Apex (2026)

AN DIE WAND GESPIELT

7/10


Charlize Theron und Taron Egerton im Netflix-Hit Apex
© 2026 Netflix Inc.


LAND / JAHR: USA, VEREINIGTES KÖNIGREICH, ISLAND 2026

REGIE: BALTASAR KORMÁKUR

DREHBUCH: JEREMY ROBBINS

KAMERA: LAWRENCE SHER

CAST: CHARLIZE THERON, TARON EGERTON, CAITLIN STASEY, BESSIE HOLLAND, MATT WHELAN, AARON PEDERSEN, ZAC GARRED U. A.

LÄNGE: 1 STD 35 MIN



Was bedeutet Apex überhaupt? Erstmal hat der Begriff nichts mit „Ape“ zu tun, auch wenn die Assoziation anthropologischer Natur sein mag. Mit Apex meinen die im Internet befindlichen Lexika und Wörterbücher eher „Spitze, Scheitel- oder Höhepunkt“. Naheliegend wäre hier der Gipfel, der Wendepunkt nach dem Aufstieg, nach welchem geübte Kletterer endlich wieder mit beiden Beinen aufsetzen können.

Wer schauspielen will, muss leiden

Oder aber ist damit der Jäger an der Spitze gemeint? Der Apex Predator? Das ultimative Raubtier? Irgendwie scheint hier alles zu passen. Sowohl das eine, als auch das andere. Jedenfalls geht’s dabei an die Grenze, und wie wir bereits aus diversen PR-Terminen und Presseberichten längst wissen: Model und Schauspielerin Charlize Theron, die sich niemals dafür zu schade ist, physisch einiges auszuhalten (ich sage nur: Atomic Blonde), hat die Benchmark auf direktem Wege überwunden. Sie selbst, so sagen die Medien, habe hier einige der Kletterszenen selbst ausgeführt. Des weiteren beweist sie im Canyoning beachtenswerte Geradlinigkeit; kann rennen, stürzen, aufstehen, fallen – alles in einer Tour und mit dem notwendigen Quantum an Ermüdungs- und Erschöpfungserscheinungen, denn Theron will sich schließlich nicht nachsagen lassen, sie wäre der nächste weibliche Jason Statham.

Kalenderbilder mit Redneck-Vibes

Natürlich ist der Star erschöpft. Alleine die sagenhafte Natur des Watarrka Nationalparks im Northern Territory Australiens raubt einem schon den Atem. Balthasar Kormákur weiß, wie er diese schwer zugängliche Gegend einfängt. Dank der Drohnentechnologie sehen wir diese Landschaft aus Blickwinkeln, die, wären wir dort, selbst dann nicht zu sehen bekämen. Somit ist völlig nachvollziehbar, dass sich Protagonistin Sasha, die mit der Verarbeitung eines Bergdramas zu kämpfen hat, während diesem ihr Partner Eric Bana der Gravitation auf tödliche Weise erlag, auch nicht davon abhalten lässt, hier Ruhe und Ausgleich zu finden, als toxisch männliche Hinterwäldler ihr auf gefährliche Art den Hof machen.

Einer von denen scheint aber ganz aufgeräumt zu sein: Taron Egerton als der saloppe Ben – hilfsbereit, motiviert, ein „grader Michel“, wie man so schön sagt. Die Anwesenheit dieses Kerls stimmt Sasha zuerst zuversichtlich, kurze Zeit später aber deutlich weniger. Denn bei so viel Verhaltensperfektionismus inmitten einer von allen vergessenen Wildnis hat irgendwo einen Haken – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, wie sich später herausstellt.

Garstig wie ein Kobold

Was folgt, ist eine Hetzjagd durch die Botanik – und letztlich auch die Senkrechte hinauf und hinunter, sodass die vor Abenteuerlust schweißgetränkten eigenen Handflächen nach Magnesium lechzen. Kormákur versteht sein Genre sowieso schon längst, spätestens seit dem kuriosen Survivaldrama rund um den sogenannten „Walross-Mann“: The Deep aus dem Jahr 2012.

Nach Everest, der Chronik einer Tragödie am höchsten Berg der Welt, ist der Stressfaktor gesetzt: Apex wird wohl ähnlich auf Zug inszeniert sein. Und dabei ist der Antagonist nicht das flache Abziehbild eines aus der Versatzstückschublade hervorgeholten generischen Psychopathen, sondern ein mit gespenstischer Infantilität gesegneter hyperaktiver Bosnigl, der als perverser Kobold wie ein mythologischer Waldgeist den Überlebenswillen einer toughen Survivalistin kitzelt.

Zwischen Motivation und Abschreckung

Ein bisschen wie John Boorman, und manchmal auch wie Renny Harlins gewaltiger montaner Stirb Langsam-Reißer Cliffhanger: Kormákur hat die Plausibilität auf seiner Seite, es setzt auf psychologischen Terror und erbarmungslose Natur, die zwischen Gut und Böse einfach nicht unterscheiden will. Dieses exponierte Ausgesetztsein inmitten üppiger kontinentaler Schönheit reizt den Couchpotato genauso wie den Aktivsportler, der es kaum erwarten kann, sich selbst herauszufordern. Für Netflix also die beste Sorte Film für den Frühsommer.

Apex (2026)

Don’t breathe

STARR VOR ANGST

5,5/10


dontbreathe© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH


LAND / JAHR: USA 2016

REGIE: FEDE ALVAREZ

CAST: JANE LEVY, DYLAN MINNETTE, DANIEL ZOVATTO, STEPHEN LANG U. A. 

LÄNGE: 1 STD 28 MIN


Der alte, blinde Mann ist bald wieder unterwegs – erst kürzlich gab’s hierzu den Trailer Release. Grund genug, mir endlich mal das Original anzusehen, derzeit sehr bequem abrufbar auf Netflix. Ich bin ja prinzipiell nicht so der Horrorfan, allerdings lasse ich mich in der letzten Zeit mehr und mehr zu ganz bestimmten Genrevertretern hinreißen, sofern sie nicht das eigene Weltbild durcheinanderbringen. Interessant sind unter anderem auch Genre-Hybriden wie Don’t breathe. Filme, die sich nicht festlegen, ob sie Horror oder einfach nur Thriller sein wollen. Für mich ist die Chronik eines verhängnisvollen Einbruchs ein astreiner Psychothriller. Mit, sagen wir mal so, einigen wenigen Horror-Einsprengseln, die zur Erkenntnis führen werden, den alten, blinden Mann anfangs gründlich unterschätzt zu haben. Doch auch nach dieser Um- und Neudefinition von Fede Alvarez‘ Überraschungshit aus dem Jahr 2016 will der durchkalkulierte Vier-Wände-Slasher aus so manchen Gründen nicht immer überzeugen.

Die Plot ist, wie meistens bei Horror- und Spannungsfilmen, schnell umrissen. Drei Twentysomethings aus der Unterschicht verbringen ihre Freizeit vorzugsweise damit, in leerstehende Häuser einzubrechen, natürlich meistens zu nachtschlafener Zeit. Für die Diebe kein Problem, ist doch der Vater des einen Chef einer Sicherheitsfirma, die Alarmanlagen installiert. Ist so eine mal deaktiviert, heißt es: die Rucksäcke auf und rein mit dem Klunker. Was die drei aber geritten hat, in einem gottverlassenen Vorort gerade das Haus eines blinden Kriegsveteranen auszuwählen, sind rund 300.000 Dollar, die der Alte bei sich zuhause bunkert. Die Summe als Entschädigung für seine bei einem Verkehrsunfall totgefahrene Tochter. Rocky, Alex und Money warten, bis es finster wird. In der Höhle des Löwen gelandet, steht der alte, blinde Mann flugs auf der Matte. Und denkt nicht daran, seinen wertvollsten Besitz drei Verbrechern zu überlassen.

Don´t breathe funktioniert letzten Endes nur, weil Alvarez auf einen recht relevanten psychologischen Faktor setzt: den der Angst. Was nicht heißen soll, dass der Zuseher plötzlich vor Furcht gebeutelt gar nicht mehr richtig hinsehen kann. Es ist die Angst der Protagonisten. Jane Levy (u. a. Fremd in der Welt) zum Beispiel lähmt die Panik, das Haus nicht mehr verlassen zu können. Auch der andere, Money, steht wie angewurzelt da. Nervlich betrachtet dürfte das nicht so deren Ding sein, Häuser inklusive Bewohner zu überfallen. Durch diese Lähmungserscheinungen hat der knorrige Veteran, mit zorniger Härte verkörpert von Stephen Lang, freie Hand. Und Blinde Menschen, die wütend sind, sollte man genauso wenig unterschätzen wie blinde Aliens, die in A Quiet Place aus dem Schatten kriechen. Im Grunde ist es die selbe Prämisse. Nur – Emily Blunt und Familie scheinen prinzipiell geistesgegenwärtiger zu sein als diese unbedarften Grünlinge, die erst durch ihre Inkompetenz einen gewissen Konflikt erzeugen, der das Potenzial des Filmes ausmachen soll. Letzten Endes aber quält der Millionenshow-Effekt, der bei Filmen wie diesen immer wieder eintritt. Will heißen: Daheim auf der Couch weiß man es besser. So richtig packend wird ein Film aber erst dann, wenn man selbst, wohlig lungernd in der Safe Zone, mit der Besserwisserei nicht mehr weiterkommt. Und niemand greift sich dann noch kopfschüttelnd an den Kopf, wenn in einer Katz-und-Maus-Jagd wie dieser jene den Kürzeren ziehen, die es aufgrund ihres mangelnden Weitblicks zu gar keinem anderen Ergebnis gebracht hätten.

Don’t breathe