Power Rangers

DER STOFF, AUS DEM DIE SPIELZEUGHELDEN SIND

4/10

 

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REGIE: DEAN ISRAELITE
MIT ELIZABETH BANKS, BRYAN CRANSTON, BECKY G, NAOMI SCOTT, DACRE MONTGOMERY

 

„Bis zur Unendlichkeit, und noch viel weiter!“ Das Leitmotiv kennen wir doch, oder? Niemand geringerer als der legendäre Buzz Lightyear, Beschützer des Universums, hat dieses motivierende Credo drauf. Dabei ist der grünweiß gepanzerte Knilch eine Spielfigur aus Toy Story, die auf Knopfdruck die Arme heben, Heckspoiler aufklappen und einige blecherne Onliner von sich geben kann. Da sind die Power Rangers nicht viel anders. Auch sie beschützen das Universum, und auch sie sind nur Spielzeug. Dass man Spielzeug zu einer Bedrohung werden lassen kann, wissen wir spätestens seit Transformers. Und frühestens seit Masters of the Universe. Es ist Zeit, es zuzugeben – ja, auch ich habe diese Fantasygurke mit Dolph Lundgren als Halbwüchsiger genossen, ungeachtet aller haarsträubenden Logiklöcher. Mittlerweile ist in Sachen Spielzeugverfilmungen einiges weitergegangen – doch weiter als bis zur Wiederbelebung totgeglaubter Actionfiguren dann doch auch wieder nicht. Dabei fängt der zu erwartende infantile Science-Fiction-Spaß sogar ganz vielversprechend an.

5 Teenager, allesamt Außenseiter, die an die Nachsitzrunde des Breakfast Clubs erinnern, geraten zufällig und sogar erst ungewollt aneinander, um dann gemeinsam auf ein seit prähistorischen Zeiten dahinsiechendes, eingegrabenes Raumschiff zu stoßen, dass als mobile Zentrale der ersten Power Rangers reaktiviert wird. Natürlich sind die fünf Freunde die Auserwählten, keine Frage. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Da ist es scheinbar egal, ob der Retter der Welt ein Charakterschwein ist oder ein Intellektueller mit sozialer Ader. Welch ein Zufall, dass genau die richtigen das Schiff betreten haben. Richtig zumindest im Sinne des Castings. Alle 5 sind neue, motivierte Gesichter, und könnten bald in kommenden Serienformaten wiederentdeckt werden. Im Bordcomputer der entdeckten Basis steckt „Walter White“ Bryan Cranston, der wie durch ein Wunder amerikanisches Englisch spricht. Wenn er doch zumindest so herumstottern würde wie Max Headroom. Ihm zur Seite ein seltsam aufgeweckter Roboter mit ALF-Attitüden. Der Film hat seine besten Momente, als jeder einzelne der Kandidaten oder Kandidatinnen seine bzw. ihre Superkräfte entdeckt. Ein bisschen Mystery, ein bisschen Chronicle. Dieser lockere Independentanspruch verblasst dann, wenn Elizabeth Banks als üble Antagonistin die Bühne betritt.

Was passiert hier? Zuerst als Mumie wiedererweckt, mutiert der Tribute von Panem-Star zu einer Trash-Ikone Marke Xenia. In ihrem relativ textilfreien Hartschalen-Kampfbikini und dem goldenen Zepter ist Bösewicht Rita Repulsa ungefähr so ernstzunehmend wie Dolph Lundgren mit blonder Föhnfrisur. Eine zum Fremdschämen lächerliche Figur, was aber nicht an den schauspielerischen Ambitionen von Elizabeth Banks liegt, sondern an der Figur an sich. Und dann der Supergau: Blecherne Dinos und Riesenkäfer ackern sich durch eine Kleinstadt und beeindrucken mit der Beschaffenheit aufgeblasenen Plastikspielzeugs. Dagegen wirken Michael Bay´s Transformers-Kreaturen wie ernstznehmende Bedrohungen. Der Anspruch, martialischen High-Tech anders zu gewanden als Optimus Prime & Co, geht nach hinten los. Power Rangers verspricht anfänglich ein vergnügliches, erfrischendes Aha-Erlebnis, um dann auf ganzer Linie zu enttäuschen. Tatsächlich ist die lebendig gewordene Spielzeugwelt mehr Schein als Sein. Trivialer Kinderkram, hinter dem sich leider kein lohnenswertes Cinematic Universe verbirgt.

Power Rangers

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows

KRÖTEN IN NÖTEN

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turtles

Viele Leser werden jetzt wahrscheinlich den Kopf schütteln und sich vielleicht fragen, ob ich tatsächlich nichts Besseres zu tun hatte als mir einen infantilen Actionfilm über vier ebenso infantile Schildkröten anzusehen, die unmissverständlich ins Kinderprogramm gehören und noch dazu keinerlei edukative Aufgabe übernehmen. Nun, tatsächlich beinhaltet Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows rein gar nichts, was man sich nach dem Abspann mit nach Hause nehmen kann. (Muss es aber auch nicht immer…) Vielleicht kann man später etwas mehr mit den Namen Leonardo, Raffael, Michelangelo und Da Vinci anfangen – sie richtig zuzuordnen wird man aber auch dann nicht imstande sein, wenn man diese Namen googeln würde. Denn dann würden wieder diese Schildkröten auftauchen – die aber sensationell animiert sind. 

Ich will sicherlich kein Loblied über dieses Machwerk vom Stapel lassen. Wir wissen, es ist ein abendfüllender Werbeclip für Merchandising-Spielzeug. Purer Kommerz, der Kinder, die jugendfreie Action lieben, glücklicher macht – und Eltern um einiges Taschengeld ärmer. Das von Michael Bay produzierte Krötengekloppe bedient sich derselben Effektschmiede wie die Transformers-Filmreihe. Computeranimierter Motion-Capture-Naturalismus bis in die kleinste Pore und bis in jede noch so kleine Faser diverser fester Elemente. Action im HDR-Modus, der das Auge sehr schnell ermüdet. Allerdings – die Mimik und die Animation der fleischgewordenen Spielzeugfiguren ist ziemlich perfekt. Besser kann man diese Dinger nicht kreieren, dafür gibt’s ein Plus. Der Film selber bedarf aber kaum einer Erklärung. Ein plakatives Szenario rund um den Erzfeind Shredder, mittendrin Botox-Schönheit Megan Fox, die sich mit lächerlichem Fantasykram abgeben muss, da ihr Agenturmanagement sonst keine Angebote mehr erhaltet. Doch immerhin – gut bezahlt ist diese Rolle sicher, ist sie doch nur eine von wenigen realen Besetzungen in einem fast zur Gänze trickanimierten Film, der ordentlich dröhnt und klotzt, aber trotz allem in nichtssagender Albernheit versinkt. Wer immer diese Idee hatte, Schildkröten als Actionhelden ins Leben zu rufen – ihm gebührt mein Respekt. Vor allem aber eher in Anbetracht der Tatsache, mit dieser kruden Kreation Lizenznehmer und Wirtschaftspartnern überzeugt zu haben. Wie immer sind die schrägen Ideen die Besseren – somit sei den vier Reptilienbrüdern die Daseinsberechtigung sicher nicht aberkannt.

Die Zeichentrickserie hätte aber gereicht. Für Erwachsene zu dämlich, für Kinder zumindest visuell zu überfordernd. Wem soll dieser Film nun genügen? So schlingert das knallbunte Effektgewitter zwischen den Zielgruppen umher und wirbt für Pizza, Oberlippenbotox und Spielzeug. Popcornkino, bei dem das Popcorn den größeren Kick verleiht. 

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows