Monstrum

WHO LET THE DOG OUT?

5,5/10

 

monstrum© 2018 Koch Films

 

LAND: SÜDKOREA 2018

REGIE: HUH JONG-HO

CAST: PARK SUNG-WOONG, MYUNG-MIN KIM, KIM IN-KWON, WOO-SIK CHOI U. A. 

 

Bong Joon-Ho ist nicht der einzige Südkoreaner, der im Kino seine Monster versteckt. Mit The Host hatte er ein selbiges auf sein gleichsam verblüfftes wie begeistertes Publikum losgelassen, später wurden die Monster dann zu ganz normalen Menschen. Gegenwärtig scheinen Monster ins Reich der Legenden befohlen worden zu sein, wo sie in Monstrum auch hingehören. Kein wirklich ausgefallener Titel für einen Film, der von einem Monster erzählt, aber dafür macht er auch keine leeren Versprechungen. Dieser nationale Blockbuster, der einen Monat nach seiner Premiere im Kino bereits online zu streamen war, dreht die Uhr um einige Jahrhunderte zurück – wir befinden uns im Mittelalter nämlichen Landes, genauer gesagt im Jahr 1527 zur Zeit der Joseon-Dynastie. Und wie es zu diesen Zeiten oft der Fall war, wüten gerade irgendwelche Epidemien, schlimmstenfalls die Pest. Die suhlt sich also am Ende der Befehlskette, und könnte auch irgendetwas mit seltsamen Begebenheiten aus der montanen Wildnis zu tun haben. Ein Monster, so sagt man, geht um. Und der Kaiser befiehlt, einen Trupp loszuschicken, seine besten Krieger und auch noch solche, die früher mal gedient haben und in Ungnade gefallen sind. Persona non grata hin oder her, manche können einfach gut kämpfen, und wieso sollte man sie nicht wieder rekrutieren. Für ein blutrünstiges Ungeheuer reicht es allemal.

Interessanterweise wurde der Film durch einen Eintrag in den Annalen nämlicher Dynastie inspiriert – kann also sein, dass Sichtungen unbekannter Tierarten die Fantasie der Leute beflügelten. Von nichts kommt natürlich nichts, und wir haben es hier mit diesem Ungetüm auch mit einem – vorrangig bei Touristen oder Asia-Kennern – alten Bekannten zu tun. Doch nein, es ist nicht Godzilla, keines dieser Kaijus. Ihr kennt doch sicher alle diese drachenähnlichen Tempelhunde, die als steinerne, hölzerne oder aus Porzellan gefertigte Wächter sämtliche Portale asiatischer Heiligtümer flankieren. Richtig, das sind sogenannte Haitais, in China nennt man die Xiezhi. Endlich hat solch ein kultiger Geselle auch seinen eigenen Film bekommen, und er darf wüten und brüllen und Menschen zerreißen und was weiß der Teufel was sonst noch alles. Ein gepflegter, groschenromanartiger Fantasyfilm ist das geworden, jedenfalls feine Ausstattung, tolle Gewandungen und gut getrickst. Intrigen gibt’s auch, wie immer am Hof der Mächtigen. Ist nun mal so ein Monster da, kann es natürlich auch für sinistere Zwecke missbraucht werden, denn der Tempelhund per se ist ja prinzipiell nicht vorsätzlich bösartig. Vielleicht krank, vielleicht einsam… näheres wird man herausfinden.

Insgesamt aber bietet Monstrum kaum etwas Neues, außer Haitai eben. Weder ist das Abenteuer sonderlich spannend, noch hat es das gewisse Etwas. Pro- und Antagonisten sind austauschbare Stereotypen aus einem Genre vom Fließband. Aber immerhin: wer statt auf Mantel- und Degenfilme auf lederne Schuppenpanzer- und Schwerterfilme steht, kann darin sein Glück finden. Und bevor Monster-Nerds alle Monster ausgehen, wäre der Streifen auch für sie ein gefundenes Fressen.

Monstrum

Rampage

HALALI ZUM WILDLIFE-WRESTLING

5/10

 

rampage© 2000-2018 Warner Bros.

 

LAND: USA 2018

REGIE: BRAD PEYTON

MIT DWAYNE „THE ROCK“ JOHNSON, NAOMIE HARRIS, JEFFREY DEAN MORGAN, MALIN AKERMAN U. A.

 

Die Elternschaft aller Kinogeherinnen und Kinogeher wissen, wovon ich schreibe: Da will man einmal das Kinderzimmer betreten, und es geht nicht. Ein aussichtsloses Unterfangen. Der Spielteppich und die Wohnfläche darüber hinaus sind verwüstet. Im Zentrum des Wahnsinns ist gerade noch eine Stadt aus Bausteinen zu erahnen, die aber schon ziemlich mitgenommen aussieht. Dazwischen Figuren, denen die einen oder anderen Extremitäten fehlen. Und dann diese Dinos und Drachen eines bekannten deutschen Figurenherstellers, die alles breitgetreten haben. Zwischen all den Relikten einer sagenhaft aggressiven Zerstörungsorgie: Zufriedene, aber überreizte Kinder. Gut, der Tag war lang, ab ins Bett. Wer sich das so ungefähr vorstellen und gleich noch dazu die Antwort auf die Frage geben kann, wer das alles wieder aufräumen wird, darf erahnen, was beim neuen Film mit Dwayne „The Rock“ Johnson auf ihn zukommt. Und ja, es ist was großes. Aber so groß nun auch wieder nicht.

Rampage ist wie ein Kinderzimmer während und nach einer Spielzeugschlacht. Man muss auch wissen, das von einem Film, der sich Rampage nennt, nichts anderes zu erwarten ist als Rampage – nämlich Randale, Tobsucht, Amoklauf. Dabei versucht der Film sogar, dem Mutantentheater so etwas wie eine Einleitung voranzustellen. Was wäre da nicht einfacher, als die schon gefühlt unendlich oft vorgekaute Angstmacherei rund um unsere Gene einzuschreddern. Das Ausschlachten dieser Wissenschaft fernab jeglicher Realität ist deswegen so simpel, weil man das Ganze nicht zu verstehen braucht. Das Wort Gene an sich ist schon ein Schreckgespenst, da weiß ein jeder, dass sich da ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper in progress befindet und gewiss Kollateralschäden verursacht. Wunderbar einfach, eigentlich schon fertig, das Drehbuch. Eine sinistre Organisation mit ebenso sinistrem Personal – und der Spielteppich ist vorbereitet. Dwayne Johnson kann kommen – und er kommt. Und er ist so, wie wir ihn erwartet haben. Er ist auch nie anders. Eigentlich, und obwohl mir das eigentlich schon viel früher so richtig bewusst hätte werden sollen, hat Dwayne johnson von Schauspielerei nicht den blassesten Schimmer. „The Rock“ ist „The Rock“. Muss er denn in kopflastigem Method Acting die Essenz seiner Rollen spüren? Nein, das sollen andere machen. Und außerdem ist der wandelnde Kleiderschrank so einnehmend sympathisch, dass es reicht, einfach ihn selbst sein zu lassen. Also, wohlgemerkt: wenn Dwayne Johnson draufsteht, ist Dwayne Johnson drin. Und zumindest ich sehe ihm beim Praktizieren dieser einfachen Formel durchaus gerne zu.

Das lässt sich bei mir auch auf Monster ummünzen. Wer meine Reviews kennt, dem wird meine Liebe zu Kreaturen aller Art nicht verborgen geblieben sein. Die Tiermutanten in Rampage sind animationstechnisch wieder mal State of the Art. Wenn sich der Warzenschwein-Alligator durch Chicagos Häusermeer wühlt, der große böse Wolf einen auf Stachelschwein macht oder der Albino-Primat in einer modernisierten Version des guten alten King Kong alles auf die Spitze treibt, können Genre-Liebhaber durchaus vergünglichen Momenten beiwohnen. Klarer Fall von Kaiju-Kino, wie es der südostasiatische Mainstream gerne sieht. Rundherum aber registriere ich weitgehend tote Hose, überraschungsfrei und unfreiwillig trivial. Nichts gegen Trash, noch dazu Edeltrash, das ist die King Kong-Hommage im Stile eines Roland Emmerich von vornherein, und das weiß das Publikum auch. Allerdings scheint es so, als wäre das unausgewogen getimte, dröhnende Krawallkino noch mehr in Richtung Unfug abgeglitten als von den Machern beabsichtigt. Zum Haareraufen, wenn zum Beispiel der Gorilla seine Ernährung umstellt. Vergnüglich wiederum, wenn „Watchman“ Jeffrey Dean Morgan als Süffisanz in Person das Klischee des FBI-Agenten karikiert. Na gut, zum Glück muss ich dann Chicago nicht wieder aufräumen, sondern nur den samtbezogenen Sitzplatz im Kino. Und vielleicht das Kinderzimmer.

Rampage

Justice League

DIE WÜRFEL SIND GEFALLEN

6,5/10

 

HAR_DM_FIRST LOOK RND F04© 2017 WARNER BROS. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC / Courtesy of Warner Bros. Pictures/ TM & © DC Comics

 

LAND: USA 2017

REGIE: ZACK SNYDER, JOSS WHEDON

MIT BEN AFFLECK, GAL GADOT, JEREMY IRONS, EZRA MILLER, JASON MOMOA U. A.

 

Steppenwolf, Steppenwolf… irgendwas sagt mir das. Ja, genau, und zwar drei Dinge. Erstens ist das der Name einer Rockband, die mit Born to be Wild das Titellied zu Easy Rider komponiert hat. Zweitens ist das auch ein Roman von Hermann Hesse. Drittens – der Vollständigkeit halber – bezeichnet die Astronomie als Steppenwolf vagabundierende Planeten ohne fixer Umlaufbahn. Und viertens? Viertens ist der Steppenwolf ein Superschurke aus dem DC-Universum, kreiert von Jack Kirby und erstmals erschienen in einem Comic aus dem Jahre 1972. Dieser gehörnte Psychopath und machtgierige Bosnigl treibt nun auch in der neuesten Verfilmung der sprechenden Bilder rund um Batman sein Unwesen – und erinnert an eine etwas einfallslose Mischung aus dem gehörnten König aus Ridley Scott´s Legende, dem Feuerdämon Surtur aus Thor – Tag der Entscheidung (schon alleine wegen des Helmes) und Apocalypse aus dem letzten, leider misslungenen X-Men-Abenteuer. Betrachtet man aber die Comics von damals, so ist gegen die Darstellung des größenwahnsinnigen Berserkers nichts einzuwenden – Zack Snyder hat, wenn auch nicht ohne Hilfe von außen, alles richtig gemacht. Und das meine ich tatsächlich so, wie ich es sage, ohne Sarkasmus. Snyder ist womöglich der wirklich einzige Filmemacher unter der Blockbuster-Riege, der das Wort Comic-Verfilmung wörtlich nimmt. Dem Visionär, welcher mit Watchmen tatsächlich einen Meilenstein der laufen lernenden Panels erschaffen hat, merkt man seine Liebe zu dem meist belächelten Nischenmedium an. Comics sind für Snyder nicht nur lose Vorlage – seine Interpretationen sind aufrichtige Huldigungen an Text, Tinte und Papier. 

Dementsprechend ikonisch wirken seine Bilder. Nahezu jede Einstellung eignet sich für ein attraktives Cover lang erwarteter Heftausgaben für Fans, wie Jack Snyder einer ist. Im Grunde ist Justice League also ein Fanfilm – von Fans für Fans. In kaum einer anderen Produktion aus dem wohl am meisten gemobbten Subgenre des Fantasyfilms ist das hochstilisierte Fabulieren mit den Kultfiguren stärker zu spüren – und zu erfahren. Wenn Batman ganz weit oben am Dach eines Altbaus in Gotham City kauert und über den Moloch blickt, wähne ich mich im Comic-Zweiteiler Batman: Hush zu blättern. Ganz großes Bilderkino, das muss man dem Burschen lassen. Obwohl, naja, manch Weltherrschaftsfantastereien meistens nur lächerlich sind. Aber das sind sie in den Comics auch. Das ist ihnen eigen. Übertrieben aufzutreten, nicht nur die eine Katze, sondern auch gleich mehrere von der Sorte aus dem Sack zu lassen. Und endlich ist es auch soweit – DC antwortet den Avengers aus Marvel mit der Liga der Gerechtigkeit. Die kann sich sehen lassen – allen voran natürlich Gal Gadot als die leibhaftige Amazone. Apart, faszinierend und mit ganz viel sinnlich-kokettem Understatement. Ihr zur Seite ein quirliger, heillos konfuser Flash, der zwar etwas bemüht, aber immer mal wieder für Schmunzeln sorgt. Ein Raubein von einem Wassermann, mit Inbrunst verkörpert von „Khal Drogo“ Jason Momoa. Seine Grunge-Attitüde und seine zynische Sicht auf die Welt ist ihm auf den schuppig gepanzerten Leib geschrieben. Sogar Cyborg, mit dem ich im Vorfeld so meine Zweifel hatte, macht eine gute, wenn auch enorm kybernetische Figur. Allen höchst unterschiedlichen Charakteren gelingt die Entwicklung von leicht identifizierbaren Persönlichkeiten. Gut, Wonder Woman hatt da schon einen gewissen Heimvorteil. Und Batman auch. Batman – viele Fans des dunklen Ritters haben schlaflose Nächte, wenn sie daran denken, dass einer wie Ben Affleck maskiert durch die Nacht hirscht. Nun, obwohl ich mich hier nun der Gefahr eines Shitstorms aussetze – tatsächlich halte ich den besten Freund von Matt Damon als die bislang idealste Verkörperung von Bruce Wayne seit Michael Keaton. Der Wayne aus den Comics ist längst nicht so ein Dandy wie Christian Bale. Aber auch nicht so ein naiver Schönling wie Val Kilmer und George Clooney welche waren. Der Milliardär ist ein bulliger, verkorkster Materialist, ein Bandleader, der nur durch Vermögen und sagenhafter Technik als Superheld gilt. Nicht unbedingt ein sympathischer Zeitgenosse, aber ein persönlich motivierter, pflichtbewusster Moralist, der wie ein Bill Gates mit Muskelmasse Verantwortung für die Welt übernehmen muss – einfach weil er es kann.  

Spaß an der Sache hat Batman keinen – das Publikum aber schon. Justice League ist deutlich klarer strukturiert als der Vorgänger Batman vs. Superman. Um nicht zu sagen – der Plot ist straioght, aber sehr dünn. Stattdessen haben die Figuren zwischen all dem Getöse. bröckelnden Mauern und Gefechten mit Schwert, Kanone und Dreizack mehr zu sagen als sonst. Wie gesagt – Zack Syder hat da schon alles richtig gemacht. Zwar ein bisschen von Marvels humoristischer Leichtigkeit abgeguckt, aber immer noch den eigenen Stil beibehalten, der so anders ist als der aus dem Marvel Cinematic Universe. Dieser dramaturgische Sinneswandel verdankt Warner Bros. der Aushilfe von Buffy-Erfinder Joss Whedon bei Regie und Drehbuch. Inoffiziell hat der Avengers-Experte sogar tatsächlich vollends die Regie übernommen, da Snyder aus familiären Gründen aus dem Projekt aussteigen musste. Dass die bierernste Erzählweise des neuen Bat- und Superman die eigentliche Achillesferse der bisherigen Filmreihe war, ließ sich leicht diagnostizieren. Mit Vitamin W für Whedon ist der Klotz am Bein beseitigt worden. Dennoch – es ist immer noch Snyders Film daraus geworden, soviel Respekt unter den Kollegen muss sein. Dementsprechend geklotzt und blickdicht aufgetragen sind seine martialischen Visionen daher immer noch. Und sehr wahrscheinlich wird Snyder auch wieder in weiteren Batman-Abenteuern, sofern Affleck dabei bleibt, das Zepter führen. Was ich nicht bedaure, denn aus Fehlern kann man nur lernen. Diese zweite Chance sollte man gewähren. Und im Kino nicht daran vorbeisehen. Genausowenig wie die Post Credit Szene nach dem Abspann – Sitzenbleiben, denn es zahlt sich diesmal wirklich aus!

Justice League