Is This Thing On? (2025)

ANLEITUNG ZUM GEMEINSAM UNGLÜCKLICHSEIN

8/10

 

Laura Dern und Will Arnett in Is This Thing On?© 2025 Searchlight Pictures All Rights Reserved.

 

LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: BRADLEY COOPER

DREHBUCH: BRADLEY COOPER, WILL ARNETT, MARK CHAPPEL

KAMERA: MATTHEW LIBATIQUE

CAST: WILL ARNETT, LAURA DERN, SEAN HAYES, BRADLEY COOPER, CIARÁN HINDS, AMY SEDARIS, CHRISTINE EBERSOLE, ANDRA DAY, PEYTON MANNING U. A.

LÄNGE: 2 STD 4 MIN



Erst neuerdings hat der bayrische Kabarettist Michael Mittermeier in der von ihm wohl sehr geschätzten Wienerstadt einen Comedy-Keller eröffnet. Dieser hier, genannt Lucky Punch, dürfte die paar Etablissements, die es schon gibt, ganz gut ergänzen. So wie es scheint, lassen manche dieser Clubs einen das Mikro schnappen und drauflos improvisieren. Stand-Up Comedy nennt sich das. Fast sowas wie eine Stegreifbühne für Leute, die denken, sie wären lustig und eloquent genug, um damit ein ganzes Kellerpublikum zu begeistern.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Wie schwer sowas ist – eben lustig zu sein, die Leute zum Lachen zu bringen; den Humor an sich (denn jede und jeder hat einen anderen Sinn dafür) aus den Gedanken zu kitzeln – kann man sich denken. Umso mehr Hut ab, wenn sich da manche auf die Bühne zu stellen und losplaudern. So, wie es Alex Novak macht, dargestellt von Will Arnett, der das Zerbrechen seiner Ehe zum Anlass nimmt, um sich alles von der Seele zu reden, was eigentlich niemandem etwas angeht, was er aber so verpackt, dass es dann doch seine Relevanz hat, um vorgetragen zu werden. Ehefrau Laura Dern weiß davon zuerst nichts. Und zwar lange nicht. Was aber ist passiert?

Wenn man glaubt, sich verloren zu haben

Bradley Coopers neuer Film beginnt mit einer emotional erstaunlich aufgeräumten Alltagsszene eines Ehepaares im Badezimmer. Beim Zähneputzen stellen beide fest: es ist aus. Ob nur vorübergehend, ist nicht ganz klar. Kein Streit, keine Tränen, rein gar nichts. Als wäre die Liebe tatsächlich erloschen. Doch in Wahrheit trügt hier der Schein, und ganz andere Dinge sind hier am Querlaufen, deren Pfade geradegerückt werden müssen. Das geht nur, wenn beide sich selbst wieder finden. Schließlich haben sie sich verloren, in einem diffusen, allerdings funktionierenden Miteinander, in dem die eigene Persönlichkeit nicht mal in der anderen aufgeht, sondern in der Annahme, dieser keine Priorität mehr einräumen zu dürfen.

Ein konstruktiverer Woody Allen

Is This Thing On?, stellt der Film bereits im Titel die Frage. Läuft da noch was, oder nichts mehr? Bradley Cooper und Will Arnett, die mit Mark Chappel gemeinsam das Skript verfassten, lassen sich für die Beantwortung dieser Frage lange Zeit, doch es lässt sich schon erahnen: Arnetts Figur ist diese Trennung jedenfalls nicht gleichgültig, wuchtet er doch immer wieder, da er im Stand-Up seine neue Leidenschaft entdeckt hat, das Thema auf die Bühne.

Klar dreht sich viel ums eigene Ego, doch erstaunlicherweise nicht so viel wie in den Beziehungsfilmen von Woody Allen. Der legt seine meist psychisch etwas in Mitleidenschaft gezogenen Figuren auf die imaginäre Couch, analysiert sie und macht sich daraus seinen tragikomischen Spaß aus Worten und Skurrilitäten. Gelingt natürlich, wir alle kennen die Stärken seiner Psychokomödien. Coopers Beobachtung einer Ehe aber ist weniger Psychoanalyse als Verhaltenstherapie, als proaktive, konstruktive Lehr- und Lernstunde in Sachen Wahrnehmung, Wertschätzung und Selbstbetrachtung.

Was soll das mit dem Beziehungs-Soll?

Beziehungen, die schon lange existieren, haben meistens einen guten Grund, warum sie das tun. Vielleicht, weil man sich aneinander gewöhnt hat. Weil man Veränderungen nicht schätzt, nur weil man zu bequem ist, um diese herbeizuführen. Weil ein neues Leben sehr aufwändig ist. Oder: weil man sich ganz einfach selbst vergessen hat.

Laura Dern und Will Arnett erarbeiten sich in Is This Thing On? ihr eigenes Leben, ihre eigene Leidenschaft zurück. Für sich selbst, und für ihr Gegenüber. Mehr Abstand klärt die Sicht auf die Dinge? In diesem Fall ja. In diesem Fall setzt Cooper auf fokussierte Weise seine charmant-witzige, gefühlvolle Reise ins gar nicht dunkle Herz einer scheinbar gescheiterten Beziehung Schritt für Schritt und Auftritt für Auftritt in die richtige, vielleicht einzig richtige Richtung, ohne sich mit oberflächlichem Klamauk aufzuhalten oder sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren, die die ganze Geschichte aufpeppen sollen. Er setzt sich zwar selbst als schräger Künstler in Szene, doch diese Nebenfigur hat Grund genug, um ein Teil des Spiegels zu sein, in den Will Arnett blickt.

Letztlich durchfährt ihn eine unglaublich weise Erkenntnis, die man selbst als Zuseherin oder Zuseher nutzen und mitnehmen kann. Für die eigene Zweisamkeit. Für das eigene Glück des Miteinanders, welches mehr aushält, als man glauben möchte. Sogar jede Menge Unglück.

Is This Thing On? (2025)