Ant-Man and the Wasp

QUANTENWELT IM DAUERZOOM

6,5/10

 

antman_wasp© Marvel Studios 2018

 

LAND: USA 2018

REGIE: PEYTON REED

MIT PAUL RUDD, EVANGELINE LILY, MICHAEL DOUGLAS, LAURENCE FISHBURNE, MICHELLE PFEIFFER, HANNAH JOHN-KAMEN U. A.

 

Eine kleine Anekdote aus der Schule, die mir zu Ohren gekommen ist: Fragt die Lehrkraft in die paukende Runde, was sich wohl in einem Atom zwischen Atomkern und Elektronen befindet. „Und wehe es antwortet mir jemand, da befände sich Luft!“  Luft ist ein Gasgemisch, kann also unmöglich innerhalb eines Atoms sein, da ja selbst das Gas und alles, was wir kennen und begreifen können, eben aus Atomen besteht. Noch kleiner als Atome sind Quarks. Und irgendwo mit unserer fassbaren Wirklichkeit verschränkt, da liegt die Qantenwelt. Die zwanzigste Episode aus dem Marvel Cinematic Universe, das meiner Meinung nach gegenwärtig zu den besten Kinoserien der Filmgeschichte zählt, holt sich physikalisches Halbwissen aus dem Brockhaus, unter Q wie Quanten, und baut um diese philosophischen Unmöglichkeiten und Möglichkeiten herum ein relativ autarkes Abenteuer auf, das zwar nicht dramaturgisch, dafür aber in seiner dem Marvel- Universum inhärenten Schlüssigkeit den Erklärungsnotstand ausruft.

Natürlich, die Convenience-Technologie des Schrumpfens und Expandierens, wie sie Ant-Man and the Wasp an den Tag legt, und zwar auf Knopfdruck, widerspricht komplett allen erdenklichen Naturgesetzen – ist aber im Rahmen der freien Beweglichkeit spaßhalber ersonnener Kinowelten durchaus vertretbar, solange Hank Pym´s Versuchs-Aameisenmenschen ihren Anzug tragen. Im Rahmen des Anzugs selbst erlaubt mein logisches Verständnis, dass das wirre Herumskalieren organischer wie anorganischer Atomhaufen zur Verblüffung aller sehr gerne passieren darf. Wenn Regisseur Peyton Reed aber in die Quantenwelt reist, und dort seinen Stars auch ohne Helm die Luft zum Atmen lässt, dann stößt das schmerzlich an die Grenzen eines ungezügelten Schwachsinns, der sich einer gewissen universellen Logik nicht mal mehr durch Science-Fiction-Technologien widersetzt, oder mithilfe dessen Unmögliches erklärt. Ginge es nach dem Verständnis des Marvel Cinematic Universe, fährt zwar das Mikro-U-Boot zwischen Zellen und Teilchen dahin, müsste aber außerhalb dieser künstlich erschaffenen Anomalie spätestens im subatomaren Raum von den Molekülen der atembaren Luft erschlagen werden.

Sehe ich mal von dieser Drehbuchschwäche ab, lässt sich leicht feststellen, dass die Fortsetzung des verspielten Ant-Man aus dem Jahr 2015 zwar längst nicht mehr das Überraschngsmoment auf ihrer Seite hat, dafür aber nicht weniger launig bewährte Ideen in vollendeter Tricktechnik weitervariiert. Reed´s Sequel ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, wobei es sich allerdings empfiehlt, neben Ant-Man auch The First Avenger: Civil War gesehen zu haben. Der Rest erklärt sich aus dem Epilog vor dem Marvel-Intro. Und wie es meist bei Filmen aus diesem Hause so ist, hält der Cast, was er verspricht. Gäbe es keinen Ryan Reynolds, der die Rolle des Deadpool übernimmt, hätten wir immer noch Paul Rudd – der langgesichtige Pfeifdrauf ist genauso ein schelmischer Kindskopf wie der Untote in roter Montur, inszeniert sich aber im Gegensatz zu Reynolds selbst nicht immer als Dauerclown und hat eindeutig mehr Understatement. Ihm zur Seite eine so gewissenhafte wie toughe Evangeline Lilly als kommende Konkurrenz für Black Widow und eine physisch wie psychisch labile Gegenspielerin Hannah John-Kamen, die als Grenzgängerin Ghost zwischen Quanten- und atomarer Welt lediglich versucht, ihre fast schon ektoplasmische Haut zu retten. Ähnlich wie in Spider-Man: Homecoming haben wir hier eine Antagonistin, die eigentlich keine ist, und so nicht abgedroschenen Schwarzweiß-Mustern unterliegt. Hingegen hätte Peyton Reed den sinistren, aber austauschbaren Walton Goggins durchaus weglassen können. Allerdings hätten wir dann um die Hälfte weniger Actionszenen, die aber allesamt so kurios sind, dass ich bei Goggins doch noch ein Auge zudrücke. Was mir bei Michelle Pfeiffer als Neuzugang irgendwie nicht gelingen will.

Unterm Strich ist Ant-Man and the Wasp nicht das am strahlendsten leuchtende Gelbe vom Ei, auch wenn die Szene mit den unkaputtbaren Bärtierchen jetzt schon zu einer meiner Lieblingsseqenzen dieses Jahres gehört (diese mikroskopischen Superwesen mit dem Staubsaugerrüssel sind einfach wunderbar – und existieren tatsächlich!). Die erste Halbzeit hat so seine unmotivierten Längen, und manch ein Kalauer wirkt einfach zu gewollt und aufgewärmt, um aus dem Fluss der Story heraus entstanden zu sein. Enttäuschen mögen auch die fehlenden Referenzen zum roten Faden des Infinity-Überbaus, doch die bewährte Credit-Szene weiß in nur wenigen Sekunden so manches aufzuklären und anzudeuten. Mit Sicherheit hat Ant-Man im Finale des Infinity-Krieges noch Großes vor, bis dahin dürfen wir gespannt bleiben. Und das jüngste Abenteuer von Marvel als das zu nehmen, was es ist: ein vergnügliches Größen-Jo-Jo mit gut aufgelegtem Ensemble und pfiffiger Action-Akrobatik zwischen Matchbox-Autos und Formicula.

Ant-Man and the Wasp

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