Die Croods

ICE AGE WAR GESTERN

8/10

 

croods@ 2013 Dreamworks / Quelle: indiwire.com

 

LAND: USA 2013

REGIE: Chris Sanders, Kirk De Micco

MIT DEN STIMMEN VON Nicolas Cage, Ryan Reynolds, Emma Stone (original) U. A.

 

Von wegen früher war alles besser. Gar nicht wahr. Die humanoiden Wesen der präzivilisatorischen Frühgeschichte hatten überhaupt nichts zu lachen. Das Leben war hart, es gab anfangs nicht mal Feuer, und geschlafen wurde auf Stein in Höhlen, die nur bedingt vor gefräßigen Räubern bewacht wurden. Das Leben der Steinzeit, das war kein Honiglecken. Sondern ein permanentes Zittern. Und auch im Familienverband wurde es nicht besser, ganz im Gegenteil. Da hatte Mann auch noch Verantwortung zu übernehmen für den neugierigen Nachwuchs, der jeden Sonnenuntergang die letzten Strahlen der Sonne einfangen will. So eine Familie sind Die Croods. Eine fünfköpfige, stets hungrige Familie inklusive Oma, die die Nacht im Schlafhaufen verbringt und für das Frühstück noch schnell einem Elefantenvögel das Nest ausräumen muss, um satt zu werden. Gar nicht leicht. Nein. Wenn da nicht plötzlich ein Jüngling Marke Homo sapiens auftauchen würde, der die Familie Croods ins gelobte Land führen will – jenseits vulkanischen Sperrgebiets. Denn die Tektonik feiert fröhliche Urständ und ruckelt und zuckelt, was das Zeug hält. Eruptionen und Pyroklastische Ströme inklusive. Die muss keiner von den Croods live erleben.

Was folgt, kennen wir aus Ice Age. Ein Roadmovie ohne fahrbaren Untersatz, quer durchs Gelände. Aber obwohl uns die Geschichte in Ansätzen bekannt vorkommt, ist sie in Chris Sander´s Animationskomödie unvergleichlich besser erzählt. Die Steinzeit von Dreamworks Pictures ist eine fabelhafte, bunte Welt, die sich aber so was von überhaupt nichts auf prähistorische Authentizität gibt. Die Steinzeit des Cartoon-Kinos, die ist so zauberhaft, surreal und abgehoben, als hätte Kinderbuchautor Erwin Moser, leider erst kürzlich verstorben, einen Schwank aus der Frühzeit des Menschen erzählt. Auch bei Erwin Moser ist die Welt, die er beschreibt, bei Weitem nicht die unsere, sondern eine phantastische Verschmelzung aus Erdachtem und Bekanntem. Was in der Welt der Croods so kreucht, fleucht und den Boden erzittern lässt, sprüht vor Einfallsreichtum und ist obendrein noch unglaublich schön anzusehen. Inmitten dieses kreativen Szenarios frei nach naturhistorischen Fakten stolpert und bricht die eigenwillige Familie durchs Unterholz. Die Flintstones wären nicht so weit gekommen, trotz fahrbaren Untersatzes. Auch bei Fred Feuerstein und Co spielt Geschichtsbezug keine Rolle. Da leben Dinos mit Menschen unter einem Dach. Dinos gibt’s bei den Croods aber nicht. Das geht dort noch besser. Über Land schreitende Wale, Piranhavögel und bunt befellte Säbelzahntiger.

Schnappschüsse vor Erfindung der Fotografie? Klar geht das. Wer nach all dem märchenhaften Zoobesuch langsam müde wird, darf sich an einer für Animationsfilme ungewohnt niveauvollen wie selbstironischen Situationskomik erfreuen. An überraschend gelungenen Slapstick, der brüllen lässt vor Lachen. Und auch skeptische Familienfilm-Muffel vom Zwerchfell-Bann befreit. Ice Age war gestern, und obwohl The Croods bereits schon vier Jahre auf dem Buckel haben, lässt die zwar inhaltlich nicht sehr originelle, aber in den Details wunderbar erdachte andere Familien-Comedy Scrat, Sid und Co etwas alt aussehen. Und ja, den kuschelweichen, bunten Tiger würde ich lieber kraulen als Diego.

Die Croods

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