The End of Oak Street (2026)

DIE NACHT DER LEBENDEN DINOS

6/10


Ewan McGregor und Anne Hathaway fürchten sich im Film In the End of Oak Street
© 2026 Constantin Film Österreich


LAND / JAHR: USA 2026

REGIE / DREHBUCH: DAVID ROBERT MITCHELL

KAMERA: MIKE GIOULAKIS

CAST: ANNE HATHAWAY, EWAN MCGREGOR, CHRISTIAN CONVERY, MAISY STELLA, P. J. BYRNE, JORDAN ALEXA DAVIS, DENITRA ISLER U. A.

LÄNGE: 1 STD 39 MIN


Alle Vöglein waren schon da…

All die Piepmätze um uns herum, das Huhn im Stall oder der Schwan am Wasser – letztendlich stammen sie alle von den Dinosauriern ab – unseren geliebten Urzeitgiganten, die wir als Kind vergöttert und bewundert haben und die seit Steven Spielbergs Jurassic Park in die Popkultur eingegangen sind wie keine andere Tierart, außer vielleicht der Weiße Hai.

Damals hatte der Traumfabrik-Virtuose mit Faible für Aliens zwar am Schirm gehabt, dass die Dinos durchaus Federn gehabt haben könnten, doch er verzichtete darauf. Bei ihm, im genetisch-utopischen Erlebnispark, erinnerten seine Viecher an das Plastikspielzeug im Wandschrank oder am Regal. So, wie wir sie hatten: reptiloid, anmutig, pfeilschnell oder elefantenartig monströs.

Jurassic ohne Park

An diesem Punkt und von diesem Bild im Kopf vom Tyrannosaurus rex, der die Krone des Königs der Raubsaurier immer noch trägt, müssen wir uns bei David Robert Mitchell leider (oder Gott sei Dank?) verabschieden. Denn seine Urzeitmonster sind die Grunge-Version jedes Parks, jeder Wie-Weshalb-Warum-Enzyklopädie, jeder reizvollen Kreidezeit-Show.

Am Ende der Oak Street wüten räudige Straßenköter, zerzauste Allesfresser, Brachiosaurier im Fellmantel. Allesamt sind sie in der Mauser, und noch dazu völlig psychopathisch. Hier hätten selbst Laura Dern und Sam Neill ihr Staunen sehr schnell wieder weggepackt. Hier geistert ein zoologischer Albtraum durch einen Vorort, den wir so oder anders sowieso schon aus diversen Spielbergfilmen kennen. Aus Poltergeist vielleicht, aus J.J. Abrams Super 8, aus Stranger Things genauso wie aus Desperate Housewives.

Von Ithaka in die Dschungelblase

Ungefähr ähnlich desperat zeigt sich die gut im Geschäft befindliche Anne Hathaway, die genauso wie Tom Holland, Robert Pattinson oder Zendaya in gefühlt jedem zweiten Film mitwirkt, der gerne mehr Kohle lukrieren will als nur im Independent-Sektor. Hathaway hat in diesem Film Ewan McGregor geheiratet, beide haben zwei Kinder, die Ehe hat eine saftige Krise, die durch Papas Jobverlust und Mamas Freiheitsdrang nur noch torpediert wird. Da kommt so eine Anomalie aus dem heiteren Himmel wie gerufen – und plötzlich sind die Prios gänzlich andere.

Alles, was sie wollen, ist fressen

Die Luft ist tropisch schwül, am Rande der Vorstadt wuchert der Dschungel. Und so einer nach dem anderen aus der Nachbarschaft hätte niemals gedacht, als Abendessen für prähistorische Aggressoren zu enden. Die schlurfen nämlich bald durch die Gegend, und hinterlassen ein blutiges Schlachtfeld. Wieder mal heißt es: Familie gegen Monster. Und ja – diese Dinos haben den Mut zur Hässlichkeit. Dabei werde ich das Gefühl nicht los, dass David Robert Mitchell etwas ganz Spezielles mit diesem Stoff anstellen wollte, der sich zumindest zeitweise anfühlt wie ein Spin-off aus dem Jurassic World-Franchise: familientauglich, naiv und gefällig.

Mitchell hatte vielleicht gar so etwas wie einen Zombiefilm im Sinn, und hinterlässt in The End of Oak Street das beklemmende Gefühl, George A. Romero hätte hier Hand angelegt. Die Nacht der lebenden Toten weicht der „Nacht der lebenden Dinos“. Düster, blutig und bedrohlich fühlt sich das alles an, Verbarrikadieren ist angesagt. Und irgendwie muss die halbwegs unglückliche Familie, die sich, vor allem was die Elternteile betrifft, wie in Trance befindet, als wären sie selbst von den Dino-Genen infiziert, auch wieder raus aus dieser Zeitblase, in der sie feststeckt.

Der radikale Ansatz scheitert

Wer hätte gedacht, dass sich ein Thema wie dieses so anders – vor allem so ruppig, sperrig und creepy – darstellen lässt? Kein Wunder bei einem wie Mitchell, der mit It Follows ein kleines Meisterwerk des Young Adult-Horrors geschaffen und mit Under the Silver Lake entgegen jedes Mainstream-Interesses krude Verschwörungstheorien bestätigt hat.

Mitchell bürstet sämtliche Versatzstücke gegen den Wuchs, sein Anspruch, einem cheesigen Videotheken-B-Movie aus den 1980ern mehr gerecht zu werden als dem State of the Art, hat einen verstohlenen Witz. Umso mehr enttäuscht es, dass sich Mitchell nicht konsequent genug gegen die Norm arbeitet. Sein Versuch, Zurück in die Zukunft zu imitieren und die Moral vor der Unerbittlichkeit des tödlichen Zufalls zu stellen, schmeckt am Ende wie ein zu lange gekauter Kaugummi.

The End of Oak Street (2026)

Supergirl (2026)

IN DEN WELTRAUM HINEINSCHREIEN

7/10

 

Milly Alcock als Supergirl mit ihrem Hund Krypto
© 2026 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved / Constantin Film Österreich

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: CRAIG GILLESPIE

DREHBUCH: ANA NOGUEIRA, NACH DER GLEICHNAMIGEN COMICREIHE (2021-2022)

KAMERA: ROB HARDY

CAST: MILLY ALCOCK, EVE RIDLEY, MATTHIAS SCHOENAERTS, JASON MOMOA, DAVID KRUMHOLTZ, EMILY BEECHAM, DAVID CORENSWET, FERDINAND KINGSLEY, DIARMAID MURTAGH, ALICE HEWKIN, WIL COBAN U. A.

LÄNGE: 1 STD 48 MIN



Thanos und eine Lanze für den Comicfilm

Ich weiß nicht, warum gerade im Genre des Superheldenfilms andauernd geunkt wird. Wenn schon, dann müsste sich den Vorwurf des sich wiederholenden Einheitsbreis fast schon jede Art von Film gefallen lassen. Dabei darf man nicht vergessen, dass alle Geschichten dieser Welt sowieso nur auf wenigen narrativen Mustern beruhen.

Dass nur in dieser Welt der Capes und Anzüge und Superkräfte mehr inhaltliche Variation eingefordert wird, und im Sektor des romantischen Films, des queeren Films oder des Actionfilms deutlich weniger, mag verwundern. Doch womöglich liegt die Provokation zum Spott gerade in der Haltung so mancher Übermenschen, wenn sie in falscher Bescheidenheit die Welt retten müssen – und der Antagonist selten reflektiert, warum er eigentlich alles unterjochen will.

Es mag dieser Mangel an Besinnung sein, der das Genre für manche so dumm erscheinen lässt. Nach dem nach wie vor für sich alleinstehenden Jahrhundertwurf eines Thanos und dem Aufbegehren ausgesuchter Avengers gegen ihn hat der Comicfilm dahingehend wirklich alles unternommen, um für voll genommen zu werden.

Superhelden und ihr Bewusstsein, Superheld zu sein

DC hat sich der Schwere eines Zac Snyder, dessen Interpretationen ich aber schätze, weile sie nahe an den Figuren der Heftvorlagen sind, entledigt. Weg mit den Ego-Trips und den Selbstgerechtigkeiten. Mit diesem Jammern auf hohem Niveau über verpasste Kindheiten, katastrophale Schicksale und sippenhaftende Widersacher.

Man muss zugeben, Henry Cavill und Ben Affleck waren sich zwischen gefälligem Gehabe eines Tech-Milliardärs und repräsentativer Eitelkeit wohl immer stets bewusst, wie toll sie nicht sind. Davon ist im neuen Tonfall von James Gunn kaum mehr etwas übrig. Sein Superman ist weitestgehend frei von Selbstüberschätzung.

Dieser Superman kann mit dem Begriff Superman wenig anfangen und wirkt eher so wie einer, der mal wieder Lust hat, etwas für die Allgemeinheit zu tun. Wie angenehm unprätentiös. Und wie ehrlich bescheiden. David Corenswet trifft den Charakter auf den Punkt. Sympathisch, nahbar, manchmal peinlich und sagenhaft freundlich. Seine Cousine macht es ihm gleich.

Ein Take-Away-Abenteuer, handlich und zeitgemäß

Bereits im neuen Superman von vor einem Jahren angeteasert, bekommt Ex-Targaryen-Mädchen Milly Alcock nun ihren Solo-Auftritt. In einem Abenteuer, das an Originalität jetzt nicht gerade ersäuft, dafür aber dazu steht, dass in diesem Genre wie in jedem anderen auch Geschichten nicht viel anders können als Vorhandenes zu variieren.

Da gibt es die finsteren Briganten mit Matthias Schoenaerts als gepiercter Sklavenhändler Krem, der junge Mädchen entführt, um den Fortbestand seiner Rotte zu sichern. Ganz schön düster für ein leichtfüßiges Abenteuer. Mädchenhandel, Missbrauch, Unterdrückung – schwere Themen, die Craig Gillespie (I, Tonya, Cruella) auf wundersame Weise zu einem Missstand macht, über den man nicht lamentiert oder in Schockstarre verharrt, sondern den es zu ändern gilt. Ärmel hoch, das Schwert fest im Griff – und die Rache wird zum süßen Wort.

Leg dich nicht mit Frauchen an!

Dieses Supergirl will genauso wenig super sein wie ihr Verwandter, der es sich auf Erden bereits gemütlich gemacht hat. Mit dem animierten Hund Krypto und verbeultem Raumschiff säuft sie sich durchs Universum, von Spelunke zu Spelunke, ohne Ziel und Aufgabe. Diese lasterhafte Fehleranfälligkeit ist die Augenhöhe, die es braucht.

Die kleine Ruthye läuft ihr über den Weg, die Rache nehmen will an Krem, hat der doch ihre ganze Familie auf dem Gewissen. Kara, so Supergirls eigentlicher Name, kann da nicht nur zusehen. Der Altruismus schlägt durch, und dann wird auch noch Krypto vergiftet, von eben diesem Nadelkissen an Unhold, dem beide nun hinterherjagen – für Rache und Gegengift.

Anders als John Wick, der den Tod seines Hundes einfach nur rächen will, ist Supergirl nicht nach Rache aus – wie wohltuend wenig selbstgerecht. Im Prinzip aber ist es eine ähnliche Geschichte, nur mit deutlich mehr Aliens, und zwar so vielen unterschiedlichen Arten, dass das Star Wars- Universum fast schon Sorge haben muss, das Zepter der Biodiversität zu verlieren.

Aliens wohin man blickt

Mit liebevoll analogem Monsterdesign, wie sowas eben zu sein hat, muss Craig Gillespie gar nicht mal große Einladungen aussprechen, damit man den beiden jungen Frauen ins Abenteuer folgt. Man hätte das auch so getan, weil man mit einer wie Kara auch befreundet wäre, hätte sie keine Superkräfte. Weil die Dame schlicht und ergreifend das Herz am rechten Fleck hat, ohne Mission, ohne hehrem Ziel, sondern einfach nur, weil manche Umstände es verlangen.

Wie normal sind Superhelden?

Dieses Herunterbrechen auf den Charakter gelingt. Milly Alcock ist neben David Corenswet eine Nachbarin von nebenan, eine geerdete Person. Mit sich selbst niemals ganz im reinen, aber auf eine Weise, die Identität einfach mit sich bringt.

Supergirl ist ein launiger, kompakter, unverkrampfter Ausflug, nimmt nebenher noch feministisch angehauchte Frauenpower mit, ohne penetrant zu wirken – und schenkt am Ende noch Jason Momoa, der seinen Aquaman verloren hat, ein neues Leben als Baumarkt-Version von Gene Simmons von den Kiss. Dieses bärige Raubein schaut nur zufällig vorbei und kreuzt den Weg der beiden tatkräftigen  Frauen, ohne sich gleich zu irgendeiner League zu bekennen.

Supergirl ist dabei ein Film ohne Zwang, aufgesetztem Idealismus oder einer ganze Epochen umspannenden Queste. Gillespies Film ist einfach nur ein Abenteuer. Wie herrlich simpel, geradeheraus. Zwar nicht erfrischend anders, dafür aber erfrischend normal.

Supergirl (2026)

Masters of the Universe (2026)

TOY STORY MIT MUSKELN

6/10

 

Nicholas Galitzine als Adam/He-Man in Masters of the Universe© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: TRAVIS KNIGHT

DREHBUCH: CHRIS BUTLER, AARON UND ADAM NEE, DAVE CALLAHAM

KAMERA: FABIAN WAGNER

CAST: NICHOLAS GALITZINE, JARED LETO, IDRIS ELBA, CAMILA MENDES, MORENA BACCARIN, ALISON BRIE, CHARLOTTE RILEY, SAM C. WILSON, JÓHANNES HAUKUR JÓHANNESSON, JON XUE ZHANG, SASHEER ZAMATA U. A.

LÄNGE: 2 STD 20 MIN



Was flasht mich da?

Es ist nichts anderes als der Rücksturz ins Kinderzimmer meines Volksschulkommilitonen: Masters of the Universe. Denn niemals, im Laufe meiner Kindheit, durfte ich eine dieser Actionfiguren mein eigen nennen.

Warum? Der Spirit von patriarchalem Heldentum war sogar in einem Zeitalter, in dem Diversität, Gleichheit und Geschlechterrollen in konservativen Strukturen feststeckten, auffallend vorgestrig, als wäre es aus einer reaktionären Interpretation der Siegfried-Sage gefallen.

Die Frauenquote der Muskelmänner

So ein martialisches Männlichkeitsbild kam damals nicht in unser Haus. Dafür aber in jenes meines eingangs erwähnten Freundes, bei dem ich dieses Klischee der tapferen, ruhmreichen Beschützer und Bösewichte bedienen konnte, ohne das Ganze zu hinterfragen.

Dort die Burg von Grayskull, auf der anderen Seite der Snake Mountain. Dazwischen die irrwitzigsten Monster und Mutanten, und weil man ja nicht komplett so tun wollte, als würden Frauen nur hinter den Burgmauern um ihre Helden bangen, gabs zumindest Teela, Evil-Lyn und die Zauberin – später dann noch He-Mans Schwester She-Ra (She-Woman wäre konsequenter), das Pendant zu Supergirl im DC-Universum.

Die martiale „Kauf mich“-Lore

Damals aber konnten wir uns weder sattsehen noch sattspielen. An jede einzelne dieser Figuren kann ich mich erinnern, und eine Handvoll erscheint auch im neuen Versuch, das triviale Universum, das frappant an Flash Gordon, Marvel und die deutschen Heldenepen erinnert, mit ganz viel Hilfe durch CGI-Experten auf die Leinwand zu bringen.

Denn Masters of the Universe, das ist Kitsch as Kitsch can, das ist ein unfreiwillig komisches, vielleicht sogar käsiges Spielzeuguniversum mit genau jener tümpeligen Tiefe, die ein Team an Spielzeugentwicklern von Mattel wohl erforscht haben müssen, um diesen „Kauf mich“-Kreaturen zumindest eine gewisse Legitimität anhand einer simplen und von überall her zitierten Lore zu bescheren, die ins Zentrum gar dreist ein Schwert stellt, für das der junge König Artus es nicht mal aus dem Stein ziehen muss.

Die Sache mit dem Lendenschurz

„Bei der Macht von Greyskull! Ich habe die Kraft!“ Und schon umweht ein ledergegerbtes Tarzan-Röckchen die sicherlich schmucke Männlichkeit von Adam, während ein rotes Kunstharzkreuz Marke „Tempelritter“ die durchtrainierte Brust des blonden Recken ziert, der in Travis Knights (Kubo – Der tapfere Samurai, Bumblebee) ironisch kommentierter Überarbeitung des trivialen Stoffs gar nicht mal so einer sein will.

Natürlich kann man die Welt von Masters nicht einfach in seinem obsoleten Dunst von damals vor sich hin husten lassen. Wie man es dreht und wendet – das ganze Szenario mit einer gewissen Tolkien‘schen Ernsthaftigkeit zu versehen, wird nicht gelingen. Zu generisch ist der Plot, zu plakativ die Charaktere.

Sympathie für den Waffenmeister

Um das Problem zumindest in Sachen Sympathiewerte zu lösen, kommt einer wie Idris Elba ins Spiel, der Adams rechte Hand gibt: Man-at-Arms, auch genannt Duncan. Elba hat Charisma und gute Laune. Genauso wie Nicholas Galitzine (Glennkill: Ein Schafskrimi), der diesen auf Diplomatie gebürsteten Thronerben gibt, als Kind schon nicht kämpfen wollte und im Erd-Exil mit seiner für niemanden glaubhaften Biografie als verschrobener Nerd gilt, der fanatisch nach einem Schwert sucht – seinem Schwert, nämlich jenes mit der Macht.

Das Live-Act-Problem des Zeichentrick-Schurken

Kaum gefunden, katapultiert ihn das Schicksal wieder nach Eternia zurück, wo Skeletor, der ikonische Erzgegner und Onkel (!) von He-Man (wie in der Artus-Sage Schurke Vortigern Pendragon) schon seit Anbeginn an diese Macht will, um diese auszuüben. Hinter dem Totenschädel verbirgt sich Jared Leto in zeichentrickhafter Gestik und mit wenig Charakter.

Denkt da wer vergleichsweise an Frank Langella aus den Achtzigerjahren? Da hatten wir ja schon mal eine Masters-Interpretation, nur aufgrund mangelnder Rechte und wenig Budget hat Dolph Lundgren (man beachte sein launiges Cameo im neuen Film) auf den Final Fight in Eternias Burg verzichten müssen. Bis heute ist Gary Goddards trashiges Guilty Pleasure nicht ohne Nostalgie-Wert. So eine Langlebigkeit lässt sich im neuen Film wohl nicht prognostizieren, obwohl die Macher hier versuchen, das ganze auf zwölftönende und damit erinnerungswürdige Eigenparodie zu trimmen, die auch dank Elba und Galitzine zumindest streckenweise funktioniert.

Den kenn ich doch!

Ist Masters of the Universe nun Kinderkam? Ja, Kinderkram für Mittvierziger, die sich gerne am bunten Materialismus vollgestopfter Kinderzimmer erinnern. Und mit Lust und verklärten Augen Figuren wie Fisto, Mechanek, Spikor, Moos Man, Ram Man und dergleichen in diesmal spielzeugadäquater Ausgestaltung mit Leichtigkeit wiederentdecken.

Die Sache mit dem Sexwitz

Ein Toy Story also mit Muskeln und lahmer Story; netten, aber nicht außergewöhnlichen Schauwerten, dafür aber mit befremdlichem, sexuell konnotierten Wortwitz, der sich speziell auf einen Charakter bezieht und sich auf irritierende Weise am Zielpublikum vorbei vergreift.

Irgendwie ist den Schreiberlingen hier der Zynismus durchgegangen, während zeitgleich verabsäumt wurde, die Vorhersehbarkeit vor allem im Showdown abzufangen. Mit dem Kulturschock der realen, nämlich unserer Welt, wird das Abenteuer mit origineller Situationskomik abgeschmeckt. Witzig auch die „Etymologie“ so manchen Heldennamens. Doch die Selbstironie wirkt unentschlossen – manchmal ist sie zu viel, manchmal zu wenig. Oder hatte gar Mattel das letzte Wort?

Alle waren sie im Gym

Travis Knight lässt Masters of the Universe immer noch das sein, was es immer schon war: Ein konfuses, etwas zu lang geratenes Arena-Gekloppe mit der Sehnsucht nach epischer Fantasy, und mit dem ernüchternden Blick auf die Tatsache, das die durchtrainierten Schwarzenegger-Rabauken nicht wirklich viel mehr sind als sie darstellen. Vielleicht muss man dafür die Zeichentrickserie kennen, und das ganze Drumherum. Davon aber ausgekoppelt bleibt nur Spielzeug, das lebendig wird. Hach, für ewige Buben irgendwie trotzdem ganz schön.

Masters of the Universe (2026)

The Mandalorian and Grogu (2026)

EIN LEINWAND-SPECIAL FÜR DEN SERIENHELDEN

6,5/10


Pedro Pascal und Grogu als er selbst in The Mandalorian and Grogu
© 2026 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: JON FAVREAU

DREHBUCH: JON FAVREAU, DAVE FILONI, NOAH KLOOR

KAMERA: DAVID KLEIN

CAST: PEDRO PASCAL, SIGOURNEY WEAVER, JEREMY ALLEN WHITE (STIMME), JONNY COYNE, STEVE BLUM (STIMME), SHIRLEY HENDERSON (STIMME), MARTIN SCORSESE (STIMME), BRENDAN WAYNE, DAVE FILONI U. A.

LÄNGE: 2 STD 12 MIN



Es ist der Moment, in dem dieses Fahrzeug vorkommt – dieses kleine, unscheinbare, kastenförmige Ding. Kinder der Achtziger, die gleichsam zu Star Wars-Afficionados wurden, ehe sie noch gerade Sätze sagen konnten, wissen sofort, dass es sich dabei um das ominöse INT-4 handelt, ein speziell für das erste Merchandise-Kontingent ersonnene Spielzeug. Nun hat es seinen Einsatz gefunden, denn ein ex-imperialer Warlord düst damit davon, natürlich auf einem Schneeplaneten, denn diese fühlen sich prinzipiell schon nach Star Wars an. „Sieh nur, ein INT-4“, kommt es mir da entzückt über die Lippen – und niemand versteht es.

Vom Fan-Service nicht genug bekommen

So viel Leidenschaft müsste man aber besitzen, um The Mandalorian and Grogu auch wirklich in vollen Zügen und bis in jeden Winkel seines mehr als zweistündigen Leinwand-Daseins zu genießen. Denn der Star Wars-Wahnsinn, der steckt im Detail. Und macht so richtig froh. Kaum ist ein Raumschiff erkannt, erspäht man schon die nächste Spezies, die es damals, ebenfalls im Basis-Sortiment an Figuren, auch schon gab. Für die, die es wissen wollen: Bezeichnet wurde diese Figur damals Amanaman, im Film nennt sie sich Amani. Und wie der Mandalorian alias Din Djarin alias Mando mit ihnen fertig wird, ist Heldentum der zwar langweiligen, aber fein getricksten Sorte.

Jon Favreau und Dave Filoni, zwei bekennende Geeks der ersten Stunde, die womöglich alle Bücher und jedes Comic in sich aufgesogen haben müssen, und zwar mehrmals, können aus einem Fundus schöpfen, von diesem haben „normale“ Kinobesucher, die Star Wars zwar kennen, gerne sehen, aber nichts weiter, natürlich wenig.

Vom Geben und Nehmen in einer Beziehung

Favreau und Filoni werden wohl in Kauf genommen haben, dass ihr Leinwand-Special – denn anders ist dieser erste Kinofilm nach sieben Jahren Abstinenz nicht zu bezeichnen – wohl kaum tiefer in den Star Wars Kosmos eintauchen, sondern ihn nur an der Oberfläche erweitern wird. Sie werden gewusst haben, dass mit The Mandalorian und Grogu wohl kaum das bedeutende Weltraumepos auf die Leinwand gewuchtet wird, das viele vielleicht erwarten.

Es führen auch nicht alle Erzählstränge aus den Serien zusammen, die Storyline rund um Ahsoka hat damit nicht das Geringste zu tun. Letztlich konzentriert sich das Abenteuer auf eine Vater-Sohn-Beziehung im erweiterten Sinne, oder besser gesagt: auf eine Lehrer-Schüler-Beziehung, oder Onkel-Neffe, wie auch immer. Das Problem dabei: Komplexer als in der Serie wird es kaum werden, und da hing die Bedeutsamkeit der Kommunikation zwischen Mando und seinem Schützling Grogu entscheidend davon ab, ob der Kleine immer noch so tut, als wäre er ein Baby. Die Antwort: Ja, das tut er – und das Spektrum dieser Verbindung bleibt daher endenwollend.

Die Macht, die der kleine mechatronische und von Puppenspielern wie anno dazumal bei Yoda gesteuerte Genusszwerg nutzt, passiert willkürlich einmal mehr und einmal weniger, bleibt aber nicht logisch. Andere, nennenswerte Beziehungen gibt es in diesem neuen Film keine, der Rest des Ensembles ist Staffage, und selbst Sigourney Weaver würde lieber wieder Aliens jagen.

Es ist und bleibt eine Serie

Lucasfilm™ will weder die Old Republik noch die spannende Geschichte rund um Crimson Dawn auf die Leinwand bringen, aus Sorge davor, hier auf zu wenig Vorkenntnis beim Publikum zu stoßen, womit die lautstarken Wünsche einer weltweiten Community ignoriert werden.

Gedacht wird marketingtechnisch. Einerseits. Andererseits wollen Favreau und Filoni unbedingt ihren Mando weiterführen und schlagen deutliche Signale, die dagegensprechen, in den Wind. Nur: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wer nur wagt, was er bereits gewonnen hat, entwickelt sich nicht weiter. Somit haben wir, worauf wir uns vorbereiten sollten, wenn wie The Mandalorian und Grogu auf großer Leinwand erblicken wollen: Das Serien-Special fürs Pfingstwochenende. Und zwar auf großer Leinwand.

Ein Wunsch zumindest, der in Erfüllung geht, hat sich doch gefühlt jede(r) beim hohen technischen Level der Serie von der ersten Folge an gewünscht, hier lieber im Kino zu sein als in den Fernseher hineinkriechen zu müssen, um die ganze monumentale Wirkung der Welten, Raumschiffe und Kreaturen wirklich adäquat in sich aufsaugen zu können. Zumindest hier ist die Sehnsucht gestillt: In diesem Verhältnis kommt die Serie noch besser zur Geltung – bleibt aber eine Serie.

Wer sind die Hutten?

Sollte man wissen. Wie einnehmend ein solcher Charakter sein kann, das zeigt der Film ganz vorzüglich. Auch hier wieder wissen Kenner der Serie The Clone Wars, um wen es sich dabei im Speziellen handelt: um Rotta, den Spross von Jabba, den wiederum jede(r) kennt. Jeremy Allen White spricht ihn, und zwar in jugendlichem Basic, was aber dennoch zusammenpasst. Von ihm soll dieses ganze Abenteuer auch handeln – und um das Hutten-Kartell an sich, das ein falsches Spiel treibt und unserem Helden fast das Leben kostet.

Wie ein Endgegner, trotzdem er besiegt wird, durch die Lappen geht

Die Neue Republik bleibt nach wie vor nur eine Fußnote, ein kleines Kontingent an X- und Y-Flügler schieben sich wieder ins Bild, um für Stimmung wie bei einer Flugshow anlässlich einer Star Wars Convention zu sorgen. Wo ist der Rest dieses politischen Weltenbündnisses?

Interessiert nicht, genauso wenig wie der Ausblick auf die Erste Ordnung, die einige Jahrzehnte später erstarken wird. Das Grummeln im Bauch, weil sich etwas anbahnen könnte, fehlt komplett, da der Endgegner Moff Gideon bereits in der letzten Staffel besiegt wird. Hätten Favreau und Filoni vorausschauender gehandelt, hätten sie sich den charismatischen Giancarlo Esposito genau für diesen Moment im Kino aufgehoben. Was bleibt, ist ein minimal größeres Abenteuer als im Stream, und demnach überschaubar genug, um allen gerecht werden zu wollen. Star Wars-Greenhorns, Familien, Science-Fiction-Fans und eingefleischten Nerds. Richtig spezialisieren kann man sich da wohl nicht, irgendwo storytechnisch eintauchen auch nicht. Die fantastischen Schauwerte sind das, was bleibt.

Das große Publikum wird The Mandalorian und Grogu nicht ins Kino locken, dazu hängt das Mandoverse zu sehr an Disney+. Ein großes, unabhängiges Zeitalter müsste man hier öffnen – mit einem komplexem Plot, der die weit weit entfernte Galaxie bis ins Outer Rim erschüttert. Die Old Republik fällt mir wieder ein. Besser aber, ich gebe es langsam auf, zu hoffen.

The Mandalorian and Grogu (2026)

Der Astronaut – Project Hail Mary (2026)

LICHTJAHRE EINER FREUNDSCHAFT

7,5/10


© 2026 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: PHIL LORD, CHRIS MILLER

DREHBUCH: DREW GODDARD, NACH DEM ROMAN VON ANDY WEIR

KAMERA: GREIG FRASER

CAST: RYAN GOSLING, SANDRA HÜLLER, JAMES ORTIZ (STIMME), MILANA VAYNTRUB, LIZ KINGSMAN, ORION LEE, LIONEL BOYCE, KEN LEUNG, PRIYA KANSARA (STIMME) U. A. 

LÄNGE: 2 STD 37 MIN



Anscheinend gibt es nicht nur die universelle Sprache der Mathematik, die universellen Grundgesetze der Physik und all die Elemente, die wir im Periodensystem vereint haben, die überall, egal an welchem Ort in dieser Unendlichkeit des Universums ihre Gültigkeit haben. Es gilt auch die Sprache der Freundschaft, des Miteinanders und des Respekts unter all jenen, die Mathematik auch verstehen und die Grundgesetze der Physik anwenden können. Intelligentes Leben nennt man das, weit über die Kriegstreiberei hinaus, die gerade auf unserem Planeten herrscht, als hätte sich die Menschheit seit Kain und Abel sowieso nicht weiterentwickelt sondern alles lediglich neu gewandet. Fortschritt ist dabei nur die Hülle – was darin liegt, hält sich wacker an Macht und Gier.

Dieser verfluchte Hunger nach Licht

Gibt es allerdings eine gemeinsame Bedrohung, so meint Autor Andy Weir, könnten da doch interstellare Synergien entstehen. In diesem Fall ist das Problem die Sonne, die langsam an Kraft verliert. In drei Jahrzehnten könnte die Erde zum Schneeball werden, wenn nichts dagegen unternommen wird. Und im Grunde weiß man ja auch, was dahintersteckt: Es sind kleine, lichthungrige Lebensformen, genannt Astrophagen (Sternfresser), die an der Sonne nagen. Nicht nur unserem Stern geht es so – überall in der Galaxie geht den Sternen die Puste aus – bis auf einen. Warum das so ist, muss schleunigst erforscht werden, und letztlich findet sich der Molekularbiologe Grace in einem Raumschiff wieder, das niemals mehr vorhaben wird, zurück zur Erde zu gelangen. Die Entfernung von mehr als elf Lichtjahren ist Argument genug. Ganz allein muss er sich das Hirn zermartern, was die Astrophagen hier anders machen als daheim – denkt er jedenfalls. Schließlich ist da noch ein anderer Himmelskörper artifizieller Natur, ein seltsam fremdartiges Objekt, das aussieht, als hätte jemand Karamellfäden geometrisch angeordnet. In diesem ganz anderen Raumschiff sitzt Rocky – ein Alien. Doch keines von der bösartigen Sorte. Auch dieses Wesen ist allein, und aus dem selben Grund hier wie Grace: Es gilt herauszufinden, wie man die eigene Heimat retten kann. Warum also nicht gemeinsam die Köpfe (oder das, was man dafür hält) zusammenstecken und dabei jegliche Vorbehalte über Bord werfen, die man hat, wenn das Gegenüber andersartiger nicht sein kann.

Das universelle Miteinander

Andy Weirs Bücher bestechen einerseits durch zu Ende durchdachte, physikalisch akkurate  Problemstellungen, und andererseits durch einen versöhnlichen Willen zur Vernunft. Der Astronaut – Project Hail Mary ist da bislang seine stärkste Arbeit, weil es gar nicht vorrangig um die Rettung ganzer Planeten geht (das schon auch!), sondern um die Naturgesetze der Freundschaft. Mir fällt dabei ein völlig unterschätzter Film von Wolfgang Petersen aus den Achtziger Jahren ein: Enemy Mine – Geliebter Feind. Hintergrund dabei ist ein Krieg zwischen Menschen und Dracs, einer humanoiden Spezies. Jeweils einer stürzt während des Gefechts auf demselben fremden Planeten ab – und beide müssen genauso wie Grace und Rocky alles über Bord werfen, was sie entfremden könnte, angefangen vor der Furcht vor dem jeweils anderen. Um dann herauszufinden: Intelligenz hat einen gemeinsamen Nenner, der aus vielen Faktoren besteht. Damit kann man arbeiten, um zueinanderzufinden, und um zu einer Erkenntnis zu gelangen, niemals ohneeinander sein zu wollen.

Situationskomik mit den Science Busters

Chris Miller und Phil Lord, die Macher hinter den Lego Movies und dem animierten Spiderverse, pinseln dem Genre des Weltraumfilms nach zaghaften Lebenszeichen seit Gravity wieder ordentlich Farbe ins blasse Antlitz. Die kommt zwar auch, aber deutlich weniger von den zweifelsohne atemberaubenden Bildern fremder Planeten, extraterrestrischer Vehikel oder schwerelos dahingleitenden Weltraumspaziergängen. Vorrangig ist es Ryan Gosling, der dem blitzgescheiten und selbstironischen, aber völlig vor den Kopf gestoßenen Space-Pionier so viel Sympathie angedeihen lässt, dass man unweigerlich an ihm dranbleiben will, weil er so geerdet, so nachvollziehbar, so normal menschlich ist – ohne verkopfte Ideale, irgendeinem Fanatismus oder verschrobener Sheldon Cooper-Geisteshaltung. Goslings Amateur-Raumfahrer ist wie wir – greifbar, knetbar, sowohl im Hier und Jetzt als auch im Dort und Irgendwann in der Zukunft. Und das ist aber noch nicht alles. Als One-Man-Show würde es funktionieren – als Doppelconference noch besser! Denn auf der anderen Seite krabbelt die fremdartige, handwerklich talentierte Steinspinne in ihrer eigenen Atmosphäre durch die Privatsphäre dieses völlig verblüfften Menschen Gosling – und beide finden, wie schon seinerzeit Dennis Quaid und Lous Gossett Jr., die Vervollständigung des Selbst im jeweils anderen. War Enemy Mine noch ernstes Abenteuer, ist Der Astronaut – Project Hail Mary vor allem auch Situationskomödie, die gekonnt die Stolpersteine der Kommunikation und der Verständigung respektvoll belächelt – ohne sie jemals zu parodieren. Weder wird auf Kosten des Aliens noch des Menschen gelacht, doch stets um ihrer selbst willen gebangt. Lord und Miller gelingt das launige Kunststück einer so simplen wie effizienten Bromance im Nirgendwo, sie feiern den Austausch des Verstandes und die Kunst der gemeinsamen Idee. Dafür braucht man Geduld, der Film ist lang, manchmal erschöpfend. Einzig die Art und Weise, wie beide ein gemeinsames Vokabular finden, lässt sich manchmal nicht ganz nachvollziehen, kann es doch nicht sein, dass es für Begriffe, die unseren Alltag betreffen, stets ein Pendant bei Rocky gibt.

So viel Hoffnung

The Astronaut – Hail Mary ist, jenseits all der Invasions- und Alien-Thematik, die den Untergang der Erde und des menschlichen Organismus anstrebt, ein weltenbejahender Hoffnungsschimmer von Film, ein Feel-Good-Movie aus Solidarität, Selbstlosigkeit und dem Willen für das Gute. Werte, die derzeit von unserer Welt tatsächlich mehr als elf Lichtjahre entfernt scheinen.

Der Astronaut – Project Hail Mary (2026)

Avatar: Fire and Ash (2025)

BONUSRUNDE IM THEMENPARK

7/10


© 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: JAMES CAMERON

DREHBUCH: JAMES CAMERON, RICK JAFFA, AMANDA SILVER

KAMERA: RUSSELL CARPENTER

CAST: SAM WORTHINGTON, ZOË SALDAÑA, STEPHEN LANG, OONA CHAPLIN, BRITAIN DALTON, SIGOURNEY WEAVER, JACK CHAMPION, CLIFF CURTIS, KATE WINSLET, DAVID THEWLIS, TRINITY BLISS, JAMIE FLATTERS, EDIE FALCO, GIOVANNI RIBISI, CCH POUNDER U. A.

LÄNGE: 3 STD 19 MIN



Auf Disney+ läuft derzeit das Making Of mit dem Titel Fire and Water: Die Entstehung der Avatar Filme Es wäre treffender gewesen, das dritte Kino-Release ebenso zu bezeichnen: als Fire and Water, als elegante Überleitung von Teil 2, The Way of Water, zu Teil 3, im Grunde The Way of Water 2, vermengt mit ein bisschen Asche aus einem geografischen Teil Pandoras, dem James Cameron nicht wirklich viel Aufmerksamkeit schenkt. Schließlich ist diese Gebiet, auf welchem die Mangkwan hausen, vor nicht allzu langer Zeit noch kein Ödland gewesen, somit konnte sich dort auch noch kein eigenes Ökosystem etablieren. Schade eigentlich. So verspielt Cameron die Chance, seine Flora und Fauna noch auszuweiten auf Klimaregionen der Wüste. Doch der technikaffine Extremfilmer mit dem Hang zum Drill hat diesbezüglich keine Ambitionen. Warum? Das ist schnell erklärt: Avatar Teil 2 und Avatar Teil 3 wurden gemeinsam produziert. Das heisst: Alles, was in Avatar 2 an Schauwerten neu hinzukam, ist auch, bis auf einige wenige Ausnahmen, nochmal in Teil 3 vorhanden. Cameron hat sein nach seinem Wow-Triumph Avatar – Aufbruch nach Pandora nachfolgendes Opus magnum einfach nur gesplittet in The Way of Water a und The Way of Water b. Beide Filme erzählen ein und denselben Plot: Nämlich den Clinch zwischen Antagonist Miles Quaritch, der nur noch in Gestalt eines Na’vi herumstolzieren kann, und dem vogelfreien und Jake Sully, der auch nicht mehr in seine alte Haut zurückkann. Wir wissen noch aus Teil 2: Die Familie um Sully mit Neytiri und deren Kindern mussten beim „Südsee“-Volk der Metkayina, die stark an die polynesische Kultur angelehnt ist, Zuflucht suchen.

Keinen Schritt weiter

Im ergänzenden Finale zu Teil 2 geht’s also nahtlos und munter weiter mit jenem Hin und Her, das wir schon 2022 hatten. Cameron fällt im Grunde also nichts neues ein, weil er das, was er begonnen hat zu erzählen, noch nicht fertigerzählt hat. Was Peter Jackson damals gelang, nämlich, Tolkiens Hobbit tatsächlich auf drei Teile zu verdünnen, ohne dass die Geschichte repetitiv wirkt, und somit in jedem der Teile die klassische Erzählstruktur von Einleitung, Hauptteil und Schluss zuwege brachte, gelingt Cameron insofern nicht, weil er mit dem hasserfüllten Aschevolk der Mangkwan zwar einen neuen Player ins Spiel bringt, das Spiel selbst aber um keinerlei Dimensionen erweitert. Alles wiederholt sich, narrativ wie auch visuell. Klar macht auch die Technik keinen Quantensprung mehr, auch wenn drei Jahre dazwischenliegen. Wir sehen also more of the same, wir beobachten des weiteren das Leid einer Familie und ihr Streben nach Sicherheit und wie sie dabei auf der Stelle treten, während einer wie Quaritch (Stephen Lang) auch keine Fortschritte macht. Damit ist er nicht allein, denn niemand hier in dieser Saga entwickelt sich charakterlich weiter oder hat eine Heldenreise vor sich, wie man sie in der Serie Game of Thrones als vorbildliches Musterbeispiel der Figurenzeichnung beobachten kann.

Glotzkino zum Eintauchen

Schließlich komme ich wieder mal an einen Punkt, an dem ich feststelle, das James Cameron nicht wirklich gut Geschichten erzählen kann. Dafür aber kann macht er Bilder, die sonst keiner drauf hat. Avatar: Fire and Ash offenbart sich als ebenso überwältigender Hingucker wie Avatar: The Way of Water. Nichts anderes als ein monumentales Bilderbuch tut sich hier auf, ein Schau-Film erster Güte, bei welchem man nicht nach dem erzählerischen Mehrwert suchen sollte. Die Devise lautet: Loslassen, eintauchen, glotzen, glotzen, glotzen, bis die 3D-Brillen anlaufen. Als Highlight gilt hier sicher eine Sequenz, die als Wal-Action in die Filmbücher eingehen wird: Moby Dick zur zehnten Potenz, würde man meinen, wenn mehrere Dutzend intelligente Meeresriesen einen von „Captain Ahab“ angeführten Harpunier-Verein dem Meeresspiegel gleichmacht, dabei unterstützt von in der Tiefsee lebenden Kalmaren, die Jules Verne wohl vom Hocker gehauen hätten. Hier kämpft Natur gegen Technologie, und zugegeben: diesen Showdown hatte The Way of Water dann doch noch nicht zu bieten.

Was geschieht jenseits von Pandora?

Was Cameron nebst seines technischen Perfektionismus auch noch beherrscht, ist die Klaviatur des Spannungskinos. Langweilig wird einem bei dreieinhalb Stunden wirklich nicht, und das, obwohl lediglich more of the same in leichter Variation fortsetzt, was das Publikum schon als erledigt gesehen hätte. Klar sind die Asche-Bösewichte, angeführt von Oona Chaplin als wirklich toughe und betörend anmutende Gegenspielerin, der Hauptgrund für die Verdichtung der altbekannten Situation – doch warum hat Cameron nicht versucht, den Handlungsfaden um Quaritch in Teil 2 abzuschließen, um in Teil 3 mit etwas Neuem zu beginnen? Ich für meinen teil hätte erfahren wollen, wie es auf astropolitischer Seite der menschlichen Zivilisation ausgesehen hätte, ähnlich wie in Alien: Earth, einer wahren Bereicherung für dieses Universum, das garantiert nicht nochmal niemanden im Weltraum schreien lassen will, war doch Alien: Romulus schon relativ nah an bereits bekanntem Storytelling angesiedelt.

Ein Film wie ein Themenpark

Disney aka 20th Century fox hat dabei wohl viel zu viel mitzureden gehabt, und ja, wir wissen: Wenn Disney sein auf Marktanalysen basierendes Regelwerk einem Filmteam vor die Füße knallt, muss dieses wohl abwägen: Kreativität und echtes Drama oder Unkreativität und technische Attraktion. Frei nach dem Motto: Nur ein Themenpark als Film ist ein Kassenknüller, wirkt auch Avatar: Fire and Ash wie eine begehbare Pandora-World mit sämtlichen Attraktionen, die man natürlich nicht hinter einer dramatischen und unvorhergesehenen Geschichte verstecken möchte. Lieber Schablone als aus der Reihe tanzen – somit ist die jüngste Episode, die brav in der Reihe bleibt, immerhin spektakuläre Seifenoper, ein familientragisches Fackeln im Sturm, ein ausschweifender Eskapismus und anklagendes Spiegelbild amerikanischer Kolonialgeschichte.

Sollte Teil 4 also kommen, muss Cameron neue Ideen springen lassen, ein anderes Setting und andere Parameter entwerfen, denn man sieht, der Wow-Faktor schwindet. Neugierig, wo dieser dann wohl ansetzen würde, wäre ich allemal.

Avatar: Fire and Ash (2025)

Predator: Badlands (2025)

AM LAGERFEUER MIT DEM KOPFJÄGER

6/10


© 2025 20th Century Fox / Disney


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: DAN TRACHTENBERG

DREHBUCH: PATRICK AISON

KAMERA: JEFF CUTTER

CAST: DIMITRIUS SCHUSTER-KOLOAMATANGI, ELLE FANNING, REUBEN DE JONG, MIKE HOMIK, ROHINAL NARAYAN, CAMERON BROWN, ALISON WRIGHT, THE DUFFER BROTHERS U. A.

LÄNGE: 1 STD 47 MIN


Disney spürt man überall. Am stärksten bei Themen, die nicht dafür gemacht sind, den Kindern vor dem Schlafengehen als Betthupferl zu dienen. Disney will aber, das sich im Grunde alles, worüber es das Sagen hat, ein bisschen nach Betthupferl anfühlt. Predator: Badlands, jüngste Erweiterung des Franchise, das diesmal auch hochoffiziell mit dem Alien-Universum kokettiert, ist so, als würde man den beinhart agierenden Arnold Schwarzenegger in seiner Rolle als T1000 aus James Camerons Klassiker nunmehr als Kindergarten Cop einsetzen. Zumindest als unfreiwillige, pädagogisch dann doch wertvolle Aufsicht über jenen Dreikäsehoch, der als Sprössling von Sarah Connor im Endeffekt zu Nannys Nemesis werden könnte.

Der moralische Kompass eines Aliens

Tut mir leid, Predator. Wenigstens darfst du aber diesmal zum Lokalaugenschein einladen, zum Wohngespräch mit deinem Publikum, denn zum allerersten Mal seit 1987 gewährt das wirklich nicht schönste Alien des Universums einen Einblick ins Privatleben einer Yautja-Familie, die auf Yautja Prime ihre wenig zimperlichen Rituale zugunsten der Tradition genüsslich praktizieren, ohne sie zu hinterfragen. Was wir wissen: Der Yautja ist, wie der Titel schon sagt, ein Jäger, ein Trophäensammler, ein gnadenloser Bursche (es gibt, so wie ich das sehe, nur männliche Exemplare – oder gar kein Geschlecht?) mit einem moralischen Kompass ohne Pole, der wirr um sich schlägt und für Erdlinge wohl kaum verstanden werden kann. Schließlich spielten bislang Faktoren wie Achtsamkeit, Respekt vor allem Lebenden und sowas wie Humanismus überhaupt keine Rolle. Disney will aber das Gute, das wissen wir. Das moralisch Integre, Aufgeräumte, Ehrbare. Auch der Predator soll und muss ehrbar werden. Am leichtesten lässt sich das bewerkstelligen, wenn dieses Exemplar in Predator: Badlands zum Opfer seiner eigenen Familienphilosophie wird.

Ökotrip für Hartgesottene

Als schwächstes Glied der Kette wird Dek zwar von seinem älteren Bruder beschützt, doch der mächtige Patriarch hat dann doch noch das letzte Wort. Und während sich in geradezu unvorstellbarer Selbstlosigkeit der Bruder unters Messer des Vaters wirft, gelingt dem jüngeren Taugenichts die Flucht per Raumschiff auf einen lebensfeindlichen Nachbarplaneten, dessen toxische und gefährliche Fauna und Flora jedes noch so erdenkliche Habitat auf unserem Planeten zum unkrautfreien Schrebergarten erklärt. Genna heisst jener Ort, an welchem nur nachhaltige Ökotouristen mit Hang zum Suizid ihre Reise buchen. Eines der mächtigsten und unmöglich zu tötenden Kreaturen sollen hier lauern, der sogenannte Kalisk, ein Muskelpaket von Monster, stark wie King Kong, unverwüstlich wie eine Kakerlake, weil gesegnet mit einem genetischen Reperaturmechanismus, der Wunden in Windeseile wieder schließt. Dek will es aber dennoch wissen – und schaffen, was niemand zuvor geschafft hat. Bevor es aber überhaupt so weit kommt, gibt sich der Rest des Planeten ausgeschlafen genug, um sich dieser landfremden Kreatur mit ganzer Bandbreite in den Weg zu stellen.

Als gäbe es ihn wirklich

Alle, die ans Creature Design ihr Herz verloren haben, dürfen sich Predator: Badlands nicht entgehen lassen. Ich sage es an dieser Stelle ganz offen: Mein Traumjob wäre es nach wie vor, in die Fußstapfen eines Phil Tippet, Dennis Muren oder Stan Winston zu treten, doch hierzulande in Österreich kann man mit dem Erschaffen von Kreaturen aller Art herzlich wenig erreichen. Es muss dann wohl genügen, einfach zuzusehen, was andere entworfen haben – und zugegeben, man kann sich selbst hier, in Trachtenbergs Bestiarium ferner Planeten, kaum an all dieser kuriosen Biomasse sattsehen, obwohl die Viecher minütlich über die Leinwand regnen. Dabei steht der Yautja in all seiner monströsen Beschaffenheit im Zentrum der Aufmerksamkeit, und tatsächlich: Es ist, als gäbe es dieses Wesen wirklich, so realitätsnah simulieren die Könner ihres Fachs eine extraterrestrische Physiognomie, die nicht mal vor Nahaufnahmen Halt macht. Allein dafür ist Predator: Badlands ein Genuss – und kommt man damit klar, dass es nur das ist, was wirklich staunen lässt, hat man schon gewonnen.

Schließlich ist der erzählerische Rest des Ganzen einfach nur Disney. Weiß man von der Tonalität der jüngsten Serie Alien: Earth, wird selbst der von Elle Fanning dargebotene Android zu einer Quasselstrippe, die sich nach König der Löwen anfühlt. Später noch gesellt sich ein glupschäugiges Wesen hinzu, das von vorne bis hinten einfach nicht zum Stil des Predators passt, auch nicht in diese Welt und überhaupt schon gar nicht in dieses düstere Trope. Von düster will man aber nur noch wenig wissen, all das Herzige ist so geschmeidig wie eine Wimper im Auge, das stößt und sperrt sich und fühlt sich nicht richtig an. Letztendlich aber behalte zumindest ich den waldschratigen hässlichen Haudegen im Kopf, wie er seine Moral vor sich herträgt und die Gelegenheit aufgreift, sein schlechtes Image durch einen neuen Blickwinkel auf sich selbst schönzuargumentieren.

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Predator: Badlands (2025)

Tron: Ares (2025)

DIE 29-MINUTEN-REGEL

6,5/10


© 2025 The Walt Disney Company


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: JOACHIM RØNNING

DREHBUCH: JESSE WIGUTOW, DAVID DIGILIO

KAMERA: JEFF CRONENWETH

CAST: JARED LETO, GRETA LEE, EVAN PETERS, JODIE TURNER-SMITH, HASAN MINHAJ, GILLIAN ANDERSON, JEFF BRIDGES, CAMERON MONAGHAN, SARAH DESJARDINS U. A.

LÄNGE: 1 STD 59 MIN


Wie soll man sich Künstliche Intelligenz nun vorstellen? Oberstes Gebot, welches wöchentlich in mahnenden Essays zu lesen ist: Nur nicht vermenschlichen! Denn diese Art des künstlichen Denkens schafft es lediglich nur, Erlerntes und Trainiertes zu kombinieren; all die Erfahrungen, die der Mensch im Netz je geteilt hat, als Algorithmus nachzuinterpretieren, Regeln zu finden und diese dann mit den von uns eingegebenen Botschaften, kurz genannt Prompts, in Gleichklang zu bringen. Das macht es anhand von Tokens, Bausteinen sozusagen, die unsere Sätze in Bruchstücke gliedert und einen gemeinsamen Nenner herausliest. Mit Intelligenz hat das dann letztlich weniger zu tun, sondern eher mit einem riesengroßen Memory – und ja, das, worüber wir so verblüfft sind, ist einfach nur gut im Erinnern.

Schnell, bevor’s zusammenbricht

Schöner wärs allerdings – und vom Narrativ her einfach auch abenteuerlicher – wenn unser Chat GPT, Gemini oder Claude – oder wie diese mittlerweile gefühlt tausendfach zur Verfügung stehenden Tools alle heißen – genau so aussehen würden wie Jared Leto. Das wäre es doch, oder? Laut Tron: Ares verhält es sich so. Hier wird die Perspektive umgekehrt, wir blicken hinter den Vorhang der Wunder, die uns das Leben so leicht machen, auf ein Pendant zu unserer urbanen Welt; auf ein Metropolis aus Nullen und Einsen, dargestellt als architektonische High-Tech-Eskapade vor dramatischem Himmel. Hoch oben über allem, in einem stilistischen letzten Schrei von Interieur-Design, das wohl sehr schnell wieder überholt sein wird, wartet Ares – der Kriegsgott der virtuellen Welt – auf seine Instruktionen. Diese kommen von außerhalb, dort wo wir sind, und erscheinen auf der anderen Seite als großes, dröhnendes, herrisches Diktatorengesicht, das sagt, wo es langgeht. Ares führt, ohne viel zu hinterfragen, alles schön brav aus, so wie er es gelernt hat. Und noch etwas gelingt ihn: Diesmal ist es möglich, dass sich ein intelligentes Programm in der unseren, realen Welt (die laut jüngsten mathematischen Erkenntnissen nicht so wie in Matrix eine Simulation sein kann, mehr dazu hier) manifestiert. Allerdings – und jetzt kommt die Pointe, an welcher sich der gesamte Film schließlich aufhängt: nur 29 Minuten. Danach fällt alles, was aus dem 3D-Drucker kommt, wieder in sich zusammen und verpufft. Das ist für den Rüstungsgiganten Dillinger (dessen Großvater im 80er-Knüller Tron schon als Antagonist zu sehen war, nur kaum jemand kann sich erinnern) eine Hürde, die es mit allen Mitteln zu überwinden gilt. Leicht wäre das zu bewerkstelligen, wenn dieser nur an den sogenannten Persistenzcode kommen könnte, den das Konkurrenzunternehmen ENCOM mit Superwissenschaftlerin Eve Kim (Greta Lee, Past Lives) kurz davor steht, zu entdecken. Das geht schließlich nur mit unlauteren Mitteln, und so setzt Dillinger Jared Leto auf die Guten an, die sich logischerweise nicht in Schwarzrot präsentieren, sondern in vertrauensvollem Türkisblau – eine Farbe, die einfach nicht böse sein kann.

Disneyland-KI fürs Auge

Das Filmmagazin cinema wirft Tron: Ares des weiteren vor, um einen Plot zu kreisen, den ein KI-Tool hätte erstellen können, und zwar in Windeseile, weil Effizienz ist das neue Schwarz. Aus meiner Sicht bietet der dritte Teil, der nur so tut, als würde er sich bemühen, die Brücke zu den Vorgängern zu schlagen, weitaus besseren Stoff als so manch anderes im Genre der Action oder der Science-Fiction. Aus der 29-Minuten-Hürde lässt sich in der Tat einiges herumbauen. Joachim Rønning weiß das und inszeniert ein unschlagbar naives Bilderbuch über einen technosozialen Paradigmenwechsel, der nur peripher mit dem zu tun hat, worin wir selbst gerade stecken. Statt Statt kritischer Blicke auf die Büchse der Pandora bietet Tron: Ares sympathischen Eskapismus und will viel eher als zeitgeistige Design-Revue mit ordentlich Drive verstanden wissen als in den Reigen der Black Mirror-Albträume aufgenommen zu werden.

Vergesst nicht, wir haben es hier mit Disney zu tun, Disney arbeitet mit simplen Parametern und Formeln, allerdings ist der Konzern ausgeschlafen genug, um die Rezeptur mit Fachexpertise umzusetzen. Während der Sound von Nine Inch Nails ordentlich fetzt, bietet Tron: Ares eine von den Settings bis zu den Kostümen durchgestylte Welt, in der Designer aller Couleur sichtlich ihr Bestes gegeben haben. Tron: Ares ist auch ausschließlich dafür gemacht, zwei Stunden Popcornkino zu liefern, das nicht den Faktor KI verteufelt, sondern nur den, der sie anwendet. Das Willkommensklatschen eines künstlichen Bewusstseins in unseren Kreisen der sterblichen Biomasse ist somit laut und freundlich. Nach nicht mal 29 Minuten hat man längst Platz gefunden in einer Zukunft, die niemanden etwas wegnimmt, und daher auch niemals real sein kann. Als LLM-Illusion für Dummies aber, und da zähle ich mich mindestens spielfilmlang dazu, hat alles seine moralische, aber vorurteilsfreie Ordnung.

Tron: Ares (2025)

The Fantastic Four: First Steps (2025)

SCIENCE-FICTION VON GESTERN

6/10


© 2025 20th Century Studios / MARVEL


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: MATT SHAKMAN

DREHBUCH: JOSH FRIEDMAN, ERIC PEARSON, JEFF KAPLAN, IAN SPRINGER, KAT WOOD

KAMERA: JESS HALL

CAST: PEDRO PASCAL, VANESSA KIRBY, EBON MOSS-BACHRACH, JOSEPH QUINN, JULIA GARNER, RALPH INESON, PAUL WALTER HAUSER, MARK GATISS, SARAH NILES, NATASHA LYONNE, MATTHEW WOOD U. A.

LÄNGE: 1 STD 54 MIN


Im Rahmen der so gut wie alle Aspekte abdeckenden Ausstellung auf der niederösterreichischen Schallaburg zum Thema Träume gibt es ein bibliophiles Exponat, ein sogenanntes Sticker-Album, wie es Kinder gerne haben, stammend aus den Sechzigern, in welchem Visionen der Zukunft dargestellt werden. Genau so stellte sich damals die zivilisierte Welt die nächsten Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte vor. Wie niedlich. Wie naiv. Und wie formschön!

Diese Art und Weise des Vorausdenkens nennt man Retro-Futurismus. Perry Rhodan-Leser der ersten Stunde schätzen die Cover-Artworks der Romanhefte, die nach wie vor das Auge erfreuen und jeden Roman-Shop schmücken: Stromlinienförmige Vehikel in der Luft; Roboter, deren Mechanik infantil erscheint. Urbane Stadtbilder mit tropfen- und zapfenartigen Türmen, Brücken und schwebende Boliden, alles aus einem Guss. Jetzt ist dieser liebreizende Stil auch im Marvel-Universum angekommen. Mitgeliefert im narrativen Rahmen des Multiversums, das seinerzeit Dr. Strange, aber auch Loki, der schabernacktreibende nordische Halbbruder Thors, erst möglich gemacht haben. Was wir in The Fantastic Four: First Steps zu sehen bekommen, ist die Erde 828, also nicht jene Erde, auf welchem sich der eigentliche Erzählfaden des MCU abspielt (die wäre 616). Hier ist alles ganz anders, gibt es keine Avengers und keine sonstigen Superhelden. Auch kein Wakanda, auch keine Secret Invasion, kein Daredevil und kein Punisher: Hier haben sich drei Astronauten und eine Astronautin zu einer dritten Macht vereint, die nach einem Weltraumausflug und einigen Turbulenzen nun sagenhafte Kräfte besitzt, die den vier Elementen entsprechen. Eine schöne Idee, die Stan Lee und Jack Kirby hier hatten. Diese vier leben in einer Welt, die man in einem Reisekatalog für Science-Fiction-Fans der früheren Generationen erfolgreich anpreisen könnte. Und zugegeben: Der Look des Films schlägt die Story, er schlägt so gut wie alles, was in Matt Shakmans neuem Anlauf zu den Fantastic Four zu erleben sein wird.

Shakman hat seine Liebe zu konsequenten Stilwelten nicht erst mit diesem Film hier entdeckt, schließlich war er verantwortlich für eine der originellsten Beiträge zum MCU, die es bisher gibt: WandaVision. In dieser neunteiligen Mini-Serie entdecken Hexe Wanda Maximoff und ihr Geliebter Vision, die längst eine Sitcom-Familie gegründet haben, dass nichts so ist, wie es scheint. Dabei unternimmt Shakman eine Zeitreise durch Jahrzehnte des Fernsehens, von antifeministischer Küchen-und Familienordnung der Fünfziger in Schwarzweiß bis zur farbintensiven Serienschwemme der Neunziger in grellen Outfits. Er weiß also, wie stilsicher man seine Settings errichten kann. So hat auch dieses Abenteuer tief in die Designer-Kiste gegriffen und eine akkurate Welt komponiert, die man so und in diesem Ausmaß noch nicht gesehen hat. Hinzu kommen Weltraumszenen in der Dynamik vergangener Science-Fiction aus dem Röhren-TV, die abermals an die gute alte Vorstellung grenzenloser Weiten erinnern. Schön ist das. Und gleichzeitig völlig überhastet.

Denn es ist nicht so, dass die Fantastic Four hier ihre First Steps auf dem Filmparkett klackern lassen: Die Helden haben, und das erfahren wir im Rahmen einer Fernsehshow, moderiert von Mark Gatiss, schon einiges erlebt, was wir nicht wissen. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit einem gewissen Mole Man, der unter der Erde das Volk der Subterraner anführt. Was haben wir verpasst? Naja, so einiges. Dafür hätte es in manchen Lichtspielhäusern großer Kinoketten ein Prequel-Comic gegeben, das mir aber niemand in die Hand gedrückt hat. Doch wie auch immer: Jetzt ist Sue Storm aka Richards (weil verheiratet mit Reed Richards, dem Gummi-Mann) schwanger und fliegt unter diesen Umständen ins Unbekannte, um eine Bedrohung abzuwenden, die sich Galaktus nennt. Auch dieser Hüne wurde von Lee und Kirby erschaffen und gilt als Weltenverschlinger. Der Silver Surfer (diesmal eine Frau), stets in dessen Diensten, hat diesmal die Erde als Appetithappen ausfindig gemacht. Und ja: Der von Ralph Ineson verkörperte Gigant lässt Thanos geradezu mickrig aussehen – Godzilla hingegen nicht. Der Riese, ehemals ein normales humanoides Wesen vom Planeten Taa, plagt ein astronomischer Hunger, und nicht ganz freiwillig muss Terra seinen Magen füllen. Da Shakman eigentlich nur zwei Stunden Zeit hat, um erstens die Vier neu vorzustellen und zweitens diese stattliche Bedrohung so abzuwenden, dass der Film auch sein Ende findet, hechelt das Abenteuer ruhelos durch eine sprunghafte Abfolge schnell durchdachter Initiativen, die in völlig unrealistischen Zeiträumen in die 828-Realität umgesetzt werden. Hier hapert es gewaltig mit inhärenter Plausibilität und Timing, hapert es mit dem Fehlen einer Vorgeschichte und einer Storyline, die einer grob zusammengezimmerten Inhaltsangabe gleichkommt, die man vielleicht auf Wikipedia liest.

Visuell ist The Fantastic Four: First Steps erste Sahne, nebenher jedoch will der Film zu viel erzählen und erreicht damit genau das Gegenteil. Im Endeffekt ist man zwar informiert, aber emotional kaum beteiligt.

The Fantastic Four: First Steps (2025)

M3GAN 2.0 (2025)

ROBO-LOLITA GIBT SICH DIE HANDKANTE

6,5/10


© 2025 Universal Pictures

LAND / JAHR: USA 2025

REGIE / DREHBUCH: GERARD JOHNSTONE

KAMERA: TOBY OLIVER

CAST: ALLISON WILLIAMS, VIOLET MCGRAW, AMIE DONALD, IVANNA SAKHNO, ARISTOTLE ATHARI, JEN VAN EPPS, BRIAN JORDAN ALVAREZ, TIMM SHARP, JEMAINE CLEMENT U. A. 

LÄNGE: 2 STD


Wenn die KI der Zukunft keine Terminatoren mehr hat, um sie in die Vergangenheit zu schicken, plündert sie womöglich den einen oder anderen Spielzeugladen, um einer Puppe habhaft zu werden, die genauso austeilen kann wie Alita, the Battle Angel. Die Rede ist von M3GAN, mit herzerweichend großen Augen und Knutschmund, weißen Strümpfen und Lolita-Mini, ein Hingucker für ältere Geilspechte, aber auch für junge Mädels, die in der falschen Welt von Social Media Idealmaßen und sonstigen kruden Stereotypen nacheifern. Da wärs doch gut, in Zeiten juveniler Egomanie eine toughe Freundin an der Seite zu haben, die so aussieht, als wäre sie von einer TikTok-KI zusammengeschustert. M3GAN 1.0 hat diese Aufgabe im erfolgreichen Einstand von Blumhouse noch viel zu ernst genommen. Um die neunjährige Cady, die ihre Eltern verloren hat und nun bei ihrer technikaffinen Tante wohnt, zu beschützen, tut Megan alles, und zwar wirklich alles. Auch anderen Lebewesen tut sie einiges an.

Vom Science-Fiction-Horror ist drei Jahre später nichts mehr zu sehen. Was bleibt, ist Science-Fiction, und eine relativ brandaktuelle obendrein. Da uns alle die Geißel der KI global zum Fortschritt drängt, um unser Leben einfacher zu machen als möglich und gesund wäre, kann der Paradigmenwechsel natürlich nicht spurlos am Filmbiz vorbeiziehen. Hier gibt es bereits einiges, das noch weit vor dem KI-Zeitalter pessimistische Vorausbetrachtungen auf Schiene setzen konnte. Das beginnt schon bei Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum, wenn ein menschenmordender Computer doch nur seine Pflicht erfüllen muss und dabei über Leichen geht. M3GAN 2.0 verbindet mit Bord-Intelligenz HAL 2000 zumindest die Denkweise. Genau das kann uns vielleicht irgendwann gefährlich werden. M3GAN allerdings, anfangs als körperlose KI im Elektronikhaushalt von Gemma (Allison Williams, Get Out) herumgeisternd, dürfte aus ihren Fehlern gelernt haben und auf die gute Seite wechseln, ganz so wie Arnold Schwarzenegger in Terminator 2: Tag der Abrechnung, der allerdings nicht sein eigenes Tun reflektierte, um ein besserer Roboter zu werden, sondern mit gänzlich anderen befehlen im Oberstübchen Mr. Flüssigmetall die Hölle heiß macht. Megan muss in filmischen zeiten wie diesen gegen eine metallene Antagonistin antreten, die noch mehr so aussieht wie ein Mensch und so kämpft wie Kristanna Loken in Terminator 3: Rebellion der Maschinen. Ist das Ganze also eine Parodie auf Filmreihen wie diese?

Jein. Gelegentlich wühlt M3GAN 2.0 im Schrottplatz für wiederverwertbare Robotik-Versatzstücke, jedes Mal mit einem „Wow! – Was hab ich da gefunden!“ unterlegt. Nicht hörbar zwar, aber von entsprechender Tonalität. MEGAN rauscht bald wieder, diesmal etwas größer, durch geheime Laboratorien, gelenkig wie immer und scheinbar kurz davor, die Seiten zu wechseln, denn was weiß man: auch KIs sind launisch. Der augenzwinkernde Humor kommt diesmal nicht zu kurz, und ja, es ist eine Komödie, knallbunt, chromglänzend und vor allem eines: äußerst entspannt. Diese launige Lust am Triezen von allem, was glaubt, am Ende der Fortschrittskette zu stehen und es besser zu wissen, wird auf triviale Weise zum Guilty Pleasure – ohne aber wie die Netflix-Serie Black Mirror tief im verstörenden Horror einer möglichen Zukunft zu wühlen. Gerard Johnstones Film, stark eingefärbt mit dem Kolorit der digitalen Zerstreuung, fühlt sich an wie ein Smalltalk zu brisantem Thema, der in anspruchsloser Spiellaune diverse Worts-Case-Szenarien karikiert. Das passiert völlig unangetrengt und entwischt dabei einem Genre, in dem es thematisch nichts mehr zu holen gibt. M3GAN 2.0 steht dazu – und zuckt nur mit den künstlichen Schultern.

M3GAN 2.0 (2025)