Masters of the Universe (2026)

TOY STORY MIT MUSKELN

6/10

 

Nicholas Galitzine als Adam/He-Man in Masters of the Universe© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: TRAVIS KNIGHT

DREHBUCH: CHRIS BUTLER, AARON UND ADAM NEE, DAVE CALLAHAM

KAMERA: FABIAN WAGNER

CAST: NICHOLAS GALITZINE, JARED LETO, IDRIS ELBA, CAMILA MENDES, MORENA BACCARIN, ALISON BRIE, CHARLOTTE RILEY, SAM C. WILSON, JÓHANNES HAUKUR JÓHANNESSON, JON XUE ZHANG, SASHEER ZAMATA U. A.

LÄNGE: 2 STD 20 MIN



Was flasht mich da?

Es ist nichts anderes als der Rücksturz ins Kinderzimmer meines Volksschulkommilitonen: Masters of the Universe. Denn niemals, im Laufe meiner Kindheit, durfte ich eine dieser Actionfiguren mein eigen nennen.

Warum? Der Spirit von patriarchalem Heldentum war sogar in einem Zeitalter, in dem Diversität, Gleichheit und Geschlechterrollen in konservativen Strukturen feststeckten, auffallend vorgestrig, als wäre es aus einer reaktionären Interpretation der Siegfried-Sage gefallen.

Die Frauenquote der Muskelmänner

So ein martialisches Männlichkeitsbild kam damals nicht in unser Haus. Dafür aber in jenes meines eingangs erwähnten Freundes, bei dem ich dieses Klischee der tapferen, ruhmreichen Beschützer und Bösewichte bedienen konnte, ohne das Ganze zu hinterfragen.

Dort die Burg von Grayskull, auf der anderen Seite der Snake Mountain. Dazwischen die irrwitzigsten Monster und Mutanten, und weil man ja nicht komplett so tun wollte, als würden Frauen nur hinter den Burgmauern um ihre Helden bangen, gabs zumindest Teela, Evil-Lyn und die Zauberin – später dann noch He-Mans Schwester She-Ra (She-Woman wäre konsequenter), das Pendant zu Supergirl im DC-Universum.

Die martiale „Kauf mich“-Lore

Damals aber konnten wir uns weder sattsehen noch sattspielen. An jede einzelne dieser Figuren kann ich mich erinnern, und eine Handvoll erscheint auch im neuen Versuch, das triviale Universum, das frappant an Flash Gordon, Marvel und die deutschen Heldenepen erinnert, mit ganz viel Hilfe durch CGI-Experten auf die Leinwand zu bringen.

Denn Masters of the Universe, das ist Kitsch as Kitsch can, das ist ein unfreiwillig komisches, vielleicht sogar käsiges Spielzeuguniversum mit genau jener tümpeligen Tiefe, die ein Team an Spielzeugentwicklern von Mattel wohl erforscht haben müssen, um diesen „Kauf mich“-Kreaturen zumindest eine gewisse Legitimität anhand einer simplen und von überall her zitierten Lore zu bescheren, die ins Zentrum gar dreist ein Schwert stellt, für das der junge König Artus es nicht mal aus dem Stein ziehen muss.

Die Sache mit dem Lendenschurz

„Bei der Macht von Greyskull! Ich habe die Kraft!“ Und schon umweht ein ledergegerbtes Tarzan-Röckchen die sicherlich schmucke Männlichkeit von Adam, während ein rotes Kunstharzkreuz Marke „Tempelritter“ die durchtrainierte Brust des blonden Recken ziert, der in Travis Knights (Kubo – Der tapfere Samurai, Bumblebee) ironisch kommentierter Überarbeitung des trivialen Stoffs gar nicht mal so einer sein will.

Natürlich kann man die Welt von Masters nicht einfach in seinem obsoleten Dunst von damals vor sich hin husten lassen. Wie man es dreht und wendet – das ganze Szenario mit einer gewissen Tolkien‘schen Ernsthaftigkeit zu versehen, wird nicht gelingen. Zu generisch ist der Plot, zu plakativ die Charaktere.

Sympathie für den Waffenmeister

Um das Problem zumindest in Sachen Sympathiewerte zu lösen, kommt einer wie Idris Elba ins Spiel, der Adams rechte Hand gibt: Man-at-Arms, auch genannt Duncan. Elba hat Charisma und gute Laune. Genauso wie Nicholas Galitzine (Glennkill: Ein Schafskrimi), der diesen auf Diplomatie gebürsteten Thronerben gibt, als Kind schon nicht kämpfen wollte und im Erd-Exil mit seiner für niemanden glaubhaften Biografie als verschrobener Nerd gilt, der fanatisch nach einem Schwert sucht – seinem Schwert, nämlich jenes mit der Macht.

Das Live-Act-Problem des Zeichentrick-Schurken

Kaum gefunden, katapultiert ihn das Schicksal wieder nach Eternia zurück, wo Skeletor, der ikonische Erzgegner und Onkel (!) von He-Man (wie in der Artus-Sage Schurke Vortigern Pendragon) schon seit Anbeginn an diese Macht will, um diese auszuüben. Hinter dem Totenschädel verbirgt sich Jared Leto in zeichentrickhafter Gestik und mit wenig Charakter.

Denkt da wer vergleichsweise an Frank Langella aus den Achtzigerjahren? Da hatten wir ja schon mal eine Masters-Interpretation, nur aufgrund mangelnder Rechte und wenig Budget hat Dolph Lundgren (man beachte sein launiges Cameo im neuen Film) auf den Final Fight in Eternias Burg verzichten müssen. Bis heute ist Gary Goddards trashiges Guilty Pleasure nicht ohne Nostalgie-Wert. So eine Langlebigkeit lässt sich im neuen Film wohl nicht prognostizieren, obwohl die Macher hier versuchen, das ganze auf zwölftönende und damit erinnerungswürdige Eigenparodie zu trimmen, die auch dank Elba und Galitzine zumindest streckenweise funktioniert.

Den kenn ich doch!

Ist Masters of the Universe nun Kinderkam? Ja, Kinderkram für Mittvierziger, die sich gerne am bunten Materialismus vollgestopfter Kinderzimmer erinnern. Und mit Lust und verklärten Augen Figuren wie Fisto, Mechanek, Spikor, Moos Man, Ram Man und dergleichen in diesmal spielzeugadäquater Ausgestaltung mit Leichtigkeit wiederentdecken.

Die Sache mit dem Sexwitz

Ein Toy Story also mit Muskeln und lahmer Story; netten, aber nicht außergewöhnlichen Schauwerten, dafür aber mit befremdlichem, sexuell konnotierten Wortwitz, der sich speziell auf einen Charakter bezieht und sich auf irritierende Weise am Zielpublikum vorbei vergreift.

Irgendwie ist den Schreiberlingen hier der Zynismus durchgegangen, während zeitgleich verabsäumt wurde, die Vorhersehbarkeit vor allem im Showdown abzufangen. Mit dem Kulturschock der realen, nämlich unserer Welt, wird das Abenteuer mit origineller Situationskomik abgeschmeckt. Witzig auch die „Etymologie“ so manchen Heldennamens. Doch die Selbstironie wirkt unentschlossen – manchmal ist sie zu viel, manchmal zu wenig. Oder hatte gar Mattel das letzte Wort?

Alle waren sie im Gym

Travis Knight lässt Masters of the Universe immer noch das sein, was es immer schon war: Ein konfuses, etwas zu lang geratenes Arena-Gekloppe mit der Sehnsucht nach epischer Fantasy, und mit dem ernüchternden Blick auf die Tatsache, das die durchtrainierten Schwarzenegger-Rabauken nicht wirklich viel mehr sind als sie darstellen. Vielleicht muss man dafür die Zeichentrickserie kennen, und das ganze Drumherum. Davon aber ausgekoppelt bleibt nur Spielzeug, das lebendig wird. Hach, für ewige Buben irgendwie trotzdem ganz schön.

Masters of the Universe (2026)

Glennkill: Ein Schafskrimi (2026)

SO SCHAFSINNIG SIND WIEDERKÄUER

3,5/10


Anke Engelke und Bastian Pastewka leihen den Schafen ihre Stimme in Glennkill: Ein Schafskrimi© 2026 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.


ORIGINALTITEL: THE SHEEP DETECTIVES

LAND / JAHR: VEREINIGTES KÖNIGREICH, USA 2026

REGIE: KYLE BALDA

DREHBUCH: CRAIG MAZIN

CAST: HUGH JACKMAN, NICHOLAS BRAUN, EMMA THOMPSON, TOSIN COLE, MOLLY GORDON, HONG CHAU, NICHOLAS GALITZINE, CONLETH HILL, MANDEEP DHILLON

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): JULIA LOUIS-DREYFUS, CHRIS O’DOWD, BRYAN CRANSTON, REGINA HALL, PATRICK STEWART, BELLA RAMSEY U. A.

MIT DEN STIMMEN VON (SYNCHRO): ANKE ENGELKE, BASTIAN PASTEWKA U. A.



Perlen vor die Schafe?

„Ja natürlich, Schweinderl!“, sagt der Vorzeige-Bio-Bauer im Werbespot einer Vorzeige-Bio-Marke, während er mit seinem Ferkel spricht. Und ja: Er kann, was Schafhirte George Hardy nicht kann. Nämlich mit den Tieren reden. Trotz allem aber geht er davon aus, sie würden ihn verstehen, wenn er sich allabendlich vor die Tür seines mobilen Zuhauses setzt und seinen wolligen Untertanen aus diversen Schnulzenromanen vorliest, worunter sich auch ein Kriminalroman mischt, der womöglich schamlos von den Werken einer Agatha Christie abgekupfert hat und weismachen will, das die narrative Stereotypie der Genre-Belletristik den Realitätscheck besteht.

Was Buch und Film gemeinsam haben? Schafe!

Womöglich liest er den Tieren auch vor, weil er sonst niemanden hat, wer weiß. Viel Zeit zum Selbstreflektieren wird der Gute aber nicht mehr bekommen, segnet er doch alsbald auf brutale Weise das Zeitliche. Im Bestseller-Roman von Leonie Swann steckt dem netten Kerl ein Spaten in der Brust – im Film ist es Gift. Was zeigt, wie viel Drehbuchautor Craig Mazin und Regisseur Kyle Balda (Animator bei Illumination, Macher von Minions) von einer werkgetreuen Umsetzung halten. Unterm Strich nicht viel.

Ein Film wie Schäfchenzählen

Was Mazin und Balda getan haben, ist, dieser kriminalistischen Tierfabel alle Ecken und Kanten zu nehmen und einen familientauglichen Film zu kreieren, der in seiner Verwässerung der Dinge ungefähr so gut funktioniert wie das allabendliche Schäfchenzählen, wenn man nicht einschlafen kann. Tatsächlich mischt sich im Film eine solche Szene ins Geschehen, und zugegeben ist diese die beste der ganzen Laufzeit, wenn nach dem Mord an Schäfer George Hardy der Schafbestand durchgezählt werden muss und jener, der zählt, plötzlich das müde Auge bekommt. Was der Gag darstellt, ist im Film Programm. Viel essen sollte man davor jedenfalls nicht.

Die Banalisierung einer Fabel

Prinzipiell sollen Buch und Film unterschiedlicher nicht sein dürfen. Den Anspruch, Verfilmungen nur akkurat umzusetzen, und zwar fast schon Wort für Wort, den erhebe ich gar nicht. Manchmal aber ist es ratsam, das doch zu tun, wie im Falle von Glennkill: Ein Schafskrimi. Was fehlt oder verändert wurde ist genau das, was die Vorlage womöglich so attraktiv macht.

Der Witz an der Geschichte liegt schließlich an einem den Tierklischees zuwiderlaufenden Zynismus, der die Gepflogenheiten der denkenden Zweibeiner widerspiegelt. Im Film ist dieser Faktor ausgehebelt, die Schafe lösen den Fall auch nicht mehr selbst. Zwischen all den flach konturierten Figuren schmeisst Nicholas Braun die Show – ein Polizist mit zwei linken Händen, der erst aus sich herausgehen muss und wohl eher zur Entourage von Tierarzt James Herriot aus Der Doktor und das liebe Vieh passt. Doch er tut, was er kann.

Niedliches Beiwerk auf der Wiese

Die Tiere, die allesamt, das muss man zugeben, vorzüglich animiert sind und nur selten den Anschein erwecken, sie hätten die Gravitation mitsamt des eigenen Bewegungsapparates nicht im Griff, werden zu ansehnlichem Beiwerk degradiert, das, so wie Schäferhund Rex aus den TV-Krimis, gerade mal helfend zur Hand geht.

Ihrer Gesellschaft, die die Fähigkeit besitzt, auf Drei unliebsame Ereignisse zu vergessen, eine bedeutende Meta-Ebene anzudichten, die sich mit philosophischen Weltüberlegungen auseinandersetzt, erscheint mir schöngeredet. Die Idee ist nett, mehr aber auch nicht. So wie das enervierende „Winterschaf“, dass dem Schweinderl aus der Vorzeige-Bio-Werbung im Fernsehen alle Ehre macht und womöglich dort gerne einspringen würde, weil es doch diesen Niedlichkeitsfaktor besitzt – und Niedlichkeit, die schützt vor allen widrigen Einflüssen.

Die seltsamen Wege eines Krimi-Plots

Den Vogel abgeschossen – oder sagen wir lieber: das Fell des Schafes geschoren hat der Film wohl mit seinem hanebüchenen Krimiplot, der besagten Nicholas Braun zum Hercule Poirot einer englischen Dorfgemeinschaft macht, warum auch immer. Mit der Qualität eines Rätsel-Adventkalenders hält der Fall eine Auflösung parat, für die man sich im wahrsten Sinne des Wortes die Haare raufen muss.

Glennkill: Ein Schafskrimi (2026)