Glennkill: Ein Schafskrimi (2026)

SO SCHAFSINNIG SIND WIEDERKÄUER

3,5/10


Anke Engelke und Bastian Pastewka leihen den Schafen ihre Stimme in Glennkill: Ein Schafskrimi© 2026 Amazon Content Services LLC. All Rights Reserved.


ORIGINALTITEL: THE SHEEP DETECTIVES

LAND / JAHR: VEREINIGTES KÖNIGREICH, USA 2026

REGIE: KYLE BALDA

DREHBUCH: CRAIG MAZIN

CAST: HUGH JACKMAN, NICHOLAS BRAUN, EMMA THOMPSON, TOSIN COLE, MOLLY GORDON, HONG CHAU, NICHOLAS GALITZINE, CONLETH HILL, MANDEEP DHILLON

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): JULIA LOUIS-DREYFUS, CHRIS O’DOWD, BRYAN CRANSTON, REGINA HALL, PATRICK STEWART, BELLA RAMSEY U. A.

MIT DEN STIMMEN VON (SYNCHRO): ANKE ENGELKE, BASTIAN PASTEWKA U. A.



Perlen vor die Schafe?

„Ja natürlich, Schweinderl!“, sagt der Vorzeige-Bio-Bauer im Werbespot einer Vorzeige-Bio-Marke, während er mit seinem Ferkel spricht. Und ja: Er kann, was Schafhirte George Hardy nicht kann. Nämlich mit den Tieren reden. Trotz allem aber geht er davon aus, sie würden ihn verstehen, wenn er sich allabendlich vor die Tür seines mobilen Zuhauses setzt und seinen wolligen Untertanen aus diversen Schnulzenromanen vorliest, worunter sich auch ein Kriminalroman mischt, der womöglich schamlos von den Werken einer Agatha Christie abgekupfert hat und weismachen will, das die narrative Stereotypie der Genre-Belletristik den Realitätscheck besteht.

Was Buch und Film gemeinsam haben? Schafe!

Womöglich liest er den Tieren auch vor, weil er sonst niemanden hat, wer weiß. Viel Zeit zum Selbstreflektieren wird der Gute aber nicht mehr bekommen, segnet er doch alsbald auf brutale Weise das Zeitliche. Im Bestseller-Roman von Leonie Swann steckt dem netten Kerl ein Spaten in der Brust – im Film ist es Gift. Was zeigt, wie viel Drehbuchautor Craig Mazin und Regisseur Kyle Balda (Animator bei Illumination, Macher von Minions) von einer werkgetreuen Umsetzung halten. Unterm Strich nicht viel.

Ein Film wie Schäfchenzählen

Was Mazin und Balda getan haben, ist, dieser kriminalistischen Tierfabel alle Ecken und Kanten zu nehmen und einen familientauglichen Film zu kreieren, der in seiner Verwässerung der Dinge ungefähr so gut funktioniert wie das allabendliche Schäfchenzählen, wenn man nicht einschlafen kann. Tatsächlich mischt sich im Film eine solche Szene ins Geschehen, und zugegeben ist diese die beste der ganzen Laufzeit, wenn nach dem Mord an Schäfer George Hardy der Schafbestand durchgezählt werden muss und jener, der zählt, plötzlich das müde Auge bekommt. Was der Gag darstellt, ist im Film Programm. Viel essen sollte man davor jedenfalls nicht.

Die Banalisierung einer Fabel

Prinzipiell sollen Buch und Film unterschiedlicher nicht sein dürfen. Den Anspruch, Verfilmungen nur akkurat umzusetzen, und zwar fast schon Wort für Wort, den erhebe ich gar nicht. Manchmal aber ist es ratsam, das doch zu tun, wie im Falle von Glennkill: Ein Schafskrimi. Was fehlt oder verändert wurde ist genau das, was die Vorlage womöglich so attraktiv macht.

Der Witz an der Geschichte liegt schließlich an einem den Tierklischees zuwiderlaufenden Zynismus, der die Gepflogenheiten der denkenden Zweibeiner widerspiegelt. Im Film ist dieser Faktor ausgehebelt, die Schafe lösen den Fall auch nicht mehr selbst. Zwischen all den flach konturierten Figuren schmeisst Nicholas Braun die Show – ein Polizist mit zwei linken Händen, der erst aus sich herausgehen muss und wohl eher zur Entourage von Tierarzt James Herriot aus Der Doktor und das liebe Vieh passt. Doch er tut, was er kann.

Niedliches Beiwerk auf der Wiese

Die Tiere, die allesamt, das muss man zugeben, vorzüglich animiert sind und nur selten den Anschein erwecken, sie hätten die Gravitation mitsamt des eigenen Bewegungsapparates nicht im Griff, werden zu ansehnlichem Beiwerk degradiert, das, so wie Schäferhund Rex aus den TV-Krimis, gerade mal helfend zur Hand geht.

Ihrer Gesellschaft, die die Fähigkeit besitzt, auf Drei unliebsame Ereignisse zu vergessen, eine bedeutende Meta-Ebene anzudichten, die sich mit philosophischen Weltüberlegungen auseinandersetzt, erscheint mir schöngeredet. Die Idee ist nett, mehr aber auch nicht. So wie das enervierende „Winterschaf“, dass dem Schweinderl aus der Vorzeige-Bio-Werbung im Fernsehen alle Ehre macht und womöglich dort gerne einspringen würde, weil es doch diesen Niedlichkeitsfaktor besitzt – und Niedlichkeit, die schützt vor allen widrigen Einflüssen.

Die seltsamen Wege eines Krimi-Plots

Den Vogel abgeschossen – oder sagen wir lieber: das Fell des Schafes geschoren hat der Film wohl mit seinem hanebüchenen Krimiplot, der besagten Nicholas Braun zum Hercule Poirot einer englischen Dorfgemeinschaft macht, warum auch immer. Mit der Qualität eines Rätsel-Adventkalenders hält der Fall eine Auflösung parat, für die man sich im wahrsten Sinne des Wortes die Haare raufen muss.

Glennkill: Ein Schafskrimi (2026)

Juliet, Naked

DER FAN IN MEINEM BETT

7,5/10

 

julietnaked© 2018 Thimfilm

 

LAND: USA 2018

REGIE: JESSE PERETZ

CAST: ROSE BYRNE, ETHAN HAWKE, CHRIS O’DOWD U. A.

 

Nerds können manchmal anstrengend sein. Über nichts lässt sich plaudern, außer über das Objekt der Begierde, der Lebenszeit verschlingenden Leidenschaft. Nerds können aber auch witzig sein, viel mehr belächelnd witzig, sodass der Lachende froh ist, nicht ganz so zu sein wie der, über den sich andere gerade amüsieren. Dieses Konzept hat bei The Bing Bang Theory eine Zeit lang gut funktioniert – und den Experten mit Tunnelblick für das Nicht-Wesentliche salonfähig gemacht. Nick Hornby hat sich auch damit beschäftigt. Also mit den Eigenheiten eines Fans. Noch dazu eines Fans, der in einer Beziehung lebt. Der hat in dessen komödiantischer Romanze ein unergründliches Faible für einen ganz gewissen Musiker, der irgendwie zum Mythos wurde, nachdem er nach wenigen Jahren des Ruhms plötzlich in der Versenkung verschwand. Einziger Hinweis über dessen Verbleib sind unscharfe Schnappschüsse, die ungefähr so aussagekräftig sind wie das Waldfoto von Bigfoot.

Tucker Crowe hieß also dieser geheimnisvolle Songwriter, und Lebensgefährte Duncan hat sich vor lauter Hingabe im häuslichen Keller eine Art Schrein errichtet, in welchem er den erdigen Balladen des Verschwundenen mit Hingabe lauscht und einen Fanblog unterhält, der gerade mal eine Handvoll Follower hat. Auch Freundin Annie liest mit, wagt leise Kritik an einem bisher unveröffentlichten Unplugged-Tape des Künstlers – und setzt damit eine ungewöhnliche Verkettung von Ereignissen in Gang, die Tucker Crowe auf der Bildfläche erscheinen lassen. Und zwar deutlicher, als manch einem lieb sein kann. Mitunter auch dem Fan selbst.

Wer sich an den literarischen Vorlagen von Nick Hornby vergreift, braucht sich um den Plot keine Sorgen mehr machen. Diese Bücher (die ich leider selbst noch nie gelesen habe) leben, wie es den Verfilmungen nach scheint, von recht unaufgeregt skurrilen, alltäglichen Verstrickungen und von kuriosen romantischen Konstellationen, vor allem Ausgangssituationen, die recht schnell und wortgewandt in die Substanz des Erzählten finden, ohne um den heißen Brei herumzustromern. Das war bei High Fidelity oder About a Boy schon der Fall, und das ist bei Juliet, Naked genauso. Wieder ist die Musik etwas, ohne der es sich nicht gut leben lässt, ist die nerdige Verspieltheit und ein irgendwie nicht ganz ernstzunehmender Ernst diversen geschmacksorientierten Schräglagen gegenüber Fokus dieser intellektuell angehauchten Boulevardkomödien. Schauspielerisch bietet sich hier einiges an Möglichkeiten, damit sich längst etablierte Stars nochmal fast intuitiv entfalten und auf komödiantisch tun können, ohne sich lächerlich zu machen. Denn Hornbys Komödien, die haben Niveau, Geschmack und Stil. Sind nicht hemdsärmelig, sondern gesprächsverliebt. Niemals mieselsüchtig, und wenn, dann höchstens trotzig, aber immer zuversichtlich. Genauso reagiert Rose Byrne auf den kuriosen Wink des Schicksals, der ihr Ethan Hawke nach Hause lotst – als Ex-Musiker im Gammel-Look, der in der Garage wohnt, nebenan die Exfrau, doch was tun bei einem gemeinsamen Kind? Irgendwas will der ehemalige Schwerenöter und Dauerbekiffte doch noch auf die Reihe bekommen. Und neben dem Filius könnte auch noch aus Anne ein neuer Lebensmensch werden. Dieser Versuch hat nun einige spaßige Situationskomik in petto, der souverän ergraute Ethan Hawke ist großartig, wie er versucht, sich händeringend all der Familie zu erwehren, die da die seine ist. Und spätestens wenn der Lieblingsschauspieler eines Richard Linklater zwischen Sonnenaufgang und -untergang eine rauchig-melancholische Version von Waterloo Sunset unter Keyboardbegleitung in die Runde schmettert, gehört Juliet, Naked ganz sicher zu meinen liebsten Komödien der letzten Zeit. Weil all die schmeichelnde Ironie dieses Films beweist, dass es auch ohne Slapstick und tiefer Kalauer gehen kann. Dass man einfach eine gute, kluge Geschichte braucht, um zu begeistern. Da muss man gar kein Fan sein, von irgendetwas. Und wenn doch, dann wäre es wohl besser, wenn die Person des öffentlichen Interesses weit genug wegbleibt, um die Wolke 7 aus Sehnsucht und Anbetung nicht abregnen zu lassen.

Juliet, Naked