Ready Or Not 2 (2026)

VOM BLUTREGEN IN DIE HÄMOGLOBINTRAUFE

6,5/10


Samara Weaving und Kathryn Newton in der Horrorkomödie Ready Or Not 2
© 2026 Searchlight Pictures All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: MATT BETTINELLI-OLPIN, TYLER GILLETT

DREHBUCH: GUY BUSICK, R. CHRISTOPHER MURPHY

KAMERA: BRETT JUTKIEWICZ

CAST: SAMARA WEAVING, KATHRYN NEWTON, ELIJAH WOOD, SARAH MICHELLE GELLAR, SHAWN HATOSY, NESTOR CARBONELL, DAVID CRONENBERG, KEVIN DURAND, OLIVIA CHENG, VARUN SARANGA U. A.

LÄNGE: 1 STD 44 MIN



Keine Ruh hat man. Das wusste schon Sigourney Weaver. In James Camerons Sequel zu Alien kam die Action-Ikone Ellen Ripley auch nicht wirklich zum Ausschlafen, musste sie doch gleich wieder zurück auf diesen Planeten, wo im Original alles begonnen hat. Der zweite Teil setzt dabei genau da an, wo er aufgehört hat. Und zwar nahtlos. Dasselbe passiert bei Zurück in die Zukunft II und sogar III. Hier lässt sich gleich die ganze Trilogie am Stück genießen, wirkt dabei also wie ein Film. Jetzt hat diesen Fortsetzungs-Clou auch Ready Or Not eingeheimst, die Hochzeits-Slasher-Herrenhaus-Partie mit Jagdinstinkt. Und Samara Weaving. In solchen Fällen ist es gut, den vorangegangenen Teil noch bildfrisch in Erinnerung zu haben, sonst hapert es womöglich mit dem geschmeidigen Übergang, der vom Regen in die Traufe führt.

Was bisher geschah

Zur Vorgeschichte: Weavings Figur der Grace kommt wie die Jungfrau zum Kind in den Genuss eines satanischen Rituals, bei welchem am Ende ihre Auslöschung steht, und zwar sollte diese bis Sonnenaufgang über den Jordan geschickt worden sein, sonst wird Beelzebub böse. Und das will keines der Individuen aus dem Adelsgeschlecht der Le Domas-Familie. Also zücken sie sämtliche Waffen, und die gute Grace muss rennen. Sich retten. Und vielleicht, wenn sich die Gelegenheit ergibt, zurückschlagen. Soviel Spoiler zu Teil eins sei erlaubt: Unsere Heldin im blutverschmierten Brautkleid bändigt tatsächlich all die sinistren Bestrebungen und bleibt bis zum Tagesanbruch am Leben. Nur, um dann – das sieht man erst im Zweiten – doch noch umzukippen.

Der Teufel ist ein schlechter Verlierer

Im Spital erwacht, trifft Grace erstens mal auf ihre entfremdete Schwester Faith – und sehr bald schon auf den ersten Meuchelmörder, denn die Sache mit der Opfergabe für den Leibhaftigen ist noch nicht ausgestanden. Schließlich ist mit dem Überleben von Grace eine Situation eingetreten, die des Teufels Advokaten bedarf, der wiederum… aber lassen wir das. Wichtig ist: Bei Ready Or Not 2 handelt es sich nicht um die gleiche Handlung in anderem Gewand. Und selbst wenn es das gleiche Gewand wäre, und die gleiche Handlung: Wenn die Schauwerte stimmen, das hat uns James Cameron bewiesen, dann ist das Bewährte gerade mal gut genug.

Buffy mal anders, eine Regielegende vor der Kamera

Nicht aber hier, was gut ist, wenn man denn vorhat, ein Double Feature zu planen, der beide Teile zusammenführt. Was aber gleich ist: Die Jagd auf Samara Weaving, denn das ist das Grundprinzip dieser Idee. Deswegen geht man ja auch in diesen Film, weil klar ist, was kredenzt wird. Da braucht es nichts, was storytechnisch um die Ecke denkt. Vielleicht gibt man Samara Weaving noch einen zweiten Charakter an die Seite – nämlich Kathryn Newton. Und – wenn wir schon bei den Jägern sind – die Jägerin schlechthin: „Buffy“ Sarah Michelle Gellar. Die ist aber auf der anderen Seite, also die Antagonistin. Schön, sie zu sehen.

Und wer, um alles in der Welt, darf die ersten Szenen des Sequels dominieren? David Cronenberg. Nein, das ist keine zufällige Namensgleichheit, dabei handelt es sich tatsächlich um den Schöpfer von Die Fliege und sämtlichen Bodyhorror-Exzessen der letzten 30 Jahre. Der Altmeister gönnt sich den Spaß, und seine Visage passt perfekt in dieses süffisante B-Movie, das nichts anderes will, als Blut zu sehen.

Dunkle Regeln ohne Konsequenzen

Ready Or Not 2 ist vergnüglich und zwischendurch auch mal zum Gähnen, wenn es um innerfamiliäre Angelegenheiten geht, die nur halbherzig die Handlung voranbringen, ohne im geringsten zu emotionalisieren. Das Spiel mit den dunklen Mächten hat seinen Reiz, und letztlich ist sogar das Hadern mit den Regeln des Spiels der wahre Gag in dieser morbiden Fantasy, wenn schon die Kills gewisse Verschleißerscheinungen sichtbar werden lassen.

Über die aufgeweichte Logik kann man hinwegsehen, auch über das mühsam konstruierte Skript, das es nicht schafft, die stümperhaften Versuche der jagenden Meute mit der Dringlichkeit der Ermordung von Grace auch nur irgendwie zu erklären. Vielleicht hängt der Film auch deswegen manchmal durch. Und was wäre es nicht für ein prachtvolles Ende, wären Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, die mit Abigail ihrem Genre 2024 treu blieben, mutig genug gewesen, das Szenario auf ein neues Level zu heben und die Welt nicht mehr das sein zu lassen, was sie vorhin noch war. Dafür hätten sie alles in der Hand gehabt.

Das finale Crescendo aus Macht und Gier gibt einem aber auch einen gewissen Kick. Und erinnert nicht ungefähr an einen Ring, ihn zu knechten. Schon allein deswegen, weil „Frodo“ Elijah Wood dabei zusieht.

Ready Or Not 2 (2026)

Final Destination 6: Bloodlines (2025)

DETERMINISMUS MIT SIPPENHAFTUNG

6/10


© 2024 Warner Bros. Pictures, Inc. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2025

REGIE: ZACH LIPOVSKY, ADAM B. STEIN

DREHBUCH: GUY BUSICK, LORI EVANS TAYLOR, JON WATTS

KAMERA: CHRISTIAN SEBALDT

CAST: KAITLYN SANTA JUANA, TEO BRIONES, RICHARD HARMON, OWEN JOYNER, RYA KIHLSTEDT, ANNA LORE, BREC BASSINGER, TONY TODD, GABRIELLE ROSE, APRIL TELEK, ALEX ZAHARA U. A. 

LÄNGE: 1 STD 50 MIN


Grüß Gott, ich bin der Tod: Wenn Gevatter dich auf dem Kieker hat, reicht es womöglich nicht, wenn man ihm, ganz so wie die legendäre EAV es besingt, einen Jagatee kredenzt. Doch der Sensenmann macht sich in Wahrheit gar nichts aus Hochprozentigem, dafür aber will er, dass die ganzen hundert Prozent derer, die auf seiner Liste stehen, auch über die Klinge springen. In der Horrorfilm-Reihe Final Destination hat der Tod auch nie ein Gesicht. Das, was die ganze Zeit so aussieht, als wären es unglückliche Zufälle, scheint eine höhere Macht, die das Leben und Ableben steuert. Der freie Wille ist nur Illusion. Diesem Determinismus zu entgehen, der uns alle gefangen hält, mag ein Ding der Unmöglichkeit sein. Das geht nur dann, wenn man Gevatter austrickst. Wie die alte Frau in ihrem Häuschen – wir alle kennen den Witz – die, auf die Tränendrüse drückend, einen Deal mit ihrem Schicksal eingeht und den Tod auch schwören lässt, er soll sie doch erst am nächsten Tag nochmal holen. Zur Erinnerung heftet sie den Vertrag an die Tür – und lebt womöglich heute noch.

Damals, 25 Jahre ist es her, sorgte der Horrorthriller Final Destination für schweißnasse Hände – der vorausgeahnte Flugzeugcrash ist mir in Erinnerung geblieben. Diese Katastrophe, vom Schicksal so vorausgeplant, bildete im Jahr 2000 den Auftakt für allerlei bizarre Ideen, wie ein Mensch auf die noch so absurdeste Art und Weise das Zeitliche segnen kann. Dabei zeichnete sich bereits ab: Hat man wohl einen Teil dieser Filmreihe gesehen, kennt man alle. Somit haben wir es hier mit reinstem Effektkino zu tun, das aber auch dazu steht, nichts anderes zu wollen außer den Effekt, den Kick, die blutige Schadenfreude, die Sensation, wenn junge Menschen abnippeln und dabei nicht selten den Kopf, das Rückgrat oder alle Extremitäten verlieren. Zumindest beim Original war die Idee eines vorbestimmten Plans einer alles steuernden Entität ein prickelndes, auch unbequemes Gedankenspiel. Doch was anfangs schon durch war, dient wohl des Weiteren kaum als inhaltliches Füllmaterial. Macht aber nichts. Filme, in denen der Zweck des garstigen Entertainments die Mittel heiligt, und wenn sie auch immer ähnlich sind, taugen zumindest so viel wie eine Achterbahnfahrt am Rummel. Auch die will man immer und immer wieder genießen, sofern schwindelfrei.

Nicht ganz so schwindelfrei mag wohl der eine oder andere Besucher eines dem Donauturm ähnlichen, schicken Luxus-Restaurants sein, genannt Skyview Tower. In den Sechzigern lässt sich Iris von ihrem Freund Paul zur Eröffnung dieser sensationellen Lokalität liebend gerne einladen, mulmiges Gefühl beim Einsteigen in den Fahrstuhl hin oder her. Und natürlich hat die junge Dame sogleich die Vision einer verheerenden Katastrophe, ausgelöst durch eine Münze, die in den Lüftungsschacht gerät. Wie Zach Lipovsky und Adam B. Stein die Materialschlacht mit zahlreichen Todesopfern inszenieren, kann sich sehen lassen. Das beste dabei: Wenn man glaubt, spektakulärer wird es wohl nicht, braucht man sich nur vorstellen, was passiert, wenn ein MRT-Gerät im nächstgelegenen Krankenhaus verrückt spielt. Das tut weh, höllisch weh. Abermals durften sämtliche kreative Köpfe im Ideenpool plantschen, damit es auch diesmal wieder Unfälle gibt, die man so noch nicht gesehen hat. Es verhält sich wie mit den Filmen der Saw-Reihe: Selbes Prinzip, selbes Muster, auch hier sollte sich bestenfalls keine der Foltermethoden wiederholen.

Final Destination 6: Bloodlines meldet sich also nach Jahren wieder zurück aus dem Scheintod und will diesmal auch mehr Story liefern. Mit Bloodlines ist sowieso schon alles gesagt: Folglich trifft es diesmal die Erben der dem Tode Entwischten. Auf kuriose Weise ist das nur logisch und auch durchdacht, wenngleich die Stringenz dabei im Laufe der Handlung verlorengeht und der Tod bald selbst seine eigenen Regeln nicht mehr befolgt. Anyway, bei Filmen wie diesen ist das egal. Blut muss fließen, Schädel müssen brechen, und Baumstämme sind schwer. Dass das ganze mehr zum körpersaftigen Hoppala-Overkill mutiert als zum unheilvollen Horror ausartet, ist auch kein Geheimnis. Wer’s mag, ist hier nicht fehl am Platz. Gesehen, schadenfroh grinsend geekelt und vielleicht vergessen. Es sei denn, man muss bald zum MRT.

Final Destination 6: Bloodlines (2025)

Abigail (2024)

UNGEHEUER IM GEMÄUER

7/10


abigail© 2024 Universal Studios


LAND / JAHR: USA 2024

REGIE: MATT BETTINELLI-OLPIN & TYLER GILLETT

DREHBUCH: GUY BUSICK, STEPHEN SHIELDS

CAST: ALISHA WEIR, MELISSA BARRERA, DAN STEVENS, KATHRYN NEWTON, KEVIN DURAND, ANGUS CLOUD, WILLIAM CATLETT, GIANCARLO ESPOSITO, MATTHEW GOODE U. A.

LÄNGE: 1 STD 49 MIN


Eine Handvoll Krimineller, deren Ableben aus moralischer Sicht vertretbar wäre, in irgendeine Immobilie zu stecken und zusehen, was passiert: ein gern gesehenes Narrativ Im Thriller- und Horrorgenre. Und obwohl dieses Konzept schon so abgedroschen wirkt, ist der Clinch mit dem einschätzbaren Aggressor immer wieder so genussvoll wie eine Tüte Chips, denn auch da weiß man, was drin ist: Fett und Salz machen den Unterschied. Blut und Suspense den anderen. Der höchst erfolgreiche Knüller Don’t Breathe hat es bewiesen: Ein paar windschiefe Typen laufen einem blinden, alten Kriegsveteranen mitten ins Messer. Verdient haben diese das grausige Ableben nicht, doch allein wie sie sich anstellen, um Opa Herr zu werden, verdient eine Abreibung. Ähnlich draufgängerisch gebärdet sich in Abigail eine Bande Kidnapper, die für satte Millionen gerne mal ein unschuldiges Kind entführen, das einfach nur vom Ballett-Training nachhause will, um einen anstrengenden Tag in Ruhe ausklingen zu lassen. Doch nichts da: Die Entführung ist von langer Hand geplant, die Kleine betäubt, eingesackt und abgeliefert. Auftraggeber ist der undurchsichtige Lambert (Giancarlo Esposito), der das sechsköpfige Team nach eigentlich getaner Arbeit noch zum Babysitten verdonnert, und zwar die nächsten vierundzwanzig Stunden, denn dann winkt der große Reibach. Kann nicht schwierig werden, denkt sich die Bande – und wird dann schon bald eines Besseren belehrt. Denn Abigail – das kennen wir schon aus dem Trailer – ist alles andere als ein schüchternes, ängstliches, wimmernden Mädchen. Sie ist ein Vampir und zeigt alsbald Zähne, die zielsicher in den Hälsen so mancher menschlicher Individuen landen, die zur falschen Zeit am falschen Ort aufschlagen. Die Kacke ist am Dampfen, der Körpersaft am Spritzen: Es geht um Leben, Tod und ewiges Leben – je nachdem, auf welche Seite man sich schlägt. Die einen haben es mehr verdient, die anderen weniger. Die Erwartungen der Zuseher werden dabei keineswegs untergraben. Denn Gott behüte – man könnte Gewohntes ja konterkarieren.

Diese Vorhersehbarkeit, die fast genauso wehtut wie den spitzen Zahn zu fühlen, ist der einzige Schwachpunkt in diesem lustvollen Survival-Horror frei nach Agatha Christies Abzählreim-Roman. Dass nicht alle in diesem Sechs-Gänge-Menü für blutleckende Untote in zynischem Eigennutz agieren, ist sofort klar – und genauso klar ist, ob, und wenn ja, wer von den Eingesperrten letztlich überleben wird. Das nimmt Abigail dann doch etwas die Überraschung, doch man kann darüber hinwegsehen, genauso wie über konfuses Zeitverständnis und die Länge eines Tages oder einer Nacht. Wie es das Drehbuch benötigt, wird die Zeit zum lästigen Anhängsel, dem man am liebsten einen Pflock ins Herz treiben möchte. Die Uhren laufen anders in diesem Gemäuer, das sich, sobald der Spaß beginnt, hermetisch von der Außenwelt abriegelt. Dabei flitzt Abigail wie ein von der Tarantel gestochenes kleines Ungeheuer die Stufen rauf, die Stufen runter, dreht zwischendurch ein paar Pirouetten und hat ihre kindliche Freude daran, ihre Opfer vorzuführen.

Das Regieduo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, verantwortlich für das etwas aus den Fugen geratene Hochzeitsbankett Ready or Not, zu welchem gerade die Braut herself auf Teufel komm raus von der Sippe des Bräutigams durch deren Anwesen gejagt wird, variieren ihren augenzwinkernden Splatter-Thriller aus dem Jahre 2019 wenn man es genau nimmt nur ein bisschen. Anderen Filmemachern könnte man vorwerfen, sich selbst zu kopieren – bei diesen beiden hier könnte man in Versuchung geraten, more of the same sehen zu wollen. Denn das, genau das, können Bettinelli-Olpin und Gillett richtig gut. Sowohl Ready Or Not als auch Abigail sind weniger Horror als viel mehr rasante Actionfilme, die mit dem Genre des Phantastischen kokettieren. So, wie sie Lebende und Untote von der Leine lassen, damit sie sich gegenseitig zerfleischen, macht formelhaftes Escape-House-Thrillerkino richtig Spaß. Eine bodenständige Energie entlädt sich – und ich denke, seit Buffy und Angel hat man Vampire nicht mehr so kämpfen sehen, schon gar nicht jemanden wie Alisha Weir (eben auch in Kleine schmutzige Briefe zu sehen), die im Ausleben ihrer anarchischen Rolle ein Engagement an den Tag legt, welches das ganze Ensemble mitreisst. Dan Stevens und Kevin Durand fluchen und rennen um die Wette, am Ende dreht sich das Spiel wie im Roulette, und die Frage, wer die Farbe des Todes und die des Blutes trägt, bleibt gelegentlich offen. Diese Verve der akrobatischen und fein getricksten Actionszenen machen Abigail zum Hingucker, das Blutbad wird zur selbstironischen Übertreibung wie schon bei Ready or Not und lässt das Treiben im Titty Twister aus From Tusk Till Dawn manchesmal anämisch aussehen. Am Ende könnte man seine Liebe zu den Vampiren neu entdecken, zum Glück haben diese gleich zehnfach doppelt so viele spitze Zähne wie Twilight-Vampire keine haben. Nebenbei bemerkt ein Unding, dass ich diesem Franchise nie verzeihen werde.

Abigail (2024)