Mortal Kombat (2021)

WE ARE THE CHAMPIONS

6/10


mortalkombat© 2021 Warner Bros. Deutschland


LAND / JAHR: USA 2021

REGIE: SIMON MCQUOID

CAST: LEWIS TAN, JESSICA MCNAMEE, JOSH LAWSON, JOE TASLIM, MEHCAD BROOKS, TADANOBU ASANO, CHIN HAN U. A.

LÄNGE: 1 STD 50 MIN


Bald könnte es folgendermaßen lauten: Jetzt neu im Noppenbausteinshop ihres Vertrauens (man kann es jedoch auch LEGO nennen, denn mittlerweile ist der Begriff fast schon mehr ein Subgenre des Animationsfilms als Schleichwerbung): Fernöstlich angehauchte Superhelden mit magischen Skills, die gegen ihr sinisteres Äquivalent antreten. Ist das wirklich so neu? Gab’s doch schon – Ninjago. Nun gäbe das Ganze aber für Erwachsene, und es nennt sich Mortal Kombat – ein Franchise, das ihren Ursprung in der Welt des Gaming verortet. Mortal Kombat – kennt ein jeder, der weiß, wie man mit dem Controller einen ordentlichen Fightout hinlegt. Leute, die das nicht kennen, und noch nie irgend etwas mit Videospielen am Hut hatten, können immerhin jetzt – anstatt Stunden, Tage und Wochen damit zuzubringen, den richtigen Dreh beim Kämpfen rauszukriegen – innerhalb von nicht mal 2 Stunden ganz ohne ihr Zutun Martial-Arts-Heroen ganz von selbst Pirouetten schlagen lassen. Auch ganz angenehm.

Ich gehöre zu jenen, die keine Gamer sind (oder gerade erst damit anfangen und immer noch daran scheitern, die richtige Perspektive beizubehalten). Der neue Mortal Kombat-Film reicht mir da vollkommen. Mir entgehen da mit Sicherheit jede Menge Reminiszenzen und Easter Eggs in Bezug auf das Spiel, aber der Spaß funktioniert auch so. Denn so wirklich komplex ist die Geschichte nicht. Ganz im Gegenteil. Um es kurz zusammenzufassen: Seit Jahrhunderten (oder Jahrtausenden, ich weiß es nicht mehr) gibt es einen interplanetaren Wettbewerb, der sich eben Mortal Kombat nennt. Da treten schlicht und ergreifend die besten Kämpfer der einen Welt gegen die besten Kämpfer der anderen Welt an. Die Champions sind allesamt mit einem drachenähnlichen Körpermal gekennzeichnet. Es gibt da aber leider eine Welt, die nennt sich Außenwelt (oder Outworld) mit ganz finsteren Haudegen, ebenfalls angeführt von einem asiatisch anmutenden Oberguru, der einige krasse Kreaturen um sich schart, allen voran einen gewissen Sub Zero. Einmal noch gegen die Erde gewinnen, und schon kann sich Outworld diese unter den Nagel reißen. Um den Sieg zu garantieren, will Shang Tsung (= der Oberguru) noch vor Beginn der Wettkämpfe auf der Erde reinen Tisch machen. Was er nicht weiß: der Abkömmling einer legendären Mortal Kombat-Championship-Blutlinie trainiert gerade seine Muskeln, um den Rabauken Paroli bieten zu können.

1995 gab es bereits eine Verfilmung des 1993 erschienen Videospiels – mit Christopher Lambert als Donnergott Lord Raiden. Ein Rohrkrepierer, nicht der Rede wert. Die brandneue Version von 2021 ist zwar, wie bereits erwähnt, vom Plot selbst auch nicht der Rede wert, aber sie bietet immerhin eines – und das muss man wissen, bevor man sich darauf einlässt, und für sonst nichts anderes gerade einen Kopf hat: Kämpfe, Kämpfe und nochmals Kämpfe. Keine epischen Schlachten, kein Bleigewitter, dafür aber martialische Duelle, vorzugsweise Mann/Frau gegen Frau/Mann, und da wirbeln sie herum, die geschmackvoll kostümierten Auserwählten, mit Zauberkräften und adretten Waffen, vom Grillspieß bis zum Vorschlaghammer, vom Schwert aus Eis bis zum metallenen Sombrero. Phrasen wie Gespaltene Persönlichkeit oder Zerbrich dir darüber nicht den Kopf werden in Körperwelten-artiger Ästhethik bildlich dargestellt und sind natürlich heillos übertriebene Gewaltspitzen, die dieses Fantasyabenteuer eben nur für die ganz Erwachsenen kennzeichnen. Allerdings wirkt neben dem knallbunten Effektgewitter und der relativ trivialen Story, die das Kind im Manne weckt, dieses vereinzelt gesetzte Extra an expliziter Brutalität fehl am Platz. Doch womöglich war dies dem Willen der Fans geschuldet.

Mortal Kombat ist ein Guilty Pleasure, bei welchem man mit diebischer Freude den sich Duellierenden fast schon zujohlen möchte, wie beim Wrestling, wo es auch nur um das Catchen geht, während die biographische Peripherie den Kultstatus der einzelnen Kandidaten etwas unterstreicht. Womöglich wird s da bald eine Forstsetzung geben, die ich womöglich auch auf die Watchlist setze, auch wenn ich das Game niemals spielen werde – zu uncharismatisch erscheinen mir die recht austauschbaren Kampfathleten, um hier einen Avatar übernehmen zu wollen. Mangels gut gemachter, phantastischer Actionfilme ist Mortal Kombat aber dennoch ein guter Lückenfüller. By the way: We are the Champions von Queen hätten die Sieger am Ende da noch grölen können – diese leise Selbstirone hätte ihnen gut getan.

Mortal Kombat (2021)

Das Vorspiel

ÜBUNG HASST DEN MEISTER

5/10

 

vorspiel© Judith Kaufmann

 

LAND: DEUTSCHLAND, FRANKREICH 2019

REGIE: INA WEISSE

CAST: NINA HOSS, ILJA MONTI, SIMON ABKARIAN, SOPHIE ROIS, JENS ALBINUS, SERAFIN GILLES MISHIEF U. A. 

 

Bis das Spiel auf der Geige wirklich gut klingt, braucht es strenge Disziplin beim Üben. Minimum zwei Stunden täglich, zuzüglich der eigentlichen Lehreinheiten an der Schule. Wenn der Nachwuchs da nicht voller Ehrgeiz hinter seinem Instrument steht, wird daraus meist nicht mehr als das Vorführen musikalischer Errungenschaften im Familien- und Freundeskreis. Ergänzendes Allgemeinwissen, schön und gut. Keine Frage, durchaus sinnvoll. Ein Brotverdienst wird das keiner, da braucht es Leidenschaft und kein Gefühl des Verlusts von Freizeit mehr. Alles andere aber scheint Nötigung, vor allem dann, wenn die Eltern wollen, das Kind aber nicht. Das Kind zwar enormes Talent, für das Fideln unterm Kinn aber kaum etwas übrig hat. Das geht einer Mutter, die selbst musiziert, ordentlich ans Gemüt. Nina Hoss spielt so jemanden – eine Musiklehrerin für Geige, die einen verhaltensauffälligen Sohn hat, dessen täglicher Wortschatz in eine Notenzeile auf A4 passt. Warum dieses Separieren in den eigenen vier Wänden? Warum diese Ablehnung der Mutter? Das Problem lässt sich anfangs nur erahnen: Mutter Hoss hat sich im Rahmen einer Audition für neue Talente einen nicht weniger eigenartig schüchternen Burschen geangelt, in dem sie gutes Potenzial entdeckt. Der auch lernfähig ist, annimmt, was die Tutorin ihm sagt und dem Instrument wohlklingende Töne abringt, die Johann Sebastian Bach und Co wohl befriedigende Blicke entlockt hätten. Der lakonische Sohnemann allerdings will nicht so recht, wird von Mama auch öfter korrigiert, obwohl sie ihn gar nicht unterrichtet. Aber so scheint es in Musikerfamilien zuzugehen, wo selbst der Papa als Instrumentenbauer sein Geld verdient. Und wenn einer da andere Saiten aufzieht, wird er zum Außenseiter. Oder doch nicht?

Elterlicher Druck auf den Nachwuchs geht vor allem in Dingen der frei wählbaren Beschäftigung, die Übung erfordert, nach hinten los. Entweder sieht man später als Erwachsener über den damaligen Drill hinweg oder aber man verzeiht das den Eltern nie. Oder man wird zum psychosozialen Sonderling. Die Jungdarsteller in Ina Weisses Talentedrama sind bereits jetzt schon eigenartige Wesen, die kaum Sympathien wecken. Der eine scheinbar ein Soziopath, der nach Anerkennung strebt. Der andere gehemmt bis unter die Zehennägel. Womöglich ein Kind aus strengen autoritären Verhältnissen, obwohl die Mutter gar nicht mal so wirkt. Ein Schüler Gerber könnte aber dennoch nicht weit sein. Ein Satansbraten aber genauso wenig. Wobei – abgesehen von den Kindern, die seltsam verstören, liefert Nina Hoss mit ihrer erratischen Filmfigur ebenfalls ein unterkühltes Psychogramm, das in zähen Gedanken versunken bleibt. Der Vergleich mit Whiplash aber, der geht sich nicht ganz aus. Wo Damien Chazelle den Leistungsdruck konkretisiert, schludert Das Vorspiel gleichsam an den Ansätzen eines Lehrer-Schüler- oder Mutter-Sohn-Konflikts herum. Wobei – spannend wird der familiäre Lokalaugenschein zwischen Ehrgeiz und Eifersucht bis zum Schluss nicht mehr. Auch kommt der Plot nicht wirklich in die Gänge, gerade mal am Ende spitzt sich die Lage zu, was natürlich zu erwarten war. Die Prämisse ist nichts Versöhnliches, hat etwas abstoßend Eigennütziges. Der kühl berechnende Filius hat in dieser unbequemen Studie über Rivalität und Wettstreit alle Karten in der Hand, die der Bessere, der die dunklen Gedanken der Intrige nicht braucht, alle verloren hat. Auch Nina Hoss sucht den Einklang mit ihrem Sohn, die im Eifer einer hanek´schen, ansatzweise gewissenlosen Mutterrolle in dessen perfidem Tun Genugtuung findet.

Das Vorspiel wirft kein behagliches Licht auf die nach Perfektion strebende Welt des Musizierens, wo jeder so sein will wie Mozart. Oder die anderen es für einen wollen.

Das Vorspiel