Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

WER BIN ICH, UND WENN JA WIE VIELE?

8/10

 

null© 2019 Walt Disney

 

LAND: USA 2019

REGIE: J. J. ABRAMS

CAST: DAISY RIDLEY, JOHN BOYEGA, OSCAR ISAAC, ADAM DRIVER, IAN MCDIARMID, ANTHONY DANIELS, KENNY BAKER, RICHARD E. GRANT, DOMNHALL GLEESON, BILLY DE WILLIAMS, CARRIE FISHER, MARK HAMILL HARRISON FORD U. A. 

 

Abschiednehmen ist prinzipiell keine leichte Sache. Maximal dann, wenn das, was von einem geht, entbehrlich genug ist. Der angekündigte Abschied von etwas, das am Herzen liegt, möchte man so weit wie möglich von sich wegschieben. Dieses Kino- und Serienjahr 2019, das hat uns hinsichtlich diverser Abschiede wirklich nichts erspart, wohl wissend, wie emotional so was werden kann. Erst ist das Endgame der Avengers gespielt, dann hat sich Westeros ihrer Geißeln entledigt. Zwischendurch, wem es noch bei all dem Winken aufgefallen war, hat Sheldon Cooper mit seinem Nobelpreis  ebenfalls das Ende einer Ära gesetzt. Doch wenn man es genau nimmt – keine Ära währte je so lange wie die von Star Wars. Gut, da war jede Menge Leerlauf dazwischen, so sagen wir zwischen Episode VI und I rund 25 Jahre, und dann noch mal mehr als 10 Jahre. Star Wars hat aber schon seit jeher einen langen Atem gehabt, die Luft in diesen ereignislosen Dekaden anzuhalten war für diese Filmsphären tatsächlich kein Problem. Die Sith können das übrigens auch – für lange Zeit verschwinden, um dann wie aus heiterem Himmel aus irgendeinem Eck der Galaxis zuzuschlagen. Das haben sie schon immer getan. Wer die Darth Bane-Trilogie gelesen hat, der weiß, wie diese Taktik lange noch vor den Klonkriegen funktioniert hat. Aber da schweife ich ab, denn da spricht der Star Wars-Nerd aus mir, und ich will meine Rezension auch nicht die ganze Zeit durch den Hyperraum jagen. Ich möchte den diesjährig letzten Abschied von einem phänomenalen Kult auch als Film selbst und nicht nur als sozusagen Heilige Messe für Fans betrachten. Hätte George Lucas damals nicht alles auf eine Karte gesetzt und trotz Unkenrufen von überall her seinen Weltraumfilm nicht auf Schiene gebracht, wäre erstens Star Wars nicht entstanden und zweitens würde der ins neue Jahrtausend hinübergerettete Kult nicht all die Kinder von damals so dermaßen um sich scharen, als wären Pheromone im Spiel. Da muss nur der Name Skywalker oder Darth Vader fallen, schon verschwimmt der Blick. Um mit der neuen Trilogie, egal was sie vorgehabt hat, besser klarzukommen, ist es hilfreich, auch den peripheren Stoff der Comics und Bücher bis hin zu den animierten Serien ebenfalls, wenn auch nur rudimentär, zu kennen. Denn nur dann erschließen sich so richtig all die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten und Details, die diese weit entfernte Galaxis jenseits des Kinosaals eigentlich noch ausmachen.

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Mit Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers bringt es J.J. Abrams nun zu einem vorläufigen Abschluss. So wie bei seinem Einstand zur letzten Trilogie 2015 orientiert sich das SciFi-Mastermind abermals an die Grundsätze von Star Wars, nämlich an der Kerntrilogie, und musste womöglich jede Sekunde daran denken, wie das, was er macht, wohl bei den Jüngern der Franchise ankommt. Das ist ein enormer Druck, den möchte ich nicht haben. Gut, dass Abrams dafür ein Budget ohne Ende zur Verfügung hat, und das so viele Professionisten aus allen künstlerischen Ecken des Filmemachens mit dabei waren. Allein war Abrams nicht. Allein sind seine Helden, die er in Szene setzt, auch nicht. Der Widerstand ist wie eine große Familie, und die neue Ordnung separiert sich intern in unterschiedliche Kulte, so wie der von Ren-Rittern, Leading Man Kylo. Doch abgesehen von religiösen oder politischen Gruppierungen – was bleibt dann noch? Wer ist man wirklich, und wenn ja, wie viele? Und wer gehört zu wem? In Episode IX geht es vor allem darum – um das Suchen nach Identitäten, um das Streben nach dem Ende einer Reise, um ein Nachhausekommen. Selbst das Böse sucht seinen Sinn. Und das ist in seinem eingesponnenen Richard-Wagner-Gigantismus von niemals dagewesener, erschreckend aggressiver Düsternis.

Geheimnisse um die Grundsockel dieser fiktiven Welt, die wollen gelöst werden. Dabei hat sich fast schon ein gordischer Knoten zusammenverheddert, denn schließlich müssen ja 8 Episoden unter einen Nenner gebracht und der Kreis geschlossen werden. Das mag viele zufriedenstellen, so, wie es letzten Endes aussieht. Aber vielleicht auch manche unrund zurücklassen. Ich für meinen Teil konnte mich einer erwartungserfüllenden Genugtuung nicht erwähren. Episode IX gibt dem Fan das, wonach er verlangt. Überrascht ihn manchmal, hetzt ihn vielleicht zwischendurch zu schnell und zu fahrig durch die lieb gewonnene Galaxis, wo es immer noch Planeten gibt, die er nicht kennt. Dasselbe gilt für Kreaturen, Städte und Raumschiffe und was weiß der Jedi sonst noch alles. Eine Leistungsschau wie am 1. Mai. Aber das war Avengers: Endgame auch. Und Game of Thrones. Noch mal alles hochfahren, was da ist -und bitte nichts vergessen! Einen solchen Brocken an Legende zu Ende zu bringen ist kein dankbarer Job. Salopp gesagt eine Dreckarbeit. Die Enden sind fast immer das Schwierigste. Die Mittelteile die besten, weil da noch alle Fäden offen sind und lose umherschwirren. Da geht noch alles, da kann man auch noch ordentlich Zynismus wagen. Das Ende aber muss gefällig sein, darf nicht vor den Kopf stoßen und sich auch nicht zu viel Frechheit erlauben. Muss garantiert noch einmal so richtig überraschen, bevor die Fäden alle gebündelt werden. Das schreit nach einem gestressten Kompromiss, der zur Ruhe finden muss. Auch Episode IX ist ein Kompromiss, ein durchgepeitschtes Finale Grande mit etlichen Cameos und im Grunde ganz viel von allem. Manchmal erinnert das Spektakel an die Atemlosigkeit eines Indiana Jones-Abenteuers, durchwegs aber versteht sich Episode IX: The Rise of Skywalker weniger als epische Superlative, sondern vielmehr als die größte Challenge eines zusammengewürfelten Haufens idealistischer und sinnsuchender Nerds, was sehr stark an die gelungene Animationsserie Star Wars Rebels erinnert. Natürlich aber kommt, was kommen muss. Und der eine kann nicht leben, während der andere überlebt. Kommt euch diese Prophezeiung bekannt vor? Könnte sein. Geschichte wiederholt sich einfach, immer wieder holt sich die Dualität in unserem Universum auf beiden Seiten auf ähnliche Weise ihre blutigen Nasen.

Völlig überrumpelt wird man also nicht sein. Angenehm berührt schon. Und irgendwie ist dieses Ende ein Farewell für Zwischendurch, irgendein Gefühl sagt mir: Das ist es nicht gewesen. Nicht in einer ganzen Galaxis. Und schon gar nicht, wenn Identitäten, die man gesucht hat, erst gefunden werden. Was könnte dann erst noch kommen? Ich sage mal: Warten wir´s ab. Lasst uns noch ein paar Minuten auf den vorläufig letzten Vorhang starren, mit den letzten Klängen von John Williams einzigartiger Musik im Ohr. Ein Seufzen, ein Erheben aus dem Kinosessel, leicht verdattert, aber frei von wehmütigem Fan-Hangover. Die Macht, so denke ich mir, wird letzten Endes immer mit uns sein.

Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

Solo: A Star Wars Story

HAN SHOT FIRST!

7/10

 

null© 2017 Lucasfilm Ltd. & ™, All Rights Reserved.

 

LAND: USA 2017

REGIE: RON HOWARD

MIT ALDEN EHRENREICH, WOODY HARRELSON, EMILIA CLARKE, DONALD CLOVER, PAUL BETTANY, JOONAS SUATOMU, THANDIE NEWTON U. A.

 

Achtung, Übersetzungsfehler! In Episode IV: Eine neue Hoffnung brüstet sich Weltraum-Ikone Han Solo, tadellos gespielt von Harrison Ford, den Kossalflug in 12 Parsecs hingelegt zu haben. Kossalflug? Da stimmt was nicht. Im Original heißt es nämlich Kessel, und das macht wieder mehr Sinn, wenn Nerds wie meine Wenigkeit wissen, dass es sich hierbei um einen Bergbau-Planeten handelt, der sich schwer orten lässt, da er sich hinter einem galaktischen Nadelöhr befindet, dem sogenannten Mahlstrom. Unter 20 Parsecs ist da schon eine Leistung – aber 12? Eine kleine Erwähnung in George Lucas´ Original von 1977 – und nun ein ganzer Film, der die Geschichte dazu erzählt. Interessiert hat es Star Wars Fans schon immer, was damals wirklich passiert ist. Und um die ganze Erwähnung am Rande der Galaxis auch noch gehaltvoll aufzumöbeln, gibt es noch ein How I met my Wookie als spektakulären Bonus ganz oben drauf.

Die Lego-Trickser Phil Lord und Chris Miller wollten aus dem Stoff, aus dem die verwegenen Helden sind, eine humoristische Improvisationsshow machen. Das ist Disney-Queen Kathleen Kennedy so ziemlich sauer aufgestoßen. Die Folge war ein fliegender Wechsel am Regiestuhl, Experte Ron Howard, der mit Apollo 13 schon erfolgreich gezeigt hat, dass er Dinge im Weltraum ganz gut bewegen kann, hat sich der Sache angenommen. Ob mit Begeisterung oder einfach um seinen Job zu erledigen, wissen wir nicht. Immerhin aber zeichnet Star Wars-Storyteller Lawrence Kasdan wieder einmal fürs Drehbuch verantwortlich, das kann ja schon mal nicht schlecht sein. Solo: A Star Wars Story hat nämlich neben Star Wars VII: Das Erwachen der Macht in mir wohl die meiste Neugier geweckt. Sie zu stillen war wahrhaftig erholsam, wenngleich Howard´s Film längst nicht alles richtig gemacht hat.

Die Frage, die sich bei diesem Abenteuer ohnehin jeder stellt: Wird Alden Ehrenreich in die Fußstapfen von Harrison Ford treten können? Viel mehr müsste die Frage lauten: Kann Alden Ehrenreich die entsprechenden Fußstapfen vorgeben, in denen Harrison Ford dann später treten wird? Tatsächlich muss ich dem Jungspund nicht wirklich die Leviten lesen. Er hat die Figur, die er mal sein wird, richtig gut studiert. So zusammenkonstruiert und einstudiert mag es in manchen Szenen auch wirklich wirken, und zugegeben, der Erwartungsdruck auf seinen Schultern hat sich sicher so angefühlt wie eine Wookie-Massage. Trotzdem gibt er sein Bestes, hat in seinen besten Szenen sogar auch Ford´s Mimik drauf. Vergessen darf man aber nicht, dass Ehrenreichs Han Solo ein Charakter ist, der erst zu dem wird, wie wir ihn aus Episode IV kennen. Heruntergebrochen auf die Persönlichkeit des Ex-Sternenakademikers und imperialen Soldaten, der lieber gestern als morgen stiften geht, mag Ehrenreich-Han noch wie ein risikofreudiger Freigeist wirken, der noch grün hinter den Ohren ist, dem man noch so einiges vormachen und der sich für Dinge wie den Hyperraumsprung noch begeistern kann. Ford-Han ist immer noch ein risikofreudiger Freigeist, vormachen kann man ihm aber nichts mehr. In Episode IV dürfte er schon so gut wie allem begegnet sein. Der Entwicklungsbogen stimmt also. Den Han Solo Lookalike-Contest hat Ehrenreich für sich entschieden. Wie sieht es aber mit dem Rest des Films aus?

Solo: A Star Wars Story wirkt wie ein staubig-schlampiger Schnellschuss aus der Hüfte. Wie einer dieser Spaghetti-Western aus Italien, wie der ungezählte Aufguss einer Django-Projektiloper, die abgerissen und schmutzig einschlägige Zielgruppen verwöhnt. Solo: A Star Wars Story ist stellenweise fast schon ein bisschen Grindhouse. Je dreckiger, je desolater – um so besser! Wirklich strahlend hell wird es im jüngsten Streiflicht aus dem Lucas-Universum nicht wirklich. Die weit weit entfernte Galaxis ist ein Dritte Welt-Ödland, ein Somalia des Universums, wo Armut, Nahrungsknappheit, Verbrechersyndikate und Sklaventreiber herrschen. Die schöne neue Welt unter der Fuchtel des Imperiums ist düsterer denn je, bizarre Ausgeburten von fremden Planeten tummeln sich unter den fahl scheinenden Lampen diverser Sabacc-Spielhöllen oder torkeln unter Tage halbot als Zwangsarbeiter im Dienste des Imperators durch giftige Stollen. Solo bleibt dem rauen, abgenutzten Look von Rogue One: A Star Wars Story so ziemlich treu, die Szenen an der Front allerdings sind noch apokalyptischer als bereits gesehen. Star Wars: Battlefront lässt grüßen, so finster und schlammverkrustet wie aus den Weltkriegsreißern der späten Siebziger. Knallbunt wie ein Papagei hingegen der junge Lando Calrissian – Donald Glover gelingt die narzisstische Hinterfotzigkeit des späteren Gasminen-Besitzers im Vergleich zu Ehrenreich mit genüsslicher Leichtigkeit.

Schön und märchenhaft ist dieses angeblich magische Universum längst nicht mehr. Und so weit weg von Macht, Rebellion und Imperium waren wir bisher auch noch nicht. Doch wie sehr sich auch Solo: A Star Wars Story anstrengt, so undergroundig wie eine ungehobelte Firefly-Version zu sein – dank seiner visuellen Brillanz ist der Ableger immer noch ein willkommener Hingucker, der die Liebe zum Detail zelebriert und dem Extended Universe neue Völkerscharen hinzufügt. Der Teufel im Detail steckt hingegen in der Story. Kasdan und Sohn kritzeln die Erzählung in einer gewissen unharmonischen Schieflage aufs Blatt. Cameos und Referenzen, die auf der Hand gelegen wären, werden (einstweilen noch?) schmählich ignoriert, dafür hegen manche Ereignisse die vage Vermutung, dass Solo womöglich längst nicht mehr dem Kanon von George Lucas folgt. Schlüsselszenen werden zu Randvermerken, geplante Wendungen sind so gewollt plötzlich, dass sie aufgesetzt wirken. Die geschmeidige Stringenz von Rogue One gilt als vermisst. Es lässt sich somit nicht verbergen, dass Solo unschön aus der Taufe gehoben wurde. Wenn Szenen neu gedreht, wenn Macher wechseln und zeitweise im Grunde gar nichts mehr stimmt. In den Szenenwechseln werden Lücken fühlbar, die Schnittfolge hapert, am Ende läuft einiges sogar ins Leere. Wen schert schon das Schicksal so mancher Figuren, die gerne ein Sequel gehabt hätten? Doch Moment – wie in den Medien zu lesen ist, haben Ehrenreich und Emilia Clarke für weitere Fortsetzungen unterschrieben. Das würde mir den nörgelnden Wind aus den Segeln nehmen. Dann wäre nämlich soweit alles wieder gut. Fraglich nur, ob auf Basis dieser im Einspiel hinterherhinkenden Räuberpistole, die schon ganz gut gefällt, erstmals aber so richtig Haare lässt. Von denen hat aber Chewie dem Erbauer sei Dank noch genug 😉

Solo: A Star Wars Story

Rogue One – A Star Wars Story

TWINKLE, TWINKLE LITTLE STAR

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rogueone

Es ist nun endgültig bewiesen. Alle, die bislang daran gezweifelt haben, Disney und Lucasfilm würden ihre Fangemeinde ignorieren oder ihnen ihre Sicht der Dinge überstülpen – sie alle können jetzt getrost aufatmen. Disney liebt seine Fans. Und alle, die an der weiteren Ausführung des Star Wars-Universums mitarbeiten, sind entweder selber Fans oder schon immer Teil dieser Welt gewesen. Denn das Spin-Off Rogue One – A Star Wars Story ist seit der Originaltrilogie, die von 1977 bis 1983 über die Leinwand ging, das Beste, was über die weit, weit entfernte Galaxis jemals zu sehen war. Nicht nur ist das dramatische Abenteuer, dass die Beschaffung der Pläne des Todessterns erzählt, ein ganz großes Weihnachtsgeschenk für Freizeitjedis, Alltgaspadawans und Hobbyrebellen – es katapultiert das Star Wars-Universum in einen Bereich jenseits von Leia, Han und Luke und zeigt, was in diesem riesengroßen Potpourri an Welten, Sternen und Planeten überhaupt möglich sein kann. Und das Beste daran ist: es ist immer noch Star Wars in seiner Reinkultur. Ich möchte fast sagen, dass Rogue One seine Treue zum Original geschickter unter Beweis stellt als Star Wars VII – Das Erwachen der Macht.

Leseaffine Fans haben schon längst ihre Raumgleiter Richtung Expanded Universe vom Hauptstrang ausgeklinkt. Das Star Wars Universum bietet so viel mehr als die Kerngeschichte und hat scheinbar unendliches Potenzial. Vor allem Comics und Romane aller Art erzählen spannende Randgeschichten, Biografien einzelner Helden und Anti-Helden und tauchen tief ein in die Geschichte der Macht. So ist auch das neue Filmjuwel eine eigenständige, in sich abgeschlossene Erzählung, die den Weltraumkitsch von Episode I – III komplett über Bord wirft und Schauplätze heimsucht, die fast schon aus dem Herr der Ringe-Universum sein könnten. Ohnehin ist Star Wars längst kein reines Science Fiction mehr. Im Grunde ist es High Fantasy, das zufällig im Weltraum spielt. Gareth Edwards, Regisseur von beeindruckenden Filmen wie Monsters und dem Neuaufguss von Godzilla, weiß seine visuellen Stilmitteln fulminant einzusetzen und erschuf einen packenden, grandios gefilmten Mix aus Spionagethriller und Bürgerkriegsdrama. Das Kolorit des Filmes ist viel erdiger, wüster, verregneter. Wenn man so will, dann imitiert Gareth Edwards Teil V der Saga – Das Imperium schlägt zurück. Mit Abstand der beste Teil aller Filme zusammengenommen, allein aufgrund seiner kompromisslos packenden Story, seiner Tiefe und seiner Figurenzeichnung. Eben auch das gelingt Rogue One. Der Suicide Squad der Rebellen, dieser Haufen dreckiger Hunde, sind zusammengewürfelte Individualisten, die, nach anfänglichen Schwierigkeiten, letzten Endes gemeinsam für eine Sache stehen.

Felicity Jones als mittlerweile schon als Kultfigur zu bezeichnende Jyn Erso, die von Papa und Todesstern-Architekt Galen Erso alias Mads Mikkelsen liebevoll „Kleiner Stern“ genannt wird, changiert ihre Rolle von desillusionierter Teilnahmslosigkeit über schmerzenden Verlust bis zur Selbstlosigkeit. Sie macht ihre Sache gut, jedoch nicht ganz so enthusiastisch wie Daisy Ridley als Rey in Das Erwachen der Macht. Noch beeindruckender sind all die anderen Individuen, allen voran das Duo des blinden Halbjedi Chirrut Imwe und sein treuer, bis an die Zähne bewaffneter Begleiter Baze Malbus mit ultimativer Wumme. Der eine erinnert an einen zweifelnden Ben Kenobi, der den Zugang zur Macht nur mühsam findet, der andere ist wie ein Wookie, der für den besten Freund im ganzen Universum steht. „Idi Amin“ Forest Whitaker als fanatischer Extremist gegen das Imperium legt einen ebenso überzeugenden, geradezu faszinierenden Auftritt ab. Zwar eine Nebenrolle, aber dafür umso intensiver. Und was natürlich nicht in einem Star Wars-Film fehlen darf, sind Roboter. Künstliche Persönlichkeiten, die meistens exaltierter sind als ihre menschlichen Partner. Dieser K2SO ist so ein Blechjunge – unschlagbar zynisch, ehrlich und einfach sympathisch. Bei diesem Selbstmordkommando überlegt man es sich nicht zweimal, dabei sein zu wollen. Neben neuen Planeten und irren Raumschiffdesigns spart das gehaltvolle, raue Abenteuer nicht an Hinweisen und Anspielungen auf die unmittelbar an Rogue One anschließende Episode IV. Was es da zu entdecken gibt, erkennt nicht nur der Star Wars-Nerd. Edwards schafft es, zielsicher an Eine neue Hoffnung anzudocken. Und er schafft es, auf völlig neue Art den Krieg im Weltraum zu filmen. Bei ihm ist das Gefecht längst keine chaotische Materialschlacht. Bei ihm sitzt man scheinbar selbst im Flieger. Die Kamera heftet sich fast ruhend an die Außenhülle der Schiffe, um mitzufliegen. So wird aus dem Kampf um Scarif eine Sternensymphonie erster Sahne. Zwischen Zeitlupe, Stillstand und Beschleunigung orchestriert die Schlacht wie eine klassische Komposition, um in einem Finale zu gipfeln, das man so noch nicht gesehen hat. Die Szenen sind nie zu lang. Perfekt getimt wechselt der Film zwischen mehreren Schauplätzen, ohne die Übersicht zu verlieren. Das hatten wir schon bei Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Und auch da war der dramaturgische Aufbau an Dichte und Straffheit kaum zu überbieten. Genau an diesen Aufbau hat sich Visionär Edwards orientiert. Und er hat ihn ganz anders eingesetzt, nämlich ohne repetitiv zu werden.

Damit nicht genug. Ein unerwarteter Kniff des Filmes ist die Erweckung alter Charaktere, deren Auftauchen in der Geschichte über den Todesstern nicht ausgespart werden konnte. So erhält Grusel-Altstar Peter Cushing als Grand Moff Tarkin einen posthumen Auftritt. Ob das leicht künstliche Gesicht Cushings der Intensität der Szenen gerecht wird, darüber lässt sich streiten. Sowohl Jeff Bridges in Tron: Legacy als auch Brad Pitt in Benjamin Button hatten bereits das Vergnügen, vor- oder rückwärts zu altern. Im Kontext der Geschichte ein netter Effekt. Nur Vorsicht – allzu viel ist bei solch einer virtuellen Exhumierung ungesund. Allerdings kriegt Edwards die Kurve. Die Szenen mit Tarkin sind gezielt und kurz und  können sich ganz gut in den Film integrieren. Viel besser noch gelingt dies bei der letzten Szene des Filmes, die ich hier nicht verraten möchte und Star Wars Fans jubeln lassen wird. Denn das Ende ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ein neuer Anfang. Filme, die Wünsche erfüllen, gibt es selten, sehr selten. Rogue One schafft es, vor allem in diesen letzten Minuten eine Sehnsucht wahr werden zu lassen. Und obwohl ich mich vorab über den Verzicht von John Williams´ Score ziemlich echauffiert habe – ich bin mehr als nur versöhnt, wenn man die Musik von Michael Ciacchino, die eindeutig nach Star Wars klingt, in seiner Gesamtheit im Kopf noch mal Revue passieren lässt. Dies gilt auch für den Anfang. Denn ein Spin Off so beginnen zu lassen, ist eine Lösung, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Am Besten nämlich ohne Musik. Wenn, dann nur in gezielten Tönen und reduziertem Score, um im Abspann aber noch mal aufzufahren und das Sahnehäubchen auf der Piemontkirsche genussvoll zu platzieren.

Die 80er-Generation, die mit Episode IV bis VI groß geworden ist – die ist erwachsen geworden. Und so ist es auch Star Wars. In einer Geschichte, die die Generationen vereint. Mit Rogue One ist ein Kino- und Weltraumerlebnis gelungen, das mich als Fan mehr als zufrieden stellt. Kritiker und Boykottierer, die den Inglourious Basterds aus dem Outer Rim feministische Propaganda oder Anti-Trump-Botschaften vorwerfen, sind nur kopfschüttelnd zu belächeln. Die Macht ist mit dem Film, und der Griff in die hauseigene Filmothek zu Episode IV nur eine Frage der Zeit.

Star Wars in seiner Quintessenz. Eigenständig, aber dennoch Teil des Kanons. Fetzig, martialisch und gleichzeitig voller Seele. Und wenn der dunkle Lord der Sith aus der unheilvollen Finsternis heraus sein Lichtschwert entzündet und seinen Zorn entfesselt, dann verzeichnet die Saga eine der stärksten, wuchtigsten und genialsten Szenen seit Anbeginn an. Der Weltraum, ein Fest.

Star Wars at it´s best.

 

Rogue One – A Star Wars Story