The Commuter

MORD IM PENDLER-EXPRESS

6,5/10

 

commuter© 2018 Constantin Film

 

LAND: USA, GROSSBRITANNIEN, FRANKREICH 2017

REGIE: JAUME COLLET-SERRA

MIT LIAM NEESON, VERA FARMIGA, SAM NEILL, PATRICK WILSON U. A.

 

Das französische Medienunternehmen StudioCanal hätte gut daran getan, den Titel seiner neuesten Produktion The Commuter vom spanischen Thriller-Spezialisten Jaume Collet-Serra ins Deutsche zu übersetzen. Da die internationale Bezeichnung aufgrund mangelnden täglichen Wortgebrauchs von seiner Bedeutung her nicht jedem geläufig ist, wäre eine sprachregionale Übersetzung durchaus wünschenswert gewesen. Dann würde der Thriller Der Pendler heißen – ist jetzt nicht so der Brüller, aber das ist The Commuter aufgrund seiner beschränkten Wortbekanntheit auch nicht. Aber so spricht einer, der zumindest englischsprachige Filme lieber nicht im Original sehen möchte. Und auch nicht unbedingt als sprachaffin zu bezeichnen ist. Aber dazu stehe ich. 

Der Pendler jedenfalls ist in diesem mysteriösen Spannungsszenario ein relativ abgemagerter Liam Neeson in Anzug und Krawatte, der tagaus tagein mit dem Vororte-Express zur Arbeit fährt – also mit der Schnellbahn quasi. So würde man in Wien dazu sagen. The Commuter wäre ein Film für und gesponsert von der ÖBB – und für alle, die selbst ihren Arbeitstag planmäßigen Intervallen unterwerfen. Für das richtige Feeling quälender Stoßzeiten zeugen schon die ersten Minuten des Filmes. Ein Gedränge, dass es ärger nicht geht. Menschen, jeden Tag neue Gesichter. Ein paar bekannte darunter laden zum erzwungenen Smalltalk ein. Oder zum Ausweinen, sofern man die raren Plätze ergattert. Am Liebsten außen, und nahe bei den Türen. Alles erinnert an die Hustenwerbungen im Fernsehen – fehlt nur noch das Kind mit dem Zauberstab. Also alles in allem keine erstrebenswerten Lebenssituationen. Doch notwendig ist es. Auch für den Versicherungsvertreter MacCauley, ehemaliger Polizist und nun wegrationalisierter Familienvater, der seinen Sohn auf die Mittelschule bringen muss. Nun fehlen das Geld und der Mut zur Ehrlichkeit, den Ist-Zustand seiner besseren Hälfte zu unterbreiten. Das Problem hatte schon Josef Hader in Wilde Maus, doch die seltsame Begebenheit, die nun folgt, blieb dem österreichischen Kaberettisten glücklicherweise verwehrt. Plötzlich sitzt die Fremde im Zug vis a vis und bietet dem vom Pech verfolgten Alltagsüberdrüssigen MacCaulkey einen Deal an. Und es ist Geld im Spiel. Geld, das jeder brauchen kann. Aber wenn so mir nichts dir nichts Geld angeboten wird, ist das schon mal mit Vorsicht zu genießen. MacCauley zögert, doch ehe er sich versieht, hat er den Job an der Backe. Es gilt, einen Passagier zu suchen, der eine Tasche trägt. In einem vollbesetzten Pendler-Zug. Wie soll das geht, ohne Anhaltspunkte? Das fragen wir uns auch – und die Tatsache macht die ganze Sache durchaus spannend. Zumindest anfangs. Da hat das Ganze einigen Suspense. Rätselraten hin und her. Immer wieder improvisiert der getriebene Altvater des Actionkinos aufs Neue. Und andauernd sind Passagiere im Weg, die das Erfüllen der Aufgabe in weite Ferne rücken – oder auf eine falsche Fährte locken. 

Es stimmt, ein ähnliches Szenario hatten wir schon bei Non-Stop, auch hier das Handwerk Collet-Serras. Und auch hier kam das Abenteuer über den Wolken spannend und gut durchdacht ins Rollen – um dann nur mehr stereotype Bausteine bewährten Spannungskinos auszuwählen. Das platte Problem zu umgehen, das gelingt The Commuter einigermaßen besser, oder sagen wir – zumindest über eine längere Dauer der Spielzeit hinweg. Ganz entkommen kann der Film dem Fluch des Schema-F letzten Endes dann auch nicht. Und es tritt ein, womit man ohnehin rechnet. Was aber erstaunlicherweise nicht ganz so enttäuscht wie erwartet. 

The Commuter bleibt einer von mehreren Liam Neeson-Thrillern, die durchaus kurzweilig in Szene gesetzt sind und mehr unterhalten als abgedroschen wirken. Vielleicht ist beim nächsten Film dieser Art das Verhältnis zu seinem Nachteil verschoben – um der Gefahr zu entgehen, sollten sich Collet-Serra und Liam Neeson ab nun was grundsätzlich Neues einfallen lassen.

The Commuter

Ein Gedanke zu “The Commuter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s