Exit 8 (2025)

FINDE DEN FEHLER!

6/10


Yamato Kôchi im Mysterythriller Exit 8
© 2025 ”Exit 8” Film Partners


LAND / JAHR: JAPAN 2025

REGIE: GENKI KAWAMURA

DREHBUCH: GENKI KAWAMURA, HIRASE KENTARO, NACH DEM GAME VON KOTAKE CREATE

KAMERA: KEISUKE IMAMURA

CAST: KAZUNARI NINOMIYA, YAMATO KÔCHI, NARU ASANUMA, KOTONE HANASE, NANA KOMATSU U. A.

LÄNGE: 1 STD 35 MIN



So manchen U-Bahn-Ausgang hat man selbst schon nicht gleich auf Anhieb gefunden, insbesondere wenn man in einer fremden Metropole als Tourist oder geschäftlich unterwegs ist und dabei die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. In London oder in Moskau ist die Mitfahrgelegenheit im Untergrund gefühlt nahe am Erdkern, anderswo windet man sich wie in einem Labyrinth um unzählige Ecken, nimmt Abzweigungen und Rolltreppen, um zum Ziel zu gelangen. Anders wird einem auch dann, wenn vertraute Arbeitswege ganz plötzlich in einer Möbius-Schleife enden. Gibt es denn da einen Ausweg? Bei Möbius-Schleifen nicht, denn der Weg darauf ist unendlich.

Da will doch nur jemand spielen

So unendlich wie jene U-Bahn-Passage, in der ein namenloser junger Mann feststeckt und verzweifelt nach dem Ausgang Nummer 8 sucht. Das Ganze beginnt noch recht vertraut, zuerst noch weist ein Schild zum Ausgang Zero hin, doch selbst der erscheint nie. Stattdessen kommt diesem Mann, der eigentlich unterwegs zu seiner Freundin ist, die kurz vor der Entbindung steht, und der nicht weiß, ob er sich nun dazu bekennen soll, Vater zu sein oder nicht, immer wieder derselbe Passant entgegen: Ein Geschäftsmann mit einem Koffer in der linken, einem Mobiltelefon in der rechten Hand, stur geradeaus blickend und auf keinen Zuruf reagierend.

Langsam wird klar: Ein Entkommen gibt es nur, wenn sich der werdende Vater im ewig gleichen U-Bahn-System zu Exit 8 hocharbeitet. Schließlich prangen die Spielregeln unübersehbar auf einer Tafel: Findet er Anomalien, muss er zurück, findet er keine, geht es weiter. Rutschbahn und Leiter? Ja, nur ohne Würfelglück, sondern mit dem Auge eines Haftelmachers. Oder: Exit 8 ist wie ein Bilderrätsel, auf dem acht Fehler unbekannter Art versteckt sind.

Tunnelblick mal anders

Der japanische Filmemacher und Autor Genki Kawamura, der mit seinem Roman Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden – ein Buch, das man nicht verfilmen kann – schon einen Bestseller geschrieben hat, widmet sich nun der Verfilmung des Computerspiels Exit 8, in dem man immer wieder durch einen weiß gekachelten, mehrmals geknickten Tunnel-Abschnitt wandert. Jedes Mal ist irgendetwas anders – oder auch nicht. Das mag eine launige Horror-Challenge sein, denn manchmal geht auch das Licht aus und ganz plötzlich steht der Geschäftsmann, der sonst sowieso nie reagiert, breit grinsend hinter dir.

Creepiness, die im Trend liegt

Kawamura hat dieses Mindfuck-Abenteuer eines labyrinthartigen Horrors gerade zur rechten Zeit inszeniert, in der so manche Creepypasta, die im Internet kursiert, auf Kinotauglichkeit untersucht wird. Darunter eben Nick Parsons‘ Backrooms-Legenden, die eben erst erfolgreich das Licht der Leinwand erblickten.

Mystery, die sich nicht erklären lässt, hat eine Zeit lang die Stranger Things-Furore erklärt – bis dort aufgeklärt wurde, was man nicht hätte aufklären müssen. Zum Glück gibt Exit 8 genauso wie Backrooms das Geheimnis hinter seinem Schleifen-Horror sowieso nicht preis. Auch nicht, was entscheidend dafür ist, um in diesen Parcours zu tappen. Kawamura erzählt dieses seltsame Phänomen eines urbanen „Escape Rooms“, der mitten im Alltag auf x-beliebige Menschen hereinbricht, aus unterschiedlichen Perspektiven. Würde er das nicht tun, hätte der ganze Plot für einen Spielfilm einen viel zu kurzen Atem; dann wäre Exit 8 ein Kurzfilm geworden, ein kleines, beklemmendes Filmchen, eine Anekdote zum Thema psychologische Manifestation.

Such doch einfach selbst!

Den Mitmachfaktor hat Backrooms nicht – Exit 8 hingegen schon. Man darf also selbst rätseln, was wohl beim nächsten Mal anders läuft – ist es der Mona-Lisa-Effekt auf den Werbeplakaten oder eine verkehrte Ziffer? Mutierte Ratten oder Blut an den Wänden, das auf Weiß immer gut kommt?

Eine Meta-Ebene hat das Ganze ohnehin nicht, und eine solche müsste man auch gar nicht anstreben – doch Kawamura tut es. Letztlich aber lässt sich dieses Szenario gar nicht in diese Richtung biegen. Jeder innere Konflikt, der in Exit 8 von den Auserwählten für das Spiel eben dort hineingetragen wird, bleibt ein dekoratives Add-On ohne Funktion. Klar, man versteht schon, was es zu erreichen gilt, doch wirkt genau das im Gegensatz zu den strengen Regeln in diesem Spiel allzu willkürlich und austauschbar.

Exit 8 (2025)

47 Meters Down: Uncaged

WIR SIND JUNG UND BRAUCHEN DEN KICK

5,5/10

 

47metersdown_uncaged© 2019 Concorde

 

LAND: USA 2019

REGIE: JOHANNES ROBERTS

CAST: SOPHIE NÉLISSE, CORINNE FOX, BRIANNE TJU, SISTINE ROSE STALLONE, JOHN CORBETT, NIA LONG U. A.

 

Wie oft nur muss man das diesen jungen Leuten denn noch verklickern? So ähnliches lernt der Mensch doch schon als Kind: Messer, Gabel, Scher´ und Licht…. Später dann die Baderegeln beim Schulschwimmkurs: Springe niemals in unbekannt Gewässer, nebst vollem Magen und all das übrige. Später dann beim Tauchschein: Unerforschte Höhlen sind tabu. Zumindest haben sie das Buddy-Prinzip berücksichtigt, diese vier Girlies, die sich im brütend heißen Tropensommer auf Yucatan in einem Waterhole mitten im Dschungel vergnügen. Und da ist da noch die Taucherausrüstung eines Forscherteams, das gerne gehabt hätte, dass Bikinischönheiten sich nicht an den bereits fein säuberlich arrangierten Gegenständen vergreifen. Kinder, das kostet alles Geld! Aber wo kein Kläger, da kein Richter. Und wo augenscheinlich keine Gefahr, lässt sich durchaus auch mit dem Adrenalinspiegel die Sonne reflektieren. Ganz in der Nähe gibt’s nämlich eine versunkene Maya-Nekropole. Eine kleine Ehrenrunde ziehen in diesem völlig unerforschten Areal kann ja niemanden schaden? Nein, natürlich nicht, niemanden außer euch ;-). Denn was haben wir gelernt: Unbekanntes Terrain, Höhlentauchen…? Das Ganze ohne Flossen natürlich, wer braucht die schon?

Man lernt nur aus Erfahrung, also schmeissen sich unsere Galgenvögel in die Tarierjackets und los geht’s. Wir wissen schon angesichts des Titels 47 Meters Down: Uncaged, dass dieser dreiste Abstecher zum Verhängnis werden wird. Denn die vier sind nicht allein. Monströse Höhlenhaie treiben ihr Unwesen. Und wie das mit dem blinden Huhn und dem Korn eben so ist, schafft es auch ein Knorpel wie dieser hier im Film, sein Frühstück zu organisieren.

Johannes Roberts, Alptraummärchenerzähler für Taucher und Hai-Phobiker, hat es wieder getan. Nach seinem raffinierten Erstling 47 Meters Down, in dem es tatsächlich so viele Meter nach unten ging, dümpeln nun seine schadenfroh belächelten Opfer nicht ganz so tief in der Salzsuppe. Taucherkrankheiten sind diesmal nicht das große Übel, wenigstens ist die Nullzeit auf der Habenseite. Das Übel resultiert diesmal aus der vollkommenen Desorientierung in unbekanntem Gebiet. Klaustrophobie und Leute, die beim Tauchen bereits so ihre Panikmomente hatten, seien vielleicht vor einem Flashback gewarnt. Dazwischen fiese Fische und auch so manche Strömung, die natürlich frei nach dem Bernoulli-Effekt stärker wird, je schmäler die Durchgänge sind. Sauerstoff wird logischerweise auch ziemlich knapp, und interessanterweise nimmt Roberts das mit der kontinuierlichen Abnahme selbigem trotz luftverzehrendem Wimmern hinter den Atemmasken nicht ganz so genau. Im Film lässt sich das ja machen, doch man sollte aufpassen, den Zuseher nicht ganz so sehr für dumm zu verkaufen. Nach allen Gesetzen der Logik wäre der Film womöglich ein kurzer Spaß. Oder aber es wäre gar nichts passiert, denn Haie verhalten sich normalerweise auch nicht so wie diese hier. Das sind aber auch zugegeben erschreckende Biester, da gewinnt Spielbergs Weißer Hai ja geradezu einen Schönheitswettbewerb.

Doch allen Meckereien und der fehlenden psychologischen Raffinesse zum Trotz ist 47 Meters Down: Uncaged womöglich einer der Filme, die man zum unterhaltsamen Zerstreuungs-Thrill kurz vor dem bevorstehenden Urlaub, wenn alles schon gepackt ist, auf die Liste setzen kann. Dazu vielleicht einen oder zwei Tequila.

47 Meters Down: Uncaged