Toy Story 5 (2026)

DENN SIE WISSEN NICHT, WIE MAN SPIELT

4/10


Jessie, Buzz und Woody begegnen Lilypad in Toy Story 5© 2026 Disney/Pixar. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: ANDREW STANTON

DREHBUCH: ANDREW STANTON, MCKENNA HARRIS

KAMERA: MATT ASPBURY, JEAN-CLAUDE KALACHE

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): JOAN CUSACK, TIM ALLEN, TOM HANKS, GRETA LEE, CONAN O’BRIEN, ERNIE HUDSON, ALAN CUMMING, BLAKE CLARK, SCARLETT SPEARS, MYKAL-MICHELLE HARRIS U. A.

MIT DEN STIMMEN VON (DEUTSCHE SYNCHRO): CAROLIN HARTMANN, MICHAEL „BULLY“ HERBIG, WALTER VON HAUFF, MARKUS PFEIFFER, RICK KAVANIAN, LAURA MAIRE, GERY SEIDL U. A.

LÄNGE: 1 STD 42 MIN



Statt „Denn sie wissen nicht, wie man spielt“ könnte der Titel für meine Review auch etwas anders lauten: „Denn sie wissen nicht, wie man aufhört“. Diese Headline wäre auf all die Kinder gemünzt, die in Toy Story 5 das Spielen verlernt haben und längst in eine digitale Abhängigkeit gedriftet sind.

Wer nicht wagt, der gewinnt

Allerdings wäre diese Zeile auch eine berechtigte Kritik an jener, nach Margen gierenden Vorgehensweise gigantisch großer Filmstudios wie in diesem Fall Disney, die ihre Zitronen auch dann noch weiter auspressen, obwohl schon längst nichts mehr das Glas füllt. Das passiert mit den unsäglichen Realverfilmungen längst brillanter Stoffe. Das passiert mit dem kommenden sechsten Teil von Ice Age, obwohl der fünfte schon mau war, sowie dem fünften Teil von Shrek.

Was ordentlich Kohle lukriert hat, wird das auch weiterhin tun, denken sich die im Geldmachen geschulten Kaufleute, die das Sagen haben und natürlich nicht das geringste Risiko eingehen, das schließlich immer eingegangen werden muss, wenn neue Ideen oder neue Inhalte an den Start sollen. Die Hosen sind aber randvoll, und gewagt wird nichts, obwohl trotzdem gewonnen werden will. Also nochmal Toy Story – nochmal eintauchen in einen wunderbaren Kosmos, der 1995 das Tor in eine neue Welt aufgestoßen hat: nämlich die des komplett computeranimierten Langfilms, dem nicht nur daran gelegen hat, seine technische Raffinesse zu präsentieren, sondern gleichsam auch, eine starke Geschichte zu erzählen – mit komplexen Charakteren, Tiefgang und ordentlich Herz. Cowboy Woody, Raumfahrer Buzz Lightyear und all die anderen, die in den Kinderzimmern der amerikanischen Welt immer erst dann ihr Eigenleben weiterleben können, wenn sie sonst kein Mensch beobachtet.

Diese Idee zählt überhaupt zu einer der besten – auch im vierten Aufguss ist es immer noch witzig, wenn das Spielzeug erstarrt. Fast schon wie der Zustand eines Quantenteilchens, das nur dann präzise wird, wenn man es misst. Doch so gerne man diese Teppichbodenrabauken – von Dino über Sparschwein bis zum Göffel – immer mal wieder zu Gesicht bekommt, so sehr wünscht man sich, diese Gegenstände würden endlich mit ihrer Existenz im Reinen sein.

Kindliche Stereotypen im Trend

Doch falsch gedacht: Andrew Stanton hatte die Aufgabe, hier nochmal in medias res zu gehen, was ihm scheinbar schwerfiel, denn was soll er noch anderes erzählen außer von einer stetig im Wandel befindlichen Kindheit, vom Erwachsenwerden, von Vergänglichkeit und dem Wert des Spielens? Was noch, ohne sich an den Zeitgeist binden zu müssen?

Schon längst treibt den Weltwohlstand die Sache mit den sozialen Medien um, die Bildschirmzeit für Kids und die ganze Suchtgefahr. Klar muss sich Disney da zu Wort melden, doch scheint sich Stanton dabei bereitwillig an edukativem Schulfernsehen zu orientieren, das leicht interpretierbare Fallbeispiele liefern soll. Alles gut, alles recht – doch ideenreich ist das nicht.

Toy Story 5 wird zum Kinderfilm und verzichtet diesmal darauf, soziale Konfliktebenen aus der Erwachsenenwelt auf die Miniaturwelt einer Spielzeuggesellschaft zu projizieren. Was dann durchbricht, sind Stereotypen. Dort der schüchterne und leicht beeinflussbare Volksschulcharakter – da die rustikale Pferdenärrin, die Unterhaltungselektronik sinnvoller nutzt. Dazwischen das Spielzeug, das nicht weiß wie ihm geschieht bei all der Technik, den Tablets und der Ignoranz der Kinder, die nur noch klicken, wischen und downloaden.

Weniger ist nicht mehr Mehr

Stanton gibt sich obendrein einem erzählerischen Multitasking hin, das die ohnehin schon rastlos-quirlige Turbulenz zusätzlich noch hochschraubt. Das gleiche Problem hatte Minions & Monster. Keine Ahnung, was die Verantwortlichen fürs Skript über die Illumination-Helferleins da bewogen hat, all diese Sidestories aufzuziehen. Und vor allem: welcher Art.

Der Fokus ging dort flöten, und er flötet auch bei Toy Story 5, während gestrandete WLAN-Lightyears dem Licht der Sterne folgen. Immerhin kumuliert auch diese Nebenhandlung im Laufe des Films mit dem roten Faden der Geschichte.

Dabei erschließt sich kaum noch, welche Relevanz Woody und Lightyear haben, die ungefähr genauso viel leisten wie die alten Ghostbusters im ersten Reboot-Film. Im Zentrum steht diesmal Cowgirl Jessie, sie hat den Mental Load und die ganze Care-Arbeit – sie kümmert sich, während alle anderen den Bildschirm verschönern. Obendrauf gesellen sich so einige neue Charaktere dazu, die allesamt durcheinanderreden und bis zur ersten Ermüdungserscheinung entertainen, was das Spielzeug hält. Der Töpfchen-Support namens Schlauberger hätte da gereicht.

Repetitive Existenzkrisen

In Toy Story 5 kocht jede(r) sein Süppchen, Ego-Konflikte bleiben ohne Pointen und die Action wirkt nicht nur angestrengt – sie strengt auch an. Die kleine Lightyear-Kompanie ist auch noch irgendwohin unterwegs und sowieso muss wieder mal irgendwer aus anderen Kinderzimmern gerettet werden. Das alles hat man schon gefühlt zehnmal durch. Dass kreatives Spielen etwas Besonderes ist und das Spielzeug, sofern es keine Verschleißerscheinungen zeigt, immer wieder neu anfangen muss, weil es dann ewig lebt, hatten wir spätestens schon in Teil Zwei. Toy Story 5 weiß da nichts Neues mehr, und ist folglich auch der mit Abstand schwächste Teil einer sonst formidablen Reihe.

Dem Publikum scheint’s aber egal zu sein. Oder der Begriff Toy Story ist einfach zu legendär, um dem liebgewonnenen Spielzeug aller Meinungen zum Trotz nicht die Ehre zu erweisen.

Toy Story 5 (2026)

Die Addams Family 2

THANK GOD IT’S WEDNESDAY

4/10


addamsfamily2© 2021 Universal Pictures Entertainment


LAND / JAHR: USA, KANADA 2021

REGIE: CREG TIERNAN & CONRAD VERNON

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): OSCAR ISAAC, CHARLIZE THERON, CHLOË GRACE MORETZ, JAVON WALTON, BETTE MIDLER, NICK KROLL, WALLACE SHAWN U. A.

MIT DEN STIMMEN VON (SYNCHRO): ALEXANDER DOERING, KATHRIN FRÖHLICH, LUISA WIETZOREK, MICHAEL IWANNEK, TOMMY MORGENSTERN U. A.

LÄNGE: 1 STD 33 MIN


Christoph Grissemann würde sagen: Die Sitcom für die ganze kaputte Familie. Und ja, in so abseitiger Manier lassen sich kaum drei Generationen, die tatsächlich von sich behaupten, eine Familie zu sein, unter einem Dach vereinen. Wobei: kaputt prinzipiell ja nichts Schlechtes sein muss – kommt ganz drauf an, wie man damit umgeht. Und wie sehr man seinen und den psychischen Schaden der anderen Mitbewohner toleriert. Diese Toleranz kann sich direkt zum Respekt mausern – und so nehmen die Addams jeden ihrer Mitglieder so, wie er ist, wundern sich über nichts mehr und begrüßen es auch entsprechend, wenn sich niemand mehr über sie selbst wundert. Der Cartoon-Zeichner Charles Addams hatte damals in den 30ern des 20. Jahrhunderts damit begonnen, die womöglich autobiographisch gefärbte Gothic-Version seiner eigenen Sippschaft zu illustrieren und diese Abenteuer erleben zu lassen, die vorrangig damit zu tun haben, bigottes Spießbürgertum zu echauffieren.

Was sich Addams da einfallen hat lassen, ist längst Kult. Eine Retro-Sitcom in Schwarzweiß und zwei recht gelungene Kino-Ausflüge haben Mortícia, Onkel Fester oder Butler Lurch längst die verdiente Ehre erwiesen, und sehr bald wird Tim Burton das tun, was er schon längst hätte tun sollen: nämlich die ganze kaputte Familie endlich selbst zu inszenieren. Mit Dark Shadows ist ihm so etwas Ähnliches gelungen, doch den morbid-schrulligen Charme hatte der Film nicht. Sein Hauptaugenmerk wird auf den eigentlichen Star der ganzen Bande liegen – auf Wednesday – seinerzeit genial verkörpert von Christina Ricci. Diesmal wird, wie man bereits im Teaser sehen kann, Jenna Ortega (X) die pechschwarzen Zöpfe schwingen.

Vergessen darf man aber auch nicht, dass selbst im Genre des Animationsfilms die Antithese der braven, bürgerlichen Familie sein Understatement such schon abgegeben hat. Nur dort scheint das Konzept nicht so recht aufgehen zu wollen. Zumindest nicht so wie zum Beispiel beim Personal des Hotels Transsilvanien. Vielleicht, weil letzteres keine anders gearteten Vorbilder hat und auch nicht auf eine solche Menge an Fernsehauftritten im Live-Act zurückblicken kann. Nicht jedes Konzept funktioniert in jedem Medium auch nicht immer gleich gut. Jenes der Addams Family zum Beispiel tut das nicht. In Schauspielern aus Fleisch und Blut scheint die Idee der pragmatisch veranlagten Spukhausbewohner mit Hang zu morbiden Experimenten ihre Erfüllung zu finden – im animierten Stil verliert sich der Charme nicht nur aufgrund des gemüseförmigen Zeichenstils der Figuren, die an jene der Originalcartoons angelehnt sind (was sie nicht besser macht), sondern ergeht sich zu gern in generischem Klamauk, den die Transsilvanier bereits für sich und besser beansprucht haben.

Das Problem dabei: Die Einzige, die noch ansatzweise ihrem ursprünglichen Charakter entspricht, ist Wednesday. Auf Wednesday lässt sich jeglicher Plot aufbauen, sie ist das Zugpferd der ganzen kleinen Franchise – egal, was man hier dazugibt. Diesmal scheint der sadistische Sprössling gar nicht mal zur Familie zu gehören. Der Verdacht, dass Wednesday bei der Geburt vertauscht wurde, macht sich breit. Entsprechend separatistisch führt sich das Mädel auf, und die Familie tut alles, was sie kann, um ihr Töchterchen wieder zurückzubekommen. Im Grunde eine Abwandlung des ähnlichen Themas mit Onkel Fester, was wir bereits hatten. Nur täuschen der routinierte Slapstick und die viel zu gehetzte Action über einen Mangel an Ideen hinweg, angesichts diesen sich die Addams selbst wohl akut gelangweilt fühlen würden. Denn nichts verachten sie mehr als das Gewöhnliche.

Die Addams Family 2