The Great Wall

AUF DER MAUER, AUF DER MAUER…

6/10

 

greatwall

Regie: Zhang Yimou
Mit: Matt Damon, Pedro Pascal, Willem Dafoe

 

Alle Kenner der Game of Thrones-Saga wissen – die Mauer im Norden schützt Westeros vor den Wildlingen und den Weißen Wanderern. Wie gut und wichtig so eine Mauer sein kann, beweist der mönchartige Orden der Nachtwache, gewandet in ästhetisch-unbuntem Schwarz, spaßbefreit und grimmig. So eine Mauer gab und gibt es auch in unserer Welt. Zwar längst nicht so hoch, aber ich schätze mal viel länger. Und am Wehrgang tummeln sich ganz andere Leute, nämlich Krieger in atemberaubend kunstvollen, knallbunten Rüstungen. Blau, Grün und Rot, schillernd und blank poliert. Fast wie die extraterrestrischen Outfits aus dem neuen Power Rangers-Film. Nur mehr davon, viel mehr. Und wozu das Ganze? Wozu dieser Aufwand, diese gigantische Verteidigungsanlage auf einer Mauer, durch die der Illusionist David Copperfield bereits hindurchgegangen ist?

Dazu muss man wissen – wir befinden uns zeitlich gesehen im letzten Drittel des Mittelalters, wo das Wissen um das berüchtigte, in China boomende Schwarzpulver seine Runde macht. Und man muss auch wissen – bei Zhang Yimou´s Monstergemetzel handelt es sich angeblich um eine von vielen Legenden, die sich um die große Mauer ranken. An dem Oscarpreisträger und Regisseur von Meisterwerken wie Hero oder Rote Laterne ist das Blockbusterkino aus dem Westen jedenfalls seine Spuren hinterlassen. Womöglich hat Yimou an der Revival-Schwemme der Monstergiganten doch irgendwie Gefallen gefunden. Zumindest haben es fernöstliche Filmproduzenten geschafft, gemeinsam mit Universal Pictures den Regie-Altmeister ins Boot zu holen. Jemand, der weiß, wie man Schlachtengetümmel ähnlich einem Kostümballett in Szene setzt, Martial Arts zur überstilisierten Kunst erhebt und Pfeilregen in mathematischer Symmetrie perfekt choreographiert.

Dieses Know-How braucht man, denn in The Great Wall trifft Marco Polo auf Pacific Rim. Die unerschöpfliche Herde an Kreaturen, die die sagenumwobene Mauer erklimmen wollen, um ins altchinesische Königreich zu gelangen, ist in ihrer Biomasse mit Guillermo del Toro´s Giganten aus dem Meer fast gleichzusetzen. Das uralte Bauwerk stemmt sich wie Helms Klamm aus Tolkiens Herr der Ringe den blutgierigen Vierbeinern entgegen. Inmitten des zähnefletschenden Herdentriebs thront die Königin – ein formschönes wie grausames Wesen, bewacht von drachenartigen Leibwächtern, die das auf Vibra-Call kommunizierende Geschöpf mit ausfahrbaren Nackenschildern vor den brennenden Katapultgeschossen der Menschen schützt. Das Design der zahnbewehrten Kreaturen erinnert frappant an Del Toro´s Ideenfundus, und die Gefechte auf der Mauer sind bunt, blutig, bis zum Abwinken glorifiziert und mit eleganten Frozen Stills durchsetzt. Das haben wir schon bei Hero mit heruntergeklappter Kinnlade beobachten können, da zeigt uns der Film zwar nichts Neues, aber gern Gesehenes. Weta-Effekte sind es keine, doch die Ausstattung macht es wieder wett. Allerdings – Matt Damon und „Prinz Oberyn“ Pedro Pascal als zottelige Abenteurer, die dann noch auf einen sinisteren Willem Dafoe stoßen, wirken tatsächlich wie schlecht geschminkte Auslandsreisende ohne Ortsplan. Damons unterfordertes Spiel in diesem üppigen Monumental-Trash weicht nur gelegentlich einem Staunen, das der exotischen Extravaganz geschuldet ist. Warum der talentierte Mr. Ripley als Quotenamerikaner das asiatische Kino auch für den Westen zur Salonfähigkeit verhelfen muss, erklärt sich womöglich aus dem Revival der Kaiju-Fantasy und der immer enger werdenden, wirtschaftlichen Zusammenarbeit der amerikanischen mit den asiatischen Produktionsstudios. Geteilte Kosten sind halbe Kosten. Da können sich westliche Schauspieler wie Matt Damon oder Willem Dafoe durchaus erkenntlich zeigen. Was sie auch tun – halbherzig und als launige Groschenroman-Charaktere, eng verwandt mit den Filmfiguren der Karl May-Abenteuer.

Wen das nicht stört, und wer schon immer triviales Retro-Abenteuer im Popcornkino der frühen Sechziger mit einer Monster-Apokalypse kombiniert sehen wollte – der sollte sich The Great Wall nicht entgehen lassen. Dabei ist das Geheimnis um die Tao Ties, wie die Viecher genannt werden, ja gar nicht mal so unoriginell. Und sollte demnächst eine Besichtigung des achten Weltwunders anstehen, wäre der Film während des Fluges nach China nicht nur Zeitvertreib, sondern auch eine passende Einstimmung der pittoresken Art.

The Great Wall

Jason Bourne

KEINE RUH‘ HAT MAN!

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jasonbourne

Er will nicht mehr, er kann nicht mehr. Das einzige, was er will, ist in Ruhe gelassen zu werden. Aber nein, noch immer oder schon wieder ist die CIA hinter ihm her. Tatsächlich hat die Geheimdienstzentrale der Vereinigten Staaten nichts Anderes zu tun als die Geister, die sie gerufen hat, loswerden zu müssen. Blöd nur, wenn solche Geister nicht mehr totzukriegen sind. Matt Damon alias Jason Bourne alias jemand ganz anderer ist so ein Schreckgespenst unter den Agenten. Von einer Vertrauten aus früheren Zeiten kontaktiert und damit aus der Versenkung geholt, findet sich die geknechtete menschliche Kampfmaschine im Visier von Auftragskillern und anderen dunklen Gestalten aus dem Untergrund wieder – um abermals aufzuräumen und seiner wahren Identität diesmal aber beträchtlich näherzurücken.

Nach dem beim Publikum eher durchgefallenen Spin Off mit Jeremy Renner als Bournes Leidensgenosse, der ähnlich arg in Bedrängnis gerät, hat man den Charaktermimen Damon ein viertes Mal als Jason Bourne überreden können. Dass diese Verhandlungen der Studios mit ihrem Zugpferd wahrscheinlich kein Honiglecken waren, sieht man an der Mine des Schauspielers in jeder Sekunde. Denn so sauer und unzufrieden mit sich und der Welt kann normalerweise nur Tommy Lee Jones dreinblicken. Ach ja, Tommy Lee Jones. Der spielt hier übrigens auch mit. Zerknitterter und missmutiger denn je. So treffen sich zwei Pessimisten in einem von Paul Greengrass irgendwie hastig heruntergekurbelten Agententhriller voller Wackelkamerabilder und hitzigen Autoverfolgungsjagden. Das faltenfreie Gegenstück zu den verkniffenen Gesichtern in einem Thriller, der irgendwie an Bullitt und Auf der Flucht erinnert (auch mit Tommy Lee Jones), ist die aparte Alicia Vikander. Ihr undurchschaubares Spiel mindert dann doch das drängende Gefühl, in schlechte Stimmung zu geraten. denn Mat Damons zorniges Spiel ist geradezu ansteckend. Da hat ja eher noch Liam Neeson in seiner verstörenden Gleichgültigkeit als familienfreundlicher Ego-Shooter mehr Liebreiz. Aber wen wundert’s, wenn man ständig gejagt wird, vergeht einem das Lachen bis auf weiteres. Da will man irgendwann von nichts mehr irgendwas wissen. Doch wenn das Ziel so nahe ist, geht noch was. Und da mausert sich der Film kurz vor dem Ende des ewig dauernden Katz- und Mausspiels doch noch zu einem halbwegs unterhaltsamen Thriller, der zwar nichts Neues von der Geheimdienstfront zu berichten weiß, aber Fans von reißbrettartigen Crossover-Duellen diverser guter, halbguter und böser Top-Agenten über den Abend bringt. Und wer noch dazu Vincent Cassels Adler-Visage seit Black Swan auf der großen Leinwand vermisst hat, kommt ebenfalls auf seine Rechnung.

Dass ein fünfter Teil auszuschließen ist, kann ich letztendlich leider nicht bestätigen. Jeremy Renner darf’s von mir aus durchaus auch wieder sein, am besten gemeinsam mit Matt Damon. Denn ein bisschen Buddy-Geplänkel könnte dem etwas zu ernst dreinblickenden Actionthrill eventuell ganz guttun.

 

Jason Bourne