Aladdin (2019)

EIN BLAUES WUNDER ERLEBEN

7/10

 

aladdin2019© 2019 Disney Germany GmbH

 

LAND: USA 2019

REGIE: GUY RITCHIE

CAST: MENA MASSOUD, NAOMI SCOTT, WILL SMITH, MARWAN KENZARI, NASIM PEDRAD U. A.

 

Was bin ich froh, dass unser Auge elektromagnetische Strahlung von einer Wellenlänge zwischen 380 und 760 Nanometer wahrnehmen kann. Es ist das reflektierte Licht, das es sieht. Und zwar in von uns unterscheidbaren rund 20 Millionen Nuancen. Ein Wunder, um es salopp auszudrücken. Gut, dass das Kino schon in den frühen 30ern begonnen hat, Farbe zu bekennen. Und sich anfangs dieser üppigen Strahlkraft in reinstem Technicolor bedient hat. Mit Aladdin hat Disney tatsächlich gefühlt alle 20 Millionen Schattierungen aus dem Malkasten gekippt, direkt in die fiktive, an historisch ähnlichen Begebenheiten angelehnte, frei erfundene Welt von Scheherezade hinein. Und das Volk, es strahlt. Ein Pomp ist das, ein Fest verliebter Details, die da auf das altersdurchmischte Publikum einprasselt. Da wünscht man sich, im Kino auf die Pausetaste drücken zu können, um wirklich jeden Winkel im Breitbild entdecken zu können. So aber bleibt der Blick nur an einigen wenigen Szenen hängen, aber die sind schon perfekt genug platziert, um den Eindruck einer Märchenwelt zu erlangen, die das wahre Bagdad eines Harun Al Raschid, unter dessen tatsächlicher Regentschaft die Sammlung der Märchen aus tausendundeiner Nacht erst entstanden sind, in den spärlichen Schatten einzelner Dattelpalmen stellt. Der Palast, er funkelt und schillert, ihm zu Füßen ein turbulenter Alltag zwischen Tuchverkäufern, Fladenbrotbäckern und Tagedieben, wie unser Held Aladdin einer ist. Der gerät wie durch Zufall an die traumhaft schöne Tochter des Sultans, Prinzessin Jasmin, die in Allerweltskleidung (immer noch von großem Stil) einen auf gewöhnlich macht und hungernden Kindern Brote klaut. Aladdin rettet sie natürlich von der Stadtwache und fällt dabei dem Großwesir Dschafar ins Auge, der in ihm den richtigen Kandidaten zur Beschaffung einer ominösen Lampe sieht. Der Rest ist natürlich eine bekannte Geschichte, sofern entweder das originäre Märchen oder der Zeichentrickfilm von Disney aus dem Jahr 1995 geläufig ist. Der war damals eine Sensation: Mit Witz, sympathischen Figuren, von aufgeweckt abenteuerlichem Reiz und mit dem Herz am rechten Fleck. Die Stimme des blauen Dschinni: Robin Williams.

In Guy Ritchies Neuverfilmung dirigiert Will Smith das Wunschkonzert, mit blassblauem Teint (eigentlich ist er Navyblau), gewinnendem Schmunzeln und einnehmendem Talent zum Showmaster. Die Wahl des ehemaligen Prinz von Bel Air war eine gute – Smith ist nach einigen schwächeren Ausflügen ins ernstere Fach wieder dort gelandet, wo er sein Charisma aus der Lampe lassen kann: in einer komödiantischen, aber niemals albernen Rolle voller gutherziger Untertöne und der bescheidenen Sehnsucht nach Freiheit. Das nimmt man dem Flaschengeist, ohne lange zu überlegen, locker ab. So wie Aladdins Schwärmerei für die schöne Unbekannte. Das alles liegt natürlich an einem Ensemble, welches vor lauter Spielfreude gar nicht mehr weiß wohin damit. Einziges Ventil: lasset uns singen! Und auch das gelingt, obwohl ich Musicals nicht sonderlich mag. Warum mich die melodiösen Monologe dennoch überzeugt haben? Nun, weil der lässige Guy Ritchie die Nummernrevue so lückenlos in die Handlung verwebt wie die Knoten bei einem Perserteppich. Mit dem Ergebnis, dass besungene Actionsequenzen a la Indiana Jones neuerdings die Schule machen und ohne die in die Suqs der Altstadt geschmetterten Zwei- und Mehrzeiler das ganze Brimborium nur mehr der halbe Spaß sein könnte. Also lauschen wir den arabischen Rhythmen, verlieben uns in hüftschwingende Exotik und bemerken bald, dass das passive Lümmeln im Kinositz einem zaghaften Schultershake gewichen ist. Das geht ins Ohr, was Aladdin und Co hier zum Besten geben, und nimmt auch nicht überhand, sodass man es leid wäre, in ein reines Musical gegangen zu sein. Ganz Musiktheater ist es nämlich auch nicht, und das ist richtig so. Viel wichtiger scheint die Opulenz des Zauberspiels zu sein, an dem Ferdinand Raimund seine ganze Freude gehabt hätte und sowieso schon üppigst ausgestattete Filme wie Hook plötzlich entsättigter wirken. Farbe ist in Aladdin das neue Schwarz, Prunk das neue Feng Shui und die alte Tradition des Geschichtenerzählens gerade wieder innovativ. Guy Ritchie, der natürlich gerne Legenden konterkariert, weiß, dass Aladdin so was nicht verlangt. Natürlich auch, weil Disney das nicht will. Und Familienfilme wie dieser mit bewährtem Storytelling am besten funktionieren.

Der charmante Witz, der kommt allerdings trotzdem nicht zu kurz, ganz im Gegenteil. Zu lachen, schmunzeln und träumen gibt es viel. Und selbst Ritchies Vorliebe für Slow-Motion inmitten rasanter Parcours finden ihren Platz. Natürlich ist es Kinokitsch, natürlich auch vorhersehbar. Aber wie Kinder, die Märchen immer und immer wieder hören wollen, und sich in der unverrückbaren Ordnung von Gut, Böse, Gerechtigkeit und Liebe immer und immer wieder festigen wollen, sind auch wir Erwachsenen davon nicht ausgenommen. Das ist schon eine eigene realitätsvergessene Magie, die tröstend erscheint und glücklich macht. Eine Art Fluchtkino, das gut tut.

Aladdin (2019)

Power Rangers

DER STOFF, AUS DEM DIE SPIELZEUGHELDEN SIND

4/10

 

powerrangers

REGIE: DEAN ISRAELITE
MIT ELIZABETH BANKS, BRYAN CRANSTON, BECKY G, NAOMI SCOTT, DACRE MONTGOMERY

 

„Bis zur Unendlichkeit, und noch viel weiter!“ Das Leitmotiv kennen wir doch, oder? Niemand geringerer als der legendäre Buzz Lightyear, Beschützer des Universums, hat dieses motivierende Credo drauf. Dabei ist der grünweiß gepanzerte Knilch eine Spielfigur aus Toy Story, die auf Knopfdruck die Arme heben, Heckspoiler aufklappen und einige blecherne Onliner von sich geben kann. Da sind die Power Rangers nicht viel anders. Auch sie beschützen das Universum, und auch sie sind nur Spielzeug. Dass man Spielzeug zu einer Bedrohung werden lassen kann, wissen wir spätestens seit Transformers. Und frühestens seit Masters of the Universe. Es ist Zeit, es zuzugeben – ja, auch ich habe diese Fantasygurke mit Dolph Lundgren als Halbwüchsiger genossen, ungeachtet aller haarsträubenden Logiklöcher. Mittlerweile ist in Sachen Spielzeugverfilmungen einiges weitergegangen – doch weiter als bis zur Wiederbelebung totgeglaubter Actionfiguren dann doch auch wieder nicht. Dabei fängt der zu erwartende infantile Science-Fiction-Spaß sogar ganz vielversprechend an.

5 Teenager, allesamt Außenseiter, die an die Nachsitzrunde des Breakfast Clubs erinnern, geraten zufällig und sogar erst ungewollt aneinander, um dann gemeinsam auf ein seit prähistorischen Zeiten dahinsiechendes, eingegrabenes Raumschiff zu stoßen, dass als mobile Zentrale der ersten Power Rangers reaktiviert wird. Natürlich sind die fünf Freunde die Auserwählten, keine Frage. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Da ist es scheinbar egal, ob der Retter der Welt ein Charakterschwein ist oder ein Intellektueller mit sozialer Ader. Welch ein Zufall, dass genau die richtigen das Schiff betreten haben. Richtig zumindest im Sinne des Castings. Alle 5 sind neue, motivierte Gesichter, und könnten bald in kommenden Serienformaten wiederentdeckt werden. Im Bordcomputer der entdeckten Basis steckt „Walter White“ Bryan Cranston, der wie durch ein Wunder amerikanisches Englisch spricht. Wenn er doch zumindest so herumstottern würde wie Max Headroom. Ihm zur Seite ein seltsam aufgeweckter Roboter mit ALF-Attitüden. Der Film hat seine besten Momente, als jeder einzelne der Kandidaten oder Kandidatinnen seine bzw. ihre Superkräfte entdeckt. Ein bisschen Mystery, ein bisschen Chronicle. Dieser lockere Independentanspruch verblasst dann, wenn Elizabeth Banks als üble Antagonistin die Bühne betritt.

Was passiert hier? Zuerst als Mumie wiedererweckt, mutiert der Tribute von Panem-Star zu einer Trash-Ikone Marke Xenia. In ihrem relativ textilfreien Hartschalen-Kampfbikini und dem goldenen Zepter ist Bösewicht Rita Repulsa ungefähr so ernstzunehmend wie Dolph Lundgren mit blonder Föhnfrisur. Eine zum Fremdschämen lächerliche Figur, was aber nicht an den schauspielerischen Ambitionen von Elizabeth Banks liegt, sondern an der Figur an sich. Und dann der Supergau: Blecherne Dinos und Riesenkäfer ackern sich durch eine Kleinstadt und beeindrucken mit der Beschaffenheit aufgeblasenen Plastikspielzeugs. Dagegen wirken Michael Bay´s Transformers-Kreaturen wie ernstznehmende Bedrohungen. Der Anspruch, martialischen High-Tech anders zu gewanden als Optimus Prime & Co, geht nach hinten los. Power Rangers verspricht anfänglich ein vergnügliches, erfrischendes Aha-Erlebnis, um dann auf ganzer Linie zu enttäuschen. Tatsächlich ist die lebendig gewordene Spielzeugwelt mehr Schein als Sein. Trivialer Kinderkram, hinter dem sich leider kein lohnenswertes Cinematic Universe verbirgt.

Power Rangers