Minions & Monster (2026)

AND THE BANANA GOES TO …

5/10

 

Kevin und Stuart beschwören Monster in Minions & Monster
© 2026 Universal Studios. All Rights Reserved.

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: PIERRE COFFIN

DREHBUCH: BRIAN LYNCH

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): PIERRE COFFIN, CHRISTOPH WALTZ, ALLISON JANNEY, TREY PARKER, JESSE EISENBERG, BOBBY MOYNIHAN, JEFF BRIDGES U. A.

STIMMEN (SYNCHRO): Bill & TOM KAULITZ

LÄNGE: 1 STD 29 MIN



Sie sind unsterblich (anscheinend). Sie sind hedonistisch, exaltiert, nervös und nervig. Sie sind devot, anbiedernd und kämpfen mit den Tücken des Alltags genauso wie unsereins. Weil sie für nichts richtig Experte sind, meist nur so tun als ob, und behaupten, alles zu können, weil sie gefällig sein wollen. Was sie aber absolut auszeichnet, das ist ihr Sinn für Humor. Wenn am Ende auch wirklich alle schiefgeht – wer zuletzt lacht, lacht am besten. Und zuletzt lachen immer die Minions.

Die Anziehungskraft des Schurkischen

Kein Sommer ohne diese kniehohen kleinen TicTacs mit ihren eigentümlichen Brillen und den blauen Hosen, die sie gern mal gegen anderes Outfit eintauschen, weil sie ja schließlich wie eine Blaupause für jeden noch so erdenklichen Job bereit sein wollen – sofern dieser dazu beiträgt, die Welt zu unterjochen.

Also sucht dieser wilde Haufen seit dem Paläozoikum immer und immer wieder nach dem einzig wahren und richtigen Oberboss. – nach einem Fiesling, der es wirklich verdient, so genannt zu werden. Der sich die Hände reibt, hämisch kichert und gehässige Seitenblicke auf alles wirft, das arglos in die Falle tappt.

Einer davon ist zum Beispiel ein gebirgsgroßer Zyklop, der mit Inbrunst alles kleintritt, was ihm unter die Füße kommt. Die Minions sind begeistert, folgen dem Riesen auf Schritt und Tritt. Ihnen dabei zuzusehen, wie die den nicht ganz hellen Tunichtgut umgarnen, zählt zu den absoluten Highlights des Films – wenn nicht gar zu diesem einen, besonderen Moment, der am Ende noch dahingehend gipfelt, Eltern von Kindern, die daheim gerne und ausdauernd den Lego-Architekten raushängen lassen, an schmerzliche Erfahrungen erinnert.

Zwei, die mächtig Ärger machen

Irgendwann wird klar, dass wiedermal Kevin und Stuart (und vielleicht auch Bob) das charakterliche Zentrum sonst eher austauschbarer Individuen bilden. Sie bekommen im Mittelalter dann auch das Monsterbuch einer herrlich karikierten Merlin-Parodie in die Finger, um gleich darauf die eine oder andere Beschwörung zu murmeln.

Das Buch mag dann später, im Zeitalter des aufkommenden Tonfilms in Hollywood, gerade wie gerufen kommen, sparen sich die beiden Hansdampfs mühsames VFX und teure Effekte. Einfach ein Monster beschwören – schon könnte ein Film daraus werden, der die Scharen in die Kinos lockt. Oder die Scharen vor etwas flüchten lässt, das mit tausenden Augen nicht unbedingt des Dr. Mabuse alles vernichten will.

Quietschbunter kosmischer Horror

Diese kleine grüne Teletubbie-Version des Cthulhu hätte selbst H. P. Lovecraft zum Lachen gebracht. Mit Quietschstimme und süßelnder Unterwürfigkeit schmiedet das kleine Wesen sinistre Pläne. Haushohe Monster, die sich Illumination aus der Monster AG geborgt hat, sollen dabei helfen.

Und dann ist da auch noch ein Roboter, einer vom anderen Stern mit dem Namen Gort, der, Filmnerds wissen, seit dem Tag, an dem die Erde stillstand, das hollywood‘sche Integrationsprogramm lebt. Dazwischen streut Regisseur Pierre Coffin, der den Minions auch ihre heliuminhalierende Kauderwelsch-Stimme leiht, von der man nie weiß: ist es spanisch, italienisch, englisch, deutsch oder buschmännisch, ein fast schon parallel laufendes Bilderquiz zum Thema Filmgeschichte in die Handlung, die als Minutensketche wunderbar funktionieren.

Eine ganze Packung TicTacs auf einmal lutschen

Je kürzer die Minions ihre Gags zünden, und je überschaubarer das Szenario als gespielter Witz, umso besser funktioniert ihre Slapstick-Welt. Je monströser, epischer und bemüht erzählerischer das Ganze wird, umso weniger.

In keinem anderen Minion-Standalone wird deutlicher, wie sehr die Minions am besten als Sidekicks funktionieren. Und wie gut man sie in szenische Intermezzi unterbringt. Wird’s abendfüllend, verrennt sich das Abenteuer in ein hysterisches Chaos, das immer noch eins draufsetzt, das alles und am besten gleichzeitig will.

Der Overkill überlagert alles

Das große Geklotze mag sich zwar Minions & Monster nennen und die Metaebene mit dem Film im Film gut genug finden – aus irgendeinem Grund aber fällt der dankbare Plot auseinander und muss fortan an doppelter Front auf Biegen und Brechen triumphieren, was abwechselnd eine der beiden Storylines schwächt.

Das Bemühen um Originalität ist letztlich verlorene Liebesmüh; der Roboter und seine Romanze mit einer Suffragette ein merkwürdig vom Thema abkommendes Add-On, als würde der Film von sich selbst ablenken müssen. Ermüdet stellt man fest, dass der Tag, an dem die Erde zumindest ein bisschen stillstehen hätte können, einfach nicht anfängt. Wie schade, denn dann hätte man die Minions deutlicher lachen gehört.

Minions & Monster (2026)

Hoppers (2026)

ICH WOLLT‘ ICH WÄR‘ EIN BIBER

4/10

 

© 2025 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: DANIEL CHONG

DREHBUCH: JESSE ANDREWS

KAMERA: JEREMY LASKY, IAN MEGIBBEN

MIT DEN STIMMEN VON (ORIGINAL): PIPER CURDA, BOBBY MOYNIHAN, JON HAMM, KATHY NAJIMY, DAVE FRANCO, EMAN ABDUL-RAZZAK, EDUARDO FRANCO, TOM LAW, ISIAH WHITLOCK JR., MERYL STREEP U. A.

LÄNGE: 1 STD 45 MIN

 

Das innovative Pionierstudio Pixar hat seit seiner Abspaltung von ILM wahrliche Wunder vollbracht – berührende Geschichten, unverwechselbare Charaktere, vielschichtige Themen, sowohl für Erwachsene als auch für den anspruchsvollen Nachwuchs, der sich nicht nur mit Teletubbies, Paw Patrol und Co zufriedengeben will. Zu diesen Wunderwerken zählt Hoppers leider nicht, obwohl man angesichts der durchaus witzigen Prämisse erwarten hätte können, dass hier wiedermal die Kreativkeule zuschlägt und die richtige Balance zwischen Komik, Gefühl und lässiger Spannung gefunden wurde, alles innerhalb des gemeinsamen Nenners einer ausgefeilten Visualität und einem Charakter Design, da erscheint im Vergleich dazu manch reales Individuum deutlich zweidimensionaler.

Auf Biegen und Brechen innovativ

Bei Hoppers lässt selbst die Ausgestaltung der Figuren zu wünschen übrig – und erinnert frappant an Illumination und seinen eher kantigen, dynamischen, weniger natürlichen Gesichtszüge. Doch darüber hätte man leicht hinwegsehen können. Zumindest sind all die Fellknäuel mit Biberschwanz liebevoll gestaltet, das Rotwild hingegen kaum. Irgendwo also zwischen noch nicht fertig – da geht noch was und wir haben die ultimative Story will Regisseur Daniel Chong an mehreren Fronten gleichzeitig herumfuhrwerken, und das alles mit dem Argument, diesmal etwas ganz anders abzuliefern als man bisher von Pixar und Disney gewohnt war. Gut, darauf könnte man sich vorbereiten, Innovationen gehen immer, kommt drauf an, welcher Natur sie sind. Bei Hoppers rückt statt narrativer Fürsorglichkeit die bizarre Quadratur des Kreises in den Vordergrund, dabei beginnt alles so, als wäre der Rest des Films mit Sicherheit auch auf Schiene. Sorry, ist er nicht. Irgendwann entgleist er.

Wenn Tiere Krieg wollen

Wir haben ein Ökosystem, vollgestopft mit Arten wie aus einem Bilderbuch für Vorschulklassler. Wir haben einen nur an den Profit denkenden Bürgermeister, der sein Projekt der Umfahrungsstraße komme was wolle in die Realität umsetzen möchte (Erinnerungen an den Lobautunnel werden wach). Wir haben ein ethnisch diverses Wissenschaftsteam, dass die Science-Fiction gerade neu erfindet, während die Uni-Studentin Mabel auf eine Weise in ein Geheimprojekt hineingrätscht, die ihr endlich das beschert, wovon sie immer schon geträumt hat: Mit den Tieren kommunizieren. Das gelingt ihr mit einem Techno-Biber, der aussieht wie der echte. Fragen wir lieber nicht, wie das gehen soll – irgendwie funktioniert es jedenfalls. All die Clans diverser Tiergattungen mobilisierend, ruft sie fast schon ungewollt zum Krieg gegen die Menschenrasse auf, um das Bauprojekt zu vereiteln und den Bürgermeister loszuwerden. Mabel geht der Entschluss natürlich zu weit, und um Blutvergießen zu verhindern gerät der Menschenbiber mit all seinen Biber- und sonstigen Freunden in wilde Turbulenzen.

Stepford-Horror und Hai-Alarm

Viel zu wild, viel zu abstrus. Das alles passt letztlich nicht mehr zusammen. Während Drehbuchautor Jesse Andrews in den Stepford-Horror abgleitet, der wirklich jüngere Semester garantiert verängstigt, lässt er sich auch noch von der Trashfilmreihe Sharknado inspirieren und katapultiert einen Hai durch die Flügelkraft sämtlicher Seevögel aufs Trockene, um Jagd auf unsere Protagonisten zu machen. In der Synchro kommt als Erschwerniszulage noch die Stimme von Heidi Klum dazu. Dass Insekten dabei zu Antagonisten werden, weil eine Raupe den Größenwahn auspackt, ist weder pointiert noch gewitzt, sondern seltsam gehässig.

Von einem ausgewogenen  Abenteuer weit entfernt, verheben sich die Macher dieses Films unter autoaggressivem Ringen um Kreativität mit dem Zusammenschluss einzelner cleverer Ideen vor allem dann, wenn vorne und hinten nichts zusammenpasst.

Hoppers (2026)

Killing Gunther

VOM FÄLLEN DER STEIRISCHEN EICHE

4,5/10

 

killinggunther© 2017 Splendid Film GmbH

 

LAND: USA 2017

REGIE: TARAN KILLAM

CAST: TARAN KILLAM, ARNOLD SCHWARZENEGGER, COBIE SMULDERS, KUMAIL NANJIANI, BOBBY MOYNIHAN, RANDALL PARK, HANNAH SIMONE U. A. 

 

Manchmal ist einer dem anderen ein Dorn im Auge. Wirtschaftlich gesehen ist das die Konkurrenz. Die kann man leicht ausstechen, wenn man unlauteren Wettbewerb wählt, was nicht so gern gesehen wird. In der Gilde der Auftragskiller allerdings schon. Und ich meine damit nicht John Wick, der sich der Meute, die ihm ans Leder will, ja fast schon nicht mehr erwehren kann. Keane Reeves kämpft da verbissen um seinen Marktvorteil. Oder besser gesagt: ums Monopol. John Wick ist aus der Sicht des Gejagten erzählt. Es lässt sich das Konzept aber auch umdrehen. Man könnte das Ganze auch aus der Sicht der Meute erzählen. Und man könnte daraus gleich eine Mockumentary machen – was How I Met your Mother-Star Taran Killam (kann mich selbst nicht an den Auftritt des Typen erinnern) in seinem Regiedebüt dann auch getan hat. Das triviale Werk heißt Killing Gunther, war schon 2017 so gut wie abgedreht und schämt sich wirklich kein bisschen dafür, nichts sonst zu Wege zu bringen, außer auf Spielfilmlänge herumzualbern.

Nichts gegen Albernheiten. Es kann beim Film auch mal durchaus hohl einhergehen, es muss nicht immer das Gewissen in uns über dieses und jenes nachdenken. Deadpool zum Beispiel ist auch wahnsinnig albern, und sonst ist nichts dahinter. Funktioniert aber, weil knackig genug in Szene gesetzt. Wirklich voll Banane waren die Filme von Abrahams und Zucker – Top Secret oder Die nackte Kanone. Humor, der wehtut, aber was willst du machen gegen Kult? Killing Gunther hat da fast schon mehr Niveau, weil er sich eines Stils bedient, aus dem man prinzipiell einiges an Schmackes allein schon wegen der Parameter dokumentarischen Filmens herausholen kann. Das gilt auch für eine Mockumentary. Um diesen Gunther, diese John Wick-Parodie, von dem keiner weiß wie er aussieht, wo er wohnt, wie man an ihn rankommt etc., um diesen Gunther also, diesen Alleskönner, zu beseitigen, raufen sich die unterschiedlichsten Todesengel, vom Giftmischer bis zum Bombenleger, zusammen – und heuern auch noch ein risikobereites Filmteam an, um das Unterfangen zu dokumentieren. Was klar ist – Gunther ist dieser Handvoll Idioten stets eine Nasenlänge voraus. Was noch über jeden Zweifel erhaben ist, also für uns Konsumenten: Gunther ist Arnold Schwarzenegger.

Wie hat Taran Killam, Gatte von der ebenfalls durch HIMYM berühmt gewordenen Cobie Smulders (die hier in diesem Reality-Klamauk auch noch mitwirkt) das geschafft? Arnold Schwarzenegger ins Boot zu holen? Jedenfalls ist die steirische Eiche schon so sehr am Ende seiner filmischen Karriere (die er eigentlich mit Terminator: Dark Fate auf solide Art an den Nagel gehängt hat), womit völlig egal ist, zu welchen Metern Film er sich sonst noch überreden lässt. Was der Zuseher auch wissen sollte, ohne zur Halbzeit herumzugranteln: In diesem astreinen Guilty Pleasure hat der Ex-Governator erst relativ spät seine große Stunde. Dafür aber gibt’s dann kein Halten mehr, was Peinlichkeiten anbelangt. Diese Rolle des Gunther, die war ihm sichtlich ein Vergnügen. Da konnte er alles oder zumindest vieles hineinbuttern, was ihm Zeit seines Glamourlebens Spaß gemacht hat und immer noch tut, ohne jede Reue: Zigarren rauchen, ordentlich ballern und verdreschen, sein komödiantisches Talent (mitunter in Frauenkleidern) nochmal durchtesten oder einfach in die Lederhose schlüpfen. Arnie macht alles, und auch Dinge, die er nicht hätte tun sollen, wie zum Beispiel singen. Das kann man natürlich bis zur gefühlten Selbstgeisselung aussitzen, wenn der Abspann auch noch über den Screen soll. Ist dem so, dann wenigstens ordentlich laut aufdrehen 😉

Killing Gunther