WAS UNS DARAN HINDERT, DIE WELT ZU VERÄNDERN
3,5/10

© 2025 Constantin Film Österreich
LAND / JAHR: DEUTSCHLAND 2025
REGIE: ERIK SCHMITT
DREHBUCH: FRIEDEMANN KARIG, ERIK SCHMITT, NACH DEM ROMAN VON THOMAS CLAVINIC
KAMERA: JOHANNES LOUIS
CAST: MATTHIAS SCHWEIGHÖFER, LUISE HEYER, VERENA ALTENBERGER, BENNO FÜRMANN, HENRY HÜBCHEN, RUBY O. FEE, HYUN WANNER, ROMAN KANONIK, PRINCE KUHLMANN U. A.
LÄNGE: 1 STD 36 MIN
Sei vorsichtig, bei dem, was du dir wünschst! Eine altbekannte Weisheit, die in den Märchen von tausendundeiner Nacht der Djinn seinem Herrn und Gebieter Aladdin, nachdem er an der magischen Öllampe gerubbelt hat, rechtzeitig nahelegt. Ein paar Schritte weiter, und wir sind im deutschen Märchenschatz von Hebel und den Gebrüdern Grimm angekommen, worin Wünsche in ihrer Anzahl begrenzt sind, um klarzumachen, wie wertvoll diese sind und gut durchdacht sein will, womit man sich das Leben erleichtern möchte. Hat man die Chance, dieses Begehren zu den eigenen Gunsten zu befriedigen, mag folgendes beachtet werden: Wünsche können eine ganze Kettenreaktion von Ereignissen in Gang setzen, die letztlich zu nichts Gutem führen.
Selbstmordgedanken und ihre Esoterik
Das verpönte und nicht sehr liebgewonnene Sequel zum DC-Origin-Abenteuer Wonder Woman – Wonder Woman 1984 – hievt die Problematik mit den Wünschen und ihren Folgen in die Gegenwart, gewitzt, klug und nachdenklich stimmend. Und um Eckhäuser globaler und größer gedacht als bei Matthias Schweighöfers neuem Esoterik-Schinken, der sich einer viel düsteren Erzählung des Schriftstellers Thomas Clavinic angenommen hat und einen in die Jahre gekommenen Loser vor den Spiegel seines Badezimmer stellt, um ihn erkennen zu lassen, dass die Zeit und das Glück im Begriff sind, abzulaufen – die Entropie etwas langsamer, das Glück dafür von heute auf morgen. In der Beziehung hapert es gewaltig, Ehefrau Luise Heyer will sich trennen. Und nicht nur sie, auch sein Chef. Und das güldene Haar. Es scheint, als würde das Leben nichts mehr für Felix (oha, der Glückliche) bereithalten, also wie wäre es mit einem Sprung von der Brücke, um der Sache ein Ende zu bereiten? Im richtigen Moment, und so, als wäre der Zufall nur Tarnung für ein herausforderndes Schicksal, lockt den Gescheiterten die leuchtende Inschrift eines rustikalen Eckladens, ein urbanes Maginarium mit deutlichem Drall zu asiatischem Mystizismus. Das Leben der Wünsche, steht da groß und unübersehbar, weil an diesem Abend alles andere in weitem Umkreis im Dunkeln liegt. Drinnen sitzt ein älterer, rauer Geselle, der dem Besucher zwar nicht das Buch der Unendlichen Geschichte in die Hand legt, sondern einen Talisman, einen Glücksbringer, mit dem er drei Wünsche frei hat. Felix, nicht auf den Kopf gefallen, will aber nur einen. Er wünscht sich, dass alle seine Wünsche in Erfüllung gehen. Womit Schweighöfer und seinem schütteren Haupthaar eine Macht in die Verantwortung übergeben wird, die die ganze Welt verändern könnte. Und nicht nur sein eigenes kleines Leben.
Egomane in der Romantikfalle
Doch diese Möglichkeiten nutz er nicht. Weil er doch nur sich selbst sieht. Sich und seine Bedürfnisse und seine Beziehungen, und nicht das große Ganze. Ein seltsam befremdlicher Zug, geschuldet der eigenen existenziellen Blase, wo all das, was einen nicht tangiert, auch wenn die täglichen Nachrichten Bilder des Schreckens verbreiten. Die Welt dringt nicht vor zu einem Individuum, das plötzlich mächtiger wird als all die Mächtigen auf diesem Planeten zusammen. Hat man also, wenn die Erfüllung der Wünsche garantiert ist, die Pflicht, sie für das Gemeinwohl einzusetzen? Eine Frage, die der Film Das Leben der Wünsche nicht stellt, dabei wäre genau diese eine brennend interessant.
Erik Schmitt (Cleo) verspricht im Laufe der magisch-märchenhaften Erzählung, die Schweighöfer mitunter als langmähnigen Prinz Charming zeigt, dessen Frisur leider verboten gehört, ein die Grundpfeiler der Existenz erschütternden Moral- Schicksalsreigen, der, sobald Schweighöfer seine Visionen hat, ein bisschen so aussieht wie das Artwork jener Handouts, die eine gewisse Glaubensgemeinschaft mit Hausbesuchen gerne unters Volk bringen will. Überraschenderweise gesellt sich hier auch die für diesen Film viel zu starke Ausnahmeschauspielerin Verena Altenberger (Die beste aller Welten) hinzu, deren Rolle aber wenig zu sagen hat. Das Publikum wartet auf die Erkenntnis über ein dem Scheitern verurteiltes Leben, erhält aber am Ende herzlich wenig dafür. Viel wird versprochen, Henry Hübchen als Teufel mag dem sentimentalen, in der Gewichtigkeit eines Sprüchekalenders dahinsinnierenden Schöngeist Schweighöfer allzu leicht auf den Leim gehen. Die Conclusio bleibt karg, enttäuschend privat und überhaupt nicht weltbewegend. Mit Wünschen geht man nicht leichtfertig um, das ist klar. Man nutzt sie auch nicht so dermaßen unbeholfen.
