The End of Oak Street (2026)

DIE NACHT DER LEBENDEN DINOS

6/10


Ewan McGregor und Anne Hathaway fürchten sich im Film In the End of Oak Street
© 2026 Constantin Film Österreich


LAND / JAHR: USA 2026

REGIE / DREHBUCH: DAVID ROBERT MITCHELL

KAMERA: MIKE GIOULAKIS

CAST: ANNE HATHAWAY, EWAN MCGREGOR, CHRISTIAN CONVERY, MAISY STELLA, P. J. BYRNE, JORDAN ALEXA DAVIS, DENITRA ISLER U. A.

LÄNGE: 1 STD 39 MIN


Alle Vöglein waren schon da…

All die Piepmätze um uns herum, das Huhn im Stall oder der Schwan am Wasser – letztendlich stammen sie alle von den Dinosauriern ab – unseren geliebten Urzeitgiganten, die wir als Kind vergöttert und bewundert haben und die seit Steven Spielbergs Jurassic Park in die Popkultur eingegangen sind wie keine andere Tierart, außer vielleicht der Weiße Hai.

Damals hatte der Traumfabrik-Virtuose mit Faible für Aliens zwar am Schirm gehabt, dass die Dinos durchaus Federn gehabt haben könnten, doch er verzichtete darauf. Bei ihm, im genetisch-utopischen Erlebnispark, erinnerten seine Viecher an das Plastikspielzeug im Wandschrank oder am Regal. So, wie wir sie hatten: reptiloid, anmutig, pfeilschnell oder elefantenartig monströs.

Jurassic ohne Park

An diesem Punkt und von diesem Bild im Kopf vom Tyrannosaurus rex, der die Krone des Königs der Raubsaurier immer noch trägt, müssen wir uns bei David Robert Mitchell leider (oder Gott sei Dank?) verabschieden. Denn seine Urzeitmonster sind die Grunge-Version jedes Parks, jeder Wie-Weshalb-Warum-Enzyklopädie, jeder reizvollen Kreidezeit-Show.

Am Ende der Oak Street wüten räudige Straßenköter, zerzauste Allesfresser, Brachiosaurier im Fellmantel. Allesamt sind sie in der Mauser, und noch dazu völlig psychopathisch. Hier hätten selbst Laura Dern und Sam Neill ihr Staunen sehr schnell wieder weggepackt. Hier geistert ein zoologischer Albtraum durch einen Vorort, den wir so oder anders sowieso schon aus diversen Spielbergfilmen kennen. Aus Poltergeist vielleicht, aus J.J. Abrams Super 8, aus Stranger Things genauso wie aus Desperate Housewives.

Von Ithaka in die Dschungelblase

Ungefähr ähnlich desperat zeigt sich die gut im Geschäft befindliche Anne Hathaway, die genauso wie Tom Holland, Robert Pattinson oder Zendaya in gefühlt jedem zweiten Film mitwirkt, der gerne mehr Kohle lukrieren will als nur im Independent-Sektor. Hathaway hat in diesem Film Ewan McGregor geheiratet, beide haben zwei Kinder, die Ehe hat eine saftige Krise, die durch Papas Jobverlust und Mamas Freiheitsdrang nur noch torpediert wird. Da kommt so eine Anomalie aus dem heiteren Himmel wie gerufen – und plötzlich sind die Prios gänzlich andere.

Alles, was sie wollen, ist fressen

Die Luft ist tropisch schwül, am Rande der Vorstadt wuchert der Dschungel. Und so einer nach dem anderen aus der Nachbarschaft hätte niemals gedacht, als Abendessen für prähistorische Aggressoren zu enden. Die schlurfen nämlich bald durch die Gegend, und hinterlassen ein blutiges Schlachtfeld. Wieder mal heißt es: Familie gegen Monster. Und ja – diese Dinos haben den Mut zur Hässlichkeit. Dabei werde ich das Gefühl nicht los, dass David Robert Mitchell etwas ganz Spezielles mit diesem Stoff anstellen wollte, der sich zumindest zeitweise anfühlt wie ein Spin-off aus dem Jurassic World-Franchise: familientauglich, naiv und gefällig.

Mitchell hatte vielleicht gar so etwas wie einen Zombiefilm im Sinn, und hinterlässt in The End of Oak Street das beklemmende Gefühl, George A. Romero hätte hier Hand angelegt. Die Nacht der lebenden Toten weicht der „Nacht der lebenden Dinos“. Düster, blutig und bedrohlich fühlt sich das alles an, Verbarrikadieren ist angesagt. Und irgendwie muss die halbwegs unglückliche Familie, die sich, vor allem was die Elternteile betrifft, wie in Trance befindet, als wären sie selbst von den Dino-Genen infiziert, auch wieder raus aus dieser Zeitblase, in der sie feststeckt.

Der radikale Ansatz scheitert

Wer hätte gedacht, dass sich ein Thema wie dieses so anders – vor allem so ruppig, sperrig und creepy – darstellen lässt? Kein Wunder bei einem wie Mitchell, der mit It Follows ein kleines Meisterwerk des Young Adult-Horrors geschaffen und mit Under the Silver Lake entgegen jedes Mainstream-Interesses krude Verschwörungstheorien bestätigt hat.

Mitchell bürstet sämtliche Versatzstücke gegen den Wuchs, sein Anspruch, einem cheesigen Videotheken-B-Movie aus den 1980ern mehr gerecht zu werden als dem State of the Art, hat einen verstohlenen Witz. Umso mehr enttäuscht es, dass sich Mitchell nicht konsequent genug gegen die Norm arbeitet. Sein Versuch, Zurück in die Zukunft zu imitieren und die Moral vor der Unerbittlichkeit des tödlichen Zufalls zu stellen, schmeckt am Ende wie ein zu lange gekauter Kaugummi.

The End of Oak Street (2026)

Jurassic World: Die Wiedergeburt (2025)

INDIANA JONES UND DIE INSEL DER DINOSAURIER

6/10


© 2025 Universal Pictures. All Rights Reserved.


ORIGINALTITEL: JURASSIC WORLD: REBIRTH

LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: GARETH EDWARDS

DREHBUCH: DAVID KOEPP

KAMERA: JOHN MATHIESON

CAST: SCARLETT JOHANSSON, MAHERSHALA ALI, JONATHAN BAILEY, RUPERT FRIEND, MANUEL GARCIA-RULFO, LUNA BLAISE, AUDRINA MIRANDA, DAVID IACONO, ED SKREIN, BECHIR SYLVAIN, PHILIPPINE VELGE U. A.

LÄNGE: 2 STD 13 MIN


Aus der brillanten Vision einer Welt, in der die prähistorische Fauna erneut den Erdball besiedelt und mit uns, dem Homo sapiens, Seite an Seite existieren muss – nun, aus dieser Vision wurde nichts. Nur zaghaft hat sich Colin Trevorow 2022 mit Jurassic World: Ein neues Zeitalter an die Umsetzung dieses Szenarios herangewagt, einige wenige Szenen ließen gar einen tieferen Einblick in den Umgang des Menschen mit den Dinosauriern zu. Doch letzlich war das dem Studio viel zu düster, zu zivilisationskritisch – das Publikum lechzt wohl eher nach dem Abenteuer und benötigt auch nicht zwingend die alte Riege von damals – Laura Dern, Sam Neill oder Jeff Goldblum, denn diese Reminiszenz an die Anfänge des Dino-Hype war wohl auch mehr Zwangsbeglückung als intrinsische Notwendigkeit.

Wir wissen: Wenn man sich verfährt, kann man zurück zur Weggabelung, diese wäre ungefähr dort, wo sich Steven Spielberg und Drehbuchautor David Koepp an den Versatzstücken der Romane von unter anderem Jules Verne oder H. G. Wells orientierten, und wo es gelang, das perfekte Survival-Abenteuer für die ganze Familie aus dem Inseldschungel zu stemmen, natürlich mit sensationellen Sequenzen, die längst totgeglaubte Wunder der Natur wiederbelebt hatten, nicht nur zur Freude kleiner Jungs (und weniger der Mädchen), die in ihren Kinderzimmern ihre Regale mit Spielzeugminiaturen diversester Spezies vollgestellt wussten. Nach Vergessene Welt: Jurassic Park aus dem Jahr 1997 ist es aus narrativer Sicht nicht weit bis zum jüngsten Abenteuer, und ja, auch aktuell sieht man anhand des Skripts, dass David Koepp zwar damit beauftragt wurde, sich selbst eine neue, weitestgehend originäre Geschichte aus den Rippen zu leiern, diesem aber nicht wirklich viel anderes einfiel als das, was er ohnehin schon geschrieben hat.

Wir haben eine Insel, eine verbotene Zone, wir haben ein Team waghalsiger Abenteurer, die der Mammon lockt. Wir haben eine Familie, die natürlich nicht sterben darf, denn Universal Pictures ist ein familienfreundliches Studio und will niemanden verstören. Diese Familie kommt, wie seinerzeit die Kids im Original, unfreiwillig zum Handkuss und muss zwischen Faszination für das Urtümliche und Todesangst die Grenzerfahrung ihres Lebens bestreiten, während das Schicksal auf ihrer Seite steht. In der Jurassic World herrscht schließlich ein gerechter Dino-Gott, der die Moral predigt und die Niederträchtigen bestraft, während sogar jene überleben, die sich zu opfern bereit sind. Somit ist von Anfang an klar, wer heil bleibt und wer sterben wird. Koepp und Regie-Visionär Gareth Edwards würfeln die Spielrunde nicht neu, schon gar nicht bei den Figuren. Diese sind klar positioniert, als wäre eine KI mit allen bisherigen Jurassic Park- oder World-Filmen trainiert worden, nur um Charaktere auszuspucken, die ohne jegliche Grauschattierung so klischeehaft sind, dass sich selbst jene „Redshirts“, die als Dino-Futter auserkoren sind, klar zu erkennen geben. Und das Kind? Klar gibt es das. Und nein: es würde niemals, niemals, NIIIIEMALS gefressen werden. Weil sich der Dino denkt: Ach nööö, Kinder und Hunde (oder Babydinos), die sind tabu, da passe ich mich der gesellschaftlichen Moral des Homo sapiens natürlich an.

All diese Vermutungen werden sich bestätigen. Rechtschaffenheit, Anstand und Ordnung dürfen selbst in einer gesetzlosen, archaischen, wilden Welt wie diese, die so aussieht, als wäre sie Teil einer Hohlwelt im Herzen unseres Planeten (Das Godzilla-vs-Kong-Franchise lässt grüßen), nicht über Bord geworfen werden. Letztlich passiert das zumindest einigen der Abenteurer, die unterwegs sind, um die DNA noch lebender Giganten abzuzapfen, die wiederum in der Medizin, speziell für die des Herzens, pharmazeutische Geschichte schreiben soll. Natürlich ist der windige Auftraggeber (Rupert Friend) von Geldgier durchdrungen, Mahershala Ali als anständiger Kapitän seines Kahns nur dann draufgängerisch, wenn die Kohle stimmt und Scarlett Johansson eine, die zwar auch die Dollarscheine in den Augen hat, aber gerne vom einzigen Wissenschaftler in diesem Team eines Besseren belehrt werden wird. Vieles geht dabei schief; die schiffbrüchige Familie, die vom Mosasaurier attackiert wird, ist auch mit dabei. Alle schlagen sich durch die Botanik, um sich am Ende in einem Star Wars-Crossover wiederzufinden, das eine Dino-Mutation vermuten lässt, die so aussieht, als wäre sie aus Jabbas Palast entkommen.

Die Story ist so dermaßen mau, dass vor allem Johansson, die wohl ihre Rolle der Black Widow vermisst und sich als Lara Croft-Verschnitt daher doppelt gefällt, alle Hände voll zu tun hat, um zumindest der menschlichen Seite ein bisschen mehr Charisma zu entlocken. Was Gareth Edwards (u. a. Rogue One: A Star Wars Story) natürlich wieder sensationell gut hinbekommt, sind die Bildwelten, die Optik, die Wiederbelebung so sagenhaft schöner Wesen wie den Quetzalcoatlus oder den Titanosaurus, auch der Mosa schenkt uns eine atemberaubende Performance. Genau dafür geht man ja schließlich in einen Film wie diesen. Hat man mit Dinos nichts am Hut, sind das verlorene Stunden, so aber kann man sich nicht sattsehen an diesen exotischen Biomassen aus grauer Vorzeit, die mitunter ihre Nester in antike Urwaldtempel platzieren, die Indiana Jones wohl noch untersuchen müsste.

Wenn doch nicht alle so einen Radau machen würden während ihrer Tour of Duty durch den Dschungel einer Insel, die es so gar nicht geben kann. Dank eines mangelnden gesunden Menschenverstands lassen sich diverse Arten blicken, doch letztlich auch viel zu wenige. Jurassic World: Die Wiedergeburt besinnt sich der Anfänge, bleibt auf ausgetretenen Pfaden und fordert sein Publikum keine Sekunde, wenngleich es dem Film gelingt, selbst Offensichtliches so zu inszenieren, dass es zumindest nicht langweilig wird.

Jurassic World: Die Wiedergeburt (2025)