Alita: Battle Angel

SCHAU MIR IN DIE AUGEN, KLEINER

8/10

 

alita© 2019 20th Century Fox Deutschland GmbH

 

LAND: USA, ARGENTINIEN, KANADA 2019

REGIE: ROBERT RODRIGUEZ

CAST: ROSA SALAZAR, CHRISTOPH WALTZ, JENNIFER CONNELLY, MAHERSHALA ALI, ED SKREIN, KEEAN JOHNSON, JACKIE EARL HALEY U. A.

 

Was haben Tim Burton und Robert Rodriguez gemeinsam? Augenscheinlich erstmals nichts, doch eigentlich machen beide große Augen. Burton hat die True Story von Margaret Keane erzählt, die Portraits trauriger Kinder mit exorbitant gepimptem Sehsinn aufs Papier gebracht hat. Die Künstlerin, die ewig im Schatten ihres Mannes gestanden hat, hätte mit Sicherheit an der Manga-Ikone Alita ihre Freude gehabt. Wüssten wir nicht, dass Alita ganz anderen Quellen zuzuordnen ist, hätte Margaret Keane – wäre sie dem Gestalten von Graphic Novels zugetan gewesen – einen Charakter wie Alita ohne weiteres entwerfen können. Die Blicke, die das Cyborgmädchen austeilt, sind mitunter genauso sehnsüchtig, unsicher und traurig wie jene Gesichter, die in den 60ern auf allen möglichen Printmedien in hohen Auflagen gedruckt wurden. Was Burton und Rodriguez noch gemeinsam haben – und das betrifft sogar noch die gleichen beiden Filme: Das ist Christoph Waltz. Große Augen, und nebstbei einer, der es gut meinen will. Gut, in Big Eyes wohl weniger, in Alita: Battle Angel sehr wohl. Waltz ist diesmal so was wie eine Art Geppetto, ein Prothesenschuster für biomechanische Roboter, für Cyborgs eben, deren einziger wesentlicher Unterschied zu seelenlosen Robotern darin besteht, dass sie eben Seele haben, ein menschliches Gehirn – und ein Gesicht. So gesehen unterscheidet sie von einer rein organischen Person eigentlich gar nichts, geht es doch in erster Linie um die Persönlichkeit eines Wesens, um dessen Fähigkeit, abstrakt zu denken, vor allem zu fühlen – und diese Gefühle zu zeigen.

Alita – das ist der Pinocchio des neuen Jahrtausends. Der Fuchs und der Kater – das sind Kopfgeldjäger und grimmige Schlächter, die auf wehrlose Menschen losgehen und menschliche Organe beschaffen sollen – für einen kafkaesken Überherren, der sich Nova nennt, der in der einzig noch übrigen schwebenden Stadt namens Salem seine verschwörerische Herrschaft ausübt – und den wüsten Moloch darunter, nämlich Iron City, als millionenschweres Ersatzteillager sieht. In diesem urbanen Machts- und Ohnmachtsgefüge entdeckt unser Geppetto in den Untiefen eines Schrottplatzes indischer Größenordnung den Torso eines künstlichen Mädchens, nimmt diesen mit und schenkt der Kleinen einen neuen Körper – nicht ganz uneigennützig, wie sich später herausstellen wird. Alita kann sich an nichts mehr erinnern, ist wie ein kleines Kind, entdeckt, was es kann und wozu es fähig ist – und begreift, dass ein „Hardbody“ wie sie etwas verspürt, was doch eigentlich nur rein organische Menschen können: Liebe.

Und genau darin liegt die Qualität dieses beeindruckenden Cyberpunk-Märchens, das schon jetzt zu einer der größten Überraschungen des Kinojahres 2019 gehören könnte. Alita: Battle Angel strotzt nur so vor kybernetischen Kreationen – diese Freakshow an mechanischen Mutationen, Missgeburten und Verwandten des Terminator lässt das eher sterile Ghost in the Shell oder die Dystopie von Mad Max ziemlich blass aussehen. Wer hier durch die eiserne Stadt des 26. Jahrhunderts streift, darf wirklich nicht schreckhaft sein. Da wäre mir spontan gesagt lieber, all die künstlichen Menschen gar nicht mal als solche unterscheiden zu können. Doch wäre das besser? Dann hätten wir einen Ist-Zustand ganz so wie in Blade Runner, wo das Gespenst sozialer Hackordnung wie ein schwermütiger, bedrohlicher Feinstaub über all den Straßen und Neonlichtern liegt. Oder Battlestar Galactica, wo die Zylonen nicht mal selbst wissen, ob sie künstlich sind oder nicht. In Alita legt die Gesellschaft einer fernen Zukunft gleich alle Karten auf den Tisch. Man weiß, woran man ist. Man sieht mit Schrecken, wer hier seine Damaszenerklinge schwingt. Vielleicht macht das ein gesellschaftliches Zusammenleben einfacher und Hexenjagden unmöglich. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, das die Cyborgs aus dem Alita-Universum im Grunde zwar nach humanoiden Mustern konstruiert sind, das Menschsein in dieser fernen Zukunft aber von wenigen, aber bestimmten Faktoren abhängt. Ein Cyborg zu sein ist in so einer Welt womöglich bereits von Vorteil. Dennoch bewahren sich diese Individuen etwas, wofür es keine künstliche Alternative gibt: Nämlich ihr Gesicht. Da können die Maschinen noch so monströs sein, wie im Falle von Grewishka – doch selbst dieses Ungetüm trägt den Spiegel seiner wütenden Emotionen als menschliches Antlitz zwischen all seiner Hydraulik. Zu sehen, wie der andere lacht, weint, wie er wütend wird oder glücklich ist – die Mimik eines Menschen ist durch nichts zu ersetzen, sie ist das Buch der Emotionen und des Empfindens. Womöglich hätte C-3PO selbst gern so ein Gesicht – aber der ist ja ein Roboter.

Gegenwärtig lassen die sozialen Medien dieses Buch der Emotionen außen vor, und die Posting-Plattformen verkommen zur Selbstironie. Da helfen nicht mal mehr Emoticons, diese genormten Abziehbilder ohne Persönlichkeit. Da sind die Maschinenmenschen in ferner Zukunft schon wieder etwas klüger. In ihren Gesichtern steckt die Würde ihres Selbst. Und im Gehirn sitzt die Seele. Der Mensch – auf das Wesentliche reduziert. Und das Unwesentliche ist austauschbar. So wechselt auch Alita irgendwann ihren Körper, bleibt aber immer sie selbst. Und was die wichtigste Erkenntnis dabei ist: Ob Androiden von elektronischen Schafen träumen, sei dahingestellt – Cyborgs tun das auf jeden Fall.

Robert Rodriguez, mit El Mariachi zu Kult gewordener Filmpionier und Sin City-Co-Regisseur, hat den Einstand der Manga-Legende auf richtige Bahnen gelenkt. Alita: Battle Angel fasziniert längst nicht nur mit freilich atemberaubenden Kamerafahrten, verblüffender CGI und epischen Kulissen – sondern allen Mätzchen und hochschraubenden Action-Extras voran mit einer klar umrissenen, liebevoll modellierten und berührend responsiven Protagonistin, die, obwohl selbst noch ein Teenie, alle um sie herum ganz klein werden lässt. Aber nicht, weil Alita einschüchternd wäre. Das ist sie nicht. Sie ist kein Vamp und keine Amazone. Keine integre Wonder Woman oder schnoddrige Buffy. Sondern ein Wesen mit der einnehmenden Aura eines grundunschuldigen Schützlings mitsamt Kindchenschema, das seine Wirkung nicht verfehlt. Alita ist eine selbstlose Kriegerin, eine Johanna von Orleans, bereit, sich selbst zu opfern. Ob die Inquisition auf sie wartet, bleibt ungewiss. Das hängt ganz davon ab, ob das straff und elegant erzählte Coming of Age-Abenteuer zwischen Rollerball, Elysium und Judge Dredd mit all seiner visionären Opulenz, die aber niemals plump Vorbilder zitiert, genug Publikum ins Kino lockt. Und ich hoffe inständigst, das wird er, würde ich doch allzu gerne wissen, was das Schicksal für die kindliche Nemesis bereithält. James Cameron womöglich auch. Der muss selbst große Augen gemacht haben, in Anbetracht dessen, was Rodriguez hier kreiert hat. Besser hätte es der Avatar-Visionär wohl selbst nicht hinbekommen. Die großen Augen mache auch ich, und trotz all des blanken, kalten Stahls, der da funkensprühend aufeinander trifft, lädt Alita: Battle Angel auf eine ganz eigene, bezaubernde Art zum Schwärmen ein.

Alita: Battle Angel

Spider-Man: A New Universe

ICH BIN VIELE

6,5/10

 

spiderman_anewuniverse© 2018 Sony Pictures

 

LAND: USA 2018

REGIE: BOB PERSICHETTI, PETER RAMSEY, RODNEY ROTHMAN

CAST (MIT DEN STIMMEN VON): SHAMEIK MOORE, MAHERSHALA ALI, NICOLAS CAGE, CHRIS PINE, HAILEE STEINFELD U. A.

 

Wo soll ich da bitte anfangen? Das frage ich mich des Öfteren, wenn ich bei Comicbörsen in den Sammlerboxen für Marvel-Hefte herumwühle. Avengers, Spider-Man, Iron-Man, für jeden Helden gleich mehrere Storylines, scheinbar schon seit ewigen Zeiten fortlaufend. Crossovers, Extras und Spin-Offs erschweren noch zusätzlich die Lage, hier Übersicht zu bewahren. Und womit ich jetzt heftmäßig starten soll, kann mir auch keiner genau beantworten. Wie viele Tode ist Batman eigentlich schon gestorben? Oder Superman? Oder eben Spidey? Da kann ich ja froh sein, zumindest im Kino noch alles auf die Reihe zu bekommen. Was aber durch die von Sony neu erschaffene, alternative Realität zum Marvel Cinematic Universe ähnlich erschwert wird, als würde man mit einer weiteren Nullnummer in Heftform für weiteres Chaos sorgen.

Ganz so viel Verwirrung wird aber durch Spider-Man: A New Universe auch nicht heraufbeschworen. Zumindest nicht, was den Plot betrifft. Dem lässt sich schon ganz gut folgen. Für unsere Helden im Film allerdings steht so ziemlich alles Kopf, nicht nur der kopfüber vom Spinnenfaden hängende Peter Parker. Oder ist es gar nicht Peter Parker? Radioaktive Spinnen (woher die Arachniden eigentlich kommen, bleibt doch in allen Filmen ungeklärt, oder?) gibt es im vorliegenden Abenteuer gleich mehrere, abgesehen von ihrer multiplen Existenz in alternativen Realitäten. Die andere radioaktive Spinne, um die es geht, zwickt diesmal den Schüler Miles Morales – und lässt ihn naturgemäß genauso werden wie den bereits werbewirksam vertretenen Helden Parker. Das Ganze spielt natürlich in einer weiter fortgeschrittenen Zukunft. Da ist Parker schon um einiges älter. Morales wird in seine Fußstapfen treten, zu verdanken hat er das dem Erzschurken Kingpin, ein Schrank von einem Ungustl mit Doppelkinn und Triefauge. Der will wiederum seine Familie zurück – und ist bereit, das Raum-Zeitkontinuum zu manipulieren. Da wir in Spider-Man: A New Universe alle davon ausgehen, dass die Multiversum-Theorie Fakt ist, lässt sich die Konsequenz dieses physikalisch-technischen Schindluders leicht erahnen: Spider-Man Morales ist nicht mehr der einzige Held im Netzkostüm. Da gibt es noch andere, die nacheinander durch diverse Sogportale zur knallbunten Party purzeln. Mitunter auch Schweine.

Und knallbunt, das ist des Comicfilms zweiter Vorname. Es gibt bereits Filme, vor allem Live Act-Filme, die ganz so aussehen wollen wie Comics. Natürlich Sin City, und natürlich 300. Spider-Man: A New Universe hat einen ähnlichen Look, spielt mit Panels, onomatopoetischen Einsprengseln und Bildtexten. Mit Splitscreens, groben Druckrastern und mixt auch noch unterschiedliche Zeichenstile, vor allem wenn die völlig anders entworfenen Alternativ-Spideys aus den anderen Dimensionen in Miles Morales Welt ihren Cameo hinlegen. Trotz all dieser Stilmittel, der graphischen Überstilisierung und der manchmal fast plastischen Anmutung eines realen Filmabenteuers wirkt Spider-Man: A New Universe erstaunlicherweise wie aus einem Guss. Die betont lässige Superheldenkomödie setzt ganz auf die jugendfreie Humorversion eines Deadpool, hat einen Wortwitz wie bei Roger Rabbit und führt seine Fülle an Anta- und Protagonisten mit lockerem Händchen ins Geschehen ein. Dieses geschickte Timing verdankt der Film dem Skript von Phil Lord, seines Zeichens Mastermind hinter den Lego-Movies. Den popkulturellen Klamauk mit den Noppensteinen im Hinterkopf, hat Lord auch hier Scheuklappen für stringente Erzählwelten entfernt. Die Marvel-Alternative und LEGO wirken plötzlich gar nicht mehr so fremd zueinander. Die augenzwinkernde Dynamik mit starkem Hang zur Selbstironie ist da wie dort ein Nerd- und Zitate-Flashmob sondergleichen. Was aber wirklich das Auge des Betrachters strapazieren kann, ist die Farb- und Formexplosion, die fast schon ans Psychedelische grenzt. Kadeisoskopartig langt das RGB-Spektrum tief unter die Netzhaut, vor allem wenn man den Film im Kino genießt. Da braucht man nachher einen leeren Raum, um das Auge zu entspannen, quasi eine visuelle Entreizungszone.

Spider-Man: A New Universe ist ein filmgewordenes Holi-Fest. Ist noch dazu rasant und zwar nicht dramaturgisch, dafür aber visuell durchaus nicht unanstrengend. Das invertierte Outfit des Miles Morales ist letzten Endes sogar noch cooler als das von Peter Parker. Und der muss noch ein bisschen abnehmen, falls er beim nächsten Mal überleben will.

Spider-Man: A New Universe

Green Book – Eine besondere Freundschaft

FAHR´ MA, EUER GNADEN!

9/10

 

greenbook© 2019 eOne Germany

 

LAND: USA 2018

REGIE: PETER FARRELLY

CAST: VIGGO MORTENSEN, MAHERSHALA ALI, LINDA CARDELLINI U. A.

 

Angeblich soll Albert Einstein einmal gesagt haben: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Dass die menschliche Dummheit wirklich keine Grenzen kennt, das belegt wieder mal die Existenz das in den 60er Jahren unter der schwarzen Bevölkerung Amerikas verbreitete Green Book. In diesem sagen wir mal Heftchen sind alle Etablissements, Hotels und Tankstellen verzeichnet, die Schwarze betreten dürfen. Mit diesem Green Book konnte man damals unter der Präsidentschaft von John F. Kennedy relativ problemlos die vom Rassismus geprägten Südstaaten bereisen, ohne belästigt, beschimpft oder geprügelt zu werden. Das es so etwas wie das Green Book überhaupt geben muss, ist eine Schande. Andererseits kann ein Reiseführer wie dieser Bad Vibrations relativ gut abwenden. Dass man sich damit aber mit der gesellschaftspolitischen Situation von damals eher arrangiert hat als diese zu verändern, war wohl auch klar. Nichtsdestotrotz hat der schwarze Jazzpianist Dr. Don Shirley, ein distinguierter Gentleman, das Druckwerk jedenfalls mit dabei, auf seiner Konzerttournee bis tief in die südlichen Sümpfe der Gesellschaft, um vielleicht doch etwas zu verändern. Zumindest seinen Standpunkt zu vertreten – und ein Exempel zu statuieren. Dazu braucht es Mut. Und einen Fahrer. Der wiederum gehört zum Sicherheitspersonal eines Nachtclubs, und da dieser gerade wegen Umbaus geschlossen hat, wittert der Italoamerikaner Tony Lip das große Geld. Immerhin sind es zwei Monate Support in Belangen nicht nur des Kutschierens von A nach B, sondern auch, Probleme, die Shirleys Auftritten im Weg stehen könnten, aus dem Weg zu räumen.

Unterschiedlicher können die beiden Zeitgenossen nicht sein, wirklich nicht. Tony Lip ist ein Gourmand unter der amerikanischen Sonne, einer der (wett)essen kann, wie der Tag lang ist. Der im Grunde zwar auch keine Schwarzen mag, aber warum eigentlich? Der Tacheles redet, angeblich nie lügt und gerne mal aufbrausend Fäuste unter unliebsame Nasen hält. Und Don Shirley – schon die erste Begegnung der Beiden wirkt wie eine Audienz vor einem afrikanischen Monarchen. Der belesene Snob ist eloquent, leicht affektiert und unlocker vom Scheitel bis zur Sohle. Wen wundert’s, in so unbequemen Zeiten wie diesen, wo du als Schwarzer einfach wissen musst, wer du bist, um nicht unter die Absätze nationalistischer Weiße zu geraten. Somit ist Shirley auch keiner, mit dem man schnell warm wird. Tony Lip aber wird das ändern.

Natürlich gibt es jede Menge Buddy-Movies wie dieses. Zwei, die unterschiedlicher nicht sein können, sind unterwegs von A nach B und raufen sich zusammen. Da hat selbst das Problem-Filmland Österreich einen Klassiker in petto – nämlich Indien. Kabarettkino ja, auf den ersten Blick, tatsächlich aber voller Tiefe und sehr berührend. Green Book hat, den österreichischen Witz mal außer Acht gelassen, ähnliche Szenen zu bieten. Wenn der beharrliche Tony Lip Pianist Doc Shirley unterwegs ein Ohr abkaut oder ihm Kentucky Fried Chicken unter die Nase hält, dann sind das Doppelconferencen erster Güte. Der Film wäre aber längst nicht so ein Bringer, wäre Tony Lip anders besetzt worden als mit Viggo Mortensen. Nichts ist mehr übrig aus seinen Zeiten als Aragorn. Wunderbar, wie wandlungsfähig der Mann ist – und als leicht korpulenter, appetitvoller Türsteher, der nicht gerade zu den Intellektuellen zählt, aber das Herz am rechten Fleck hat, den Film trägt wie kein zweiter. Auch, weil er in seiner straighten, aber unzementierten Weltanschauung fähig ist, seinen eigenen und den Standpunk des intellektuellen Shirley nachhaltig zu hinterfragen. Mahershala Ali als kultivierter Feingeist und Klaviervirtuose ist ein wunderbarer Gegenpart zu Mortensens feixendem, gemütlichem Auftreten. Seine Vorsicht vor den Menschen, sein expliziter Sinn für Anstand und mit der meist auf Verteidigung angelegten Verfechtung seiner Würde ist der einsamen Seele in feinstem Maßanzug auf den Leib geschneidert. Fast schon legendär, wie sich beide ergänzen, wie sie voneinander lernen und wie sie zusammen dieses Roadmovie meistern, scheinbar völlig als Selbstläufer, ohne viel Input von außen. Peter Farrelly, bekannt als Macher zotigen Klamauks jenseits des guten Geschmacks, hat sich hier wohl in die leinerne Rückenlehne seines Regiestuhl lehnen können – die beiden Buddies schaukeln den Film, als wäre es ihr echtes Leben. Das macht Green Book eigentlich auf nahezu vollkommene Weise zu einem der besten Wohlfühlfilme seit langem, zu einem filmischen Grundstein einer lebenslangen Freundschaft, die tatsächlich mit dieser abenteuerlich-erkenntnsireichen Fahrt in den Süden ihren Anfang genommen hat. So eine Freundschaft wünschen wir uns alle, nur allzu selten passiert sowas tatsächlich. Umso schöner ist dann ein Film wie dieser, der zeigt, wie´s gehen kann.

Green Book – Eine besondere Freundschaft