The Mandalorian and Grogu (2026)

EIN LEINWAND-SPECIAL FÜR DEN SERIENHELDEN

6,5/10


Pedro Pascal und Grogu als er selbst in The Mandalorian and Grogu
© 2026 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: JON FAVREAU

DREHBUCH: JON FAVREAU, DAVE FILONI, NOAH KLOOR

KAMERA: DAVID KLEIN

CAST: PEDRO PASCAL, SIGOURNEY WEAVER, JEREMY ALLEN WHITE (STIMME), JONNY COYNE, STEVE BLUM (STIMME), SHIRLEY HENDERSON (STIMME), MARTIN SCORSESE (STIMME), BRENDAN WAYNE, DAVE FILONI U. A.

LÄNGE: 2 STD 12 MIN



Es ist der Moment, in dem dieses Fahrzeug vorkommt – dieses kleine, unscheinbare, kastenförmige Ding. Kinder der Achtziger, die gleichsam zu Star Wars-Afficionados wurden, ehe sie noch gerade Sätze sagen konnten, wissen sofort, dass es sich dabei um das ominöse INT-4 handelt, ein speziell für das erste Merchandise-Kontingent ersonnene Spielzeug. Nun hat es seinen Einsatz gefunden, denn ein ex-imperialer Warlord düst damit davon, natürlich auf einem Schneeplaneten, denn diese fühlen sich prinzipiell schon nach Star Wars an. „Sieh nur, ein INT-4“, kommt es mir da entzückt über die Lippen – und niemand versteht es.

Vom Fan-Service nicht genug bekommen

So viel Leidenschaft müsste man aber besitzen, um The Mandalorian and Grogu auch wirklich in vollen Zügen und bis in jeden Winkel seines mehr als zweistündigen Leinwand-Daseins zu genießen. Denn der Star Wars-Wahnsinn, der steckt im Detail. Und macht so richtig froh. Kaum ist ein Raumschiff erkannt, erspäht man schon die nächste Spezies, die es damals, ebenfalls im Basis-Sortiment an Figuren, auch schon gab. Für die, die es wissen wollen: Bezeichnet wurde diese Figur damals Amanaman, im Film nennt sie sich Amani. Und wie der Mandalorian alias Din Djarin alias Mando mit ihnen fertig wird, ist Heldentum der zwar langweiligen, aber fein getricksten Sorte.

Jon Favreau und Dave Filoni, zwei bekennende Geeks der ersten Stunde, die womöglich alle Bücher und jedes Comic in sich aufgesogen haben müssen, und zwar mehrmals, können aus einem Fundus schöpfen, von diesem haben „normale“ Kinobesucher, die Star Wars zwar kennen, gerne sehen, aber nichts weiter, natürlich wenig.

Vom Geben und Nehmen in einer Beziehung

Favreau und Filoni werden wohl in Kauf genommen haben, dass ihr Leinwand-Special – denn anders ist dieser erste Kinofilm nach sieben Jahren Abstinenz nicht zu bezeichnen – wohl kaum tiefer in den Star Wars Kosmos eintauchen, sondern ihn nur an der Oberfläche erweitern wird. Sie werden gewusst haben, dass mit The Mandalorian und Grogu wohl kaum das bedeutende Weltraumepos auf die Leinwand gewuchtet wird, das viele vielleicht erwarten.

Es führen auch nicht alle Erzählstränge aus den Serien zusammen, die Storyline rund um Ahsoka hat damit nicht das Geringste zu tun. Letztlich konzentriert sich das Abenteuer auf eine Vater-Sohn-Beziehung im erweiterten Sinne, oder besser gesagt: auf eine Lehrer-Schüler-Beziehung, oder Onkel-Neffe, wie auch immer. Das Problem dabei: Komplexer als in der Serie wird es kaum werden, und da hing die Bedeutsamkeit der Kommunikation zwischen Mando und seinem Schützling Grogu entscheidend davon ab, ob der Kleine immer noch so tut, als wäre er ein Baby. Die Antwort: Ja, das tut er – und das Spektrum dieser Verbindung bleibt daher endenwollend.

Die Macht, die der kleine mechatronische und von Puppenspielern wie anno dazumal bei Yoda gesteuerte Genusszwerg nutzt, passiert willkürlich einmal mehr und einmal weniger, bleibt aber nicht logisch. Andere, nennenswerte Beziehungen gibt es in diesem neuen Film keine, der Rest des Ensembles ist Staffage, und selbst Sigourney Weaver würde lieber wieder Aliens jagen.

Es ist und bleibt eine Serie

Lucasfilm™ will weder die Old Republik noch die spannende Geschichte rund um Crimson Dawn auf die Leinwand bringen, aus Sorge davor, hier auf zu wenig Vorkenntnis beim Publikum zu stoßen, womit die lautstarken Wünsche einer weltweiten Community ignoriert werden.

Gedacht wird marketingtechnisch. Einerseits. Andererseits wollen Favreau und Filoni unbedingt ihren Mando weiterführen und schlagen deutliche Signale, die dagegensprechen, in den Wind. Nur: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wer nur wagt, was er bereits gewonnen hat, entwickelt sich nicht weiter. Somit haben wir, worauf wir uns vorbereiten sollten, wenn wie The Mandalorian und Grogu auf großer Leinwand erblicken wollen: Das Serien-Special fürs Pfingstwochenende. Und zwar auf großer Leinwand.

Ein Wunsch zumindest, der in Erfüllung geht, hat sich doch gefühlt jede(r) beim hohen technischen Level der Serie von der ersten Folge an gewünscht, hier lieber im Kino zu sein als in den Fernseher hineinkriechen zu müssen, um die ganze monumentale Wirkung der Welten, Raumschiffe und Kreaturen wirklich adäquat in sich aufsaugen zu können. Zumindest hier ist die Sehnsucht gestillt: In diesem Verhältnis kommt die Serie noch besser zur Geltung – bleibt aber eine Serie.

Wer sind die Hutten?

Sollte man wissen. Wie einnehmend ein solcher Charakter sein kann, das zeigt der Film ganz vorzüglich. Auch hier wieder wissen Kenner der Serie The Clone Wars, um wen es sich dabei im Speziellen handelt: um Rotta, den Spross von Jabba, den wiederum jede(r) kennt. Jeremy Allen White spricht ihn, und zwar in jugendlichem Basic, was aber dennoch zusammenpasst. Von ihm soll dieses ganze Abenteuer auch handeln – und um das Hutten-Kartell an sich, das ein falsches Spiel treibt und unserem Helden fast das Leben kostet.

Wie ein Endgegner, trotzdem er besiegt wird, durch die Lappen geht

Die Neue Republik bleibt nach wie vor nur eine Fußnote, ein kleines Kontingent an X- und Y-Flügler schieben sich wieder ins Bild, um für Stimmung wie bei einer Flugshow anlässlich einer Star Wars Convention zu sorgen. Wo ist der Rest dieses politischen Weltenbündnisses?

Interessiert nicht, genauso wenig wie der Ausblick auf die Erste Ordnung, die einige Jahrzehnte später erstarken wird. Das Grummeln im Bauch, weil sich etwas anbahnen könnte, fehlt komplett, da der Endgegner Moff Gideon bereits in der letzten Staffel besiegt wird. Hätten Favreau und Filoni vorausschauender gehandelt, hätten sie sich den charismatischen Giancarlo Esposito genau für diesen Moment im Kino aufgehoben. Was bleibt, ist ein minimal größeres Abenteuer als im Stream, und demnach überschaubar genug, um allen gerecht werden zu wollen. Star Wars-Greenhorns, Familien, Science-Fiction-Fans und eingefleischten Nerds. Richtig spezialisieren kann man sich da wohl nicht, irgendwo storytechnisch eintauchen auch nicht. Die fantastischen Schauwerte sind das, was bleibt.

Das große Publikum wird The Mandalorian und Grogu nicht ins Kino locken, dazu hängt das Mandoverse zu sehr an Disney+. Ein großes, unabhängiges Zeitalter müsste man hier öffnen – mit einem komplexem Plot, der die weit weit entfernte Galaxie bis ins Outer Rim erschüttert. Die Old Republik fällt mir wieder ein. Besser aber, ich gebe es langsam auf, zu hoffen.

The Mandalorian and Grogu (2026)

The Toxic Avenger (2023)

GIFTSTOFFE, AUS DENEN HELDEN SIND

6,5/10


© 2025 Legendary Pictures


LAND / JAHR: USA 2023

REGIE: MACON BLAIR

DREHBUCH: MACON BLAIR, NACH DER VORLAGE VON LLOYD KAUFMAN

KAMERA: DANA GONZALES

CAST: PETER DINKLAGE, JACOB TREMBLAY, TAYLOUR PAIGE, KEVIN BACON, ELIJAH WOOD, JULIA DAVIS, JONNY COYNE U. A.

LÄNGE: 1 STD 43 MIN


Troma – was bedeutet das? Klingt ungefähr so wie Trauma, und die Frage ist, ob die Assoziation gewollt war oder nicht, jedenfalls könnten Zartbesaitete und auch weniger Zartbesaitete, die zumindest alle menschlichen Extremitäten anatomisch richtig an ihrem Platz wissen wollen, traumatische Erfahrungen gemacht haben, hätten sie zum Beispiel Filme wie Bloodsucking Freaks, Surf Nazis Must Die oder Cannibal! The Musical gesehen. Troma ist schlicht und ergreifend eine Produktionsfirma für grenzwertigen Stoff, der vorallem Gorehounds abholt – Freunde und Liebhaber körperlicher Zerstörungswut. Diese durchaus erfolgreiche Firma wurde, passend für diese Zeit, in den Siebzigern gegründet und hat im Laufe ihrer Erfolgsgeschichte vor allem einen Superhelden hervorgebracht, der weder ins Marvel- noch ins DC-Universum und wenn, dann am Ehesten noch ins Universum der Boys passen würde, doch auch dort wäre der rabiate Quasimodo mit dem Herzen aus Gold immer noch ein Außenseiter. Die Rede ist vom Toxic Avenger, oder auch Atomic Hero – so der Titel des damals, 1984, veröffentlichten Splatter- und Gore-Hits, der mittlerweile längst Kultstatus genießt und Peter Jackson, Quentin Tarantino oder Takashi Miike nicht unwesentlich beeinflusst hat. Gerade bei Jackson erkennt man spätestens bei Sichtung seiner Filme, die vor der Verfilmung der Tolkien-Romane das Licht der Leinwand erblickten, eine wenig zimperliche Besinnung auf das Portfolio TromasBad Taste oder insbesondere Braindead sprechen dabei für sich.

Pimp up the Trash

The Toxic Avenger – und ich schreibe hier von der Neuverfilmung – hatte seine Premiere schon 2023, verschwand aber danach aus unerfindlichen Gründen zwei Jahre lang in einem temporären Giftschrank, um nun doch nochmal voll mit einem österreichweit regulären Releasedatum durchzustarten. Ich selbst konnte die Österreichpremiere im Rahmen des Slash-Festivals genießen – und ja, dieses Verb trifft die Gemütslage durchaus, denn Peter Dinklage, von Grund auf ein unendlich sympathischer Charakter, egal, was er spielt, verleiht dem grüngesichtigen, entstellten Berserker, der an die schrille LSD-Version eines Charles Laughton aus Der Glöckner von Notre Dame erinnert, so viel Herzenswärme, dass man ihm seine radikale Vorgehensweise bösen Buben gegenüber durchaus verzeiht – auch wenn das eine oder andere Mal ganze Gedärme ihren Weg durch den Anus ans Tageslicht finden oder Köpfe munter drauflosexplodieren, wenn der Avenger mit seinem giftklumpigen Besen ausholt, um irreparable Schädelfrakturen zu verpassen. Man möchte es ja kaum für möglich halten, aber so knuffig und liebevoll kann ein Gorefilm sein, der seine zahlreichen Gewaltspitzen als grelle Himbeersaft-Orgie komponiert, und zwar so weit und so sehr intensiv, dass sie Teil dieser ganzen völlig irrealen Überzeichnung werden, die hier stattfindet.

Macon Blair, der 2017 die bemerkenswerte Thrillerkomödie Fremd in der Welt schrieb und inszenierte (abrufbar auf Netflix), später aber mit einer unsäglichen Komödie wie Brothers (mit Peter Dinklage und Josh Brolin) den Totalabsturz riskiert, holt sich für diese fast schon salonfähige und massentaugliche Sause eine ganze Reihe namhafter Schauspieler ans Set – mit Dinklage und Elijah Wood hat er schließlich schon gearbeitet gehabt, jetzt kommen noch Kevin Bacon und Jacob Tremblay als des Avengers Stiefsohn hinzu – so schillernd kann gewolltes Underground-Kino sein, das aber ordentlich Budget gehabt haben muss.

Viel Herzblut, viel Kunstblut

Mit diesem Budget bringt sich die Story eines Putzmanns in einem skrupellosen Chemiekonzern in Position: Als Winston Gooze muss er feststellen, dass all die Jahre inmitten giftiger Dämpfe seinen Tribut gefordert haben. Nur noch knapp ein Jahr, dann wird der Hirntumor lethale Ausmaße erreichen. Winston hofft auf Entschädigung von einem Konzern, der hochgiftigen Abfall in die Umwelt entlässt, ohne Rücksicht auf Verluste, was wiederum an Trumps Nachhaltigkeitsbewusstsein erinnert. Natürlich lässt man ihn hängen, und während er seinem Vorgesetzten Kevin Bacon eine Lehre erteilen will, schmeißt man ihn kurzerhand in den Sondermüll. Nach Tim Burton werden manche zum Joker, andere eben zum grünen Gnom, der seinen Wischmopp schwingt und völlig unerwartet zum Helden wird, nachdem er mit einer Verbrecherbande im wahrsten Sinne die Wände eines Fast Food-Restaurants dekoriert. Die Bösen machen bald Jagd auf ihn, und so kann die Geschichte ihren natürlich vorhersehbaren Lauf nehmen, denn inhaltlich originell ist The Toxic Avenger beileibe nicht.

Schließlich kann man sich nicht auf alles konzentrieren, und schließlich muss ja auch dem Troma-Spirit gehuldigt werden, denn all die grenzwertigen „Meisterwerke“ von damals sind allesamt wohl kaum drehbuchpreiswürdig, da es doch vorrangig um die visuelle Grenze geht, um den blutigen Dekor, um den Gladiatorenkampf an sich. Plakativität hat hier seine Daseinsberechtigung wie  nirgendwo sonst, und nur Peter Dinklage, Jacob Tremblay und ja, auch Taylour Paige ist es zu verdanken, dass diese Herzenswärme und dieser Feel-Good-Faktor all diese obszöne Gewalt so sehr durchdringt, dass man den Gore-Faktor nur noch peripher wahrnimmt.

The Toxic Avenger (2023)