Die Erfindung der Wahrheit

LOBBYISMUS AUF SPEED

7,5/10

 

erfindungderwahrheit© 2016 Universum Film

 

ORIGINALTITEL: MISS SLOANE

LAND: USA 2016

REGIE: JOHN MADDEN

CAST: JESSICA CHASTAIN, MARK STRONG, GUGU MBATHA-RAW, SAM WATERSTON, ALISON PILL, JOHN LITHGOW, MICHAEL STUHLBARG U. A.

 

Wie bitte? Könnten Sie das nochmal wiederholen, einfach zum Mitschreiben? Wenn der Film beginnt, und Miss Sloane – so der Originaltitel desselbigen – im Stechschritt die Büroräume stürmt, fährt das noch frühstücksmüde Tagesgeschäft von Null auf Hundert, brechen Worte sintflutartig über modernes Büromöbel-Interieur und all die Glasfassaden sämtlicher Meetingrooms rutschen aus dem Fensterkitt. Mittendrin Jessica Chastain, tough wie Wonder Woman, hartgesotten wie jemand der nichts mehr zu verlieren hat, wenn man so will der Chuck Norris unter den Lobbyisten. Was hier in den ersten Minuten an Dialog fällt, fällt in manchen Filmen die ganze Laufzeit nicht – das erinnert an die Filme David Mamets. Da wie dort reicht es nicht, nur zuzuhören, da muss das Hirn auch gleich mit, und es kann leicht sein, dass man hinterherhinkt, Gesagtes erst sickern muss, während Miss Sloane schon ganz woanders ist und über Taktiken philosophiert, die unsereins erst in den Kontext bringen muss.

Fasziniert von diesem Charisma und dieser überheblichen Klugheit, stellt sich nach dem Downflow der Emotionen die Frage: Wer ist diese rothaarige Lady, die im perfekt sitzenden Damenanzug niemandem auf Augenhöhe begegnet? Die über allen Dingen steht, alles im Griff hat und ihr Fußvolk herumdirigiert wie ein Wahlkampfmanager, dessen Partei viel zu verlieren hat. Ist sie so jemand wie Miranda Priestly aus Der Teufel trägt Prada, die Meryl Streep so menschenverachtend gut interpretiert hat? Nein, dafür ist sie viel zu hemdsärmelig. Miss Sloane packt an wo andere loslassen. Delegiert eigentlich nicht, sondern, wenn man so will, reitet an vorderster Front dem Feind entgegen. Und gewinnt Kriege, die unmöglich scheinen.

Eine Art Krieg ist der Lobbyismus allerdings schon, ein Krieg um Stimmen und Meinungen, bei denen, die etwas zu sagen haben im Land. Ein Anbiedern, Überreden und Manipulieren, und das in großem Stil. Und dabei kann es im Eifer des Gefechts vorkommen, dass manche mit unlauteren Mitteln arbeiten. Denn worum geht es also? Um die Etablierung von Macht, um das Exekutieren von Interessen. Unterm Strich: Illusionskunst auf politischer Bühne. Miss Sloane eignet sich für so etwas am Besten, und am Besten für Miss Sloane eignet sich Jessica Chastain. Die Schauspielerin hatte schon Osama bin Laden im Sucher (Zero Dark Thirty), und als Glücksspiel-Queen sämtliche Millionen im Sack (Molly´s Game). Chastain ist niemand zum Kuscheln, sie ist die eiserne Lady Hollywoods. Apart in jeder Hinsicht, auf keinen Fall sympathisch, aber in ihrem resoluten Auftreten auf sinnliche Weise faszinierend. Anlegen würde ich mich nicht mit ihr, ihr Intellekt zwingt jeden Widersacher in die Knie. Und ich wäre hier nicht mal ansatzweise ein solcher.

John Madden, seinerzeit hoch gelobt für die barocke Romanze Shakespeare in Love (meines Erachtens völlig überbewertet), lässt seine forsche heilige Johanna in zermürbender Eloquenz das Banner hissen. Das so ein Alltag auf Speed dauerhaft der Gesundheit schadet, weiß die Rhetorik-Queen zumindest rein theoretisch, doch für Theorie ist kein Platz in diesem Leben, das so einsam ist wie eine Marsmission, das statt einer Biographie nur beruflichen Lebenslauf kennt und schon gar kein soziales Umfeld. Die großen Momente dieses faszinierenden Politdramas finden sich daher weniger in den taktischen Methoden, mit denen sich Lobbyisten an den Kragen gehen, sondern im Porträt einer Besessenen, die die Sucht nach Erfolg und Effizienz an moralische Grenzen bringt. Das ist eine famose One-Woman-Show, ein Schachspiel, bei dem eine Menge Bauern das Feld räumen müssen, und die Königin in einem Zug ans andere Ende prescht. Miss Sloane ist so akkurat und berechnend wie die stärkste Figur in so einem Spiel, und läuft stets Gefahr, besiegt zu werden, solange sie nicht die Züge des Gegners voraussieht. Das fordert, und wenn zwischen all der ZackZackZack-Methodik Chastains Blick vor Erschöpfung ins Leere geht, in sich gekehrt und verharrend, und das nur für einen verschwindenden Moment, den sonst niemand merkt, dann hat dieser Charakter etwas bemitleidenswert Menschliches, aber auch Bewundernswertes angesichts dieser durchgetakteten, zielorientierten Lebenskunst.

Die Erfindung der Wahrheit

Die Mumie (1932)

WENN BLICKE TÖTEN KÖNNTEN

6/10

 

themummy1932© 1932 Universal Pictures

 

LAND: USA 1932

REGIE: KARL FREUND

CAST: BORIS KARLOFF, ZITA JOHANN, DAVID MANNERS U. A.

 

Halloween ist auch schon wieder Monate her, kommt aber bestimmt wieder. Und ich überlege jetzt schon, in welcher Verkleidung ich diesmal die Schüssel mit den Süßigkeiten auszuteilen gedenke. Mumie kann ich bereits abhaken, das war letztes Jahr. Und um den dämonischsten Herbstabend des Jahres natürlich themenverwandt abzuschließen, habe ich mir endlich mal den nach Frankenstein aus dem Jahr 1931 zweiten Filmklassiker mit Boris Karloff zur bandagierten Brust genommen.

Der knackige 72-Minüter des böhmischen Kameramanns Karl Freund (u. a. Dracula und Metropolis von Fritz Lang) sorgt vor allem in den ersten Minuten für verspielt-opulenten Retrocharme, wenn in sandsteinbehauenen Lettern DIE MUMIE in grobkörnig flirrendem Schwarzweiß, Format 4:3, vom Bildschirm knistert. Doch so, wie wir Boris Karloff vielleicht schon irgendwo, sei es in Filmlexikas oder Zeitschriften, gesehen haben, präsentiert sich uns der Brite mit dem verdächtig russisch klingenden Künstlernamen nur ganz am Anfang. Als mumifizierter Hohepriester Imhotep lehnt er mit überkreuzten Armen senkrecht im geöffneten Sarkophag, um alsbald daraus zu verschwinden, und das nicht ohne manch einen Archäologen in den Wahnsinn zu treiben. Dieser Imhotep, der hat nämlich nur eines im Sinn: Ank-es-en-Amun, die Liebe seines antiken Lebens, ebenfalls zurückzuholen. Am besten gleich in den Auffangkörper einer schönen Frau, die gar nicht weiß wie ihr geschieht, und der hypnotischen Wirkung des nun zum mysteriösen Ardath Bey regenerierten Zeitgenossen nicht widerstehen kann.

Im Grunde ist das die ganze Geschichte. Und wäre nicht Boris Karloff, der laut eigenen Angaben tatsächlich slawische Vorfahren gehabt haben soll, hätte das naive Grusel-Abenteuer wohl keine wirklich stechenden Argumente. So aber ist es der stechende Blick des ledergesichtigen Charakterdarstellers, der tatsächlich irgendwie beunruhigt, und das ganz ohne Zuhilfenahme bewusstseinsverändernder Substanzen. William Henry Pratt, so mit bürgerlichem Namen, wird auf ewig die Horror-Ikone bleiben, die er damals war – auf der Schreckskala allerdings gibt es im Vergleich zum Untoten aus der Hochkultur ganz andere Figuren, die effektiver das Gruseln lehren. Alleine schon Tod Browning´s Frankenstein, der deutlich mehr verängstigt und sogar den einen oder anderen Schreckensmoment für sich verbuchen kann. Als Frankenstein, da ist Boris Karloff bis heute von zeitlosem Erscheinungsbild. Die Mumie selbst aber würde perfekt in das Nachts im Museum-Konzept für etwas ältere Semester passen, so wie eigentlich der ganze Film. Was per se natürlich nichts Schlechtes ist, Nachts im Museum ist ein nettes Konzept – und die Vorstellung, dem Stoiker mit dem Killerblick zu nachtschlafender Zeit in den Untiefen des kunsthistorischen Museums zu begegnen, das sorgt dann doch wieder für wohliges Schaudern. Am Liebsten farblich entsättigt, und auf keinen Fall in Dolby Surround.

Die Mumie (1932)

Venom

SOLO FÜR ZWEI

5/10

 

venom© 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 

LAND: USA 2018

REGIE: RUBEN FLEISCHER

CAST: TOM HARDY, RIZ AHMED, MICHELLE WILLIAMS, MICHELLE LEE U. A.

 

Mit Lily Tomlin und Steve Martin aus der launigen 80er-Komödie selben Titels lassen sich diese beiden Hitzköpfe aus vorliegendem Film nicht wirklich vergleichen. Viel eher lassen sich folgende Vergleiche ziehen: Man stelle sich eine Wanderung in den Feuchtgebieten der tropischen Hemisphäre vor und holt sich dabei völlig unfreiwillig und erstmal nichts ahnend einen Bandwurm an Bord. Dieses Wesen ist natürlich ein Parasit, was so viel bedeutet wie: ich lebe von dir, aber du nicht von mir. Klar, dass das Wesen Venom da angepisst reagiert, denn es will sich ja als Symbiont verstanden wissen. Was dann wieder so viel bedeutet wie: du nutzt mir, ich nutze dir, also freuen wir uns, dass keiner von uns, solange wir existieren, einen uneingeschränkten freien Willen hat. Ein Leben im Kompromiss also. Es ist, als würde der eingetretene Bandwurm den Wirten rotzfrech von der Seite her anquatschen, im Bauchladen sämtliche Fähigkeiten, die nur ein Superheld an den Tag legen kann. Wäre das ein reizvolles Angebot? Naja, nein. Ich wäre schon sehr gerne mit mir selbst allein. Noch dazu ist der Symbiont wie in Venom abgrundtief hässlich, also so hässlich wie die Nacht. Nichts, was ich würde vorzeigen wollen, es sei denn zu Halloween, da wäre ich die Rampensau schlechthin, mit all diesen Beisserchen in meinem Dauergrinser. Doch womöglich grinst Venom ebenso wenig wie Delphine es tun. Besser drauf ist die wüste Lebensform dadurch auch nicht. Es soll ja heißen, dass ein Lachen mehrere Tafeln Schokolade an Glücksbotenstoffen aufwiegt, doch so richtig alle Viere gerade sein lassen kann Venom auch nicht, so ganz ohne Fremdkörper. Die Liebe auf den ersten Blick, die stellt sich dann nach gedehntem Anlauf im Labor des windigen Schurken Riz Ahmed dann auch endlich ein. Leidtragender ist Eddie Brock. Und dabei wären wir auch schon beim eigentlich einzigen wirklichen Highlight des Filmes: Tom Hardy

Venom, das ist eine Mischung aus Lewis Carol´s Grinsekatze, intelligenter Knete und Alien, wobei sich der Xenomoprh angesichts der Bisskraft vielleicht noch die eine oder andere Zusatzbrücke zulegen wird. Eine eigenwillige Horrorgestalt, die längst nicht allein auf Gottes Erden weilt, denn da gibt es noch andere Organismen, die es auf unseren Planeten geschafft haben, und die noch perfider agieren als unser sonor tönendes Monster mit leicht narzisstischen Tendenzen. Da fehlt nicht mehr viel bis zum Ding aus einer anderen Welt und den Body Snatchers. Das ist für Marvel das tatsächlich wohl monströseste Spin Off – und bleibt in seiner zomboiden Liebäugelei als Außenseiter des ganzen Comic-Universums ziemlich alleine im Regen stehen. Keine Ahnung, was Sony hier geritten hat, sich selbst aus dem Marvel Cinematic Universe auszunehmen und somit selbst ins Aus zu kicken. Venom, so scheint es zumindest in diesem ersten von geplanten mehreren Teilen, wird es schwer haben, irgendwo an eine bereits bestehende Storyline anzudocken. Die Vorstellung, dass Spiderman hier mitmischen könnte, und vor allem Spiderman im lausbübischen Gehabe eines Tom Holland, gerät ins Stocken. Bis auf den obligatorischen Cameo-Auftritt von Marvel-Urvater Stan Lee schlägt das Alien-Abenteuer einen völlig anderen Tonus an, der so gar nicht der Avengers-Welt entspricht.

Venom versucht, sich selbst und die ganze Symbionten-Thematik auf die leichte, locker-flockige Schulter zu nehmen und lässt Eddie Brock mit seinem Invasor Doppelconferencen vom Stapel, die teilweise auch zum Schmunzeln sind, aber nie wirklich an sich selbst glauben. Genauso wenig glauben die Protagonisten so wirklich an das, was sie tun, geschweige denn ob das, worauf sie sich einlassen, wirklich die richtige Entscheidung ist. Die besten Momente hat die Comic-Verfilmung in den schauspielerischen Solo-Momenten von Tom Hardy. Seine Anstalten, sich selbst zu diagnostizieren und sein Bemühen, die seltsamen Symptome der körperlichen Belagerung zu bekämpfen, ist fast schon eine Sternstunde unter den Helden-Genesen. Da leidet man fast schon mit, wenn unaufgetaute Tiefkühlkost als Nahrung herhalten muss und ein Aquarium fiebersenkend wirken soll. Ist der Symbiont dann akzeptiert, ist das Engagement Tom Hardy´s zwar immer noch ungebrochen, dem Film selbst aber bleibt nur noch simpel zusammengeschusterte Comic-Action, die in ihrer Qualität im Vergleich zu anderen Produktionen deutlich in der zweiten Reihe tanzt, dabei oft chaotisch und ziemlich fahrig wirkt. Das kennen wir schon aus Sony´s bisherigem Spider-Verse in Form von überlangen und lähmend krawalligen Kinoabenteuern. Das passt aber zum Plot, der wie aus bereits vorgefertigten Modulen grob aneinandergelegt ziemlich viele unschlüssige Zwischenräume lässt. Die Figur des Antagonisten ist ebenso wenig ausgearbeitet wie der weibliche Sidekick von Eddie Brocks Ex-Freundin, die von einer Michelle Williams verkörpert wird, die sich wie die Jungfrau mit dem Kind völlig deplatziert vorkommt und sich daher auch schauspielerisch völlig ratlos durch den Film wundert.

Venom ist eine nur bedingt geglückte Comicverfilmung, die ihren Reiz einzig und allein im Dialog zwischen Symbionten und Wirt ausspielt. So gesehen ist dieser Charakter-Einstand mehr eine phantastische Psycho-Satire als wirklich ein Event-Spektakel auf Schiene, womit wir wieder bei Solo für Zwei wären. Diesen ganzen, an den Haaren herbeigezogenen Schnickschnack von Storygerüst hätte es eigentlich überhaupt nicht gebraucht, doch das wäre dann wieder zu wenig gewesen, vielleicht aber für einen knackigen Kurzfilm ganz gut. Tom Hardy-Fans allerdings, die den ehemaligen Widersacher Batmans mal ganz anders und völlig neben der Spur erleben wollen, kommen an Venom eigentlich nicht vorbei. Das gilt aber auch für Marvel-Nerds, die der Vollständigkeit halber auch mit Ruben Fleischer´s bemühter, ziemlich bizarrer Monster-Bromance ein Tänzchen wagen sollten, trotz all der filmischen Notfallversorgung rund um den interstellaren Haifisch, der da Zähne hat, und die trägt er im Gesicht – frei nach Mackie Messer.

Venom

Meine Cousine Rachel

BACK TO BLACK

6/10

 

rachel© 2017 20th Century Fox / Quelle: empireonline.com

 

LAND: GROSSBRITANNIEN, USA 2017

REGIE: ROGER MICHELL

MIT RACHEL WEISZ, SAM CLAFLIN, IAN GLEN U. A.

 

Irgendwann in den Neunziger Jahren hatte ich das Vergnügen, im Vienna´s English Theatre einer Bühnenadaption von Daphne Du Maurier´s Suspense-Klassiker My Cousin Rachel beizuwohnen. In gesittetem, verständlichem Englisch, vor uninspirierten, aber authentischen viktorianischen Kulissen. Natürlich habe ich nichts davon mehr in Erinnerung, nur dass ich relativ viel verstanden habe. Zumindest das Ende der Geschichte. Das kam mir dann wieder in den Sinn, als ich Roger Michell´s brandneue Verfilmung des 1951 entstandenen Romans zu sehen bekam. Du Maurier´s urbritische Landhaus-Mystery ist Inspirationsquelle und Vorbild für Regiemeister wie Alfred Hitchcock oder Robert Siodmak. Ihre nie ganz klar definierte Grenze zwischen Schein und Sein, Verdacht und Vertrauen erzeugt eine düstere Aura der Unbehaglichkeit und der auf Samtpfoten daherkommenden Paranoia hinter flackerndem Kerzenlicht.

Meine Cousine Rachel ist nicht nur ein leiser Thriller. Es finden sich Elemente aus dem Subgenre des Gothic-Grusels. Und überhaupt setzt der Notting Hill-Regisseur betont auf Ausstattung. Das Interieur des herrschaftlichen Sitzes in all seinen Details badet im natürlichen Licht der Jahreszeiten, das von außen durch die hohen Fenster bricht. Das wechselhafte Wetter betont die Dramatik, und nicht zuletzt der modische Trauerflor, welcher Namensvetterin Rachel Weisz stets umhüllt, lässt die Frau in Schwarz einerseits bedrohlich, andererseits verletzlich wirken. Gleichzeitig trauernd und sehnsüchtig, andererseits berechnend und abweisend. Rachel Weisz taucht ein in die irrlichternde Grauzone eines literarischen Charakters und führt den eben erst volljährig gewordenen Philipp scheinbar mit Leichtigkeit an der Nase herum. Durch ihr nuanciertes Spiel lässt sie sich kein einziges Mal in die Karten sehen und lässt nicht nur ihren Verehrer vor all diesen widersprüchlichen, nonverbalen oder missverständlich ausgesprochenen Botschaften schier verzweifeln.

Bis allerdings die erste Tasse Tee gereicht wird – und Kenner der Vorlage wissen, was es damit auf sich hat – braucht das Liebes- und Heucheldrama zuerst mal ganz viel Anlauf, um in die Gänge zu kommen. Erst mit dem zu lang erwarteten Auftritt der mysteriösen Schönen in Schwarz kommt es zu einigen knisternden Momenten und die Gedanken des Zusehers bleiben beim Film. Michell´s Rachel hat Ausstrahlung, enorme Ausstrahlung. Niemals vulgär, immer bedacht und von einer versteckten Erotik, die manipulativ wirkt. Oder ist das nur die Sicht des armen Philipp?

War sie es oder war sie es nicht? Wer Rachel wirklich war, werden wir nie erfahren. Sam Claflin, der hier überzeugend agiert, legt seiner großen Liebe fast schon ein Königreich zu Füßen – und wird seine Zweifel an diesem einen Herbst der Leidenschaft, die Leiden schafft, selbst mit ins Grab nehmen müssen.

Meine Cousine Rachel