Semper Fi

KODEX DER MUSKETIERE

5,5/10

 

3T3A6614.CR2© 2020 Kinostar

 

LAND: GROSSBRITANNIEN 2020

REGIE: HENRY ALEX RUBIN

CAST: JAY COURTNEY, NAT WOLFF, FINN WITTROCK, BEAU KNAPP, ARTURO CASTRO, LEIGHTON MEESTER U. A. 

 

Semper Fi – das klingt wie eine spezielle Akustik bei Audiogeräten. Ist es aber natürlich nicht. Denn Semper Fi ist Latein, die Abkürzung für Semper Fidelis und der Leitspruch der US Marines, der soviel bedeutet wie: für immer treu. Die Jungs, die in diesem Corps also ihren Dienst verrichten, die schenken sich alles, sind auch privat füreinander da. Müssen ausbaden, was ein anderer angerichtet hat. Zumindest scheint das so in vorliegendem Männerfilm, der als Copthriller genauso durchgeht wie als hemdsärmeliges Familiendrama und Flucht-Actioner. Zu viel von allem? Nein, das nicht. Vielleicht aber zu austauschbar.

Worum geht´s? Ex-Suicide Squad– und Terminator Genysis-Haudegen Jay Courtney agiert – durchaus überzeugend – als faustfreundlicher Streifenpolizist und gleichzeitig als Marine-Reservist, der jederzeit eingezogen werden kann, wenn Mütterchen USA ihn gerade benötigt. Um fit zu bleiben, darf an Wochenenden brav trainiert werden. Sein Halbbruder Oyster (Nat Wolff) ist ebenfalls ein Marine, zieht aber privat jede Menge Zores an wie Honig so manche Fliege. Der ältere Bruder, der muss es immer wieder gradebiegen – und wird ab und an ebenfalls rabiat. Wen wundert´s, beide sind unter ziemlich entbehrlichen Verhältnissen aufgewachsen, der gerade Weg ins Licht ist mit so manchen Versuchungen gepflastert, die schon mal hinter schwedische Gardinen bringen können. Eine solche Einweisung steht für Oyster kurz bevor, als beide wieder mal für den Krieg in Nahost eingezogen werden sollen. Der kleine Bruder bleibt daheim, wandert wegen Mordes in den Knast, und was tut die übrige Familie, wenn sie Unrecht sieht? Zu drastischen Mitteln greifen.

Dieses Treue-Ehre-Vaterland-Pathos ist womöglich der soziale Kleber, der diese ganze US-Militärmschinerie auf sozialem Wege zusammenhält. So entstehen Verbindlichkeiten in was für einer Gruppe auch immer, denen man sich nicht mehr so schnell entziehen kann. Das geht weder moralisch noch sonst wie. Um diesen Kodex nicht irgendwann schleifen zu lassen, tätowieren sich manche die Bezeichnung desselbigen irgendwohin – am Besten auf den Unterarm. Das hat Jay Courtneys Filmfigur auch gemacht. Und der appelliert natürlich an seine Brüder, mit ihm an einem Strang zu ziehen und seinen Bruder aus dem Gefängnis zu befreien. Das ist routinierte Thrillerdramatik, die wir so schon sehr oft so gesehen haben. Beim Einblick in die örtliche Besserungsanstalt trifft man auch wieder auf Soziopathen unter der Wärtergilde, die aus Spaß an der Freude den meist Unschuldigen bis aufs Blut schikanieren. Dieses Knastbild ist schon so oft kolportiert worden, wenn da nicht die Sensationslust auf Prinzip des Stanford-Prison-Experiments wäre. Aber die ist nun mal da und so funktioniert auch dieser Film bis zu einem gewissen Punkt, denn unschuldig weggesperrt will das Publikum natürlich keinen sehen. Wenn dann einer wie Courtney die Moral dann noch so verbiegt, damit sie wieder rechtschaffen erscheint, fühlt man sich gleich von allen möglichen Zwängen befreit, die uns der Rechtsstaat aufbürdet. Die Bruderschaft geht nun mal vor, da helfen alle Gesetze nichts. Familie, mit dem Kodex der Marines doppelt gemoppelt, setzt sich darüber hinweg. Schön, füreinander da zu sein. Einer für alle, alle für einen. Und das bringt Durchschnittsmime Courtney diesmal aber durchaus punktgenau zum Ausdruck, wenn auch sonst manches beliebig scheint.

Semper Fi

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