaft und einer unheilvollen Liebe. Mit Geheimnissen und Stimmungen, die wie Nebel durch die Räumlichkeiten der Schneiderwerkstatt dringen. Ein Gefühl von Todessehnsucht macht sich breit, das bemerkt auch Reynolds Woodcock. Doch Alma, die ihn fasziniert und zugleich verstört, und für den Schnittmeister und Modeschöpfer wie eine Alma Mahler-Werfel Leidenschaften entfacht und bis an die Grenzen gehen lässt, ist wie ein Geist, den man gerufen hat und nicht mehr loswird. Oder loswerden will. Wie Rebecca. Oder Cousine Rachel. […]

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