Pacific Rim: Uprising

KAPUTT MACHEN WAS KAPUTT MACHT

4/10

 

pacificrim2© 2017 Universal Pictures International Germany GmbH

 

LAND: USA 2018

REGIE: STEVEN S. DEKNIGHT

MIT JOHN BOYEGA, SCOTT EASTWOOD, RINKO KIKUCHI, CAILEE SPAENY, CHARLIE DAY U. A.

 

Warum nur? Warum hat Guillermo del Toro das gemacht? Warum hat der wohl geschickteste Monsterdompteur des modernen Kinozeitalters sein Spielzeug verborgt? Was heißt verborgt – er hat es weggegeben. Das hätte er nicht tun sollen. Wären wir bei Toy Story, würde das Spielzeug in tiefe Depressionen fallen. Also ich hätte es nicht verborgt. Bei mir hätten schon im Vorfeld die Alarmglocken geläutet. Womöglich schon, als der Vertrag der Produktionsfirma Legendary Pictures mit Warner Bros ausgelaufen war. Del Toro hatte so viel Freude mit seinem ersonnenen Konzept des Giganten-Wrestlings, dass ihn die unter den Erwartungen liegenden Einspielergebnisse nicht im mindesten verstört haben. Genaueres ist hier in der cinema-Ausgabe von März 2018 nachzulesen. Dort ist auch nachzulesen, dass Legendary Pictures ein Sequel von Pacific Rim ja eigentlich gar nicht mehr hätte stemmen können, wäre es nicht an einen chinesischen Konzern verkauft worden. Die Alarmglocken schrillen plötzlich noch lauter. Del Toro hört sie immer noch nicht. Jongliert jetzt plötzlich mit zwei Projekten. Auf der einen Seite The Shape of Water, auf der anderen seine Fortsetzung von Pacific Rim. Wem den Vorzug geben? Richtig, The Shape of Water. War auch eine gute Entscheidung, wie wir wissen. Allerdings kennen wir del Toro´s Version der zweiten Runde seines Ringkampfes nicht wirklich. Besser wäre, er hätte Pacific Rim zeitlich nach hinten verschoben. Aber vielleicht wollte er die Sache einfach abschließen, nach 3 Drehbuchversionen und dem Hin und Her der Studios. Manche Dinge muss man einfach ad acta legen, selbst wenn sie noch nicht dafür bereit sind. Aber filmische Herzensangelegenheiten sind wie persönliches Spielzeug. Man schenkt es nicht weiter. Aber wie das Sielzeug da so herrenlos am Kinderzimmerteppich liegt, zur freien Entnahme, macht Gelegenheit Diebe. Und Regisseur Steven S. DeKnight, der gerade in der Nähe war, konnte sich das potenzielle Franchise unbehelligt krallen. Das dann die Sachen kaputt gehen, war eigentlich nicht geplant. Del Toro kann aber sagen, dass er seine Hände in Unschuld wäscht. Er hat damit nur mehr wenig zu tun. Ich wünschte, dem wäre nicht so gewesen. Denn die nun vorliegende Fortsetzung eines Fantasyspektakels dieser Größenordnung kippt so rückhaltlos in den weichgespülten Gigantismus eines Michael Bay, dass man sich als Zuschauer für dumm verkauft vorkommt.

Viele Meter hinunter zur 3D-Rendering Gurke Transformers fehlt nicht mehr. Gut, Pacific Rim: Uprising ist immer noch besser als der letzte Aufguss der Alien-Autos, aber das ist eigentlich keine Kunst mehr. Dass Pacific Rim: Uprising besser ist, liegt womöglich am letzten verbleibenden Rest von del Toro´s visionärem Creature Design, aber ganz sicher nicht am Plot, und ganz sicher nicht an den Schauspielern – mit Ausnahme von Rinko Kikuchi, die vehement versucht, dem ganzen Szenario ein gewisses Maß an Würde zu verleihen. Am schlimmsten aber ist Scott Eastwood. Womöglich denkt er, einfach nur so verkniffen dreinblicken zu müssen wie sein Papa und die Sache groovt. Nun, Schauspieltalent gehört auch dazu. Das zeigt Scott Eastwood zumindest in diesem Film wirklich nicht. Im Übrigen weiß ich gar nicht mehr, wann zuletzt ein Schauspieler so dermaßen uninspiriert agiert hat. Des weiteren rezitiert John Boyega in einer augenverdrehenden Redundanz immer wieder leicht abgewandelte Litaneien, wie toll nicht sein Vater (Idris Elba als Stacker Pentecost aus Teil 1) gewesen sein muss und wie anders er selbst nicht ist. Das militärische Gehabe sämtlicher Jungspunde in der Kadettenschule für Jäger-Einsätze erinnert stark an Ender´s Game oder an den absichtlich satirischen Heroismus der Starship Troopers, meint sich aber tatsächlich ernst. Und der von den Aliens angezapfte Superbösling, der die Welt vernichten will, rein aus einer Ego-Kränkung heraus, ist dann auch schon wieder ein bisschen zu viel des Guten. Und unglaubwürdig obendrein. Also wie man sieht ist hier einiges schief gegangen.

Wirklich nichts gegen Monsterfilme, ich liebe Monster. Wäre selbst gerne ein Creature Designer unter der Obhut manch eines Regie-Phantasten, aber was die Chinesen aus einer Fortsetzung mit Potenzial angestellt haben, ist infantiles Gekloppe und Betonzermalmen, dem noch dazu eine Story zugrunde liegt, die vielleicht im Zeitalter von Top Gun mitreißend gewesen wäre, in Pacific Rim: Uprising aber so dermaßen substanzlos hin geschnalzt wird, dass ich das Gefühl nicht los werde, Cast und Crew wären nichts anderes übrig geblieben, als vor dem Fast Food-Konzept der neuen Geldgeber zu buckeln. John Boyega´s Mitspracherecht möchte ich sehen – sollte er dieses Drehbuch wirklich für gut befunden haben, muss ich an dem guten Mann anfangen zu zweifeln. Schade eigentlich, und gleichzeitig erstaunlich, wie sehr man Kino fernab jeglichen Esprits produzieren kann. Del Toro´s Original war vergleichsweise wirklich etwas Beeindruckendes. Gigantisch, atmosphärisch, formschön in der Bildsprache und angereichert mit ordentlich Mystery. Die Darsteller waren auch alle um ein Eckhaus engagierter, und auch wenn die 200 Tonnen schweren Kamproboter ihre Ohrfeigen nicht ganz so pirouettengleich verteilt haben, hatte das aber immerhin noch mehr Charme als die unter physikalischen Parametern betrachtete unmögliche Beweglichkeit exorbitant schwerer CGI-Ritter.

Pacific Rim: Uprising lässt sogar hartgesottene Nerds jenseits der 30 gelangweilt auf die Uhr schauen. Die Kaijus selbst, auf die man zwischen Hurra-Militarismus und Glaub-an-dich-Worthülsen geschlagene eineinhalb Stunden warten muss, sind das einzige Highlight, wofür es sich lohnt, dann doch noch sitzenzubleiben, obwohl auch diese nur mehr ein schaler Nachklang eines vormals spektakulären Kinoerlebnisses sind.

Pacific Rim: Uprising

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