GALLIER UND IHRE WILDSCHWEINE
5/10

© 2026 Polyfilm / Slash Filmfestival
ORIGINALTITEL: L’ESPÈCE EXPLOSIVE
LAND / JAHR: FRANKREICH 2026
REGIE: SARAH ARNOLD
DREHBUCH: SARAH ARNOLD, OLIVIER SÉROR
KAMERA: NOÉ BACH
CAST: ALEXIS MANENTI, ELLA RUMPF, VINCENT DEDIENNE, BERTRAND BELIN, JEAN-LOUIS COULLOC’H, XAVIER DE GUILLEBON, THIERRY GODARD, PASCAL RÉNÈRIC U. A.
LÄNGE: 1 STD 35 MIN
Der Mensch zu Besuch beim Wildschwein
Besucht man hierzulande in der Wienerstadt den in Kaiserzeiten gegründeten Lainzer Tiergarten oder fährt unweit des Urbanen nach Sparbach in den Wald, kann man sie aus nächster Nähe beobachten: Sus scrofa, weltweit bekannt als das Wildschwein und die Lieblingsspeise unseres Lieblingsgalliers Obelix, natürlich ohne Beilage.
Man betrachtet sie dort nicht hinter Zäunen, sondern mehr oder weniger frei in einem abgesteckten Areal. Geschützt sind sie obendrein – was man von den Verhältnissen in einer französischen Kleinstadt, die als Schauplatz des Filmes Too Many Beasts herhalten muss, nicht sagen kann.
Das Wildschwein zu Besuch beim Menschen
Hier sind einfach zu viele der grunzenden Wühler unterwegs, sie entern das Stadtgebiet und niemand kann ihrer Herr werden. Größtes Mysterium dabei ist die Frage, wie es zu dieser explosionsartigen Vermehrung, wie der Originaltitel schon sagt, kommen konnte. Einem der Bauern reißt dabei die Hutschnur und er macht Jagd nicht nur auf das Wild, sondern erschießt auch nebenbei seinen Gutsbesitzer, um daraufhin bei Nacht und Nebel zu verschwinden.
Einige Zeit später setzt Regisseurin Sarah Arnold den Fokus auf den aus Korsika stammenden, mehr oder weniger strafversetzten Fulda (Alexis Manenti, bekannt aus Les Misérables – Die Wütenden und Athena), den keiner in diesem Nest wirklich willkommen heißt. Auch muss sich Fulda psychologischen Sitzungen unterziehen, in denen er mit „Seelenklempnerin“ Stéphane aneinandergerät, zumindest vorerst.
Im Laufe der Ermittlungen rund um einen Mordfall, während derer sich wirklich alles und jeder gegen die Methoden Fuldas stellt, kreuzen sich die Wege der beiden immer öfter. Bis die Lage Teamgeist erfordert. Um aufzudecken, was in dieser Gegend und rund um den korrupten Bürgermeister, der seine Dinge dreht, lange Zeit vertuscht wurde.
Ein Provinzkrimi als fantastischer Film?
Too Many Beasts ist jetzt nicht gerade das, was man im Rahmen eines Festivals des fantastischen Films erwarten würde – auch wenn es ab und an den Anschein hat, dass ein an der Wand hängender Wildschweinschädel ein seltsames Eigenleben führt. Sarah Arnolds Film entpuppt sich als halbwitziger, manchmal ernster, aber nie wild mit den Spaltfüßen scheuernder Landkrimi, der wohl im Hauptabendprogramm häufig frequentierter Fernsehsender das Soll seiner Zuschauerzahlen erfüllen würde.
Im Kino ist Too Many Beasts zwar kurzweilige, aber unaufgeregte Routine, die gar nicht so große Lust hat, das Borstenvieh auch so in Szene zu setzen, dass es wirklich bedrohlich wirkt oder gar die Lebensweise der Kleinstädter sichtbar einschränkt. Erwartet hätte man sich vielleicht den einen oder anderen tierischen Charakter, der als grunzender Endboss allen das Fürchten lehrt. Doch wir sind nicht bei Herkules und dem Erymanthischen Eber, sondern in der französischen Provinz mit französischem Kleinbürgertum und diversen Verstrickungen, die für einen aufgeräumten Kriminalfall wohl ausreichen, aber wirklich nicht mehr als die Summe ihrer Teile sind.
Den Horizont erweitern
Kritik am Jagdeifer, ökologischer Aktivismus und Vorurteile gegenüber Zugereisten: Das alles ist Dekoration. Aber: Inmitten dieses Falls sorgt zumindest eine tatsächlich urkomische Ermittlungsszene in berauschtem Zustand für die einzig wirkliche dramaturgische Wende in diesem Film. Die kommt zwar erst spät, peppt den Lowtide-Krimi aber zumindest an der Oberfläche auf, um als Beginn einer wunderbaren Freundschaft enden, die vielleicht mehr ist als das ist.
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