BONUSRUNDE IM THEMENPARK
7/10
© 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.
LAND / JAHR: USA 2025
REGIE: JAMES CAMERON
DREHBUCH: JAMES CAMERON, RICK JAFFA, AMANDA SILVER
KAMERA: RUSSELL CARPENTER
CAST: SAM WORTHINGTON, ZOË SALDAÑA, STEPHEN LANG, OONA CHAPLIN, BRITAIN DALTON, SIGOURNEY WEAVER, JACK CHAMPION, CLIFF CURTIS, KATE WINSLET, DAVID THEWLIS, TRINITY BLISS, JAMIE FLATTERS, EDIE FALCO, GIOVANNI RIBISI, CCH POUNDER U. A.
LÄNGE: 3 STD 19 MIN
Auf Disney+ läuft derzeit das Making Of mit dem Titel Fire and Water: Die Entstehung der Avatar Filme Es wäre treffender gewesen, das dritte Kino-Release ebenso zu bezeichnen: als Fire and Water, als elegante Überleitung von Teil 2, The Way of Water, zu Teil 3, im Grunde The Way of Water 2, vermengt mit ein bisschen Asche aus einem geografischen Teil Pandoras, dem James Cameron nicht wirklich viel Aufmerksamkeit schenkt. Schließlich ist diese Gebiet, auf welchem die Mangkwan hausen, vor nicht allzu langer Zeit noch kein Ödland gewesen, somit konnte sich dort auch noch kein eigenes Ökosystem etablieren. Schade eigentlich. So verspielt Cameron die Chance, seine Flora und Fauna noch auszuweiten auf Klimaregionen der Wüste. Doch der technikaffine Extremfilmer mit dem Hang zum Drill hat diesbezüglich keine Ambitionen. Warum? Das ist schnell erklärt: Avatar Teil 2 und Avatar Teil 3 wurden gemeinsam produziert. Das heisst: Alles, was in Avatar 2 an Schauwerten neu hinzukam, ist auch, bis auf einige wenige Ausnahmen, nochmal in Teil 3 vorhanden. Cameron hat sein nach seinem Wow-Triumph Avatar – Aufbruch nach Pandora nachfolgendes Opus magnum einfach nur gesplittet in The Way of Water a und The Way of Water b. Beide Filme erzählen ein und denselben Plot: Nämlich den Clinch zwischen Antagonist Miles Quaritch, der nur noch in Gestalt eines Na’vi herumstolzieren kann, und dem vogelfreien und Jake Sully, der auch nicht mehr in seine alte Haut zurückkann. Wir wissen noch aus Teil 2: Die Familie um Sully mit Neytiri und deren Kindern mussten beim „Südsee“-Volk der Metkayina, die stark an die polynesische Kultur angelehnt ist, Zuflucht suchen.
Keinen Schritt weiter
Im ergänzenden Finale zu Teil 2 geht’s also nahtlos und munter weiter mit jenem Hin und Her, das wir schon 2022 hatten. Cameron fällt im Grunde also nichts neues ein, weil er das, was er begonnen hat zu erzählen, noch nicht fertigerzählt hat. Was Peter Jackson damals gelang, nämlich, Tolkiens Hobbit tatsächlich auf drei Teile zu verdünnen, ohne dass die Geschichte repetitiv wirkt, und somit in jedem der Teile die klassische Erzählstruktur von Einleitung, Hauptteil und Schluss zuwege brachte, gelingt Cameron insofern nicht, weil er mit dem hasserfüllten Aschevolk der Mangkwan zwar einen neuen Player ins Spiel bringt, das Spiel selbst aber um keinerlei Dimensionen erweitert. Alles wiederholt sich, narrativ wie auch visuell. Klar macht auch die Technik keinen Quantensprung mehr, auch wenn drei Jahre dazwischenliegen. Wir sehen also more of the same, wir beobachten des weiteren das Leid einer Familie und ihr Streben nach Sicherheit und wie sie dabei auf der Stelle treten, während einer wie Quaritch (Stephen Lang) auch keine Fortschritte macht. Damit ist er nicht allein, denn niemand hier in dieser Saga entwickelt sich charakterlich weiter oder hat eine Heldenreise vor sich, wie man sie in der Serie Game of Thrones als vorbildliches Musterbeispiel der Figurenzeichnung beobachten kann.
Glotzkino zum Eintauchen
Schließlich komme ich wieder mal an einen Punkt, an dem ich feststelle, das James Cameron nicht wirklich gut Geschichten erzählen kann. Dafür aber kann macht er Bilder, die sonst keiner drauf hat. Avatar: Fire and Ash offenbart sich als ebenso überwältigender Hingucker wie Avatar: The Way of Water. Nichts anderes als ein monumentales Bilderbuch tut sich hier auf, ein Schau-Film erster Güte, bei welchem man nicht nach dem erzählerischen Mehrwert suchen sollte. Die Devise lautet: Loslassen, eintauchen, glotzen, glotzen, glotzen, bis die 3D-Brillen anlaufen. Als Highlight gilt hier sicher eine Sequenz, die als Wal-Action in die Filmbücher eingehen wird: Moby Dick zur zehnten Potenz, würde man meinen, wenn mehrere Dutzend intelligente Meeresriesen einen von „Captain Ahab“ angeführten Harpunier-Verein dem Meeresspiegel gleichmacht, dabei unterstützt von in der Tiefsee lebenden Kalmaren, die Jules Verne wohl vom Hocker gehauen hätten. Hier kämpft Natur gegen Technologie, und zugegeben: diesen Showdown hatte The Way of Water dann doch noch nicht zu bieten.
Was geschieht jenseits von Pandora?
Was Cameron nebst seines technischen Perfektionismus auch noch beherrscht, ist die Klaviatur des Spannungskinos. Langweilig wird einem bei dreieinhalb Stunden wirklich nicht, und das, obwohl lediglich more of the same in leichter Variation fortsetzt, was das Publikum schon als erledigt gesehen hätte. Klar sind die Asche-Bösewichte, angeführt von Oona Chaplin als wirklich toughe und betörend anmutende Gegenspielerin, der Hauptgrund für die Verdichtung der altbekannten Situation – doch warum hat Cameron nicht versucht, den Handlungsfaden um Quaritch in Teil 2 abzuschließen, um in Teil 3 mit etwas Neuem zu beginnen? Ich für meinen teil hätte erfahren wollen, wie es auf astropolitischer Seite der menschlichen Zivilisation ausgesehen hätte, ähnlich wie in Alien: Earth, einer wahren Bereicherung für dieses Universum, das garantiert nicht nochmal niemanden im Weltraum schreien lassen will, war doch Alien: Romulus schon relativ nah an bereits bekanntem Storytelling angesiedelt.
Ein Film wie ein Themenpark
Disney aka 20th Century fox hat dabei wohl viel zu viel mitzureden gehabt, und ja, wir wissen: Wenn Disney sein auf Marktanalysen basierendes Regelwerk einem Filmteam vor die Füße knallt, muss dieses wohl abwägen: Kreativität und echtes Drama oder Unkreativität und technische Attraktion. Frei nach dem Motto: Nur ein Themenpark als Film ist ein Kassenknüller, wirkt auch Avatar: Fire and Ash wie eine begehbare Pandora-World mit sämtlichen Attraktionen, die man natürlich nicht hinter einer dramatischen und unvorhergesehenen Geschichte verstecken möchte. Lieber Schablone als aus der Reihe tanzen – somit ist die jüngste Episode, die brav in der Reihe bleibt, immerhin spektakuläre Seifenoper, ein familientragisches Fackeln im Sturm, ein ausschweifender Eskapismus und anklagendes Spiegelbild amerikanischer Kolonialgeschichte.
Sollte Teil 4 also kommen, muss Cameron neue Ideen springen lassen, ein anderes Setting und andere Parameter entwerfen, denn man sieht, der Wow-Faktor schwindet. Neugierig, wo dieser dann wohl ansetzen würde, wäre ich allemal.
