How to Make a Killing – Todsicheres Erbe (2026)

ICH HAB’S NICHT SO MIT FAMILIE

4/10


Glen Powell in der Thrillerkomödie How to Make a Killing© 2026 Ilze Kitshoff / STUDIOCANAL_SAS / Constantin Film Österreich


LAND / JAHR: USA, VEREINIGTES KÖNIGREICH, FRANKREICH 2026

REGIE / DREHBUCH: JOHN PATTON FORD

KAMERA: TODD BANHAZI

CAST: GLEN POWELL, MARGARET QUALLEY, JESSICA HENWICK, ED HARRIS, BILL CAMP, ZACH WOODS, TOPHER GRACE, SEAN CAMERON MICHAEL, NELL WILLIAMS, JAMES FRECHEVILLE U. A.

LÄNGE: 1 STD 45 MIN



Wer erinnert sich noch an einen der besten britischen Filme aller Zeiten? Gemeint ist Adel verpflichtet aus dem Jahr 1949 mit Alec Guinness (Obi Wan aus Star Wars) in achtfacher Besetzung. Eine schwarzhumorige Krimikomödie jenseits gängiger Moral, allerdings mit ausgeprägtem Sinn für eine Sorte Gerechtigkeit, die sich deutlich zu wichtig nimmt.

Über den Jordan schicken muss man wegen einem Millionenerbe schließlich niemanden. Schon gar nicht, wenn man gar nicht mal noch berechtigt ist, zu erben. Um so etwas durchzuziehen, braucht es eine ganz schön niedrige Frustrationstoleranz, enorme Kränkung und wirklich, wirklich viel Kaltblütigkeit. Andererseits fällt es womöglich leichter, für den Tod von jemandem verantwortlich zu sein, den man ohnehin nicht kennt und den man mit allen anderen in einen Topf wirft, auf dem steht: Böse Sippschaft!

Die Ungeduld der Wut-Erben

Im Original sitzt Dennis Price als Louis Mazzini D’Ascoyne in der Todeszelle und erzählt dem obligaten Seelsorger wenige Stunden vor seiner Hinrichtung die ganze kranke Geschichte über eine ganz gemeine Familie, die seine Mutter einst verstoßen hat und die ihren Sohn, nämlich Louis Mazzini selbst, ganz allein und ohne Unterstützung der Verwandtschaft, aufziehen hat müssen. Dabei hat Mama wohl nicht vergessen, dem Jungen einzubläuen, dass er sich beizeiten gefälligst nehmen soll, was ihm zusteht – gemeint ist damit das Erbe. Oder überhaupt gleich den ganzen Besitz.

Wobei – darin steckt ist schon mal der erste Denkfehler in der Geschichte: Wäre Mama nicht verstoßen worden, wäre der ganze Besitz auch nicht der ihre. Sondern eben nur das Erbe. Und enterbt wurde weder sie noch ihr Sohn. Jedenfalls hat es den einfallreichen Jungspund nicht davon abgehalten, angetrieben von Rache und weniger von Gier, den eigenen ganzen Stammbaum zurechtzustutzen.

Zu charmant, um ein Killer zu sein

Soweit so verblüffend ähnlich sind sich Robert Hamers Klassiker und die mehr oder weniger bekennende Neuverfilmung von John Patton Ford (Emily the Criminal), die den Titel How to Make A Killing – Todsicheres Erbe trägt. Nicht zu verwechseln mit der französischen Weihnachtgroteske aus dem Jahr 2024 (How to Make a Killing), die sich genau so nennt und für Verwechslungen sorgen könnte, spätestens wenn beide Filme zu streamen sind.

Neu ist statt Alec Guinness ein nicht weniger charmanter Shootingstar, der sich seit Top Gun: Maverick hochgearbeitet hat in die A-Liga der sympathischen Action-und Abenteuerhelden – die Rede ist von Glen Powell. Ihm kann man einfach nicht böse sein, denn er ist einer von den Guten. Auch wenn er eiskalt Morde begeht, die gar nicht mal notwendig wären. Zumindest nicht für einen Charakter wie Becket Redfellow. Identifikationsfigur schön und gut – doch damit kickt sich die Krimikomödie sehr schnell ins Aus, wenn sie vorgibt, eine Person wie diese als verbitterten Racheengel darzustellen, der um sein Erbe betrogen wurde.

Falsche Figuren und ihre Intentionen

Die Wahrheit: Das wurde er gar nicht. Und ein verbitterter Racheengel ist dieser Redfellow auch nicht. Sondern einer, den man leiden kann, der nichts Böses will, der nur gerne die Chance hätte, zumindest auch jene Parameter zu nutzen, die all die anderen nutzen konnten, die Teil dieser Familie sind.

Der erste Mord mag vielleicht noch nachvollziehbar sein. Doch dann wendet sich das Blatt und die Story geht ganz andere Wege, nämlich die einer Karrierekomödie, die gar keinen Platz mehr dafür hat, noch weiteren Morden hinterherzujagen. Weil die Figur niemals die ist, der man die Mentalität eines Mörders abnimmt. Weil sie keinen Grund hat, das zu tun. Weil es plötzlich um die schnöde Gier nach dem schnöden Geld geht – und dafür ist Glen Powells Rolle völlig falsch angelegt. Von der Schmach, welche die Intention anfachen würde, erzählt der Film darüber hinaus zu wenig.

Es lebe die Amoral

Besser taugt da natürlich Margaret Qualley als hinterfotzige Freundin von früher. Wo die Rechnung aufgeht, ist in einer irreversiblen Amoral zu finden, die am Ende die Erwartungshaltung des Publikums unterwandert. Doch auch dafür stimmt die Intention der Figur nicht. Als psychologisch völlig undurchdachtes und somit auch völlig unglaubwürdiges Gentle Crime-Konstrukt verhebt sich How to Make a Killing in seiner Kausalität, wobei sich der Film anfühlt, als wäre er überlang.

John Patton Ford klappert seine Kills ab, as würde er zu Halloween von Tür zu Tür laufen – im ganzen wirkt die Inszenierung auch eher gelangweilt als erfrischend. Wofür Glen Powell nichts kann. Auch nicht Qualley oder Jessica Henwick. Schauspielerisch mag alles geglückt sein, allein vom Konzept her ist es das nicht.

How to Make a Killing – Todsicheres Erbe (2026)

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