Minions: Auf der Suche nach dem Mini-Boss

KUNG FU-KROKETTEN MIT HUNDESEELE

6,5/10


minions2© 2022 Universal Pictures Entertainment Germany


LAND / JAHR: USA, FRANKREICH, JAPAN 2022

REGIE: KYLE BALDA, BRAD ABLESON, JONATHAN DEL VAL

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): STEVE CARRELL, PIERRE COFFIN, ALAN ARKIN, TARAJI P. HENSON, JEAN-CLAUDE VAN DAMME, MICHELLE YEOH, DOLPH LUNDGREN, LUCY LAWLESS, DANNY TREJO, RZA, JULIE ANDREWS, RUSSEL BRAND U. A. 

MIT DEN STIMMEN VON (DEUTSCHE SYNCHRO): OLIVER ROHRBECK, THOMAS GOTTSCHALK, DELA DABULAMANZI, BASTIAN BAKER, LARISSA MAROLT, MEYLAN CHAO, TILO SCHMITZ U. A.

LÄNGE: 1 STD 28 MIN


Dieser Gru ist wirklich ein komischer Kauz. Spitznasig, staksig, immer mit Schal, seltsamem Akzent und was vor allem auffällt: mit einer Stimme, die nicht die eines Kindes ist. Dabei ist Gru gerade mal elfeinhalb Jahre alt – und besessen davon, ein Oberschurke zu werden. Dass er in diesem präpubertären Alter sich selbst bereits als unverbesserlich bezeichnet, ist ja fast schon weise Selbstreflexion. Doch es ist nun mal so: Gru ist ein Einzelgänger, hat weder Freunde noch eine Mutter, die sich sonderlich um ihn schert. Was macht so jemand? Er legt sich einen Hund zu. Stimmt, den hat er auch. Was aber jede treue Hundeseele in den Schatten stellt, das ist die Anhänglichkeit der gelben runden TicTacs mit Brille, blauen Latzhosen und internationalem Wortschatz irgendwo zwischen Spanisch, Italienisch und je nachdem, welche Synchronspur gerade mal über dem Film liegt. Diese Helferleins haben eine Vorliebe für Bananen, Musik und würden mit allem, was ein Baumarkt so hergibt, etwas anfangen können. Am Ende der Origin-Episode über die Herkunft der Minions konnten wir dem Einstand des kleinen Gru beiwohnen, der wiederum die Aufmerksamkeit der gelben Kerle auf sich zog – und diese nun an der Backe hat. Fehler ist das keiner – die Minions machen alles, was man ihnen sagt. Sie sind hilfsbereit und kreativ, vergessen aber auch nicht ihre eigenen Bedürfnisse und lassen sich überdies sehr leicht ablenken.

Da passiert es, dass Gru eines Tages von den fiesen 6 – einer Siebziger-Räuberbande als Hommage an das Exploitation-Kino besagter Dekade – plötzlich zum Casting für ihren neuen Boss eingeladen wird, denn vom alten, auch bekannt als der Wilde Knöchelknacker, wurde die Gang ganz plötzlich überdrüssig. Natürlich reißt so ein juveniler Sonderling kein Leiberl bei Disco Donna, Jean Klaue, Skandinator und Co. Doch bevor sich dieser wieder verabschieden muss, lässt er ein wertvolles Amulett mitgehen – eine Aktion, welche die Superschurken so ziemlich erzürnt. Und da ist noch der geschasste Oberfiesling, ebenfalls gierig nach dem Amulett. Darüber hinaus muss dieser seiner verräterischen Meute noch gehörig die Leviten lesen. Zwischen all diesem hitzigen Crossover aus Superschurken, die einander so manches antun und wegnehmen wollen, irren die Minions Kevin, Stuart, Bob und Otto in diversen Outfits umher, um das Amulett zu beschützen und auch ihren geliebten Mini-Boss wiederzufinden. Eine Mission: Impossible für jeden anderen vielleicht. Für Improvisationstalente, wie diese vier Kroketten es sind, zwar nicht unbedingt ein leichtes, aber ein Abenteuer, dass den unbeirrbaren Willen dieser Wesen erneut mit herzhaft angerichtetem Slapstick feiert.

Dabei sind die besten Szenen tatsächlich schon im Trailer zu sehen. Wer das nicht getan hat, wird den Willkommensbonus haben, wenn die Minions ein Flugzeug steuern. Richtig detailfreudig und liebevoll auch deren Genese zu fernöstlichen Haudraufs, die das Tier in sich entdecken. Die skurrile Situationskomik, mit der die Minions einfach allein schon durch ihre schlichte Anwesenheit, durch ihre Mimik und ihre heliuminhalierten Stimmchen punkten, ist immer wieder ein Gaudium. Und gerade in den kleinen Nebenszenen über die Tücken des Alltags erreichen die Kultfiguren ihre Höchstform. Da lässt das generische, aber formschön und exquisit animierte Getöse aus grotesken Vehikeln und phantastischem Kreaturenzauber den Minions kaum Luft, sich zu entfalten. Doch anders als beim Vorgänger ist die Story in Minions: Auf der Suche nach dem Mini-Boss über Schurken und solche, die es wieder oder erstmalig werden wollen, tatsächlich überschaubar und straff konstruiert. Gerade die Figur des Wilden Knöchelknackers, stimmlich vertreten durch Thomas Gottschalk (was ihn auch noch einen Tick sympathischer macht) ist neben Gru die am besten entworfene im ganzen Universum von Illumination, und die Kooperation der beiden wird zur gemütlichen Komödie über Vater- und Sohnfiguren. Und irgendwann weiß man nicht mehr: Ist es ein Prequel zu Ich: Einfach unverbesserlich oder das Sequel zu den Minions?

Der Titel macht uns sicher. Die gelben Engel sind aus der Popkultur einfach nicht mehr wegzudenken und werden trotz mancher Abenteuer, die ihnen über den Kopf wachsen und sie fast an den Rand drängen, noch lange nicht von der Kinoleinwand purzeln.

Minions: Auf der Suche nach dem Mini-Boss

Die Addams Family 2

THANK GOD IT’S WEDNESDAY

4/10


addamsfamily2© 2021 Universal Pictures Entertainment


LAND / JAHR: USA, KANADA 2021

REGIE: CREG TIERNAN & CONRAD VERNON

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): OSCAR ISAAC, CHARLIZE THERON, CHLOË GRACE MORETZ, JAVON WALTON, BETTE MIDLER, NICK KROLL, WALLACE SHAWN U. A.

MIT DEN STIMMEN VON (SYNCHRO): ALEXANDER DOERING, KATHRIN FRÖHLICH, LUISA WIETZOREK, MICHAEL IWANNEK, TOMMY MORGENSTERN U. A.

LÄNGE: 1 STD 33 MIN


Christoph Grissemann würde sagen: Die Sitcom für die ganze kaputte Familie. Und ja, in so abseitiger Manier lassen sich kaum drei Generationen, die tatsächlich von sich behaupten, eine Familie zu sein, unter einem Dach vereinen. Wobei: kaputt prinzipiell ja nichts Schlechtes sein muss – kommt ganz drauf an, wie man damit umgeht. Und wie sehr man seinen und den psychischen Schaden der anderen Mitbewohner toleriert. Diese Toleranz kann sich direkt zum Respekt mausern – und so nehmen die Addams jeden ihrer Mitglieder so, wie er ist, wundern sich über nichts mehr und begrüßen es auch entsprechend, wenn sich niemand mehr über sie selbst wundert. Der Cartoon-Zeichner Charles Addams hatte damals in den 30ern des 20. Jahrhunderts damit begonnen, die womöglich autobiographisch gefärbte Gothic-Version seiner eigenen Sippschaft zu illustrieren und diese Abenteuer erleben zu lassen, die vorrangig damit zu tun haben, bigottes Spießbürgertum zu echauffieren.

Was sich Addams da einfallen hat lassen, ist längst Kult. Eine Retro-Sitcom in Schwarzweiß und zwei recht gelungene Kino-Ausflüge haben Mortícia, Onkel Fester oder Butler Lurch längst die verdiente Ehre erwiesen, und sehr bald wird Tim Burton das tun, was er schon längst hätte tun sollen: nämlich die ganze kaputte Familie endlich selbst zu inszenieren. Mit Dark Shadows ist ihm so etwas Ähnliches gelungen, doch den morbid-schrulligen Charme hatte der Film nicht. Sein Hauptaugenmerk wird auf den eigentlichen Star der ganzen Bande liegen – auf Wednesday – seinerzeit genial verkörpert von Christina Ricci. Diesmal wird, wie man bereits im Teaser sehen kann, Jenna Ortega (X) die pechschwarzen Zöpfe schwingen.

Vergessen darf man aber auch nicht, dass selbst im Genre des Animationsfilms die Antithese der braven, bürgerlichen Familie sein Understatement such schon abgegeben hat. Nur dort scheint das Konzept nicht so recht aufgehen zu wollen. Zumindest nicht so wie zum Beispiel beim Personal des Hotels Transsilvanien. Vielleicht, weil letzteres keine anders gearteten Vorbilder hat und auch nicht auf eine solche Menge an Fernsehauftritten im Live-Act zurückblicken kann. Nicht jedes Konzept funktioniert in jedem Medium auch nicht immer gleich gut. Jenes der Addams Family zum Beispiel tut das nicht. In Schauspielern aus Fleisch und Blut scheint die Idee der pragmatisch veranlagten Spukhausbewohner mit Hang zu morbiden Experimenten ihre Erfüllung zu finden – im animierten Stil verliert sich der Charme nicht nur aufgrund des gemüseförmigen Zeichenstils der Figuren, die an jene der Originalcartoons angelehnt sind (was sie nicht besser macht), sondern ergeht sich zu gern in generischem Klamauk, den die Transsilvanier bereits für sich und besser beansprucht haben.

Das Problem dabei: Die Einzige, die noch ansatzweise ihrem ursprünglichen Charakter entspricht, ist Wednesday. Auf Wednesday lässt sich jeglicher Plot aufbauen, sie ist das Zugpferd der ganzen kleinen Franchise – egal, was man hier dazugibt. Diesmal scheint der sadistische Sprössling gar nicht mal zur Familie zu gehören. Der Verdacht, dass Wednesday bei der Geburt vertauscht wurde, macht sich breit. Entsprechend separatistisch führt sich das Mädel auf, und die Familie tut alles, was sie kann, um ihr Töchterchen wieder zurückzubekommen. Im Grunde eine Abwandlung des ähnlichen Themas mit Onkel Fester, was wir bereits hatten. Nur täuschen der routinierte Slapstick und die viel zu gehetzte Action über einen Mangel an Ideen hinweg, angesichts diesen sich die Addams selbst wohl akut gelangweilt fühlen würden. Denn nichts verachten sie mehr als das Gewöhnliche.

Die Addams Family 2

Hotel Transsilvanien 4 – Eine Monster Verwandlung

WENN DRACULA INS SCHWITZEN KOMMT

7/10


hoteltranssilvanien4© 2021 CTMG, Inc. All Rights Reserved. 


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: DEREK DRYMON, JENNIFER KLUSKA

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): BRIAN HULL, KATHRYN HAHN, ANDY SAMBERG, SELENA GOMEZ, STEVE BUSCEMI, DAVID SPADE, FRAN DRESCHER U. A.

MIT DEN STIMMEN VON (DEUTSCH): RICK KAVANIAN, ANKE ENGELKE U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN


Wer das Hotel Transsilvanien schon mal besucht hat, weiß, dass die gemächliche Verschrobenheit einer Addams Family oder jener der Munsters in ganz anderen Welten zu finden ist. Hier, im knallbunten Monsterverse der Sony Pictures, exponieren sich Vampire, Mumien und Co wie auf einem Schaulaufen vor VIP-trächtigen Festivals. Das Umsichkreisen sämtlicher Kreaturen aus Horror, Grusel und Fantasy findet in diesen stattlichen Gemäuern seine knallbunte Erfüllung. Manch einer übertreibt dann etwas mit seiner Selbstmotivation, auf jedem Stelldichein seinen Senf dazugeben zu müssen – allen voran Hotelbesitzer Dracula, kurz Draco, der langsam darüber nachdenkt, in Rente zu gehen. Wie denn? Ein Vampir altert doch nicht. Oder doch? Hier scheint alles möglich, und in gewohnter Manier dehnt und verrenkt sich Draculas Cartoon-Körper in eckigem Stakkato zu allen möglichen Fettnäpfchen, in die er tritt. Schwiegersohn in spe, Bürschchen Johnny, ist da noch mehr auf Speed. Wer das aushält, kann darüber hinwegsehen, doch bei so vielen Energydrinks, die der Bursche da intus haben muss, hat man das Gefühl, langsam selbst einem Zuckerschock zu erliegen.

Die beiden ungleichen Helden dieses schreiend komischen Sequels führen dann auch ungeniert das knuffige Abenteuer an, welches sie quer durch den südamerikanischen Regenwald führt. Doch wie kommt’s dazu? Ganz einfach. Wie schon erwähnt – Papa Draco will den Hotelschlüssel an Töchterchen Mavis übergeben, allerdings nicht ihrem Freund, diesem Knallkopp. Um dem Dilemma zu entgehen, erfindet der Graf die Lüge, dass nur Monster Monster beerben können. Der Rotschopf ist verzweifelt und wendet sich an den Steampunk-Opa Van Helsing, den Daniel Düsentrieb des Hauses, der natürlich ein Instrument auf Lager hat, welches Monstern zu Menschen macht. Klar geht das auch umgekehrt. Jonathan ist plötzlich ein Drache, und Dracula ein Biedermann mittleren Alters mit schütterem Haar. Alles rückgängig zu machen geht auch nicht, denn das Artefakt geht kaputt, und so müssen die beiden einen Ersatz finden. Und der liegt im Dschungel.

Und genau da bündelt der launige Animationsstreifen auch all seine Stärken: Wie der temporäre Ex-Vampir unter dem Menschsein leidet, wie er sich durch die Tropen quält und dabei der Endlichkeit des Lebens auf den Zahn fühlt. Wie er in rumänischem Akzent zetert und jammert, begraben unter einem Berg von Rucksack – das ist Situationskomik vom Feinsten. Für mich zumindest zum Brüllen. Egal, wie gut, originell oder dicht der Plot auch sein mag. Egal, wie vorhersehbar – was zählt, ist in Filmen wie diesen der Humor des Moments. Komödie ist kein leicht zu meisterndes Genre. Lacher zu entlocken noch weniger einfach. Umso erstaunlicher, dass Hotel Transsilvanien 4 – Eine Monster Verwandlung seinen zwerchfellkitzelnden Charakterschmäh aus einem angenehm unverkrampften Witzepool lukriert.

Hotel Transsilvanien 4 – Eine Monster Verwandlung

Tom & Jerry

TIERE IM HOTEL

4,5/10


tomundjerry© 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: TIM STORY

CAST: CHLOË GRACE MORETZ, MICHAEL PEÑA, COLIN JOST, ROB DELANEY, PALLAVI SHARDA, KEN JEONG U. A. 

LÄNGE: 1 STD 41 MIN


Wer hätte das gedacht: das streitlustige Kultduo, das weder ohneeinander noch miteinander kann, konnte sage und schreibe siebenmal den Oscar für den besten Kurzfilm abräumen. Dazu zählen legendäre Klassiker wie jener, in welchem Tom ein nicht ganz unproblematisches Klavierkonzert gibt. Eine Sternstunde der animierten Slapstickkunst. Mit Tom & Jerry ist man aufgewachsen – hierzulande im deutschsprachigen Raum verbindet man die beiden natürlich mit Udo Jürgens‘ Hit Vielen Dank für die Blumen. Tom & Jerry ist Fernsehkindheit der vergnüglichsten Sorte, und jedes Mal, wenn Tom am Ende das Buch zerreißt, hieß es schmerzlich Abschied nehmen. Man hätte den beiden stunden-, wenn nicht gar tagelang zusehen können. Vor allem auch deshalb, weil, egal wie sehr Tom Jerry und Jerry Tom auch eines ausgewischt hat – gerade aufgrund dieser bizarren Formen blutloser Gewalt, von denen beide niemals langfristigen Schaden nahmen, konnte die Martial Art urbaner Haustiere solche humoristischen Qualitäten erreichen.

Und es braucht auch sonst nichts, wenn man Tom & Jerry sehen will. Schon gar keine Menschen. Na gut, ab und an schiebt sich die matronenhafte Hausherrin ins Bild, maximal bis zum gerüschten Unterrock. Denn das ist die Welt der beiden Buddys – so wie die Welt der Peanuts keine Erwachsenen braucht, die sowieso nur Kauderwelsch reden. Tom & Jerry wiederum sprechen kein Wort – das verleiht ihnen den Charakter eines Charlie Chaplin oder Buster Keaton, Legenden aus der Stummfilmära. Dadurch wird ihr Treiben universell und ihre Akrobatik angenehm unkommentiert.

Aufgrund dieser Faktoren ist es schwierig, Tom & Jerry in den Kontext eines abendfüllenden Spielfilms zu zwängen und den beiden mehr als nur den gegenwärtigen Moment zu bescheren. Gut, man hat es probiert. Und mit Chloë Grace Moretz auch den menschelnden Sidekick gefunden. Die junge Dame gibt eine charmante Betrügerin, die es schafft, in einem der renommiertesten Hotels in New York unterzukommen – mit dem Lebenslauf einer anderen, viel kompetenteren Person. Ihre Aufgabe: für den reibungslosen Ablauf einer Influencer-Hochzeit zu sorgen, die alle Stückchen spielen soll. Problem dabei: Mäuserich Jerry macht es sich in den Gemäuern der edlen Immobilie gemütlich. Und Kater Tom, der in Chloë Grace Moretz‘ Dienste gestellt wird, soll seinen Erzfeind gefälligst vertreiben, denn ein Mausproblem kann man hier gar nicht brauchen.

In Sachen Plot war’s das auch schon. Ach ja, Michael Peña gibt hier noch den relativ herablassenden Eventmanager. Nettes Detail am Rande: alle Tiere, die hier auftreten, sind animiert. Doch das macht keinen Unterschied mehr: Tom & Jerry von Tim Story (The Fantastic Four, Shaft (2019)) ist ein stellenweise recht überzeichneter und wenig eleganter Familienfilm, der die gewohnten und von uns so heiß geliebten Querelen der beiden Hassliebenden in eine ungemein generische und wenig originelle Story bettet. Muss das sein? Nein, muss es nicht – letzten Enden harrt das Publikum während halbgarer Textpassagen nur geduldig dem  nächsten tierischen Schlagabtausch entgegen. Gerade anfangs lässt sich Story viel zu viel Zeit und plant auch viel zu lange Sequenzen ohne jeglichen animierten Unfug mit ein.

Tom & Jerry (nicht der Film, sondern alles andere) ist etwas für Puristen – wenn man Tom & Jerry sieht, braucht man keinen Überbau, keine vorhersehbaren Geschichten mit Menschen, deren Präsenz nicht wirklich erwünscht ist. Tom & Jerry genügt sich selbst. Das wiederum war Warner Bros. nicht genug. Resümee des ganzen: Die zeitlosen Fünfminüter der beiden Fellchaoten sind und bleiben das einzig Wahre.

Tom & Jerry

Die Croods – Alles auf Anfang

STEINZEIT AUF LSD

8/10


thecroods2© 2020 Universal Pictures International Germany


LAND / JAHR: USA 2020

REGIE: JOEL CRAWFORD

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): NICHOLAS CAGE, RYAN REYNOLDS, EMMA STONE, CATHERINE KEENER, CLORIS LEACHMAN, CLARK DUKE, LESLIE MANN, PETER DINKLAGE U. A.

LÄNGE: 1 STD 36 MIN


Kennt man ihn nicht schon aus der eigenen Kindheit, so kennt man ihn aus der Vorlesestunde mit dem Nachwuchs. Kaum eine solche gestaltet sich dabei schöner als mit den bebilderten Werken des Österreichers Erwin Moser, seines Zeichens Autor und Zeichner mit Hang zu einem ganz eigenen, phantastischen Realismus, der sich gerade für Kinder enorm zugänglich gibt, und das nicht nur aufgrund seiner entschleunigten, entspannten Erzählweise, sondern auch und vor allem aufgrund seiner obskuren Tierwelt, die auf den ersten Blick als Teil einer uns bekannten Fauna scheint, auf den zweiten Blick aber einer surrealen Physis frönt. Es ist, als hätten sich die Macher von Die Croods an genau diesem Herrn orientiert. Für wahrscheinlich halte ich das zwar nicht, aber egal – die Assoziation ist da. Und umso mehr kann ich mit dem irren Bestiarium in der Welt der Croods was anfangen. Das war schon beim Erstling der Fall, wo Landwale, bunte Säbelzahntiger und kreischende Vogelbäume eine Steinzeit bevölkern, die fast so scheint, als sähe sie jemand, der reichlich komisches Zeug intus hat.

Selten passiert es, dass ein Sequel die selben Qualitäten entwickelt, sich dabei aber auch nicht selbst kopiert. Ab und an kommt das vor. Wie eben in Die Croods – Alles auf Anfang. Und es ist vielleicht ganz gut, hierbei auch den Vorgänger zu kennen, da Teil 2 unmittelbar nach den Geschehnissen aus 2013 anschließt. Papa Grug ist also mit seiner fünfköpfigen Sippschaft und dem nonkonformen Neuzugang, Jungspund Guy, durchs Land unterwegs, um ein neues und vor allem sicheres Zuhause zu finden. Töchterchen Eep schmiedet allerdings mit Herzblatt Guy ganz andere Pläne, nämlich, die Sippe zu verlassen, um irgendwo neu anzufangen. Bevor es aber so weit kommt, stoßen unsere prähistorischen Helden auf eine paradiesische, mit Palisaden geschützte Enklave, in der eine ganz andere Familie wohnt – nämlich jene der Bessermanns. Ich möchte fast sagen: neureiche, trendige Bobos mit reichlich Essbarem im Vorgarten und einem Baumhaus, dass inklusive Lift und Fernseh-Fenster alle Stückchen spielt. Da bleibt den Croods der Mund offen stehen. Umso mehr, da Guy plötzlich als einer der ihren erkannt wird. Doch sei’s drum, die Croods machen sich in ihrer neuen Welt mehr ungefragt als gefragt breit, was den Bessermanns gar nicht gefällt. Es lässt sich erahnen, dass es da bald zum Nachbarschaftsstreit kommt, und das ganz ohne Volksanwalt.

Was sich die Drehbuchautoren Dan und Kevin Hageman (u.a. Trolljäger, Scary Stories to Tell in the Dark) für diese knallbunte Fortsetzung an Details alles haben einfallen lassen, geht auf keine gegerbte Mammuthaut. Sich sowas auszudenken, muss Riesenspaß gemacht haben. Und Riesenspaß, auch all das zu entwerfen und am Computer umzusetzen. Jedes noch so verrückte Tierchen scheint mit Lust und Laune geformt worden zu sein, von den geflochtenen Flipflops bis zum Angora-Mammut ist The Croods – Alles auf Anfang ein einziges Kuriosum. Hätte ja sein können, dass Regisseur Joel Crawford von all seinem Farbzirkus zu sehr abgelenkt worden wäre, doch die Familienkomödie, die ja fast schon den Kult um die Flintstones an Ideenreichtum in den Schatten stellt, hat sehr wohl was zu erzählen, hat sehr wohl auch seine Figuren in ihrer charakterlichen Weiterentwicklung zu betreuen und natürlich auch sehr viele Pointen unterzubringen. Alles zusammen passt wie der Funke zum Feuerstein. Darüber hinaus ist der Film ein einziger Schenkelklopfer, der mit einer komischen Situation nach der anderen zum lauten Lachen reizt. Absolutes Highlight: die versteckten Qualitäten von Oma Crood.

Betrachtet man die Konkurrenz mit Pixar, gibt es sehr wohl etwas, das DreamWorks neben seinem deutlich schrillerem Grundtonus dann doch noch besser gelingt: der oftmals treffsichere, nicht unbedingt geistreiche, aber reuelos plakative Witz, über den man sich gut und gerne amüsiert und der es auch nach dem Abenteuer wie auch immer gearteten Spaßbremsern schwer macht, die Laune zu verderben.

Die Croods – Alles auf Anfang

Kings of Hollywood

VERSICHERN BERUHIGT

5,5/10


kingsofhollywood© 2021 Telepool


LAND / JAHR: USA 2020

REGIE: GEORGE GALLO

CAST: ROBERT DE NIRO, TOMMY LEE JONES, ZACH BRAFF, MORGAN FREEMAN, EMILE HIRSCH, SHERYL LEE RALPH U. A. 

LÄNGE: 1 STD 44 MIN


Es bleibt ein mit wissendem Lächeln begleitetes Kavaliersdelikt, wenn die Abzocke gelingt. Aber wehe, jemand anderer riecht den Braten. Vielleicht gar jene, die den Betrug finanzieren müssen. Schlimmer noch: es könnte sogar jener sein, dessen Schaden das große Geld erst locker macht. Udo Proksch könnte in Sachen Lucona, würde er noch leben, immer noch sein Liedchen dazu trällern. In vorliegendem Fall aber will ein windiger Produzent, der mit seinen Grindhouse-Trashfilmen a la Machete maximal für Skandale, aber nicht für den großen Profit sorgt, einen lukrativen Plan B in die Tat umsetzen. Wenn schon das Abgedrehte unter aller Sau ist, könnte vielleicht das Scheitern eines solchen während der Dreharbeiten den schnöden Mammon barmherzig stimmen. Es müsste schließlich nur der hochversicherte Hauptdarsteller bei einem selbst ausgeführten Stunt ins Gras beißen – schon fließen die Millionen. Wie lässt sich das am besten bewerkstelligen? Ein x-beliebiges Drehbuch muss her – ein in der Rundablage oben aufliegender B-Western scheint geeignet. Dazu einen abgehalfterten Star aus dem vorigen Jahrhundert. Wie wär‘s mit dem John Wayne-Verschnitt Duke Montana? Ein Name, der so nach Halstuch und Stetson klingt, nach schwingendem Lasso und wettergegerbtem Gewicht. Das ideale Mittel zum Zweck. Das Dumme an der Sache: Neffe Walter, Co-CEO der schwindeligen Firma, ahnt von dem ganzen Übel nichts. Wer sich stattdessen aber vom Tod des Altstars einiges verspricht, ist Gangsterboss Morgen Freeman. Der will sein investiertes Geld refundiert wissen – und setzt aufs hoffentlich richtige Pferd.

Die Idee für eine Komödie dieser Art birgt jede Mange Slapstick, schwarzen Humor und zum Ablachen treffsichere Situationskomik. Dabei ist der Plot nicht neu. Die Kings of Hollywood (Im Original viel treffender: The Comeback Trail) gabs schon 1982, nur verschwand der Film sang- und klanglos in der Rumpelkammer. Dabei hatte in der Inszenierung von Hay Hurwitz sogar Hugh Hefner himself einen Auftritt. George Gallo dürfte für seine Neuauflage wohl durch Zufall auf dieses filmische Mauerblümchen gestoßen sein, das Potenzial aber richtig erkannt haben. Stars wie Robert de Niro, Tommy Lee Jones und Zach Braff ließen sich womöglich nicht lange bitten. Insbesondere ersterer, der hier, mit wallender Mähne und kessem grauem Schnauzer, endlich wieder mal, nach einigen missglückten Ausrutschern im Genre, seinen inneren Komiker hochleben lassen darf. Natürlich vertraut mit dem Filmbiz, sind dem Kenner die entsprechenden Manierismen der Branche nicht fremd. Erfahrungen hat er viele gesammelt, und daher schöpft der Oscarpreisträger auch aus dem Vollen, wobei er dabei gut und gerne nach Europa schielt. Mitunter auf die Geschichte der französischen Filmkomödie. Um noch präziser zu werden: auf niemand Geringeren als „Querkopf“ Louis de Funès. Für die Rolle des Schlitzohrs Max Barber hat De Niro einiges von der ewig cholerischen und stets auf Zucker wirkenden Ikone des Klamauks übernommen. So fahrig, gleichsam zerknirscht und aufbrausend ließ sich der Taxi Driver bislang noch kaum erleben. Das gefällt auch Tommy Lee Jones, der in einer Art Selbstparodie und der Parodie eines ganzen Lebensgefühls wie seinerzeit Jack Palance in City Slickers genauso eine Spielfreude an den Tag legt. Nichts kann diesen Haudegen überrumpeln.

Doch so sehr Kings of Hollywood gleich zu Beginn ohne Verzögerung Fahrt aufnimmt und wirklich zum Schenkelklopfen motivierende Humorspitzen erreicht: Das Level lässt sich nicht halten. Dann, wenn alle Handlungsfäden zusammenkommen und der große Coup ans Licht kommt, setzt Gallo die rosarote Brille auf. Die Pointen verpuffen, die Revolvertrommel ist leer. Als hätten alle ausgelacht. Mag sein, dass das Ende über die Maßen versöhnlich stimmen soll – mit dem Filmbiz, mit der Branche, mit hinterfotzigem, profitgierigem Studiogebahren. Das anbiedernde Ringelreihen allerdings könnte dazu führen, dass in zwanzig Jahren abermals jemand auf einen Film stößt, dessen Plot genial, dessen Umsetzung aber in Vergessenheit geriet.

Ach ja, bevor ich’s vergesse: die Post Credit Scene sollte man auf keinen Fall verpassen. Robert Rodriguez hätte seine Freude daran.

Kings of Hollywood

Good Boys

DIE NEUGIER AUF DEN ERSTEN KUSS 

5/10


goodboys© 2019 Universal Pictures International Germany GmbH


LAND / JAHR: USA 2019

BUCH / REGIE: GENE STUPNITSKY

CAST: JACOB TREMBLAY, KEITH L. WILLIAMS, BRADY NOON, MOLLY GORDON, MIDORI FRANCIS, MILLIE DAVIS, WILL FORTE U. A. 

LÄNGE: 1 STD 30 MIN


Gebt den Kindern das Kommando – zumindest für einen Tag. Länger hält das sowieso keiner aus. Vor allem nicht mit Jungs, die gerade mal das präpubertäre Alter erreicht haben und sowas von überhaupt keine Ahnung haben, was a) in ihnen vorgeht, b) welch seltsame fleischliche Neugier plötzlich an die Tür klopft und c) wohin dieses junge Leben eigentlich führen soll. Zumindest mal in Richtung eines Kusses. Ganz so, wie sich der smarte Junge Max (Jacob Trambley, virtuos in Raum) das vorstellt, der dank einer bestandenen Bier-Challenge (ein Schluck ist mehr als genug!) zu einer Party geladen wird, die lippentechnische Annäherungen verspricht. Mit im Schlepptau: natürlich seine besten Buddies Thor und Lucas. Der eine ein Riese von einem Burschen, mit ausgeprägtem Sinn für Regeln. Der andere liebäugelt mehr mit den feinen Künsten, wie zum Beispiel dem Singen. Gar nicht so leicht, dazu zu stehen. Was aber geht, ist, sich mal ein Bild davon zu machen, was Küssen überhaupt sein soll. Ein Schultag ist leicht geschwänzt, also machen sich die drei einen Tag lang auf die Suche nach den schönen und mitunter auch berauschenden Dinge des Lebens.

Der Reiz dieser quirligen Dreikäsehoch-Odyssee liegt in den drei grundverschiedenen Charakteren. Liegt auch im liebevoll detaillierten Defizit des Erwachsenenwortschatzes, im Missverstehen einiger Begriffe und in der Sicht auf Dinge, die Erwachsene (hoffentlich) hinter verschlossenen Schlafzimmertüren tun. Die Eltern werden hier zu frivolen Betthasen, die von übelriechenden Analperlen bis hin zum ledernen Zipp-Gesicht für SM-Intermezzi nichts anderes im Sinn haben. Für die Jungs um die 12 ist das alles seltsames Neuland. Sexualität ist natürlich ein aus biologischer Sicht bereits verstandener Umstand, darüber hinaus allerdings ist die Zeit klarerweise noch nicht reif – von Angebern, die das blaue vom Himmel lügen, mal abgesehen.

Schimpfwörter fallen so einige, geschmacklose Zoten gibt’s natürlich auch, und wen wundert’s, wenn in den Credits Seth Rogen als Produzent auftaucht.  Es waren so Serien wie Wunderbare Jahre, die genau diese körperliche wie seelische Umbruchszeit so zugänglich einfangen konnten. Da braucht es den ganzen, auf dem Wohnzimmertisch ausgegelegten Sexshop nicht, der die staunenden Burschen zum frivolen Dingsda nötigt. Der Reiz liegt also mehr in den stillen Momenten, in der verspielten und blauäugigen Wahrnehmung der Jungs, die aber viel zu selten ihr Potenzial ausspielen können. Stattdessen dominiert eine recht derbe Hysterie zwischen überzeichnetem Slapstick und verzuckertem Erlebnisstress, der die drei zugegeben sympathischen Sechstklässler wohl nächtelang nicht schlafen lassen wird. Das strengt nicht nur die etwas an, sondern auch mich.

Das Abenteuer Sex & Drugs ist als Jugendfilm doch eher für Erwachsene mit Kindern in entsprechendem Alter, die sich spätabends mal Zeit nehmen, in einem Film wie diesen den Erziehungsstress etwas abzubauen. Um vielleicht etwas mehr herauszufinden, was in Jungs diesen Alters eigentlich vorgeht, so kurz vor der Pubertät. Als Beitrag für einen gemeinsamen Filmabend mit dem Nachwuchs taugt Good Boys allerdings reichlich wenig, da muss die Voraussetzung eines recht liberalen Umgangs mit solch pikanten Themen schon gegeben sein. Aber welcher 12jährige will das schon? Es ist das Alter, wo Geheimnisse wie diese einem selbst gehören.

Good Boys

Der Prinz aus Zamunda 2

DES KÖNIGS NEUER BASTARD

3,5/10


zamunda2© 2021 Amazon Prime Video / Paramount


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: CRAIG BREWER

CAST: EDDIE MURPHY, ARSENIO HALL, SHARI HEADLEY, JERMAINE FOWLER, KIKI LAYNE, LESLIE JONES, TRACY MORGAN, WESLEY SNIPES, JAMES EARL JONES, MORGAN FREEMAN U. A. 

LÄNGE: 1 STD 44 MIN


Wie weit liegt wohl das Königreich Wakanda vom Königreich Zamunda auf dem Globus der Popkultur entfernt? Womöglich unendlich weit. Oder aber der afrikanische Grabenbruch ist zur unüberwindbaren Schlucht geworden. Auf der einen Seite High-Tech bis zum Abwinken, auf der anderen Seite der gute alte, konservative Palaststaat, der sich in den letzten 30 Jahren kein bisschen weiterentwickelt hat. Das also ist Zamunda. Ein Ort, reich an rhythmischer Fake-Folklore für die sommerliche Bühnenshow in Hintertupfing, damit die dort auch wissen, was Afrika eigentlich ausmacht. Prächtig, dieser Schmuck. Prächtig sogar der übergeschnappte Diktator aus dem Nachbarstaat mit Sonnenbrille, barockem Ordenswams und tänzelnden Schritten. Mittendrin in diesem Kostümball: Eddie Murphy, der laut einem Interview in cinema wirklich nichts weniger möchte, als mit einem seiner letzten „Gurkenfilme“ (O-Ton Murphy) aus dem Rampenlicht zu verschwinden.

Da fragt man sich: Eddie Murphy, was ist passiert? Du hattest bereits so ein tolles Werk in der Tasche, nämlich die Biopic Dolemite is my Name. Mit diesem Film bleibst du schon mal in guter Erinnerung. Der Prinz aus Zamunda 2 kann dann wohl der Qualität letzter Schluss aber nicht gewesen sein. Denn dieses sehr verspätete Sequel, gewidmet all jenen ab 40 aufwärts, posiert als eine Art Appendix des ersten Films aus dem Jahr 1988, ein Prolog sozusagen, der kurz mal Einblick gibt in den zamundanischen Hof, wobei wir beruhigt feststellen können, dass diese Liaison von damals wohl lang genug gehalten und uns auch einige Nachkommen beschert hat, die vielleicht, da weiblicher Natur, das starre Korsett der Traditionen zum Einsturz bringen könnten.

Zuerst mal geht das gar nicht – Frauen als Königinnen. Wo kämen wir denn da hin? Zumindest nicht nach Wakanda. Allerdings gibt’s da einen Bastard aus Queens, einen männlichen wohlgemerkt. Den muss sich Prinz Akeem (mittlerweile König nach einem Begräbnis seines Vaters zu Lebzeiten) unser seine Fittiche nehmen, sonst geht der Ministaat inmitten löwenreicher Savanne baden. Also nochmal nach Amerika, nochmal in den Friseursalon, nochmal kurz Culture Clash. Und keine Furcht vor schlüpfrigen Zoten, die so witzlos sind wie mancher Taxifahrer im Big Apple während der Stoßzeit.

Es ist erstaunlich, wie wenig Herzblut in diesem Film steckt. Ein stattlicher Cast mit so einigen bekannten Gesichtern und Pop-Cameos von Saltn´Peppa bis was weiß ich wohin kann nicht genug sein, vor allem dann nicht, wenn Craig Brewer versucht, mit seiner Sympathie für den schenkelklopfenden Komödienstil der 80er eigentlich das reaktionäre Gegenteil zu erreichen. Überdrehte Ulknudeln, Sauna-Kalauer unter älteren Sportsfreunden und der schläfrige Versuch, das alles mit einer RomCom zu verknüpfen, die gesellschaftspolitisch ausgeschlafen sein will. Eine fragwürdige Komödie, die man nach 10 Minuten gerne sein lassen würde, die aber, so seltsam es klingen mag, dank der vielen Werbung auf amazon prime fast ein schlechtes Gewissen erzeugt, würde man das tun. Also durch bis zum Ende, die vielen Latexgesichter von Murphy und Hall nochmal sehen – und sich wundern über so viel ungenutztes Potenzial. Dafür kann sich Eddie Murphy im Hinblick auf sein Schauspiel wirklich König nennen. Rarer Lichtblick: Filmtochter KiKi Layne, die als einzige begriffen hat, dass wir längst nicht mehr die Achtziger haben.

Der Prinz aus Zamunda 2

Spione Undercover

LIEBER DIE TAUBE AUF DEM DACH

6,5/10

 

spioneundercover© 2019 Twentieth Century Fox Deutschland

 

ORIGINALTITEL: SPIES IN DISGUISE

LAND: USA 2019

REGIE: NICK BRUNO, TROY QUANE

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): WILL SMITH, TOM HOLLAND, BEN MENDELSOHN, RASHIDA JONES, KAREN GILLAN U. A.

 

Eine gute Bekannte meinerseits darf momentan Zeuge des mütterlichen Instinkts einer Taube werden, denn die nistet gerade auf ihrem Balkon. Wer weiß, was sie sonst noch im Schilde führt. Vielleicht ist es ja gar keine Taube, vielleicht, und das sage ich nur im Flüsterton hinter vorgehaltener Hand, ist sie eine Agentin, die nur so tut, als ob. Klingt nach Unsinn? Prinzipiell ist es das ja auch, was aber nicht für den parodistischen Agentenspaß gilt, der Ende letzten Jahres in unseren Kinos zu sehen war. Dort ist ja bekanntlich alles möglich, also auch die Cartoon-Version des Ex-Men in Black Will Smith, der mit Cornetto-Torso und eng sitzendem Anzug überzeichneten Finsterlingen das Handwerk legt. Anschließend wird der Gute auch entsprechend umjubelt, allein dieser lebenden Legende die Hand zu schütteln macht aus einem schmachtenden Fan bereits einen Placebo-Spion, der es mit der ganzen Welt aufnehmen könnte. In diesen heiligen Hallen der Undercover-Ermittlung und Weltenrettung gibt’s natürlich auch sogenannte „Q“s in allen Altersklassen. Erfahrene Erfinder und Ferialpraktikanten. Anfänger und alte Sprengkopf-Hasen. Einer von ihnen ist der Jungspund Walter Beckett, ein etwas zerstreuter, aber genialer Tüftler, der die perfekte Tarnung hinbekommen will. Schnösel Lance Sterling, also eben Will Smith im Kantenprofil, lässt als Antwort darauf ordentlich viel Arroganz raushängen, doch wenig später muss er sich mit der halben Portion, die aber ganz schön viel im Köpfchen hat, zusammentun, um Schlimmes zu verhindern.

Im Original heißt der kunterbunte Streifen Spies in Disguise – ein netter Reim, der natürlich in der Übersetzung untergeht. Was nicht untergeht, ist die teils brüllend komische Situationskomik, die daraus resultiert, dass Agent Sterling versucht, um alles in der Welt als Taube Haltung zu bewahren – was natürlich nicht gelingt, denn dieser bekommt als urbanes Federvieh zwar die perfekte Tarnung, vom Heldenimage bleibt aber dank umstandsbedingter Peinlichkeiten nicht viel übrig. Vor allem in diesen Momenten ist der von Fox/Disney produzierte und auch liebevoll ausgearbeitete Animationsfilm ein Lachgarant für Jung und Alt. Zugange sind stets sympathische Figuren, die sich irgendwie durchwursteln und bei völliger Überforderung im Einzelnen nur gemeinsam dem Antagonisten das Handwerk legen können. So ein Konzept kennen wir natürlich zur Genüge. Alles, was James Bond ausmacht, darf familiengerecht durch den Kakao gezogen werden. Richtig kreativ wird’s dann im sogenannten Showdown, wenn zum Beispiel das Kindchenschema eines süßen Kätzchens beim gewaltbereiten Gegner entwaffnende Emotionen hervorlockt. Bis dahin aber gibt’s auch so Slapstick genug, wobei Tauben, wie wir am Ende feststellen werden, nicht wirklich zu den attraktivsten Geschöpfen des Universums zählen. Trotz Ekelfaktor, zumindest bei manchen Exemplaren, sind die oft verpönten „Ratten der Lüfte“ gerade im Kontext eines actionreichen Family-Events einen zweiten Blick wert – und leicht kann es passieren, dass man die Taube auf dem Dach dem Spatzen in der Hand vorzieht.

Spione Undercover

Shaun das Schaf – Der Film: UFO-Alarm

DIE WOLLE IST IRGENDWO DA DRAUSSEN

8/10

 

Mit LU-LA entdeckt Shaun die Welt mit neuen Augen!© 2019 Studiocanal

 

LAND: GROSSBRITANNIEN 2019

REGIE: RICHARD PHELAN, WILL BECHER

MIT DEN STIMMEN VON: JUSTIN FLETCHER, JOHN SPARKES, KATE HARBOUR U. A.

 

Ach, wie unkreativ diese deutschen Übersetzungen manchmal sind. Ufo-Alarm – ich bitte schön. Im Original hat sich das Aardman-Studio zu einer herrlichen Verballhornung eines mittlerweile als Endzeit-Trash in die Filmgeschichte eingegangenen Klassikers hinreissen lassen – zu Farmageddon. Was für ein süffisantes Wortspiel und ein gelungener Start ins Sequel zum Kino-Einstand des wortlosen Superschafs Shaun, das längst schon Serienkult genießt und mittlerweile neben Wallace & Gromit zum Steckenpferd besagter Studios geworden ist. Mit Shaun das Schaf – Der Film: Ufo-Alarm (ich bleib jetzt mal dabei) haben sich die kreativen Ausdauer-Plastininkneter einen großen Gefallen getan: ihr Film ist ein enorm liebenswerter Slapstick-Hit, der das Original noch weit in den Mondschatten stellt und wirklich jedes Stop-Motion-Herz zu erfreuen weiß, das überdies noch für Science-Fiction schlägt, denn ich weiß gar nicht mehr, wann ich bei all den Querverweisen zum Genrekino aufgehört habe zu zählen.

Die Welt geht auf der Mossy Bottom Farm zum Glück für alle Vier-, Zwei- oder Garnichtbeiner natürlich doch nicht unter, und das ganz ohne Bruce Willis, dafür aber unterbricht den strengen Alltag unter der verbotswütigen Aufsicht des Hirtenhundes Bitzer das Auftauchen eines sonderbaren Wesens, das auf Pizza und kurze Zeit später den Schafen im Weg steht. Ganz klar, das ist eine unheimliche Begegnung der dritten Art, und das Raumschiff des versehentlich auf der Erde gelandeten Alienmädchens LU-LA (weniger ist mehr – in ihrer Schlichtheit einfach entzückend) ist ebenfalls nicht unentdeckt geblieben. Agentin Red, die ganz fest daran glaubt, dass die Wahrheit irgendwo da draußen liegt, lässt nichts unversucht, ihren Begriff von Willkommenskultur ganz anders auszulegen. Die Medien tun ihr Übriges – verbreiten das wahre Gerücht in allen Zeitungen, und der ebenfalls maximal nur murmelnde und fehlsichtige Farmer wittert hier ein großes Geschäft. Ein Freizeitpark soll entstehen, mit dem Namen Farmageddon – und das nur, um sich einen neuen Mähdrescher zu finanzieren. Alle rund um das Städtchen Mossingham sind also aus dem Häuschen – und die Kunst der Knete erreicht ein neues Level an Warpgeschwindigkeit.

Dabei behält der Film trotz all der Turbulenz und der bis zum manchmal sichtbaren Fingerabdruck penibel ausgearbeiteten Slapstick-Szenen eine ungewohnt entschleunigte Gelassenheit. Das liegt vielleicht am Verzicht von Sprache, an der begrenzten Geschwindigkeit der Stop-Motion-Technik. Und an der Verwendung analoger Bausteine, die, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, dem Abenteuer diesen unvergleichlichen Charme eines mit Fingerspitzengefühl arrangierten Atelierwunders verleihen. Sowas wirkt wie aus der Zeit gefallen, aber genau dieser anachronistische Ansatz und das Gegenwirken zum digitalen Overkill wie zum Beispiel bei Familie Willoughby garantiert auch das Gewahrwerdens der vielen Details, die nicht nur die Kids als Zielgruppe gewinnen, sondern auch den Rest der Familie – uns Erwachsene. Von Kubricks 2001 über Spielbergs Unheimlicher Begegnung der dritten Art bis hin zu Akte X fühlen sich Schaf und Co mit all ihren Insider-Anspielungen, die der Nachwuchs gar nicht zu checken braucht, weil der Film auch so funktioniert, der Weltraum-Popkultur wie Brüder im Geiste. Dabei reagieren Mensch und Tier in ihrem bescheidenen Anspruch an einen zerstreuungsfreudigen Sonntag am Land auf diese unerklärlichen Phänomene sehr pragmatisch, und gerade diese lakonische Lässigkeit ist einfach über alle Bildkader hinweg einfach nur liebenswert.

Shaun das Schaf – Der Film: UFO-Alarm