Der Teufel trägt Prada 2 (2026)

EXORZISMUS IN DER MODEBRANCHE

3/10


Anne Hathaway, Meryl Streep und Stanley Tucci in Der Teufel trägt Prada 2© 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved.


LAND / JAHR: USA 2026

REGIE: DAVID FRANKEL

DREHBUCH: ALINE BROSH MCKENNA

KAMERA: FLORIAN BALLHAUS

CAST: MERYL STREEP, ANNE HATHAWAY, EMILY BLUNT, STANLEY TUCCI, TRACIE THOMAS, TIBOR FELDMAN, KENNETH BRANAGH, LUCY LIU, JUSTIN THEROUX, B. J. NOVAK, SIMONE ASHLEY, PATRICK BRAMMALL, RACHEL BLOOM, LADY GAGA U. A.

LÄNGE: 1 STD 59 MIN



Die Leibhaftige der Modebranche trägt zwar immer noch sündteure Markenware, und die Frisur sitzt – sie selbst aber hat an Biss verloren. Warum? Weil Frau zwanzig Jahre später einfach nicht mehr so herumgiften darf wie Frau gern würde. Weil es ganz plötzlich Compliance-Richtlinien und einen Verhaltenscodex selbst für die Chefetage gibt, die auch auf Miranda Priestly abfärben. Einerseits: natürlich korrekt so. Keiner braucht Redaktionsdrachen, die einen unentwegt auf den Kopf kacken.

Ein Klassiker des strebsamen Karriere-Kinos

Diese ausgelebte, verachtende Verhaltensweise war das Salz in der Suppe eines komödiantischen und selten klugen Karriere-Knüllers, der 2006 über die Leinwände flimmerte: Der Teufel trägt Prada. Ein Film war das, der sogar Glamour-Banausen und Modemuffel ins Kino lockte. Ein Film, dem Thema und Branche egal war, der diese abgehobene Welt des eitlen Wahnsinns als etwas verkauft hat, was uns alle angeht: Als gewaltige Baustelle für Ethik, Akzeptanz und Wertebewusstsein.

Worauf, so hat sich Anne Hathaways Figur der Andrea Sachs damals gefragt, kommt es eigentlich an, wenn man Karriere machen will? Auf das Geld? Auf die Bussi-Bussi-Gesellschaft? Auf Ellenbogen? Vielleicht sogar auf die eigenen Prinzipien, die man dann doch nicht aufgeben möchte. Meryl Streep bekam dafür eine ihrer vielen Oscar-Nominierungen, Anne Hathaway und Emily Blunt waren ideal besetzt als die zwei Seiten der Erfolgsmedaille.

Lange nicht gesehen, wie geht’s?

Und jetzt? Was ist alles passiert, nach so langer Zeit? Fühlt sich an, als würde man im Supermarkt alten Bekannten über den Weg laufen, die aber auf die Frage hin, was es denn Neues gäbe, nur milde lächelnd mit den Achseln zucken, und darauf, wie es denn selbst so gehe, lediglich meinen: Wie die anderen wollen. Wie es der Zeitgeist eben will, biedert sich in Der Teufel trägt Prada 2 eine Geschichte an, die all die Veränderungen der letzten zwei Dekaden passiv wie ein Schwamm in sich aufsaugt, um auf diese dann in gestellter Praxis zu reagieren.

Darüber hinaus gibt es kaum noch Interessantes zu erzählen. Streep, Hathaway und Blunt haben sich völlig auseinandergelebt und müssen nun um Kopf und Kragen den Modedrachen reiten, der eigentlich gar nicht mehr aus seiner Höhle will. Während ich diesem dahinplätschernden Treiben eher gelangweilt zusehe, wird deutlich, warum Pretty Woman, Und täglich grüßt das Murmeltier und andere Komödienklassiker um eine Fortsetzung nur um des Mammons willen herumgekommen sind.

Geht’s der Wirtschaft gut…

Der Teufel trägt Prada 2 ist verdünnter Prosecco, ein zwangsbeglückend kapitalistischer Epilog, den man getrost auslassen kann, wenn man sich nicht für mit Glamour durchsetzte Firmenpolitik interessiert. Viel wird geredet, drumherum knapp geschnitten, ohne Luftholen und Wirkung, als hätten alle zu wenig Zeit, um den Plot durchzubringen, und zwar in einer Dauer von zwei Stunden, die sich anfühlen wie mehrere Episoden von Sex and the City hintereinander aus der Sicht eines Quereinsteigers.

Nur geht es nicht um Sex und auch nicht um die City, sondern um ein Verlagshaus, das alle retten müssen, weil ohne Luxus die Welt ja untergeht. Und um Sasha Barnes (Lucy Liu), deren Bekanntheitsgrad der Plot voraussetzt, von der aber niemand weiß, wer das sein soll.

Dem Zeitgeist geschuldete Vorhersehbarkeit

Was bringen wir noch alles in einen so zeitgeistigen Film über die Reichen und Schönen und noch nicht Reichen, aber Schönen und trotzdem zu wenig Beachteten? Alles, was die Zeit eben so hergibt: Tech-Milliardäre, Konzerndenken, digitale Medien statt Print, Equality (davon kann es nie genug geben) und den immer strahlenden Materialismus, dem Emily Blunts Figur auf zynische (und leider auch nervige) Weise erliegt. Streeps geschaffene Ikone ist müde und zahm geworden – Anne Hathaway lässt sich immer noch gerne quälen, während Stanley Tucci als ewige Konstante den Faden hält, den alle verloren haben.

Der Teufel trägt Prada 2 (2026)

Der Schatz des Duce (2022)

AM WELTKRIEG GESUNDGESTOSSEN

5/10


derschatzdesduce© 2022 Netflix Inc. 


LAND / JAHR: ITALIEN 2022

REGIE / DREHBUCH: RENATO DE MARIA

CAST: PIETRO CASTELLITTO, MATILDA DE ANGELIS, TOMMASO RAGNO, ISABELLA FERRARI, LUIGI FEDELE, FILIPPO TIMI, ANTONIO SCARPA, EUGENIO DI FRAIA U. A.

LÄNGE: 1 STD 30 MIN


Zu diesem Zeitpunkt ist ohnehin schon alles wurst. Der Zweite Weltkrieg liegt – zumindest in Europa – in seinen letzten Zügen. Die Alliierten haben längst schon Land gewonnen, die Oberhäupter harren entweder in Bunkern der vielleicht doch noch eintretenden überraschenden Wende entgegen – oder rüsten sich für die Flucht ins Exil. So wie zum Beispiel Faschistenzwerg Mussolini, der nur noch sein Erspartes in Form eines Goldschatzes, bei welchem wohl jeder Geschuppte gierig schmauchen würde, aus einer Kaserne in Mailand fortschaffen muss. Dieser Stichtag ist nicht nur den Faschos bekannt, sondern auch dem Widerstand. Oder besser gesagt: einer Handvoll Gauner, Gelegenheitsbetrüger und Schmuggler, die sich jetzt noch, am Ende der ganzen weltumspannenden Katastrophe, auf Kosten der bösen Buben gesundstoßen wollen.

Isola, ein Schwarzmarkthändler (Pietro Castellitto), riecht den Braten als erster. Es dauert nicht lang, da schart er eine Art „Bad Batch“ um sich, die mit Mussolinis Staatsphilosophie überhaupt nichts am Hut haben. Die attraktive Yvonne (Matilda de Angelis, u. a. Der göttliche Andere), Gespielin eines ranghohen Offiziers, soll dabei als Spionin die wichtigsten Infos zusammentragen, die mit dem Abzug des Militärs zu tun haben – denn das ist der Moment, um zuzuschlagen. Mit gewissen Tricks und einem Sprengmeister, der sein Handwerk beherrscht, könnte der Coup sogar gelingen.

Dabei erinnert Der Schatz des Duce in Sachen Ausstattung, Setting und der erzählerischen Dynamik an die Abenteuer eines Indiana Jones, insbesondere, wenn wir uns den Epilog zum Rad des Schicksals in Erinnerung rufen. Das kriegsgebeutelte Mailand dient in diesem Film hier als pittoreske Kulisse, stramm stiefelnde Soldaten erinnern dabei an eine immer noch inhärente Gefahr, und charismatische Sadisten, die auch ihren Anteil wollen, bevor alles den Bach runtergeht, bieten jede Menge antagonistische Projektionsfläche, um sich abzureagieren. Nur: Diesem Film fehlt einer wie Harrison Ford. Und statt Steven Spielberg (oder eben erst James Mangold) darf Renato De Maria ran – ein Filmemacher, dem internationale Studios noch nicht ganz so die Tür eingerannt haben, was vermutlich daran liegt, das große filmische Ambitionen bei anderen Künstlern zu finden wären.

Sein auf Netflix veröffentlichtes Weltkriegsabenteuer ist zweifelsohne prächtig ausgestattet. De Maria versteht sein Handwerk – das Problem dabei: er versteht es auch als solches, als Auftragsroutine, die man erledigen will, ohne im Nachhinein groß den Unmut des Publikums zu kassieren. Der Film kommt überdies einige Genrewerke zu spät, was so viel heißen will wie: Nichts, was Der Schatz des Duce inhaltlich auffahren kann, trägt zur Identifikation des Films bei. Alles schon mal dagewesen. Das Gold – und nicht mal irgendein spezielles Artefakt – diente schon des Öfteren als Objekt des Disputs, so gesehen in Peter Torwarts Nazi-Western Blood & Gold oder neulich in der Finnland-Schlachtplatte Sisu. Es mag zwar Martina de Angelis allein schon durch ihre Anwesenheit das ganze Ensemble entsprechend aufmotzen, doch die Figurenzeichnung bleibt stereotyp und flach. Richtig interessant wirkt keiner der Anti-Helden. Und das ist auch der elementare Grund, warum man Der Schatz des Duce sieht – und bald wieder vergisst. Der Pfad zum Edelmetall ist längst ein ausgetretener.

Der Schatz des Duce (2022)

House of Gucci

MADE IN ITALY

5,5/10


houseofgucci© 2021 Universal Pictures


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: RIDLEY SCOTT

CAST: LADY GAGA, ADAM DRIVER, JARED LETO, AL PACINO, JEREMY IRONS, SALMA HAYEK, CAMILLE COTTIN, JACK HUSTON, REEVE CARNEY U. A.

LÄNGE: 2 STD 38 MIN


Ridley Scott, der momentan damit hadern muss, dass alle Welt seinen letzten Film (nämlich The Last Duel) nicht versteht, macht gelegentlich auch mal was anderes als nur Science-Fiction oder Weltgeschichte. Womit er ebenfalls liebäugelt, das sind gesellschaftsrelevante Skandale, die in ihrer akuten Phase so viel PR angelockt haben, um später noch kinotauglich zu sein. Wir erinnern uns: Christopher Plummer als Inkarnation von Dagobert Duck hatte in Alles Geld der Welt für die entführte Verwandtschaft keinen einzigen Cent übrig. Dieses Jahr zirkuliert die Lire im Norden Italiens, genauer gesagt in Mailand rund um feines Leder und noble Kleidung. Es geht um Gucci – eine jede und ein jeder kennt die Marke, auf schicken Flaniermeilen lässt sich das eine oder andere Monatsgehalt für Taschen in bekanntem Muster erstehen, auch sonstiges ledernes Accessoire und natürlich auch Schuhe mit – wenn’s hochkommt – Blattgoldeinsatz für den dekadenten Geschäftsmann. Hier ist Reichtum keine Schande, die Gier danach aber auf jeden Fall. Dabei hat alles so begonnen wie in einer klassischen Seifenoper: Ein Mädel aus dem Hemdsärmel-Business trifft in einer Bar den schicken Sprössling nämlichen Modehandels – und wittert natürlich ihre große Chance. Sie verliebt sich (oder auch nicht, das weiß man nicht so genau), lässt nicht locker, bezirzt den phlegmatischen Lulatsch, bis der klein beigibt und beide heiraten. Patricia, so heißt sie, ist nun eine Gucci, sehr zum Leidwesen des Schwiegervaters, jedoch zur Freude des charismatischen Onkels, der das Geschäft mehr oder weniger im Alleingang führt, und stets darauf achtet, dass sein eigener exzentrischer Sohn mit seinen kreativen Allüren den Geldhahn nicht verstopft. Dabei entgeht ihm, wie Patricia drauf und dran ist, sich das Familienunternehmen gänzlich unter den eigenen Nagel zu reißen

Für diesen etwas anderen, aber wuchtigen Familienfilm hat Ridley Scott sogleich Fashion-, Stil- und Popikone Lady Gaga nach Mailand einfliegen lassen, hat die doch sowieso italienische Wurzeln und hört nicht selten auf den Namen Stefani Germanotta. Als längst gefragte und tatsächlich höchst talentierte Schauspielerin schlüpft sie in die schillernde Rolle der Gucci-Mörderin Patricia Reggiani mit allen nur erdenklichen Jetset-Attitüden einer Möchtegern-Neureichen, die mit gehörig Feuer im Hintern die alten Geschäftshasen auf die Ersatzbank verweisen will. Der üppigen Matrone, die ihre Kurven ins Gefecht führt und auf High Heels dahergestelzt kommt wie keine andere, verleiht Lady Gaga ein Temperament, wie es seinerzeit Angela Channing in Falcon Crest hatte. Nur statt Wein ist es diesmal Leder, und einer wie Al Pacino ist da gleich ganz abgelenkt, wobei der Alt-Pate keinesfalls darauf vergisst, seinen ebensolchen europäischen Ursprung, verbunden mit seinen gewohnten, gern gesehenen Manierismen zu verbinden. Die Rechnung geht auf: seine Rolle als Onkel Aldo Gucci ist ein durchgetaktetes Vergnügen und die Darstellung eines weltgewandten, aber stark traditionsverbundenen Lebemanns, der noch lange vor trendigen NLP-Strömungen mit Wortgewandtheit den Laden schmeißt. Jared Leto versucht das auch, gerät aber zur Witzfigur. Auch das kann authentisch sein, Witzfiguren gibt es in der Geschichte genug, nur bleibt immer noch seltsam, wieso sich durchs Tragen eines gänzlich anderen Gesichts die Qualität eines Schauspiels definieren soll.

Ernüchternd blass bleibt hingegen Adam Driver, der momentan überall heiß gehandelt wird. Vielleicht, weil er Teamgeist hat, was für den Dreh durchaus von Wert sein kann. In seiner Performance greift er auf Routine zurück und geht sogar so weit, seiner schwer verwechselbaren Erscheinung zu genügen. Herumstehen reicht trotzdem nicht, und Lady Gaga spielt ihren Partner an die Wand. Was also in Erinnerung bleibt, ist das energisch vibrierende Dekolletee einer wandelbaren Künstlerin, die leider allzu oft eine True Story tragen muss, die sich bei einer Spieldauer von zweieinhalb Stunden reichlich ausdünnt. Deutlich zu lang ist Scotts Neuzeitwerk. Der Schwanengesang für ein Unternehmen, dass sich selbst ins Aus schießt, wäre in knappen neunzig Minuten ausreichend durchgesungen.

House of Gucci