Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

WIR MÜSSEN JETZT STARK SEIN!

7,5/10

 

asterix_zaubertrank© 2019 Universum Film GmbH

 

LAND: FRANKREICH 2019

REGIE: ALEXANDRE ASTIER, LOUIS CLICHY

MIT DEN STIMMEN VON: CHRISTIAN CLAVIER / MILAN PESCHEL, GUILLAUME BRIAT / CHARLY HÜBNER, FLORENCE FORESTI U. A.

 

Was die Mickey Mouse in den USA, ist Asterix, der Gallier in Europa – die wohl populärste Comicfigur jenseits von Entenhausen, gleichermaßen ein augenzwinkernder Hit für Jung und Alt und die Erfolgsstory eines unbeugsamen Haufen weniger, die sich gegen die Übermacht eines diktatorischen, militärisch straff organisierten Imperiums stellen. Die kleinen Leute von nebenan also, die Fisch verkaufen, Hinkelsteine schlagen und auf Wildschweinjagd gehen. Einfach, bodenständig und rustikal. Dabei mit einer Bauernschläue ausgestattet, die in den gallischen Wäldern und darüber hinaus ihresgleichen sucht. Womöglich würden sie auch gegen das römische Heer bestehen, hätten sie nicht diesen Trank, der zumindest temporär unbesiegbar macht. Wie der herzustellen ist, weiß keiner. Nur Miraculix. Doch was, wenn Miraculix beim sagen wir mal Mistelschneiden unglücklich fällt und das Zeitliche segnet? Müssen sich Majestix, Verleihnix und Co dann selber helfen? Müssen sie dann so tun, als ob sie klein beigeben würden? Diesen an die Wand gemalten Teufel, den will der Druide mit dem Rauschebart nicht wahr werden lassen – und macht sich auf die Suche nach einem Nachfolger. Dumm nur, dass der Finsterling Dämonix genauso ans Geheimrezept kommen will wie viele andere im Karnutenwald (der übrigens für Nicht-Druiden und Frauen tabu ist). Der sich aber gar nicht mal erst die Mühe macht, sich um die Nachfolge zu bewerben wie alle anderen, die vom Dünger bis zum Vergrößerungstrank alles in petto haben, was bei Miraculix Eindruck schinden könnte.

Und mit diesem durchaus ausbaubaren roten Faden, der sich ungeschaut sehr einfach mit einem ganzen vergnüglichen Plot vernetzen lassen kann, haben die Regisseure Alexandre Astier und Louis Clichy nach der gelungenen 3D-Animation Asterix im Land der Götter rund um Heft Nr. 17 – Die Trabantenstadt – ein Abenteuer entworfen, das diesmal gar nicht auf bestehende Comic-Vorlagen zurückgreift. Das macht aber gar nichts. Wir wissen, das hat doch schon bei Asterix erobert Rom bestens funktioniert. Da mussten Asterix und Obelix ähnliche 12 Aufgaben erfüllen wie seinerzeit Herakles. Der äußerst humorvolle Zeichentrickklassiker aus dem Jahre 1976 ist klug, augenzwinkernd und liebevoll erzählt – und atmet auch von vorne bis hinten den versponnenen Geist einer von Legenden umwobenen Antike, wie sie Odysseus erlebt hat, stets aber immer mit Seitenhieben und Querverweisen auf Eckpfeiler der europäischen Geschichte, auf die Gesellschaft (von heute) und der Popkultur.

Nicht ganz so bahnbrechend kreativ, aber dennoch liebevoll detailliert ist die Episode Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks geworden. Und trotz der offensichtlichen Vorhersehbarkeit, die Asterix-Abenteuer immer begleitet – den jeder weiß, dass am Ende das große Fressen unter dem Sternenhimmel wartet – lebt auch dieser Film von den kleinen, beiläufigen Running Gags, die gar nicht mal wirklich den eigentlichen Plot vorantreiben, sondern die Odyssee quer durch das zukünftige Frankreich zu einem der lustigsten Filme der letzten Zeit machen.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks ist von einer charmanten, entspannten gallischen Lässigkeit beseelt, schiebt mit einer an den Holzpalisaden des Dorfes gelehnten Zuversicht kleine, augenzwinkernde Wuchteln aus dem Ärmel und vergisst dabei aber auch nicht darauf, die kleine, feine Geschichte rund um das meistgehütete Rezept des antiken Universums ohne Drängen hinter sich herzutragen wie Obelix seine Hinkelsteine. Denn es kommt, wie es kommen muss, ganz von alleine. Davon können sogar die Wildschweine ein Liedchen singen, die diesmal nicht nur Freiwild sind. Und das Panoptikum der unterschiedlichsten Druiden des Landes ist sowieso der herzerfrischende Höhepunkt dieser phantastischen Welt der Kartoffelnasen und dünnbeinigen Römer, der schlecht singenden Barden und bärtigen Männer mit gut genährten Wänsten, die eigentlich schon wissen müssten, dass das Geheimnis des Zaubertranks eigentlich der ist, dass dieser niemand anderen in den Genuss seiner Wirkung kommen lässt als jene, die ihn redlich verwenden wollen.

Dass am Ende dann die Magie der Sichelträger zum wiederholten Male ausufert und menschliche Formate sprengt, mögen manche vermutlich übertrieben und albern finden – aus meiner Sicht entspricht auch das dem Look and Feel von Asterix. Es ist nicht das erste Mal, dass durch den Trank der Tränke manches aus dem Ruder läuft, sofern es der Trank ist, der all das Irreale bewirkt. Und so lange die Piraten immer noch baden gehen, was man nicht oft genug sehen kann. Mit Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks haben die Fans der gewieften Helden mit Flügelhelm und Streifenhose ein autarkes, pfiffiges Spin Off der Heftreihe in wunderbar smoother, plastischer Wachsfiguren-Optik auf die Leinwand gezeichnet bekommen, das alles richtig macht und in Erinnerung an manche Szenen lange danach immer noch schmunzeln lässt.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

Alles Geld der Welt

TICKEN WIE ONKEL DAGOBERT

3/10

 

allesgeld© 2017 Tobis

 

LAND: USA 2017

REGIE: RIDLEY SCOTT

MIT MICHELLE WILLIAMS, ROMAIN DURIS, MARK WAHLBERG, CHRISTOPHER PLUMMER, CHARLIE PLUMMER U. A.

 

Jeder kennt ihn, den alten Erpel mit dem Backenbart, der runden Brille und seidenmatt glänzendem Zylinder. Der rote Rock, die Gier nach Geld, der Reichtum, den der wohl beneidenswerteste aller Onkeln angehäuft hat. Niemand neidet ihm das mehr als der Neffe Donald, der nichts auf die Reihe bekommt und stets Opfer seiner Wut auf das System wird. Zeitlose Comics, immer gerne gelesen. Dass diese Figur des Dagobert aber tatsächlich eine Inkarnation in unserer realen Welt aufweisen kann, erfährt man, wenn man die Person des Jean Paul Getty kennen lernt. Niemand anderer dürfte jemals so sehr so gewesen sein wie Onkel Dagobert höchstpersönlich. Geldgierig, geizig bis zur kompromisslosen Ignoranz. Überheblich, egozentrisch – ein Halbgott auf des Menschen Erde. Der sich mit Geld alles kaufen kann. Der die Welt kaufen kann. Der aber seinen Enkel nicht rettet, auch wenn ihm das nur ein finanzielles Fingerschnippen kosten würde. Jean Paul Getty, der Öltycoon und Antiquitätensammler, der sich aus lauter Geiz selber die Wäsche wäscht und jeden Cent umdreht, aber auf Milliarden sitzt, würde den Verlust des Lösegeldes, das für die Freilassung von John Paul Getty III. verlangt worden wäre, gar nicht merken. Doch er tut nichts. Will keinen Präzedenzfall schaffen. Da könnte ja jeder kommen, sagt er. Leute mit Namen Getty entführen und abkassieren. Die paar Bauern, die für die kalabrische Mafia Ndrangheta arbeiten, wundern sich erstmal nur, wieso der Teenager nicht längst schon wieder auf freien Füßen ist. Das Geld kommt nicht. Mutter Gail tut sich mit der rechten Hand ihres Schwiegervaters zusammen, einem Ex-CIA-Agenten und Vermittler in Wirtschaftsfällen, um das Versteck der Kidnapper ausfindig zu machen. Währenddessen erleidet dieser von seinen Eltern und von Gott verlassene Jungspund die Qualen der Isolation, der Gefangenschaft und den blutigen Verlust seines rechten Ohres.

Allerdings – Qualen erleidet nicht nur Charlie Plummer, der den engelsköpfigen, vor Angst gebeutelten Jungen spielt. Ein bisschen davon erleidet auch das Publikum. Aber nicht, weil die nach wahren Begebenheiten erzählte True Story so sehr erschüttern würde. Das würde sie, zweifelsohne. Und sie würde auch fesseln. Und man würde mitleiden. Wenn Alles Geld der Welt in vielen Punkten anders gemacht worden wäre. Ridley Scott ist zweifelsohne einer der großen Altmeister des Hollywood-Kinos, der in vielen Genres zuhause ist, dessen Steckenpferd historische Themen und Science-Fiction ist. Alles keine Frage – Ridley Scott ist ein Könner. Aber auch ein Workaholic, der, je älter er wird, seine Filme so schnell wie möglich erledigt wissen will, um gleich wieder neue Filme zu drehen. Ein Wettlauf gegen die Lebenszeit. Nun, Ridley Scott zählt schon mehr als 80 Lenze, das ist schon noch ein bisschen Luft nach oben. Das hat sich Franz Antel mit 80 auch noch gedacht, bevor er dann mit weit über neunzig in den Olymp der österreichischen Filmemacher eingehen konnte. Doch je verbissener an den Filmen gearbeitet wird, desto unvollkommener werden sie. Bei diesem Tatsachendrama hat Ridley Scott sehr viel verschenkt. Oder sich selbst zu leicht zufrieden gestellt.

Das Problem bei Alles Geld der Welt ist nicht, dass Scott in letzter Sekunde rund die Hälfte seines Filmes neu nachdrehen wollte, um Persona non grata Kevin Spacey zu tilgen. Diese Entscheidung hätte zwar leicht die Kontinuität des Filmes durcheinander gebracht, hat diesen aber letzten Endes die besten Szenen eingetragen. Das Problem ist: Alles Geld der Welt hat keinen eigenen Rhythmus. Das Krimidrama ist eine atonale Komposition, misstönend und zusammengeschludert. Stilistisch verworren und scheinbar willkürlich wechselnd. Der Cast ist nicht bei der Sache, das Spiel von Michelle Williams wirkt aufgesetzt und die Emotionen einer sorgenvollen Mutter nicht empfunden. Wahlberg spielt wiedermal nur sich selbst, und der Rest der Besetzung will auch nicht so recht. Einzig Christopher Plummer, dessen Zweitbesetzung ich im Vorfeld mit Vorbehalt betrachtet hatte, führt meine Zweifel ad absurdum und ist mit Abstand der einzige in diesem ganzen Entführungs- und Filmdilemma, der wirklich so spielt, als wäre er steinreich, allwissend und gottgleich wie ein römischer Kaiser. Anspielungen für dieses Gleichnis zeigt Ridley Scott so einige. Plummer´s wohl beeindruckendste Rolle ist zu recht für den Oscar nominiert. Spacey hinter seiner Latexmaske hätte wohl gegen das Spektrum unverhüllter, echter Mimik nur alt ausgesehen, ohne alt zu sein. Warum Scott nicht gleich Plummer verpflichtet hat, und stattdessen mit einem TV-Star (House of Cards), der überhaupt nicht in das Rollenprofil passt, arbeiten wollte, damit der mehr Zuseher ins Kino lockt, fußt natürlich auf reinem Profitdenken. Den Anforderungen des Films treu und authentisch zu bleiben, wäre klüger gewesen.

Alles Geld der Welt ist so unrund wie eine wahllos zusammengefügte Themenanthologie und so zähflüssig wie knochentrockenes DDR-Kino aus den Siebzigern. Man sieht, vieles wurde zu unterschiedlichen Zeiten gedreht. Was ja auch der Fall gewesen ist. Aber wie schon erwähnt, kann Christopher Plummer am Wenigsten dafür – es ist Scott als Arbeitstier, der mit seinem Drang zu drehen den Film mit Füßen tritt. Natürlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – aber Meister, die von sich selbst wissen, dass sie es sind, fallen dann, wenn sie ihr Ego am Unverwundbarsten wissen. Wie Jean Paul Getty, der Onkel Dagobert unserer Welt.

Alles Geld der Welt