Paddington 2

PRISON BREAK MIT BÄREN

7/10

 

PADDINGTON 2© 2017 Studiocanal

 

LAND: GROSSBRITANNIEN 2017

REGIE: PAUL KING

CAST: BEN WISHAW (Stimme), BRENDAN GLEESON, SALLY HAWKINS, HUGH GRANT, HUGH BONNEVILLE, JIM BROADBENT U. A.

 

Es muss nicht immer Winnie Puuh sein, der Honigbär im knappen, roten T-Shirt. Es könnte auch sein entfernter Verwandter sein, der im peruanischen Dschungel unter der Obhut von Tante und Onkel aufwuchs und später sein Glück tausende Kilometer weiter nordostwärts versucht. Der stets, oder sagen wir meistens, seinen blauen Dufflecoat und den roten Schlapphut trägt. Der aber Orangenmarmelade nicht weniger liebt als Christopher Robins lebendig gewordenes Stofftier den Honig. Allerdings ist der Paddington-Bär manchem Vorschul-Feedback zufolge seit 5 Jahren eher unerwünscht. Wieso das? Nun, 2014 hatte der pelzige Troubleshooter sein erstes Live Act-Kinoabenteuer, und war wohl für das Publikum jüngeren Alters relativ ungeeignet, und das, obwohl Paddington in den Medien durchaus als kindertauglich durchgegangen war. Natürlich lässt sich so eine Einschätzung nicht komplett über einen Kamm scheren. Da gibt es Kinder, die stecken thrillerartige Spannung augenscheinlich weg wie nichts. Und dann gibt es andere, denen geht eine giftspritzende Nicole Kidman doch etwas an die Nieren. Paddington 2 also, das durfte ich mir alleine ansehen, und zwar ganz freiwillig. Einfach, weil ich selbst Filme für jüngeres Publikum sehr schätze und das Sequel von Paul King durch die Kritikerbank lobend erwähnt wurde. Und nicht zuletzt deshalb, weil der von mir verehrte Brandon Gleeson die pikante Rolle eines Knastkochs übernommen hat. Das musste ich sehen – und auch Hugh Grant, der, mal abgesehen von Bridget Jones, in letzter Zeit nur mehr selten auf der Leinwand zu sehen war.

Und es stimmt – Paddington 2 ist gelungen. Ist noch dazu um Längen besser als der Erstling und verzichtet auch auf unbequemen Suspense, der nicht auf Biegen und Brechen auch den begleitenden Elternteil fesseln muss. Das geht auch anders. Das geht mit viel mehr komödiantischen Zutaten. Und mit einer pfiffigen Story rund um einen sorgsam gehüteten Goldschatz, dessen Aufenthaltsort in einem antiquarischen Pop-Up-Buch verzeichnet worden ist. Von diesem Kleinod und dessen verstecktem Mehrwert erfährt dann auch die abgehalfterte Ex-Theatergröße Phoenix Buchanan (Hugh Grant) – und so macht sich der Verwandlungskünstler in einer Nacht- und Nebelaktion auf, das bibliophile Werk, das eigentlich als Geschenk für Paddingtons Tante gedacht war, aus dem Antiquitätenladen zu entwenden. Wie es der unglücklich konstruierte Zufall will, darf der knuffige Paddington dafür belangt werden – und der wird trotz Unschuldsbeteuerung ins Gefängnis gesperrt.

Spätestens dann, wenn der arme Kuschel-Häftling im Streifenanzug den Knast-Wäschedienst mit roter Horror-Socke zu einem nachhaltig rosaroten Erlebnis werden lässt, hat Paddington 2 seine besten Momente gefunden. Die Gefängnisszenen alleine sind das Schrulligste an diesem kauzigen Fabelkrimi, der zwischen Miss Marple und buntem Disney-Realismus Marke Mary Poppins den kleinen Helden trotz aller Fettnäpfchen, in die er tritt, stets zum Gewinner werden lässt. Dem Waisenbären gelingt im Endeffekt alles, das müssen letzten Endes dann auch die jüngsten Seher überzuckern – und fürchten braucht sich hier wirklich keiner mehr. Das liegt aber auch an einem sagenhaft spielfreudigen Hugh Grant, den man so noch nicht gesehen hat. Der als so sinisterer wie durchgeknallter Theaterschnösel in slapstickhafter Überzeichnung Mimiken an den Tag legt, die alleine schon schmunzeln lassen. Dass der sonst relativ steife Brit-Darsteller wirklich so aus sich herausgehen kann, ist eine willkommene Überraschung. Und auch Brendan Gleeson, der, anfangs schlachtgelaunt und brummig, den Bären später als Küchenmuse akquiriert, zeigt treffsicheres komödiantisches Talent. Man muss also wissen, wie Filme wie diese zu besetzen sind. Das war bei Nicole Kidman leider ein Fehlgriff. Hier stimmt aber das gesamte Ensemble, genießt die Zusammenarbeit und hat Spaß an einer liebenswürdigen Diebeshatz, das sich niemals in plumpem Klamauk verliert, sondern situationskomischen Slapstick mit Understatement für Klischeeparodien erster Güte nutzt. Paddington, der mag etwas schlauer sein als Winnie Puuh, allerdings nicht weniger ungeschickt, naiv und herzensgut. Ein Film also, der ähnlichen Zugang zu seinem Publikum findet wie Christopher Robin, dabei aber noch mehr zu Scherzen aufgelegt ist als der oft ins Melancholische abgleitende Familienfilm aus dem Hause Disney. Familienkino mit Stil also, und ganz vielen Marmeladetoasts.

Paddington 2

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