The Nest

WENN ICH EINMAL REICH WÄR …

6,5/10


thenest© 2020 Ascot Elite Home Entertainment GmbH


LAND / JAHR: KANADA, GROSSBRITANNIEN 2020

BUCH / REGIE: SEAN DURKIN

CAST: JUDE LAW, CARRIE COON, OONA ROCHE, CHARLIE SHOTWELL, ADEEL AKHTAR, MICHAEL CULKIN U. A.

LÄNGE: 1 STD 47 MIN


Es ist nicht alles Gold, was glänzt hat schon bereits Wencke Myhre in ihrem Schlagerklassiker aus den Siebzigern festgestellt. Wie recht sie hatte: Wenn der Schein trügt, lässt sich das im Gegenlicht befindliche Dahinter kaum erkennen. Wer weiß, wie vielen Adabeis und Möchtegerns auf genau diese Weise die Luft ausgeht, während sie damit prahlen, alles zu haben, zu besitzen und sich noch mehr leisten zu können. Mit diesem Phänomen der äußeren Erscheinungsgabe setzt sich das exzentrische Drama The Nest auseinander. Dem Filmtitel nach mag sich das vielleicht nach einem Psychothriller anhören, denn alles, was irgendwie, im filmischen Gesellschaftskontext vor sich hin nistet, einer ungesunden Wucherung gleich irgendwann an die Oberfläche sickert.

Und wer wäre für diese Rolle des Blenders und über seine Verhältnisse lebenden Gierschlunds nicht besser geeignet als ein bereits als Pontifex ölig aufspielender Jude Law? Vielleicht Leonardo DiCaprio, aber der hat in The Wolf of Wall Street nicht nur geprahlt, sondern auch kassiert, während hingegen dieser charismatische Mann mittleren Alters das Füllhorn an Mammon einfach nur gerne hätte. Dafür scheint ihm jedes Mittel recht. Und dafür scheint er auch seine liebe Gattin und seine zwei Kinder entsprechend geschickt bezirzen zu können. Denn der in den USA lebende Geschäftsmann wittert in Großbritannien das ganz große Los. Dafür stürzt er sich natürlich in gewisse Schulden, um ein Landhaus anzumieten, dass so aussieht, als hätten die Windsors an Immobilien schon genug. In diesen holzgetäfelten vier Wänden mit gotischen Fenstern und dunklen Treppen, dem Nest also, scheint der grenzenlose Reichtum ja ähnlich wie in Dagoberts Geldspeicher nur mehr eine Frage der Zeit. Doch die Zeit schafft letzten Endes Not, und bald fehlt es vorne und hinten. Was Jude Law – im Gegensatz zum Rest seiner Familie – nicht wahrhaben will, steht doch eine Firmenfusion ins Haus, die satte Boni bringt.

Reich zu werden ist nicht schwer, reich zu sein hingegen sehr. Denn wie das Vermögen halten, wenn nichts nachkommt? Jude Laws Rolle als Prototyp eines nimmermüden, ewigen Yuppie – ganz so wie der bekannte „ewige Student“ – wahrt in diesem sehr geschmackvoll fotografierten, mit viel Licht und Schatten dank des verwinkelten Herrenhauses arbeitenden Dramas sehr lange das falsche Gesicht, und man ahnt anfangs nur vage, dass hier irgend etwas faul zu sein scheint. Schleichend nähert sich in düsteren Metaphern wie die des Todes und dem Andeuten körperloser Präsenzen das Unbehagen einer Lebenslüge, und stellenweise könnte man meinen, in einem Werk von Daphne du Maurier gelandet zu sein. Ähnlich wie in ihrem Werk Rebecca schleicht auch hier das Misstrauen in den Gängen des letzten Endes in Flammen aufgehenden Schlosses herum. In The Nest vermengt Autorenfilmer Sean Durkin seine ansatzweise dem Gothic-Roman zugewandte Idee einer ungewöhnlichen Storyline mit dem schwelenden Konflikt einer dysfunktionalen Familie, die den Schein irgendwann satt hat.

Für Freunde subtil erzählter existenzieller Schräglagen, die aber so gut wie gar nicht den tadelnden Finger heben, ist The Nest auf seine Art eine Genugtuung, die den sodbrennenden Ekel vor so manchen aufplusternden Angebern lindert. Weiterhin gilt die Vermutung, das bei vielen nichts dahintersteckt.

The Nest

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