Power Ballad – Der Song meines Lebens (2026)

SPIEL MIR DAS LIED VOM ERFOLG

5,5/10


Nick Jonas und Paul Rudd in John Carneys Musikfilm Power Ballad – Der Song meines Lebens
© 2026 Lionsgate / Constantin Film Österreich


LAND / JAHR: USA, IRLAND 2026

REGIE: JOHN CARNEY

DREHBUCH: JOHN CARNEY, PETER MCDONALD

MUSIK: JOHN CARNEY, GARY CLARK

KAMERA: YARON ORBACH

CAST: PAUL RUDD, NICK JONAS, PETER MCDONALD, HAVANA ROSE LIU, JACK REYNOR, MARCELLA PLUNKETT, RORY KEENAN, KEITH MCERLEAN, PAUL REID, BETH FALLON U. A.

LÄNGE: 1 STD 38 MIN



Film und Musik gehen besonders bei einem Mann zusammen, der das Songwriting ins Scriptwriting immer hat einfließen lassen – und umgekehrt: John Carney. Der irische Filmemacher, der mit dem Hit Falling Slowly aus dem Film Once Oscar-Geschichte geschrieben und mit Can A Song Save Your Live? in meinen Augen einen der besten modernen Musikfilme herausgebracht hat, mit Mark Ruffalo und einer nicht nur musikalisch begnadeten Keira Knightley, betont nun in seinem neuesten Film Power Ballad – Der Song meines Lebens erneut, wie schwierig es ist, ein gutes Lied zu komponieren. Denn da müssen so einige Faktoren zusammenkommen: Harmonierende Lyrics, ein mitreißendes Tempo, ein spannender Rhythmus und vor allem aber ein einprägsamer Refrain.

Nicht jeden küsst die Muse

Songwriting kann somit nicht jeder, und oft auch kein Superstar, denn die lassen schreiben, interpretieren bewährte Klassiker neu und haben ein ganzes Label im Rücken, das alles dafür tut, um die Jahrhundertnummer, die vielleicht gar keine ist, groß rauszubringen.

Songwriting alleine reicht aber nicht. Es ist wie mit einem guten Skript – dafür einen Verlag zu finden, mag eine Lebensaufgabe bleiben. So ähnlich geht’s Paul Rudd als verkanntes oder unerkanntes Genie, das mit seiner Band auf Hochzeiten aufspielt und da nur Lieder schmettern darf, die ohnehin jeder kennt. Beim selbstverfassten Stoff jedoch zerstreut sich das Publikum, und hätte die Schicksalsfee mit sogenanntem Rick Power kein Mitleid gehabt, wäre es nie zu einem Zusammentreffen mit ihm und einem Ex-Boyband-VIP namens Danny Wilson gekommen, der den einstigen Ruhm für eine Solokarriere nutzt, für die noch der eine, ganz bestimmte Song wohl fehlt. Die Nummer, die an die Spitze der Charts kommen soll.

Gelegenheit macht Diebe

Die kreative Synergie zwischen den beiden dauert einen ganzen Abend, die beiden verstehen sich prächtig – bis einige Zeit später passiert, was fast schon passieren muss: Der Star hat Powers Song geklaut. Eben jene ganz persönliche Nummer, die dieser in jovialer Bereitschaft, den ruhmreichen Musikerkollegen zu inspirieren, ganz privat ins Klavier gehauen hat. Was also tun? Die Rechte einfordern? Danny Wilson zur Rede stellen? Doch wo ist überhaupt der Beweis, dass der Song aus Powers Feder stammt?

Um welche Werte geht es hier?

Zwei Karrieren, zwei Seiten einer Medaille. Der überbordende Erfolg und das überschaubare Handwerk eines Event-Musikers. Dort die Gunst, da der Neid. Power Ballad ist John Carneys wohl tragikomischste Regiearbeit – aber auch die vorhersehbarste. Wie umgehen mit geistigem Eigentum, wie verteidigen? Es ist ein Ringen um Gelegenheiten, die man entweder verpasst hat oder nicht. Sierger ist der, der den Plagiator zum Geständnis – oder den Urheber zur Resignation bringt.

Ums Geld geht’s da schon lange nicht mehr – oder doch? So klar ist sich Carney in seinem Duell der Barden in Sachen Beweggründe nicht wirklich, auch wenn es so scheint, als hätten beide ihre aufrichtigen Gründe dafür, zu tun, was sie eben tun müssen. Ein bisschen verliert sich diese Doppelconference im Leerlauf, als würde man gerade im Mittelteil eines Songs einem längeren Intermezzo beiwohnen, das diesen aber nicht verbessert. Paul Rudd, sowieso immer grundsympathisch, als Ant-Man ein Volltreffer fürs Marvel-Universum, mag als übervorteiltes Talent seine Rolle selten  richtig ernst nehmen, während Nick Jonas das Austauschsternchen mimt.

Wie man Stars zur Rede stellt

Ich erinnere mich bei Power Ballad an den Kabarettfilm Freispiel des Österreichers Harald Sicheritz – mit Alfred Dorfer und Lukas Resetarits in den Hauptrollen. Der eine ein erfolgloser Musiklehrer, der gerne Songwriter wäre – der andere ein Schlagerstar, der es sich gerichtet hat. Dieser Schlagabtausch der beiden mag nur eine etwas längere Szene in diesem Film sein, doch bringt Sicheritz in diesem Moment den Konflikt der beiden auf eine psychologisch konnotierte Ego-Bühne. Diese satirische Zuspitzung wäre in Power Ballad wohl die Würze gewesen. Doch das seichte Abenteuer zweier Iren (Peter McDonald als Rudds schräger Buddy ist mit von der Partie) in Los Angeles ist wichtiger als der persönliche Konflikt.

Immerhin, Power Ballad macht Laune, weil er vorne und hinten nicht wehtut. Den mitreissenden Esprit aber, den John Carney früher oft hatte, den mag man hier vergeblich suchen.

Spiel mir das Lied vom Erfolg

Und was ist mit dem Song, um den es hier geht? Man mag How to Write a Song (Without You) nach Sichtung des Streifens dank wiederholter Wiedergabe noch einige Stunden im Ohr haben, doch dann verpufft er – was daran liegt, dass dieser nicht jene Raffinesse aufweisen kann, die Falling Slowly in Once damals hatte. Nicht immer lässt sich für einen Film wie diesen ein Welthit schreiben. Da sieht man wieder, wie schwer es ist, so etwas hinzubekommen. Power Ballad entlarvt sich also selber auf eine Weise, und tut alles, um sein Lied als eine ganz große Nummer zu verkaufen.

Power Ballad – Der Song meines Lebens (2026)

The Batman

DER VIGILANT HAT NOCH ´NE FRAGE

7/10


thebatman© 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2022

BUCH / REGIE: MATT REEVES

CAST: ROBERT PATTINSON, ZOË KRAVITZ, JEFFREY WRIGHT, PAUL DANO, COLIN FARRELL, JON TURTURRO, ANDY SERKIS, PETER SARSGAARD, PETER MCDONALD U. A.

LÄNGE: 2 STD 57 MIN


Die von Bob Kane und Bill Finger ins Leben gerufene Rächer-Figur im schwarzen Cape ist wohl DER wandelfähigste Charakter im ganzen Comic-Universum. Will man in diesen Kosmos quereinsteigen, ist man als uneingeweihter Panels-Leser erstmals rettungslos aufgeschmissen. Da gibt es Storylines noch und nöcher, Batman als üppiger Actionheld mit Muckis wie Arnie, dann wieder als einer, der unter dem Titel Der Batman, der lacht selbst den Verstand verliert. Dann gibt es jene Anthologie-Ausgaben, die den Spieß umdrehen und Joker als den Guten darstellen, während Batman im Grunde ein übler Bursche ist. Und dann gibt es natürlich die Film-Noir-Versionen, die Thriller-Comics des nachaktiven Investigators, der mit Comissioner Gordon gemeinsame Sache macht, um Komplotte aufzudecken. Batman ist ein Fass ohne Boden, unterschiedlich interpretierbar und auf keinen Stil endgültig festgelegt. Diese wunderbare Wandelbarkeit hat auch das Kino längst erkannt – angefangen mit Tim Burton und seinem Neo Gothic-Look aus den späten Achtzigern über die knallbunten und leider sehr trashigen Karnevalsnummern eines Joel Schumacher bis zum erwachsen gewordenen Actiondrama mit Nolans übertriebener Auslegung von Bruce Waynes Selbstmitleid. An dieser Stelle sei angemerkt, dass, würde ich die unterm Strich am häufigsten in den Comics ausgelegte Batman-Charaktertendenz mit einer Filmversion vergleichen, ich wohl Ben Affleck Rückendeckung geben muss: Seine Figur (für viele nicht tragbar, ich weiß) gibt den späteren, bereits etablierten Batman die nötige leicht arrogante Millionärsschwere mit Technik-Affinität. Sieht man sich die ersten Jahre von Batmans Schaffen an, lässt sich ganz plötzlich ein Mittdreißiger wie Robert Pattinson entdecken, der seine Twilight-Erinnerungen spätestens seit Dave Eggers Der Leuchtturm komplett abgelegt hat und in einer introvertierten Version aus The Crow und Kurt Cobain zwar mit seinem Schicksal hadert, dabei aber gar nicht mal so schmachtend wehklagt wie vielleicht befürchtet. Dieser Batman hat seine wirklich harten Jahre, in denen es ums Eingemachte geht, noch vor sich. Bis es so weit kommt, versinkt Gotham City unter geschmackvollen Variationen von Nirvana und Franz Schubert im Sumpf des organisierten Verbrechens.

Mit dem Mord an Bürgermeister Mitchell fällt somit der erste Dominostein für ein Tabula Rasa in der regennassen Finsternis einer kaputten Stadt, die keine Werte mehr kennt und als Sodom oder Gomorrha bald von höheren Mächten heimgesucht werden muss. Eine schwelende Prä-Apokalypse liegt in der Luft, und die gedeckte Stimme Batmans aus dem Off beschreibt tagebuchartig den Status Quo. Und dann das: ein olivgrün maskierter Wahnsinniger killt den Top-Politiker Gothams und hinterlässt Rätsel. Wer kann denn das sein? Jedenfalls nicht Jim Carrey im Fragezeichen-Stretch. Dieser hier ist ein weniger bühnentauglicher Psychopath, der gerne mit Joaquin Phoenix auf einen Kaffee gehen würde. Doch leider sind dessen Liebesbriefe an Batman gerichtet – und so geht dieser zum Leidwesen der übrigen Polizeibelegschaft mit dem durch Jeffrey Wright fabelhaft besetzten und moralisch sehr aufgeräumten Jim Gordon (besser noch als Gary Oldman!) den kryptischen Hinweisen nach. Bald quert auch eine gewisse Selina Kyle den Weg unserer Fledermaus, und Oswald Cobblepot als der Pinguin will wieder mal von nichts etwas wissen.

The Batman birgt ein klassisches, wenig überraschendes und fast schon routiniertes Szenario. Matt Reeves wagt sich im Storytelling nicht über den Tellerrand hinaus, er bleibt dem Einzelgänger treuer als so manch anderer, ja sogar Tim Burton, und verbeugt sich respektvoll vor Print-Klassikern wie Das erste Jahr, Kaputte Stadt oder Das lange Halloween – Comics, die man gelesen haben sollte. In dieser akkurat abgesteckten Spielwiese ist bei Reeves vieles möglich, aber eben nichts, was dem Kult fremd wäre. Das psychopathische Spiel des Riddlers ist zwar nobel exaltiert und hysterisch, doch erwartbar. Paul Dano gibt jedoch sein Bestes und ist so ideal besetzt wie Jon Turturro als Carmine Falcone oder Andy Serkis als Butler Alfred: Figuren, die in ihrer Manier vertraut bleiben. Am besten allerdings bekommt Zoë Kravitz als Katzenfrau die krallige Kurve: sie schafft es, Michelle Pfeiffer vom Thron zu stürzen. Ihr Spiel ist natürlich und lasziv, dabei lässig und gleichsam emotional. Spielerisch findet sie den Mittelweg und tänzelt diesen entlang in erstaunlicher Sicherheit, als wäre sie niemals eine andere gewesen. Das passt zu Pattinsons Batman-Version, die sich in angenehmer Zurückhaltung das Detektivische einverleibt und den Mut hat, zu straucheln oder Fehler zu machen. Er muss noch üben, dieser Batman – und diese Luft nach oben steht ihm gut.

Alles in allem ist Matt Reeves‘ Anthologie das runde, schöne Filetstück einer gar nicht übernatürlichen Superhelden-Ballade geworden, die als melancholischer Psychothriller die latente Terrorangst einer Stadt mit Wut und Selbstreflexion bekämpft, dabei manchmal zu viel redet und seine Stärke in einer penibel arrangierten, urbanen Grunge-Hölle findet, die so einige ikonische Batman-Stills Joker-Karten gleich ins Spiel wirft.

The Batman