Der Prinz aus Zamunda 2

DES KÖNIGS NEUER BASTARD

3,5/10


zamunda2© 2021 Amazon Prime Video / Paramount


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: CRAIG BREWER

CAST: EDDIE MURPHY, ARSENIO HALL, SHARI HEADLEY, JERMAINE FOWLER, KIKI LAYNE, LESLIE JONES, TRACY MORGAN, WESLEY SNIPES, JAMES EARL JONES, MORGAN FREEMAN U. A. 

LÄNGE: 1 STD 44 MIN


Wie weit liegt wohl das Königreich Wakanda vom Königreich Zamunda auf dem Globus der Popkultur entfernt? Womöglich unendlich weit. Oder aber der afrikanische Grabenbruch ist zur unüberwindbaren Schlucht geworden. Auf der einen Seite High-Tech bis zum Abwinken, auf der anderen Seite der gute alte, konservative Palaststaat, der sich in den letzten 30 Jahren kein bisschen weiterentwickelt hat. Das also ist Zamunda. Ein Ort, reich an rhythmischer Fake-Folklore für die sommerliche Bühnenshow in Hintertupfing, damit die dort auch wissen, was Afrika eigentlich ausmacht. Prächtig, dieser Schmuck. Prächtig sogar der übergeschnappte Diktator aus dem Nachbarstaat mit Sonnenbrille, barockem Ordenswams und tänzelnden Schritten. Mittendrin in diesem Kostümball: Eddie Murphy, der laut einem Interview in cinema wirklich nichts weniger möchte, als mit einem seiner letzten „Gurkenfilme“ (O-Ton Murphy) aus dem Rampenlicht zu verschwinden.

Da fragt man sich: Eddie Murphy, was ist passiert? Du hattest bereits so ein tolles Werk in der Tasche, nämlich die Biopic Dolemite is my Name. Mit diesem Film bleibst du schon mal in guter Erinnerung. Der Prinz aus Zamunda 2 kann dann wohl der Qualität letzter Schluss aber nicht gewesen sein. Denn dieses sehr verspätete Sequel, gewidmet all jenen ab 40 aufwärts, posiert als eine Art Appendix des ersten Films aus dem Jahr 1988, ein Prolog sozusagen, der kurz mal Einblick gibt in den zamundanischen Hof, wobei wir beruhigt feststellen können, dass diese Liaison von damals wohl lang genug gehalten und uns auch einige Nachkommen beschert hat, die vielleicht, da weiblicher Natur, das starre Korsett der Traditionen zum Einsturz bringen könnten.

Zuerst mal geht das gar nicht – Frauen als Königinnen. Wo kämen wir denn da hin? Zumindest nicht nach Wakanda. Allerdings gibt’s da einen Bastard aus Queens, einen männlichen wohlgemerkt. Den muss sich Prinz Akeem (mittlerweile König nach einem Begräbnis seines Vaters zu Lebzeiten) unser seine Fittiche nehmen, sonst geht der Ministaat inmitten löwenreicher Savanne baden. Also nochmal nach Amerika, nochmal in den Friseursalon, nochmal kurz Culture Clash. Und keine Furcht vor schlüpfrigen Zoten, die so witzlos sind wie mancher Taxifahrer im Big Apple während der Stoßzeit.

Es ist erstaunlich, wie wenig Herzblut in diesem Film steckt. Ein stattlicher Cast mit so einigen bekannten Gesichtern und Pop-Cameos von Saltn´Peppa bis was weiß ich wohin kann nicht genug sein, vor allem dann nicht, wenn Craig Brewer versucht, mit seiner Sympathie für den schenkelklopfenden Komödienstil der 80er eigentlich das reaktionäre Gegenteil zu erreichen. Überdrehte Ulknudeln, Sauna-Kalauer unter älteren Sportsfreunden und der schläfrige Versuch, das alles mit einer RomCom zu verknüpfen, die gesellschaftspolitisch ausgeschlafen sein will. Eine fragwürdige Komödie, die man nach 10 Minuten gerne sein lassen würde, die aber, so seltsam es klingen mag, dank der vielen Werbung auf amazon prime fast ein schlechtes Gewissen erzeugt, würde man das tun. Also durch bis zum Ende, die vielen Latexgesichter von Murphy und Hall nochmal sehen – und sich wundern über so viel ungenutztes Potenzial. Dafür kann sich Eddie Murphy im Hinblick auf sein Schauspiel wirklich König nennen. Rarer Lichtblick: Filmtochter KiKi Layne, die als einzige begriffen hat, dass wir längst nicht mehr die Achtziger haben.

Der Prinz aus Zamunda 2

Der König der Löwen (2019)

AUDIENZ IN GRZIMEKS TIERWELT

7,5/10

 

koenigderloewen© 2019 Walt Disney Germany

 

LAND: USA 2019

REGIE: JON FAVREAU

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): DONALD GLOVER, JAMES EARL JONES, BEYONCÉ, CHIWETEL EJIOFOR, SETH ROGEN U. A. 

 

Vor ein paar Monaten erst lief die Realverfilmung eines fast schon antiken Klassikers aus dem Hause Disney in den Kinos – Dumbo. Tim Burton hat sich dafür auf den Regiestuhl gesetzt und ist die Umsetzung in dämmerungslichterner CGI-Optik und mit gänzlich anderer Geschichte angegangen. Darin eingebettet: ein famos animierter Elefant mit Riesenohren, von dessen ledriger Haut beim Schaumbad echte Bläschen perlen. Für den Sommer gibt es dann einen Blockbuster, der erstens mal das dem neuen Dumbo wohlgesonnene Publikum als auch Liebhaber pittoresker Großwildsafaris in die Kinos zu locken vermag: Die – sagen wir mal – reale Unplugged-Version von Der König der Löwen, ohnehin wohl erfolgreichster Zeichentrickfilm, mittlerweile auch schon über 20 Jahre alt und nicht nur zuletzt durch Elton Johns Circle of Life ein Augen- und auch Ohrenschmaus. Da sowieso eigentlich jeder Löwen mag, und Kinder sowieso auf Tiere stehen, und des weiteren viel zu wenige Universum-Dokus auf großer Leinwand laufen, ist diese marktanalytische Milchmädchenrechnung fast schon deppensicher. Von voreingenommener Skepsis mal abgesehen, da Der König der Löwen aus 1994 natürlich seine Fangemeinde hat und nicht so mir nichts dir nichts nachverfilmt werden kann. Dafür muss die nun brandaktuelle Interpretation alle und vielleicht auch ganz neue Stückchen spielen.

Neue spielt sie zwar nicht, aber alle. Zumindest mal optisch. Da würde ich gerne einen Blick hinter die Kulissen werfen, Teil des Produktionsteams sein, und wenn auch nur als Hospitant, um zu sehen, mit welchen Informationen die Hard- und Software arbeitet, um Bewegung, Physiognomie und Beschaffenheit diverser Tierarten so naturgetreu nachzubilden. Gut, es gibt einige Maler, die haben das schon lange praktiziert, allerdings unbewegt. Fotorealistische Bildnisse von Geparden, Antilopen, Tigern und so weiter. Wo zwei Blicke oft nicht reichen, um zu erkennen, dass es sich bei diesen Bildern um Gemälde handelt. Warum sollte das ein Computer nicht auch hinbekommen? Mit den nötigen Informationen zu Anatomie und Bewegung kann da schon gut und gerne eine Welt entstehen, die unserer sehr nahe kommt, und die sich so anfühlt, als säßen wir bei Bernhard Grzimek im Zebraflieger oder irgendwo im Busch, um waschechtes Wildlife zu beobachten. Als wäre wieder Dienstagabend und Universum würde sich einmal mehr einer beliebten Region unserer Erde widmen, nämlich dem Rift Valley. Wäre es notwendig gewesen, die Natur nachzugenerieren, nur weil die Technik es kann? Nicht, wenn keine Fabel erzählt werden will.

Diese ist ein Königsdrama in einer menschenlosen Welt, irgendwo zwischen Shakespeares Hamlet und Serengeti darf nicht sterben, und sogar eine Brise Black Panther ist dabei, im Grunde ja auch ein Spiel der Throne. Mit dieser genialen Animationstechnik lässt sich eben der böse Löwe Scar als böser Löwe darstellen, mit Narbe, sinistrem Augenspiel und fettiger Mähne. Wie man einen Bösen eben darstellt. Als zoologisch versierter Talent-Scout hätte man womöglich lange suchen müssen, um einen solchen Löwen tatsächlich zu finden. Scar in seinem Charakter und seiner machtgierigen Egomanie wie einst Richard III ist sowieso ein Highlight des Films, wenn nicht das Highlight überhaupt. Und dass ein Erdmännchen auf einem Warzenschwein sitzt, ist auch nur dann möglich, wenn die Einsen und Nullen dahinter menschliches Verhalten dulden. Also warum nicht Fotorealismus im Kino, warum nicht mit der Magie des Kopierens einer vertrauten Natur uns alle zum Staunen bringen? Mich hat es erstaunt, und es ist wie geglückte Illusionskunst, auch wenn ich mir das Making Of zumindest ansatzweise erklären kann. Das Drama selbst? Gut überschaubar, nicht auf Dichtheit getrimmt, nicht kompliziert, sondern angenehm geradlinig, wie in Disneys alten Klassikern. Wenn dann das opernhafte Finale auf der Felsenzunge hoch über der Savanne seinen Anfang nimmt, dann sind das mächtige Szenen, eines Königsdramas würdig, in denen der Tod an der Tafel sitzt, und wo das in Nacht getauchte Land vor Flammen lodert. Die sich windenden Muskelpakete der kraftstrotzenden Monarchen wirken wie schwerelos scheinende Skulpturen barocker Steinmetzkunst, ineinander verschlungen und fauchend, immer dann, wenn der Wind die Mähnen bauscht. Das ist großes Kino.

Weniger groß ist der Versuch, mit der Bildgewalt musikalisch mitzuziehen. Zumindest in der deutschsprachigen Synchro – und die auch nur, um den Nachwuchs nicht unnötig anzustrengen – liegt der Verdacht nahe, Helene Fischer am Mikro zu haben, das macht das Ganze deutlich weniger erdig und vielleicht auch etwas seifig, theoretisch ließe sich Elton Johns Welthit auch anders interpretieren. Wenn nicht unbedingt notwendig, dann empfiehlt sich Der König der Löwen im englischen Original ungeschaut eher als auf deutsch, und hätte ich den Film auf Englisch gesehen, wäre der Genuss einer ohne Abzüge, die ich fairerweise bringen muss, um meine Wertung zu erklären. Als Wildtierfotograf und Tierliebhaber aber sehe ich mich emotional ertappt und muss zugestehen, dass Disney auch diesmal wieder gezeigt hat, wo die Benchmark derzeit liegt, nämlich erstaunlich hoch, und wieder ein bisschen höher als bei Dumbo, vor allem, wenn der Vergleich zum realen Vorbild fehlt. Hätten wir den, wäre womöglich immer noch Luft nach oben. Aber ich denke, daran wird gearbeitet.

Wer sich noch an Jean-Jacques Annauds Der Bär erinnern kann, weiß vermutlich noch, wie die animalischen Darsteller da gelitten haben. Für solche Geschichten müsste man heutzutage kein Lebewesen mehr nötigen – das machen die vielen Superhirne vor den Monitoren, die so etwas zaubern wie Der König der Löwen. Traurig wird es dann, wenn das reale Pendant zu solchen Filmwelten irgendwann nicht mehr ganz so prächtig strahlt, und wir nur noch im Kino sehen dürfen, wie der Soll-Zustand solcher Habitate eigentlich auszusehen hat. Dann bekommt das ganze einen zynischen Nachgeschmack, und spätestens dann sollte Disney aufhören, solche Filme zu drehen. Filme nämlich vom Trouble in Paradise, inkognito und fernab unserer Beobachtung.

Der König der Löwen (2019)

Rogue One – A Star Wars Story

TWINKLE, TWINKLE LITTLE STAR

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rogueone

Es ist nun endgültig bewiesen. Alle, die bislang daran gezweifelt haben, Disney und Lucasfilm würden ihre Fangemeinde ignorieren oder ihnen ihre Sicht der Dinge überstülpen – sie alle können jetzt getrost aufatmen. Disney liebt seine Fans. Und alle, die an der weiteren Ausführung des Star Wars-Universums mitarbeiten, sind entweder selber Fans oder schon immer Teil dieser Welt gewesen. Denn das Spin-Off Rogue One – A Star Wars Story ist seit der Originaltrilogie, die von 1977 bis 1983 über die Leinwand ging, das Beste, was über die weit, weit entfernte Galaxis jemals zu sehen war. Nicht nur ist das dramatische Abenteuer, dass die Beschaffung der Pläne des Todessterns erzählt, ein ganz großes Weihnachtsgeschenk für Freizeitjedis, Alltgaspadawans und Hobbyrebellen – es katapultiert das Star Wars-Universum in einen Bereich jenseits von Leia, Han und Luke und zeigt, was in diesem riesengroßen Potpourri an Welten, Sternen und Planeten überhaupt möglich sein kann. Und das Beste daran ist: es ist immer noch Star Wars in seiner Reinkultur. Ich möchte fast sagen, dass Rogue One seine Treue zum Original geschickter unter Beweis stellt als Star Wars VII – Das Erwachen der Macht.

Leseaffine Fans haben schon längst ihre Raumgleiter Richtung Expanded Universe vom Hauptstrang ausgeklinkt. Das Star Wars Universum bietet so viel mehr als die Kerngeschichte und hat scheinbar unendliches Potenzial. Vor allem Comics und Romane aller Art erzählen spannende Randgeschichten, Biografien einzelner Helden und Anti-Helden und tauchen tief ein in die Geschichte der Macht. So ist auch das neue Filmjuwel eine eigenständige, in sich abgeschlossene Erzählung, die den Weltraumkitsch von Episode I – III komplett über Bord wirft und Schauplätze heimsucht, die fast schon aus dem Herr der Ringe-Universum sein könnten. Ohnehin ist Star Wars längst kein reines Science Fiction mehr. Im Grunde ist es High Fantasy, das zufällig im Weltraum spielt. Gareth Edwards, Regisseur von beeindruckenden Filmen wie Monsters und dem Neuaufguss von Godzilla, weiß seine visuellen Stilmitteln fulminant einzusetzen und erschuf einen packenden, grandios gefilmten Mix aus Spionagethriller und Bürgerkriegsdrama. Das Kolorit des Filmes ist viel erdiger, wüster, verregneter. Wenn man so will, dann imitiert Gareth Edwards Teil V der Saga – Das Imperium schlägt zurück. Mit Abstand der beste Teil aller Filme zusammengenommen, allein aufgrund seiner kompromisslos packenden Story, seiner Tiefe und seiner Figurenzeichnung. Eben auch das gelingt Rogue One. Der Suicide Squad der Rebellen, dieser Haufen dreckiger Hunde, sind zusammengewürfelte Individualisten, die, nach anfänglichen Schwierigkeiten, letzten Endes gemeinsam für eine Sache stehen.

Felicity Jones als mittlerweile schon als Kultfigur zu bezeichnende Jyn Erso, die von Papa und Todesstern-Architekt Galen Erso alias Mads Mikkelsen liebevoll „Kleiner Stern“ genannt wird, changiert ihre Rolle von desillusionierter Teilnahmslosigkeit über schmerzenden Verlust bis zur Selbstlosigkeit. Sie macht ihre Sache gut, jedoch nicht ganz so enthusiastisch wie Daisy Ridley als Rey in Das Erwachen der Macht. Noch beeindruckender sind all die anderen Individuen, allen voran das Duo des blinden Halbjedi Chirrut Imwe und sein treuer, bis an die Zähne bewaffneter Begleiter Baze Malbus mit ultimativer Wumme. Der eine erinnert an einen zweifelnden Ben Kenobi, der den Zugang zur Macht nur mühsam findet, der andere ist wie ein Wookie, der für den besten Freund im ganzen Universum steht. „Idi Amin“ Forest Whitaker als fanatischer Extremist gegen das Imperium legt einen ebenso überzeugenden, geradezu faszinierenden Auftritt ab. Zwar eine Nebenrolle, aber dafür umso intensiver. Und was natürlich nicht in einem Star Wars-Film fehlen darf, sind Roboter. Künstliche Persönlichkeiten, die meistens exaltierter sind als ihre menschlichen Partner. Dieser K2SO ist so ein Blechjunge – unschlagbar zynisch, ehrlich und einfach sympathisch. Bei diesem Selbstmordkommando überlegt man es sich nicht zweimal, dabei sein zu wollen. Neben neuen Planeten und irren Raumschiffdesigns spart das gehaltvolle, raue Abenteuer nicht an Hinweisen und Anspielungen auf die unmittelbar an Rogue One anschließende Episode IV. Was es da zu entdecken gibt, erkennt nicht nur der Star Wars-Nerd. Edwards schafft es, zielsicher an Eine neue Hoffnung anzudocken. Und er schafft es, auf völlig neue Art den Krieg im Weltraum zu filmen. Bei ihm ist das Gefecht längst keine chaotische Materialschlacht. Bei ihm sitzt man scheinbar selbst im Flieger. Die Kamera heftet sich fast ruhend an die Außenhülle der Schiffe, um mitzufliegen. So wird aus dem Kampf um Scarif eine Sternensymphonie erster Sahne. Zwischen Zeitlupe, Stillstand und Beschleunigung orchestriert die Schlacht wie eine klassische Komposition, um in einem Finale zu gipfeln, das man so noch nicht gesehen hat. Die Szenen sind nie zu lang. Perfekt getimt wechselt der Film zwischen mehreren Schauplätzen, ohne die Übersicht zu verlieren. Das hatten wir schon bei Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Und auch da war der dramaturgische Aufbau an Dichte und Straffheit kaum zu überbieten. Genau an diesen Aufbau hat sich Visionär Edwards orientiert. Und er hat ihn ganz anders eingesetzt, nämlich ohne repetitiv zu werden.

Damit nicht genug. Ein unerwarteter Kniff des Filmes ist die Erweckung alter Charaktere, deren Auftauchen in der Geschichte über den Todesstern nicht ausgespart werden konnte. So erhält Grusel-Altstar Peter Cushing als Grand Moff Tarkin einen posthumen Auftritt. Ob das leicht künstliche Gesicht Cushings der Intensität der Szenen gerecht wird, darüber lässt sich streiten. Sowohl Jeff Bridges in Tron: Legacy als auch Brad Pitt in Benjamin Button hatten bereits das Vergnügen, vor- oder rückwärts zu altern. Im Kontext der Geschichte ein netter Effekt. Nur Vorsicht – allzu viel ist bei solch einer virtuellen Exhumierung ungesund. Allerdings kriegt Edwards die Kurve. Die Szenen mit Tarkin sind gezielt und kurz und  können sich ganz gut in den Film integrieren. Viel besser noch gelingt dies bei der letzten Szene des Filmes, die ich hier nicht verraten möchte und Star Wars Fans jubeln lassen wird. Denn das Ende ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ein neuer Anfang. Filme, die Wünsche erfüllen, gibt es selten, sehr selten. Rogue One schafft es, vor allem in diesen letzten Minuten eine Sehnsucht wahr werden zu lassen. Und obwohl ich mich vorab über den Verzicht von John Williams´ Score ziemlich echauffiert habe – ich bin mehr als nur versöhnt, wenn man die Musik von Michael Ciacchino, die eindeutig nach Star Wars klingt, in seiner Gesamtheit im Kopf noch mal Revue passieren lässt. Dies gilt auch für den Anfang. Denn ein Spin Off so beginnen zu lassen, ist eine Lösung, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Am Besten nämlich ohne Musik. Wenn, dann nur in gezielten Tönen und reduziertem Score, um im Abspann aber noch mal aufzufahren und das Sahnehäubchen auf der Piemontkirsche genussvoll zu platzieren.

Die 80er-Generation, die mit Episode IV bis VI groß geworden ist – die ist erwachsen geworden. Und so ist es auch Star Wars. In einer Geschichte, die die Generationen vereint. Mit Rogue One ist ein Kino- und Weltraumerlebnis gelungen, das mich als Fan mehr als zufrieden stellt. Kritiker und Boykottierer, die den Inglourious Basterds aus dem Outer Rim feministische Propaganda oder Anti-Trump-Botschaften vorwerfen, sind nur kopfschüttelnd zu belächeln. Die Macht ist mit dem Film, und der Griff in die hauseigene Filmothek zu Episode IV nur eine Frage der Zeit.

Star Wars in seiner Quintessenz. Eigenständig, aber dennoch Teil des Kanons. Fetzig, martialisch und gleichzeitig voller Seele. Und wenn der dunkle Lord der Sith aus der unheilvollen Finsternis heraus sein Lichtschwert entzündet und seinen Zorn entfesselt, dann verzeichnet die Saga eine der stärksten, wuchtigsten und genialsten Szenen seit Anbeginn an. Der Weltraum, ein Fest.

Star Wars at it´s best.

 

Rogue One – A Star Wars Story