Masters of the Universe (2026)

TOY STORY MIT MUSKELN

6/10

 

Nicholas Galitzine als Adam/He-Man in Masters of the Universe© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: TRAVIS KNIGHT

DREHBUCH: CHRIS BUTLER, AARON UND ADAM NEE, DAVE CALLAHAM

KAMERA: FABIAN WAGNER

CAST: NICHOLAS GALITZINE, JARED LETO, IDRIS ELBA, CAMILA MENDES, MORENA BACCARIN, ALISON BRIE, CHARLOTTE RILEY, SAM C. WILSON, JÓHANNES HAUKUR JÓHANNESSON, JON XUE ZHANG, SASHEER ZAMATA U. A.

LÄNGE: 2 STD 20 MIN



Was flasht mich da?

Es ist nichts anderes als der Rücksturz ins Kinderzimmer meines Volksschulkommilitonen: Masters of the Universe. Denn niemals, im Laufe meiner Kindheit, durfte ich eine dieser Actionfiguren mein eigen nennen.

Warum? Der Spirit von patriarchalem Heldentum war sogar in einem Zeitalter, in dem Diversität, Gleichheit und Geschlechterrollen in konservativen Strukturen feststeckten, auffallend vorgestrig, als wäre es aus einer reaktionären Interpretation der Siegfried-Sage gefallen.

Die Frauenquote der Muskelmänner

So ein martialisches Männlichkeitsbild kam damals nicht in unser Haus. Dafür aber in jenes meines eingangs erwähnten Freundes, bei dem ich dieses Klischee der tapferen, ruhmreichen Beschützer und Bösewichte bedienen konnte, ohne das Ganze zu hinterfragen.

Dort die Burg von Grayskull, auf der anderen Seite der Snake Mountain. Dazwischen die irrwitzigsten Monster und Mutanten, und weil man ja nicht komplett so tun wollte, als würden Frauen nur hinter den Burgmauern um ihre Helden bangen, gabs zumindest Teela, Evil-Lyn und die Zauberin – später dann noch He-Mans Schwester She-Ra (She-Woman wäre konsequenter), das Pendant zu Supergirl im DC-Universum.

Die martiale „Kauf mich“-Lore

Damals aber konnten wir uns weder sattsehen noch sattspielen. An jede einzelne dieser Figuren kann ich mich erinnern, und eine Handvoll erscheint auch im neuen Versuch, das triviale Universum, das frappant an Flash Gordon, Marvel und die deutschen Heldenepen erinnert, mit ganz viel Hilfe durch CGI-Experten auf die Leinwand zu bringen.

Denn Masters of the Universe, das ist Kitsch as Kitsch can, das ist ein unfreiwillig komisches, vielleicht sogar käsiges Spielzeuguniversum mit genau jener tümpeligen Tiefe, die ein Team an Spielzeugentwicklern von Mattel wohl erforscht haben müssen, um diesen „Kauf mich“-Kreaturen zumindest eine gewisse Legitimität anhand einer simplen und von überall her zitierten Lore zu bescheren, die ins Zentrum gar dreist ein Schwert stellt, für das der junge König Artus es nicht mal aus dem Stein ziehen muss.

Die Sache mit dem Lendenschurz

„Bei der Macht von Greyskull! Ich habe die Kraft!“ Und schon umweht ein ledergegerbtes Tarzan-Röckchen die sicherlich schmucke Männlichkeit von Adam, während ein rotes Kunstharzkreuz Marke „Tempelritter“ die durchtrainierte Brust des blonden Recken ziert, der in Travis Knights (Kubo – Der tapfere Samurai, Bumblebee) ironisch kommentierter Überarbeitung des trivialen Stoffs gar nicht mal so einer sein will.

Natürlich kann man die Welt von Masters nicht einfach in seinem obsoleten Dunst von damals vor sich hin husten lassen. Wie man es dreht und wendet – das ganze Szenario mit einer gewissen Tolkien‘schen Ernsthaftigkeit zu versehen, wird nicht gelingen. Zu generisch ist der Plot, zu plakativ die Charaktere.

Sympathie für den Waffenmeister

Um das Problem zumindest in Sachen Sympathiewerte zu lösen, kommt einer wie Idris Elba ins Spiel, der Adams rechte Hand gibt: Man-at-Arms, auch genannt Duncan. Elba hat Charisma und gute Laune. Genauso wie Nicholas Galitzine (Glennkill: Ein Schafskrimi), der diesen auf Diplomatie gebürsteten Thronerben gibt, als Kind schon nicht kämpfen wollte und im Erd-Exil mit seiner für niemanden glaubhaften Biografie als verschrobener Nerd gilt, der fanatisch nach einem Schwert sucht – seinem Schwert, nämlich jenes mit der Macht.

Das Live-Act-Problem des Zeichentrick-Schurken

Kaum gefunden, katapultiert ihn das Schicksal wieder nach Eternia zurück, wo Skeletor, der ikonische Erzgegner und Onkel (!) von He-Man (wie in der Artus-Sage Schurke Vortigern Pendragon) schon seit Anbeginn an diese Macht will, um diese auszuüben. Hinter dem Totenschädel verbirgt sich Jared Leto in zeichentrickhafter Gestik und mit wenig Charakter.

Denkt da wer vergleichsweise an Frank Langella aus den Achtzigerjahren? Da hatten wir ja schon mal eine Masters-Interpretation, nur aufgrund mangelnder Rechte und wenig Budget hat Dolph Lundgren (man beachte sein launiges Cameo im neuen Film) auf den Final Fight in Eternias Burg verzichten müssen. Bis heute ist Gary Goddards trashiges Guilty Pleasure nicht ohne Nostalgie-Wert. So eine Langlebigkeit lässt sich im neuen Film wohl nicht prognostizieren, obwohl die Macher hier versuchen, das ganze auf zwölftönende und damit erinnerungswürdige Eigenparodie zu trimmen, die auch dank Elba und Galitzine zumindest streckenweise funktioniert.

Den kenn ich doch!

Ist Masters of the Universe nun Kinderkam? Ja, Kinderkram für Mittvierziger, die sich gerne am bunten Materialismus vollgestopfter Kinderzimmer erinnern. Und mit Lust und verklärten Augen Figuren wie Fisto, Mechanek, Spikor, Moos Man, Ram Man und dergleichen in diesmal spielzeugadäquater Ausgestaltung mit Leichtigkeit wiederentdecken.

Die Sache mit dem Sexwitz

Ein Toy Story also mit Muskeln und lahmer Story; netten, aber nicht außergewöhnlichen Schauwerten, dafür aber mit befremdlichem, sexuell konnotierten Wortwitz, der sich speziell auf einen Charakter bezieht und sich auf irritierende Weise am Zielpublikum vorbei vergreift.

Irgendwie ist den Schreiberlingen hier der Zynismus durchgegangen, während zeitgleich verabsäumt wurde, die Vorhersehbarkeit vor allem im Showdown abzufangen. Mit dem Kulturschock der realen, nämlich unserer Welt, wird das Abenteuer mit origineller Situationskomik abgeschmeckt. Witzig auch die „Etymologie“ so manchen Heldennamens. Doch die Selbstironie wirkt unentschlossen – manchmal ist sie zu viel, manchmal zu wenig. Oder hatte gar Mattel das letzte Wort?

Alle waren sie im Gym

Travis Knight lässt Masters of the Universe immer noch das sein, was es immer schon war: Ein konfuses, etwas zu lang geratenes Arena-Gekloppe mit der Sehnsucht nach epischer Fantasy, und mit dem ernüchternden Blick auf die Tatsache, das die durchtrainierten Schwarzenegger-Rabauken nicht wirklich viel mehr sind als sie darstellen. Vielleicht muss man dafür die Zeichentrickserie kennen, und das ganze Drumherum. Davon aber ausgekoppelt bleibt nur Spielzeug, das lebendig wird. Hach, für ewige Buben irgendwie trotzdem ganz schön.

Masters of the Universe (2026)

The Mandalorian and Grogu (2026)

EIN LEINWAND-SPECIAL FÜR DEN SERIENHELDEN

6,5/10


Pedro Pascal und Grogu als er selbst in The Mandalorian and Grogu
© 2026 Lucasfilm Ltd™. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: JON FAVREAU

DREHBUCH: JON FAVREAU, DAVE FILONI, NOAH KLOOR

KAMERA: DAVID KLEIN

CAST: PEDRO PASCAL, SIGOURNEY WEAVER, JEREMY ALLEN WHITE (STIMME), JONNY COYNE, STEVE BLUM (STIMME), SHIRLEY HENDERSON (STIMME), MARTIN SCORSESE (STIMME), BRENDAN WAYNE, DAVE FILONI U. A.

LÄNGE: 2 STD 12 MIN



Es ist der Moment, in dem dieses Fahrzeug vorkommt – dieses kleine, unscheinbare, kastenförmige Ding. Kinder der Achtziger, die gleichsam zu Star Wars-Afficionados wurden, ehe sie noch gerade Sätze sagen konnten, wissen sofort, dass es sich dabei um das ominöse INT-4 handelt, ein speziell für das erste Merchandise-Kontingent ersonnene Spielzeug. Nun hat es seinen Einsatz gefunden, denn ein ex-imperialer Warlord düst damit davon, natürlich auf einem Schneeplaneten, denn diese fühlen sich prinzipiell schon nach Star Wars an. „Sieh nur, ein INT-4“, kommt es mir da entzückt über die Lippen – und niemand versteht es.

Vom Fan-Service nicht genug bekommen

So viel Leidenschaft müsste man aber besitzen, um The Mandalorian and Grogu auch wirklich in vollen Zügen und bis in jeden Winkel seines mehr als zweistündigen Leinwand-Daseins zu genießen. Denn der Star Wars-Wahnsinn, der steckt im Detail. Und macht so richtig froh. Kaum ist ein Raumschiff erkannt, erspäht man schon die nächste Spezies, die es damals, ebenfalls im Basis-Sortiment an Figuren, auch schon gab. Für die, die es wissen wollen: Bezeichnet wurde diese Figur damals Amanaman, im Film nennt sie sich Amani. Und wie der Mandalorian alias Din Djarin alias Mando mit ihnen fertig wird, ist Heldentum der zwar langweiligen, aber fein getricksten Sorte.

Jon Favreau und Dave Filoni, zwei bekennende Geeks der ersten Stunde, die womöglich alle Bücher und jedes Comic in sich aufgesogen haben müssen, und zwar mehrmals, können aus einem Fundus schöpfen, von diesem haben „normale“ Kinobesucher, die Star Wars zwar kennen, gerne sehen, aber nichts weiter, natürlich wenig.

Vom Geben und Nehmen in einer Beziehung

Favreau und Filoni werden wohl in Kauf genommen haben, dass ihr Leinwand-Special – denn anders ist dieser erste Kinofilm nach sieben Jahren Abstinenz nicht zu bezeichnen – wohl kaum tiefer in den Star Wars Kosmos eintauchen, sondern ihn nur an der Oberfläche erweitern wird. Sie werden gewusst haben, dass mit The Mandalorian und Grogu wohl kaum das bedeutende Weltraumepos auf die Leinwand gewuchtet wird, das viele vielleicht erwarten.

Es führen auch nicht alle Erzählstränge aus den Serien zusammen, die Storyline rund um Ahsoka hat damit nicht das Geringste zu tun. Letztlich konzentriert sich das Abenteuer auf eine Vater-Sohn-Beziehung im erweiterten Sinne, oder besser gesagt: auf eine Lehrer-Schüler-Beziehung, oder Onkel-Neffe, wie auch immer. Das Problem dabei: Komplexer als in der Serie wird es kaum werden, und da hing die Bedeutsamkeit der Kommunikation zwischen Mando und seinem Schützling Grogu entscheidend davon ab, ob der Kleine immer noch so tut, als wäre er ein Baby. Die Antwort: Ja, das tut er – und das Spektrum dieser Verbindung bleibt daher endenwollend.

Die Macht, die der kleine mechatronische und von Puppenspielern wie anno dazumal bei Yoda gesteuerte Genusszwerg nutzt, passiert willkürlich einmal mehr und einmal weniger, bleibt aber nicht logisch. Andere, nennenswerte Beziehungen gibt es in diesem neuen Film keine, der Rest des Ensembles ist Staffage, und selbst Sigourney Weaver würde lieber wieder Aliens jagen.

Es ist und bleibt eine Serie

Lucasfilm™ will weder die Old Republik noch die spannende Geschichte rund um Crimson Dawn auf die Leinwand bringen, aus Sorge davor, hier auf zu wenig Vorkenntnis beim Publikum zu stoßen, womit die lautstarken Wünsche einer weltweiten Community ignoriert werden.

Gedacht wird marketingtechnisch. Einerseits. Andererseits wollen Favreau und Filoni unbedingt ihren Mando weiterführen und schlagen deutliche Signale, die dagegensprechen, in den Wind. Nur: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wer nur wagt, was er bereits gewonnen hat, entwickelt sich nicht weiter. Somit haben wir, worauf wir uns vorbereiten sollten, wenn wie The Mandalorian und Grogu auf großer Leinwand erblicken wollen: Das Serien-Special fürs Pfingstwochenende. Und zwar auf großer Leinwand.

Ein Wunsch zumindest, der in Erfüllung geht, hat sich doch gefühlt jede(r) beim hohen technischen Level der Serie von der ersten Folge an gewünscht, hier lieber im Kino zu sein als in den Fernseher hineinkriechen zu müssen, um die ganze monumentale Wirkung der Welten, Raumschiffe und Kreaturen wirklich adäquat in sich aufsaugen zu können. Zumindest hier ist die Sehnsucht gestillt: In diesem Verhältnis kommt die Serie noch besser zur Geltung – bleibt aber eine Serie.

Wer sind die Hutten?

Sollte man wissen. Wie einnehmend ein solcher Charakter sein kann, das zeigt der Film ganz vorzüglich. Auch hier wieder wissen Kenner der Serie The Clone Wars, um wen es sich dabei im Speziellen handelt: um Rotta, den Spross von Jabba, den wiederum jede(r) kennt. Jeremy Allen White spricht ihn, und zwar in jugendlichem Basic, was aber dennoch zusammenpasst. Von ihm soll dieses ganze Abenteuer auch handeln – und um das Hutten-Kartell an sich, das ein falsches Spiel treibt und unserem Helden fast das Leben kostet.

Wie ein Endgegner, trotzdem er besiegt wird, durch die Lappen geht

Die Neue Republik bleibt nach wie vor nur eine Fußnote, ein kleines Kontingent an X- und Y-Flügler schieben sich wieder ins Bild, um für Stimmung wie bei einer Flugshow anlässlich einer Star Wars Convention zu sorgen. Wo ist der Rest dieses politischen Weltenbündnisses?

Interessiert nicht, genauso wenig wie der Ausblick auf die Erste Ordnung, die einige Jahrzehnte später erstarken wird. Das Grummeln im Bauch, weil sich etwas anbahnen könnte, fehlt komplett, da der Endgegner Moff Gideon bereits in der letzten Staffel besiegt wird. Hätten Favreau und Filoni vorausschauender gehandelt, hätten sie sich den charismatischen Giancarlo Esposito genau für diesen Moment im Kino aufgehoben. Was bleibt, ist ein minimal größeres Abenteuer als im Stream, und demnach überschaubar genug, um allen gerecht werden zu wollen. Star Wars-Greenhorns, Familien, Science-Fiction-Fans und eingefleischten Nerds. Richtig spezialisieren kann man sich da wohl nicht, irgendwo storytechnisch eintauchen auch nicht. Die fantastischen Schauwerte sind das, was bleibt.

Das große Publikum wird The Mandalorian und Grogu nicht ins Kino locken, dazu hängt das Mandoverse zu sehr an Disney+. Ein großes, unabhängiges Zeitalter müsste man hier öffnen – mit einem komplexem Plot, der die weit weit entfernte Galaxie bis ins Outer Rim erschüttert. Die Old Republik fällt mir wieder ein. Besser aber, ich gebe es langsam auf, zu hoffen.

The Mandalorian and Grogu (2026)

Mission: Impossible – The Final Reckoning (2025)

WIE MAN EINE KI FÄNGT

7/10


© 2025 Paramount Pictures


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: CHRISTOPHER MCQUARRIE

DREHBUCH: CHRISTOPHER MCQUARRIE, ERIK JENDRESEN

CAST: TOM CRUISE, HAYLEY ATWELL, SIMON PEGG, VING RHAMES, ESAI MORALES, POM KLEMENTIEFF, GREG TARZAN DAVIS, HENRY CZERNY, ROLF SAXON, SHEA WIGHAM, ANGELA BASSETT, MARIELA GARRIGA, MARK GATISS U. A.

LÄNGE: 2 STD 50 MIN


Was hat er denn diesmal wieder angestellt, dieser ewig junge Sunnyboy, der bereits mehr als sechzig Lenze zählt? Tom Cruise scheint wie in Edge of Tomorrow tatsächlich in einer Zeitschleife festzustecken, in welcher er jedes Mal einen neuen Mission: Impossible-Film mitgestalten und produzieren muss. Zum Glück übernimmt die Regie Christopher McQuarrie, der das Franchise längst im Blut hat und selbst im Halbschlaf das Go für den Sprint seines Stars quer durch London erschallen lassen kann. Dieser Sonnyboy, der fährt diesmal nicht mit einem Motorrad über die Klippe. Diesmal hängt er an einem Vintage-Doppeldecker fest, während ihm der Fahrtwind die Wangen massiert und das freche längere Haar nach hinten wehen lässt.

Man sieht auch im Film, dass Tom Cruise unmöglich nur getan hat, als würde er an einem Flugzeug hängen. Die Anstrengung steht ihm ins Gesicht geschrieben, und nicht nur einmal hat ihn dieser Stunt so viel abverlangt, dass er vom Set getragen werden musste. Mit dieser minutenlangen Verfolgungsjagd in den Lüften und knapp über dem Gelände eines wilden Südafrikas hechelt und hechtet das Grande Finale der Mission: Impossible-Reihe – und zwar The Final Reckoning – seiner Superlative entgegen, dem Nonplusultra eines schwindelerregenden Stunt-Zirkus, um welchen das ganze narrative Konstrukt des letzten Teils herumgebastelt wurde. Dabei hat McQuarrie, der auch am Drehbuch mitschrieb, nicht vergessen, dass es auch inhaltlich ein „rien ne va plus“ geben muss, einen absoluten Peak, den Achttausender, den Everest aller kniffligen Lagen, aus denen Ethan Hunt und sein Team (stets mit dabei: Ving Rhames und Simon Pegg, zwei Tausendsassa) jemals herauskommen mussten.

Obwohl die Doppeldecker-Szene die sogenannte Mitternachtseinlage des Films sein soll, gibt der Tauchgang im Polarmeer noch viel mehr her als eine traditionell-analoge Flugshow. Das Kapitel um ein versenktes U-Boot, dessen Inhalt das Schicksal der Welt entscheidet, ist das eigentliche Herzstück, denn weder davor noch danach ist Mission: Impossible – The Final Reckoning jemals besser. Wir haben also das Eiswasser und den Himmel über Afrika, rundherum türmt sich eine haarsträubende Bedrohung wie Gottes Sintflut über allem auf, was auf zwei Beinen läuft. Und was würde sich für diese nicht besser anbieten als eine wahnsinnig gewordene künstliche Intelligenz, die die Menschheit vom Planeten tilgen will, um einen Reboot einzuläuten. Das darf natürlich nicht passieren, und wenn wir uns an Mission: Impossible – Dead Reckoning erinnern, hat dort auch alles angefangen. Erinnern wir uns nicht, erhält der Spaß am Film dadurch kein Defizit. Cruise und McQuarrie haben ihren Schlussakkord so konstruiert, dass es wenig Vorwissen braucht, um einer leider sehr austauschbaren Geschichte zu folgen, die in haarsträubender Überdimensionierung einer Gefahr den James Bond-Eskapaden aus der Ära des Kalten Krieges fast schon das Wasser reichen kann.

Kann es denn wirklich so weit kommen, dass eine KI den ganzen Cyberspace infiltriert, um alles, was irgendwo in einem Netzwerk hängt, irgendwann selbst zu steuern? James Cameron bekommt angesichts dessen seinen nächsten Albtraum, und Skynet feuchte Augen, wenn es denn welche hätte. In diesem absoluten Bedrohungsszenario, in welchem die USA wieder im Zentrum steht, diesmal aber eine integre Angela Bassett anstelle einer jähzornigen Orange auf besagten Knopf drücken muss, ist Ethan Hunt der Auserwählte, der Weltenretter schlechthin – Tom Cruise eben, der glaubt und hofft, auch das Kino zu retten. Unter dieser bibbernden Last der Verantwortung und mit einem Blick zurück auf sieben vorangegangene Teile, angesichts dieser, wie „Luther“ Ving Rahmes beteuert, niemand etwas bereuen muss, zerstört sich das Pathos eines Agentengottes nach fünf Sekunden leider nicht selbst. Andererseits: Kenner der Reihe sind gewohnt und wissen, was auf sie zukommt. Die gleiche Rezeptur wie sonst auch, zwischen Tarnen, Täuschen, Masken und Munition geht es irgendwann nur noch um einen Wimpernschlag, der alles entscheidet. Ganze Sekunden der Entscheidung sind da fast schon gähnend langweilig.

Mission: Impossible – Dead Reckoning – das muss man zugeben – ist deutlich raffinierter und knackiger als der Alles-in-einem-Topf-Wurf des Grande Finales, bei dem alles, was noch in den Schubladen geblieben war, mit verarbeitet werden konnte. Eine Schwäche, die nicht nur dieses Franchise spürt. Der siebte Teil musste auch noch nicht der Ambition folgen, alle vorangegangenen Teile in einem Licht dastehen zu lassen, als wären sie nur das Vorspiel des einzigen letzten großen Films gewesen. Ein Kniff, der nicht funktioniert, und bei dem man merkt, dass der rote Faden erst im Nachhinein eingeflochten wurde.

Doch wie man die Mission: Impossible-Reihe auch dreht und wendet: In solch einem Handwerk analoger Agenten-Action wummert Aufwand, Anstrengung und Ambition. Und die unbändige Lust, etwas zu beweisen. Tom Cruise hat es schon wieder getan, und er wird, was man so liest, nicht müde werden.

Mission: Impossible – The Final Reckoning (2025)

Bad Boys: Ride or Die (2024)

IM TAGESGESCHÄFT DER BALLERMÄNNER

5/10


Will Smith (Finalized);Martin Lawrence (Finalized)© 2024 CTMG, Inc. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2024

REGIE: ADIL EL ARBI & BILALL FALLAH

DREHBUCH: CHRIS BREMNER, WILL BEALL

CAST: WILL SMITH, MARTIN LAWRENCE, JACOB SCIPIO, VANESSA HUDGENS, ALEXANDER LUDWIG, RHEA SEEHORN, PAOLA NÚÑEZ, ERIC DANE, IOAN GRUFFUDD, MELANIE LIBURD, TIFFANY HADDISH, JOE PANTOLIANO, TASHA SMITH U. A.

LÄNGE: 1 STD 56 MIN


Welcome to Miami. Das hat Will Smith bereits in den Neunzigern gesungen. Das war, kurz nachdem dieser seinen Einstand als Detective Mike Lowery feiern konnte – unter der Regie von Hochglanz-Sprengmeister Michael Bay, der auch im dritten Aufguss wieder seinen Cameo hat. An seiner Seite Ulknudel Martin Lawrence, beide damals noch jung und schlaksig und so richtig böse Buben, die aber für das Gute kämpften und gerne zu zweit aus der Deckung ballerten. Miami ist auch nun wieder das heiß umkämpfte Pflaster, auf denen Drogenkartelle ihre Interessen vertreten und die Polizei nicht in den Everglades, sondern im Korruptionssumpf watet. Dieser Nährboden ist das Tagesgeschäft der beiden aufeinander eingeschworenen Seelen (mit oder ohne Gemächt), im Grunde also alles nicht neu und nur sich selbst wiederholend. Diesem Umstand kann einer wie Will Smith nur gegensteuern, indem er seine Therapeutin heiratet und Buddy Markus Burnett davon abhält, nach einem Herzinfarkt nicht gleich vom Dach des Krankenhauses zu springen. Ja, das Leben hinterlässt so seine Spuren. Und dennoch versuchen Adil El Arbi und Bilall Fallah (Bad Boys for Life), ein bewährtes Anti Detox-Konzept anzuwenden, mit welchem versucht wird, den immer genau gleichen oder zumindest auffallend ähnlichen Einheitsbrei einer Buddy-Actionkomödie so lange aufzuwärmen, bis er gerade noch nicht angebrannt schmeckt. Bei Bad Boys: Ride Or Die ist das verkokelte Sahnehäubchen zwar kaum noch wahrzunehmen, aber man merkt, dass die Sache endlich mal ausgelöffelt sein will. Wenn man so will, könnte man es ja fast als eine Art dreiste Geste ansehen, eine Thrillerkomödie mit massig Action zu produzieren, die es nicht darauf anlegt, ihr Publikum mitfiebern zu lassen, weil es von vornherein sonnenklar ist, wer überleben, wer sterben und wer sich letztlich als Verräter outen wird.

Mit dieser abgedroschenen Agenda im Rücken, müssen Will Smith und Martin Lawrence tun, was sie eben tun müssen. Letzterer legt sich dafür besonders ins Zeug, denn mit seiner Mission, diesem ganzen mauen Aufguss einen ganz besonderen komödiantischen Anstrich zu verleihen, steht und fällt der ganze Erfolg. Tatsächlich macht sich Bad Boys: Ride or Die an den Kinokassen ganz gut. Vielleicht ist es das feuchtheiße Miami, das so besondere Vibes versprüht. Und natürlich eben Lawrence, der als jemand, der das Licht gesehen hat, nur noch recht verschrobene Verhaltensweisen an den Tag legt. Dazu zählt sein Heißhunger auf Süßkram aller Art sowie ungesundem Fast Food, dann wieder mäht er im Alleingang eine ganze Gang nieder, um dann mit Eselsallegorien seinen Buddy komplett vor den Kopf zu stoßen. Will Smith ist dabei nur Erfüllungsgehilfe – sein erster Kinofilm nach King Richard (abgesehen von Emancipation, der auf AppleTV+ erschien) und dem berüchtigten Bühnen-Eklat lässt ihn auf Bewährtes zurückgreifen. Den Charakter des Mike Lowery auszubauen, dafür reicht die Energie nicht. Beide folgen einem mauen Krimiplot, der jene beglückt, die zumindest noch rudimentär in Erinnerung haben, was in den letzten Teilen so passiert ist. Die, die diese Fähigkeit des filmischen Langzeitgedächtnisses nicht haben, warten während dieses formelhaft konstruierten Plot-Leerlaufs auf Actionszenen und Ballerorgien, die sich nur wenig von bereits Gebotenem unterscheiden. Natürlich sind sie gut gemacht, und das ganze fährt auch besser, wenn Inner Circle ihren titelgebenden Kult-Hit zur Verfügung stellen.

Bad Boys: Ride or Die hat also erbärmliche Längen, vor allem ist nicht jeder, sondern ganz besonders dieser Anfang ein schwerer, geschwätzig und von fake-familiärem Geplänkel gequält. Bis es so richtig losgeht, dafür braucht man Geduld. Mitunter fetzt es dann gewaltig, doch das hätte auch irgendein anderer Film sein können.

Bad Boys: Ride or Die (2024)

Indiana Jones und das Rad des Schicksals (2023)

WER HAT AN DER UHR GEDREHT?

6/10


INDIANA JONES AND THE DIAL OF DESTINY© 2023 Lucasfilm Ltd. & TM. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2023

REGIE: JAMES MANGOLD

DREHBUCH: JEZ & JOHN-HENRY BUTTERWORTH, DAVID KOEPP, JAMES MANGOLD

CAST: HARRISON FORD, PHOEBE WALLER-BRIDGE, MADS MIKKELSEN, ETHANN ISIDORE, BOYD HOLBROOK, TOBY JONES, JOHN RHYS-DAVIES, ANTONIO BANDERAS, SHAUNETTE RENÉE WILSON, THOMAS KRETSCHMANN, KAREN ALLEN U. A.

LÄNGE: 2 STD 34 MIN


Keine Kino-Franchise wie diese zeigt wohl stärker, dass deren Zeit vorbei ist. Star Wars hatte das Glück, seine Agenda mit erfrischenden Jungstars in eine neue Epoche zu katapultieren. James Bond war stets aus der Zeit gefallen und lässt sich an der Chronologie geschichtlicher Ereignisse nur schwer festmachen. Zum Terminator gab es schon nach  James Camerons Flussigmetall-Erfolg nichts mehr Neues hinzuzufügen. Und Indiana Jones? Als erstes scheint es schwierig, einer Filmreihe frischen Wind zu verpassen, wenn schon der Held im Titel steht – und nicht, wie der 007-Agent, immer wieder neu besetzt werden kann. Harrison Ford ist Henry Jones und Henry Jones ist Harrison Ford, da gibt es keine Alternative und wird es niemals geben, es sei denn, man fängt bei null an und castet jemanden, der an River Phoenix erinnert, der sich dank nur eine Rückblende aus dem letzten Kreuzzug nicht ganz so fest in die Filmgeschichte einzementiert hat wie die charmante, schlitzohrige, leicht vernarbte Ikone des 80er Jahre, die sich immer noch zu Spätauftritten seiner Paraderollen hat hinreißen lassen. Dass er dem schmählichen Tod seines zweiten schauspielerischen Grundpfeilers, nämlich Han Solo, stattgegeben hat, liegt wohl daran, dass er sein Vermächtnis in trockenen Tüchern sehen wollte. Die Dinge abzuschließen, gehört wohl zu seinen Prioritäten. Und so muss auch endlich Indiana Jones, die Kreation von George Lucas und Steven Spielberg, ins Regal musealer Kuriositäten wandern. Die Zeit hält nicht an, der Held wird älter und irgendwann geht’s nicht mehr. Einen Film allein in digitaler Verjüngung zu führen ist ein Verrat an der natürlichen Entropie von Filmstars und der Chance für Neues.

Der fulminante Erfolg von Jäger des Verlorenen Schatzes oder Tempel des Todes lag wohl darin, mit völliger Unbekümmertheit und im Rahmen einer Sturm und Drang-Phase kreativer Köpfe eine realfantastische Welt ohne Erfolgsdruck zu kreieren – da man noch nicht wusste, wie sehr das Konzept beim Publikum wohl ankommen wird. Der Spaß am Experimentieren, am Herumpanschen und Gasgeben ist das Schaffenskind seiner Zeit Ende der Siebziger, Anfang der Achtzigerjahre. Mit diesem Pioniergeist ist auch der Krieg der Sterne entstanden. Risiko, Lust am Erfinden und am Setzen von Ideen, die noch nicht da waren – so werden Legenden geboren. Sie sterben dann, wenn Jahrzehnte später Megakonzerne und Produzenten versuchen, den Erfolg dieser Narrenfreiheiten zu wiederholen. Natürlich funktioniert das nicht. Viel zu viele Köche verderben den Brei. Marketing- und Zielgruppenanalysen sowie das Zerpflücken des Originals, um herauszubekommen, was den Erfolg garantiert, erzeugen nur mehr vom Gleichen – und maximal eine Hommage an einen Kult. So ist das auch schon mit Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels passiert. Und so lässt es sich auch in jeder kalkulierten und längst nicht mehr frei improvisierten Szene in Indiana Jones und das Rad des Schicksals erkennen. Hier berauscht kein Pioniergeist mehr den Kinosaal. Sondern maximal der Geist des Vergangenen.

Der sorgt vielleicht für Wehmut, wie das bei Abschieden immer so ist – doch schließlich auch für Unterhaltung, denn die Macher, die hinter einem Millionenprojekt wie diesen stehen, sind keine Anfänger. George Lucas und Spielberg sind immer noch die Executive Producers. Und James Mangold sitzt im Regiestuhl. Schade eigentlich. Denn Mangold mag zwar Comics verfilmen können, die wie Logan eine neue Tonalität finden. Für Indiana Jones aber ist er fehl am Platz. Spielberg hätte selbst nochmal Hand anlegen sollen. Vielleicht wäre da die verspielte, verschmitzte, reuelose Naivität der Vorgänger zurückgekehrt. Die richtige Balance zwischen geheimnisvoller Metaphysik, Abenteuergeist und Humor. Bei Mangold und seinen Drehbuchautoren fehlt diese Balance leider völlig. Humor ist im stattlichen Alter des Indiana Jones rares Gut, viel lieber trauert er über Versäumtes und so manches bittere Schicksal. Die Leichtigkeit ist dahin – die hat man mit 80 Lenzen nicht mehr. Den Abenteuergeist? Den hat sich längst Phoebe Waller-Bridge (u. a. Fleabag) unter den manikürten Fingernagel gerissen: Als Helena Shaw, Patentochter des Alt-Archäologen, rockt sie die Party, steht als Haupt-Show Act auf der rustikalen Bühne eines ausgedienten Filmkonzepts. Sie, allein nur sie, rettet den Tag und das Event – sie steppt wie ein Bär und krallt sich an mystische Artefakte wie es seinerzeit der titelgebende Meister selbst getan hat. Indiana Jones kann dabei nur staunend zusehen, wenn sein Sidekick zur Zentral-Heldin wird und dieselben Tricks anwendet wie seinerzeit er selbst. Mitgerissen von so viel Elan schwingt er dann doch noch das eine oder andere Mal die Peitsche oder lässt die Fäuste fliegen. Doch das braucht wiederum Phasen des Durchatmens, die den fünften Teil immer wieder mal ins Stocken bringen, ohne auf Zug inszeniert werden zu wollen. War der Tempel des Todes noch ein Stakkato an Action, Thriller und Witz, hat Das Rad des Schicksals altersbedingt mächtig Leerlauf, der mit Dialogen gefüllt wird, die zwar Indys Rolle Tiefe geben sollen, die jedoch maximal einer fiktiven Biografie, aber keinem stringenten Abenteuer dienlich sind. Die wiederholte Aufwärmrunde einer Verfolgungsjagd per fahrbarem Untersatz kompensiert da kaum noch die fehlende Dynamik.

Was lässt den Film aber trotz all den Zugeständnissen an das Alter und an eine neue Zeit, die anderen gehört, dennoch an sich selbst glauben? Es ist die Weigerung, Abschied nehmen zu müssen vom goldenen Zeitalter inspirierenden Filmschaffens. Für Indiana Jones sucht der Film den richtigen Ort für den Ruhestand, ob quer durch die Zeit oder genau dort, wo gerade der Fedora hängt. Ob mit Bundeslade, heiligem Gral oder Archimedes‘ Rad des Schicksals – alle Artefakte sind dazu da, ein Stück Ewigkeit zu instrumentalisieren. Die wird es nicht geben, auch wenn man längst nah dran war. Wenn unter John Williams unverkennbar wummerndem Score die alten und neuen Helden übers Mittelmeer ziehen und die alte Welt erkunden, gerät Indiana Jones und das Rad des Schicksals zu einem Da Capo, zu einer Zusatznummer oder fast schon zu einem Epilog. Da ist der Antagonist ganz egal, die Wunderkammern mit ihren Fallen und Ekelinsekten austauschbar. Was zählt, ist die Erinnerung an einer phänomenalen Idee, die George Lucas damals hatte. Deswegen, und trotz all dem Makel, den das finale Werk vielleicht hat, will man als Kenner dieser Welt gemeinsam mit einem liebenswerten Harrison Ford noch eine Ehrenrunde im steuerlosen Flieger drehen. Und vielleicht auf eine Rückkehr von Phoebe Waller-Bridge und ihrem Siedekick hoffen. Im selben Universum, nur ohne Indy.

Indiana Jones und das Rad des Schicksals (2023)

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse

WELTFRIEDEN MIT DEM HÜTCHENTRICK

7,5/10


dumbledoresgeheimnisse© 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved


LAND / JAHR: USA, GROSSBRITANNIEN 2022

REGIE: DAVID YATES

SCRIPT: JOANNE K. ROWLING, STEVE KLOVES

CAST: EDDIE REDMAYNE, JUDE LAW, DAN FOGLER, MADS MIKKELSEN, EZRA MILLER, CALLUM TURNER, ALISON SUDOL, JESSICA WILLIAMS, OLIVER MASUCCI, RICHARD COYLE, VALERIE PACHNER, PETER SIMONISCHEK, KATHERINE WATERSTON U. A. 

LÄNGE: 2 STD 23 MIN


Was genau ist eigentlich mit dem guten Gellert Grindelwald passiert? Wo ist die wasserstoffblonde Billy Idol-Gedächtnisfrisur? Wo die kecke, ebenfalls wasserstoffblonde Rotzbremse und die unterschiedliche Augenpartie? Ist das womöglich wieder einer dieser ekelerregenden Vielsafttränke, die aus Johnny Depp damals Colin Farrell gemacht hatten? Vielleicht liegt der Grund in einem dieser Paralleluniversen, die sich bald mit dem MCU kreuzen werden. Hier, in dieser Welt, versucht ein fast schon distinguierter, auffallend aufgeräumter Mads Mikkelsen, der sich mit Bösewichten auskennt (Casino Royal, Hannibal), die Herrschaft über alle Zauberer und Hexen an sich zu reißen. Zwei Grindelwalds also – welcher ist besser? Auf diese visuelle Diskrepanz geht die Wizarding World überhaupt nicht ein – über die Sache mit Johnny Depp und seiner Amber Heard, die ihm seinen ganzen Erfolg gekostet hat, will niemand mehr reden, und auch die Erklärungsnot ob der Neuerfindung eines Antagonisten ist fast schon eine Tugend.

Da Mads Mikkelsen (hat man Men & Chicken gesehen, weiß man, welche Bandbreite an Figuren er bedienen kann) aktuell als einer der verlässlichsten Profis in der Welt des Kinos erscheint, fügt er sich trotz Quereinsteiger-Handicap nahtlos in ein Geschehen ein, dass in der letzten Episode – Grindelwalds Verbrechen – für heillose Verwirrung gesorgt hat. Selbst nach wiederholter Sichtung gerät der Streifen aus dem Jahr 2018 zu einem überlangen, konfusen Budenzauber, dem bis auf einigen Fan Service (u. a. Nicholas Flamell und der Stein der Weisen) überhaupt nichts abzugewinnen war. Das zeigte sich auch an den Kinokassen. Hat das Potterverse die Kontrolle über seinen Besen verloren? Zumindest bis jetzt. Mit Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse, dem dritten und je nach kommendem Einspiel vielleicht letzten Teil der Reihe, erhält die Welt der Magier und Muggel wieder enormen Auftrieb, ähnlich wie in einem Windkanal, wo all die Versatzstücke eines durchaus reizvollen Universums wieder in höhere Höhen zurückgeschleudert werden. Dumbledores Geheimnisse bekommt tatsächlich die Kurve, und macht gut, was schiefgegangen war. Womöglich, und ich lehne mich da gerne aus dem Fenster, ist diese Episode die beste der ganzen Trilogie.

Das liegt zuallererst an einer entfransten, auf geradlinig gebürsteten und weniger reminiszierenden Story, die sich problemlos nachvollziehen lässt und der man auch gerne folgen möchte. Wir erinnern uns: Grindelwald hat sich mit so einigen magischen Seitenwechslern, darunter Kowalskis großer Liebe Queenie Goldstein, nach einem CGI-Overkill auf seine Burg verabschiedet, wo er neue Pläne schmiedet, um die Muggelwelt zu vernichten. Wir wissen: Dumbledore und Grindelwald können sich nicht in die Haare kriegen, da ein Blutschwur dies verhindert. Neu hinzu kommt: Der oberste Führer der magischen Nation wird neu gewählt, entscheiden soll das ein besonderes Wesen, das in der chinesischen Mythologie tatsächlich inhärente Qilin, auch bekannt als chinesisches Einhorn. Es beherrscht den Seelenblick und verneigt sich vor dem, der reinen Herzens ist. Grindelwald schickt seine Häscher aus, um ein solches Kitz zu fangen und für seine Zwecke zu manipulieren. Das Vorhaben gelingt, nur weiß er nicht, dass das Qilin einen Zwilling hat. Derweil versucht Dumbledore mit seinem handverlesenen Team, darunter Newt Scamander und Jacob Kowalski, den in die Zukunft sehenden Grindelwald zu verwirren, und das zweite Qilin zu beschützen.

Das also sind Dumbledores Geheimnisse, die nicht mal seine eigenen Leute kennen. Und das ist gut so, denn sonst würde die Rechnung vielleicht gar nicht aufgehen. Das Publikum kann dem Hakenschlagen der Magier aber ganz gut folgen, und auch wenn diesmal weniger phantastische Tierwesen das Licht der Leinwand erblicken, ruht in den wenigen, die wir sehen, ein ganz besonderer Zauber. David Yates verbindet den Schrecken eines erstarkenden Faschismus mit der herzerwärmenden Ritterlichkeit aufrichtiger Idealisten, die nur im Team funktionieren und sich gegenseitig wunderbar ergänzen. Jude Law als Albus Dumbledore erreicht die Weitsicht eines alternden Obi Wan Kenobi, Eddie Redmayne ist nach wie vor wunderbar skurril und Dan Fogler als einer, der einfach nur er selbst ist, dafür aber unglaublich mutig, schießt sowieso den Phoenix ab, der wiederum stets elegant durchs Bild schwebt und irgendwie die Verbindung zum Potterverse errichtet.

Dumbledores Geheimnisse ist kreativ und kurzweilig, in manchen emotionalen Momenten schafft es der Film, tief in das Universum einzudringen und die Essenz des Erfolgs von Harry Potter neu zu fassen. Das hat viel mit dem alten Magier zu tun, dem wir in Harry Potter und der Halbblutprinz nachweinen werden. Das hat viel mit dem Endkampf in der späteren Gegenwart zu tun und einem nachhaltigen Bewusstsein, dass stets geschult werden muss, will man so etwas Zerbrechliches wie ein Qilin, das stellvertretend für den humanistischen Geist der Wizarding World steht, bewahren.

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse

Playmobil: Der Film

SPIELEND DURCHS ABENTEUER

5,5/10

 

playmobil-film© 2019 Concorde Filmverleih

 

LAND: FRANKREICH 2019

REGIE: LINO DISALVO

CAST: ANYA TAYLOR-JOY, GABRIEL BATEMAN

UND DEN STIMMEN VON: DANIEL RADCLIFFE/MATTHIAS SCHWEIGHÖFER, MEGHAN TRAINOR/BEATRICE EGLI, ADAM LAMBERT/RALF SCHMITZ U. A.

 

Dass die Macher den orangeblauen, kleinen Roboter auf Rädern in die Riege der Filmhelden aufgenommen haben, war dann doch eine Überraschung. Das kleine, gelenkige Spielzeug hatte ich schon als Kind in den 80ern, und so wie es in Playmobil: Der Film aussieht, hat sich das robuste Teil kein bisschen verändert. Mein Exemplar existiert auch heute noch, irgendwo inmitten der Kisten voll Spielzeug, aus denen mein Sohn jeden Tag aus dem Vollen schöpft, um Burgen, mittelalterliche Städte oder Wälder aus dem Teppich zu stampfen. Mitunter dürfen es auch die punischen Kriege sein, die da, hochgerüstet bis zur letzten Zickzackperücke, in die Idylle des Kinderzimmers hereinbrechen. Neben LEGO, das vor allem dazu da ist, den kreativen Baumeister in uns zu wecken, ist Playmobil ein Spielzeugkonzept, dass das kreative Geschichtenerzählen fördert. Das fällt der jungen Generation Smartphone zusehends schwerer. Gegen die vorgefertigten Welten der Computerspiele ist Playmobil nämlich wie ein unbeschriebenes Blatt. Die Herausforderung bei diesem analogen Spiel ist es, Welten und Szenarien von der Pieke auf selbst zu erfinden. Das hat seinen Reiz. Und da Playmobil noch dazu fast unkaputtbar ist, muss man auch nicht ständig Sorge tragen, der mühsam zusammengebaute Millennium Falke von LEGO bricht irgendwann während des Spiels auseinander.

Nun flimmert also auch zu diesem Patent der entsprechende Film über die Leinwand, sehr viel später als LEGO, doch Playmobil will dem Bauklotzriesen mit den rundkantigen Zylinderkopfmännchen das Medium Kino letztendlich doch nicht alleine überlassen. Und wenn schon ein Abenteuer über die nasenlosen, rundköpfigen Smiling Faces, dann gleich eines, das die gesamte Bandbreite der Spielewelten abdecken kann. Klar, was dabei herauskommt: ein Marketingfilm, der Lust auf Shopping machen soll. Denn natürlich gibt es, so wie bei allen LEGO-Filmen auch, jede Menge Sets zu erstehen, welche Figuren vom alten Rom bis in die Welt der 007-Agenten im Sortiment haben. Playmobil: Der Film ist also in erster Linie ein Abenteuer, das bei bereits etablierten Playmobil-Fans Wünsche weckt. Und alle anderen? Nun, die sehen einen teils bemüht lustigen Film, der im Groben an die Idee von Jumanji erinnert und den rasanten Grundtonus sämtlicher CGI- Spielzeugfilme auch für sich beansprucht. Andauernd finden sich die beiden elternlosen Geschwister Marla und Charlie in anderen Welten wieder, wobei wenig Zeit bleibt, sich wirklich auf diese ganzen Szenerien einzustellen, in die sie wie durch ein Wunder während des nächtlichen Betretens einer Spielzeugmesse hineingesaugt werden. Vom Live-Act also ins animierte Kinderkino, das sich wie eine abendfüllende Folge von Serien wie Super 4 oder Mia and Me anfühlt. Playmobil: Der Film ist enorm kurzweilig, das aber ganz ohne Brummschädel im Nachhinein. Viel nachdenken braucht man dabei nicht, hauptsächlich nur Details entdecken und im Geiste bereits eine Liste machen, welche Figuren als nächstes angeschafft werden sollen. Der juvenilen Sammelwut kann man als freundlich mahnendes Elternteil aber mit Hinweis auf den Ist-Zustand des Sortiments spielend einfach Einhalt gebieten. Wenn man es geschickt anstellt, lässt sich der Film daher auch relativ spesenfrei genießen, bis auf den Preis der Kinokarte natürlich.

Was Playmobil: Der Film allerdings fehlt, das sind die Referenzen an die Pop- und Nerdkultur, wie es LEGO stets in petto hat. Das Leinwandabenteuer der Firma Geobra Brandstätter spart sich daher jeglichen Witz, der vielleicht nur für die erwachsene Begleitperson bestimmt ist – und ist folglich ein astreiner Kinderfilm, der auch nur dann elterliches Publikum begeistern kann, wenn dieses mit den Playmobilwelten des eigenen Nachwuchses vertraut ist, oder mitunter in völlig autark entwickelter Sammelfreude gerne seltene Sets über Second-Hand-Plattformen ersteht. Vielleicht auch, wenn die Nostalgie der eigenen Kindheit zuschlägt. Dann sind wir Eltern den spielfreudigen Grundschülern immer noch ein willkommener Partner, wenn es darum geht, in 10 cm Zimmerhöhe liebevoll detaillierte Welten im Stegreif entstehen zu lassen. Lino DiSalvo, seines Zeichens Head of Animation bei Filmen wie zum Beispiel Die Eiskönigin, hat mit seinem ersten Produkt-Spielfilm ebenfalls auf sehr viel Details gesetzt – zu entdecken gibt es für Kenner also einiges. Alle anderen freuen sich mit, wenn die Kids bei den Eskapaden von Wikinger, Ritter und Co völlig aus dem Häuschen sind.

Playmobil: Der Film