Destroyer

INS GESICHT GESCHRIEBEN

4/10

 

destroyer© 2019 Concorde Filmverleih

 

LAND: USA 2019

REGIE: KARYN KUSAMA

CAST: NICOLE KIDMAN, SEBASTIAN STAN, SCOOT MCNEARY, TATIANA MASLANY, BRADLEY WHITFORD U. A.

 

Das Leben ist ein einziges Risiko. Zu viel Sicherheit langweilt, also warum nicht mal Bungee springen, sich in die Stratosphäre schießen lassen oder in Krisenländern Urlaub machen? Natürlich ist das Risiko da sehr groß, und das wissen diese Leute auch, und wenn sie dann unglücklich landen oder aus dem Urlaub nicht mehr zurückkommen, war das leider der hohe Prozentsatz an Risiko, den man nicht als Katze im Sack mitgekauft hat. Klarer Fall von bewusster Selbstentscheidung. Der Mensch ist ja an sich intelligent, kann in die Zukunft planen und Situationen richtig oder falsch abschätzen, und auch die Risiken bei seinem Tun reflektieren. Auch wenn es darum geht, sich als Undercover-Polizistin in eine Verbrecherbande einzuschleusen. Sowas tut man freiwillig. Nicole Kidman als Polizistin Erin Bell hat das gemacht, nämlich undercover in der Clique eines Räubers mitzumischen (Toby Kebell mit unfreiwillig komischer Tommy Wiseau-Mähne). Aber das ist lange her.

Jetzt sitzt Polizistin Erin Bell entweder auf den Stufen, liegt am Boden oder sitzt bevorzugt im Auto – und starrt resignierend vor sich hin. Und sie sieht furchtbar aus. Nicole Kidmans Gesicht spricht Bände schlafloser Nächte und regelmäßiger Vollräusche. Die Haut ist trocken und fleckig, Augenringe bis zu den Mundwinkeln, und abgemagert bis auf die Knochen. Die aparte Juristenmama aus Big Little Lies ist längst vergessen. Dass es sich hierbei um dieselbe Schauspielerin handelt, ist ungefähr genauso schwer zu begreifen wie die Rolle Charlize Therons in Monster. Beide sehen zum Fürchten aus. Kidman hat noch dazu so einen glasigen Blick, der im Nirgendwo endet. Und sie starrt. Sitzt und starrt. Rafft sich manchmal auf, setzt sich aber bald wieder irgendwo nieder. Und trinkt. Warum? Aus purem Selbstmitleid. So ein Eigenjammer kann ganz schön runterziehen, da lässt man sich als armes Opfer gerne gehen bis es nicht mehr geht. Selbst die Rache für etwas, das im Laufe des Films lange im Dunkeln bleibt, boxt den larmoyanten, mieselsüchtigen Schlendrian auch nicht aus ihr raus. Das Gambling mit erhöhtem Risiko war allerdings hausgemacht, und auch das selbstgewählte Abbiegen von Geplantem war ein Wachsen auf eigenem Mist. Also warum nicht die Konsequenzen erhobenen Hauptes tragen? Erin Bell tut das nicht, kann es nicht. Und das bitteschön grenzt schon etwas prätentiös an Selbstgefälligkeit.

Eine Märtyrerin im Thrillergenre, die das Schicksal nicht ertragen kann, rückt sich selbst in all ihrem Leiden direkt ikonenhaft ins Bild, abgöttisch verehrt von Filmemacherin Karyn Kusama (u. a. Aeon Flux und Jennifers Body, ebenfalls zwei Damen am Rande des Erträglichen), die diese Selbstbeweinung großzügig duldet und während dessen aber sonst nicht mehr weiß, was sie mit ihrem Film eigentlich machen soll. Nicole Kidman ist natürlich ein Profi zweifelsohne, aber es lässt sich schwer einen Profi zwei Stunden lang beweisen lassen, wie gut er nicht auch ganz andere Rollen spielen kann. Das müsste man bei Kidman gar nicht mal wissen wollen, sie ist schon so lange im Filmbiz, dass sie Filme wie Destroyer nicht mehr nötig hat. Denn was transportiert das Thrillerdrama denn noch? Eine trostlose Chronik der Vergeltung, die keine Erkenntnisse birgt, die vielleicht ganz geschickt ihre Zeitebenen montiert, womit der Film wirklich punktet, aber sonst in unbedingt gewollter Lethargie völlig die Kraft verliert. Tragische Polizeigeschichten dieser Art können auch ganz im Stile des Film Noir in gewisser prosaischer Verklärung die Antithese zum Happy End zelebrieren, andere verlieren das Ziel einer Geschichte aus den Augen, um die zentrale Figur stolpern zu sehen. Das ist bei Destroyer der Fall, noch dazu ist die Kausalität des Verzweifelns eine in Kauf genommene. Mein Mitleid hält sich dabei in Grenzen. So bleibt nur mehr jenes von Kidmans Filmfigur, das aber keiner mit ihr teilen will.

Destroyer

Shoplifters

FAMILIE KANN MAN SICH AUSSUCHEN

7,5/10

 

shoplifters© 2018 Filmladen

 

LAND: JAPAN 2018

REGIE: HIROKAZU KORE-EDA

CAST: LILY FRANKY, SEKURA ANDÔ, MAYU MATSUOKA U. A. 

 

Bei Oma ist es doch am Schönsten. So sieht es zumindest mal auf den ersten Blick aus. Oma wohnt allerdings in einem kleinen Häuschen mit Garten, das vollgeräumt ist mit Dingen, und eigentlich viel zu wenig Platz bietet für fünf Personen, die hier auf engstem Raum leben. Vor allem wenn es kalt ist, hier in Tokio, lässt sich nicht mal der Garten nutzen. Bei fünf Personen bleibt es auch nicht, bald sind sechs Mäuler zu stopfen, weil ein kleines, verwahrlostes Mädchen bei den scheinbar unbekümmert vor sich hin lebenden Fünf wohl besser aufgehoben ist. So finden das Nobyo und Osamu, die das Kind entdecken und sich seiner annehmen. Wie es aussieht, scheinen die leiblichen Eltern den ungeliebten Nachwuchs gar nicht mal zu vermissen. Da ist es besser, Kind sucht sich eine andere Familie. Denn die kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen, da muss der Nachwuchs nehmen, was er bekommen hat. Die Familie um Osamu scheint hier aber die bessere Wahl zu sein. Wobei nicht ganz klar ist, ob Omas Schützlinge allesamt zueinander gehören oder nicht. Blut scheint hier kaum dicker als Wasser zu sein, und mit Vorbildwirkung nehmen es die Älteren auch nicht so genau. Osamu nämlich, der als Vaterfigur gesehen werden will, bessert das Haushaltsbudget gerne mit Ladendiebstählen auf. Das macht er mit seinem Ziehsohn Shota, der darin immer besser wird, allerdings braucht es da ein ausgeklügeltes Fingerritual vor jedem Coup, denn der scheint spirituell vor dem Erwischen zu schützen.

In diesem japanischen Familiendrama der anderen Art nimmt der Zuseher lange die Rolle des Wartenden ein, der nicht in die privaten vier Wände gebeten wird, und kaum einer Geschichte folgt, sondern nur Zeuge alltäglicher Rituale einer Gemeinschaft wird, die man allgemein eben als Familie bezeichnet. Einer Familie am Rande oder am Existenzminimum, auch bezeichnet als Präkariat, also dem Über-Leben in einer prekären finanziellen Situation, in der im schlimmsten Falle nicht mal Anspruch auf Versicherungsschutz besteht. Sozial gesehen ist das ein ziemliches Abstellgleis, sichtbar sowieso überall in den Großstädten Südostasiens, in diesem Falle eben Tokio, wo sich die urbane Existenz in Fleiß, Arbeit und beruflicher Hingabe manifestiert. Wo emotionale Nähe wirklich etwas ist, was man sich kaufen muss. Und wofür Familie längst nicht mehr steht. Das ist ein trauriges Bild einer Gesellschaft unter Druck. Und da kann es schon sein, dass gesellschaftliche Kreativität das einzige ist, was vor dem werteverlorenen Nichts retten kann. Ein kleines Paradies also, versteckt im Straßenwirrwarr einer Millionenmetropole, mit etwas Grün vor der Haustür und einer gemeinsamen Not, die zusammen ein Stück Glück ermöglicht. Familie ist demnach also etwas, das kein Echtheitszertifikat braucht, was auch ohne gemeinsame Gene funktioniert, was einfach durch Zuhören, Achtsamkeit und gegenseitiger Verantwortung wirklich erst das wird, wofür sich diese Mikrogemeinschaft loben lässt.

Ein Film wie Shoplifters verabschiedet sich von den durchaus lobenswerten, aber redundanten Klischees des originären Familienbildes, welches grundlegend immer intakt ist, und nur durch äußere Einflüsse zerrissen wird. Disney zum Beispiel will im Rahmen seines Angebots familienfreundlicher Filme gar nichts anderes zeigen, und variiert seine Messages daher auch kein bisschen. Hirokazu Kore-Eda verabschiedet sich von dieser Zweckform, löst seine Geborgenheit suchenden Gestalten aus jeglicher Zugehörigkeit, macht sie alle zu Waisen, obwohl sie es eigentlich nicht sind. Und dann geschieht das, was in Shoplifters geschehen ist – das Soll einer Familie bündelt die Umherirrenden wie Trabanten in der Umlaufbahn. Dass dieser Zustand nicht ewig halten kann, wird irgendwann klar. Das passiert relativ plötzlich, und die Harmonie unter dem Glassturz, der es dadurch auch schwer macht, als Zuseher ein Teil davon zu sein, wird durchbrochen. Plötzlich aber kann ich mich den Individuen nähern, lerne ihre Geschichten kennen, will nicht, dass der isolierte, zeitlose Zustand auf Dauer bestehen bleibt. Kore-Eeda findet intensive Bilder für seine Ballade, teils durchdrungen von den Lichtern einer Großstadt, teils dringt die Kamera indiskret in den engen Fuchsbau einer Gemeinschaft ein. Man hört sie Suppe schlürfen, palavern, lachen, es ist ein geordnetes Chaos. Letzten Endes aber nur reiner Zweck, der den evolutionären Sinn einer Familie zweckentfremdet. Shoplifters ist ein Film auf der Suche nach Nähe, eine aufrichtige Studie, mit Sympathie für seine Seelen, die als Einzelgänger verloren wären.

Shoplifters

Kindeswohl

LASSET DIE KINDER ZU MIR KOMMEN

8/10

 

kindeswohl© 2000 – 2018 Concorde Filmverleih

 

LAND: GROSSBRITANNIEN 2017

REGIE: RICHARD EYRE

BUCH: IAN MCEWAN, NACH SEINEM ROMAN

CAST: EMMA THOMPSON, STANLEY TUCCI, FIONN WHITEHEAD, BEN CHAPLIN U. A.

 

Erwachet! Nahezu täglich werde ich daran erinnert, doch endlich die einzig wahre Erkenntnis zu erlangen. In den Passagen zwischen den U- und Schnellbahnsteigen, an den Stationen und Fußgängerzonen: Die Zeugen Jehovas sind immer noch aktiv, unermüdlich und unverwüstlich. Der Missionseifer von Tür zu Tür ist allerdings zurückgegangen, stattdessen harren sie in stoischer Ruhe in kleinen Gruppen der Neugier einiger weniger Zweifler entgegen, die unbedingt wissen wollen, wann denn die Welt wirklich untergeht. Die Zeugen Jehovas sind es auch, die es strikt ablehnen, Bluttransfusionen durchführen zu lassen. In Fällen zur Behandlung von Leukämie unerlässlich. Doch da siegt die Akzeptanz des Todes über dem Glauben. Sogar beim eigenen Kind.

Mit solchen Fällen muss sich die Richterin Fiona Maye herumschlagen. Ihr Resort sind familiäre Streitfälle, Entscheidungen um Leben und Tod. Zum Wohle des Kindes. Da kann es sein, dass bei siamesischen Zwillingen – ein Fall, mit dem Richard Eyres Drama Kindeswohl startet – einer von beiden getötet werden muss, damit der andere überlebt. Kein leichter Job, da würde ich niemals tauschen wollen, wenn ich Entscheidungen wie diese fällen müsste, um mich dann noch der unverhohlenen Kritik jener auszusetzen, die anders entschieden hätten. Die Konsequenz ist Selbstschutz, dick wie ein Panzer, der kaum noch Gefühle heranlässt. Überhaupt finde ich es interessant, dass Emma Thompson, die endlich wieder mal in einer ihr gerechten Rolle zu sehen ist, hier stark an die britische Premierministerin Theresa May erinnert, und dazu auch noch einen ähnlich klingenden Namen trägt. Während des Filmes lässt mich die Idee nicht los, Emma Thompson doch auch gleich für einen Film über die Wirren des Brexits zu besetzen – der wahrscheinlich demnächst kommen wird. In vereinfachter Form, denn kapieren tut das ganze Brimborium sowieso keiner mehr.

Es ist also Emma Thompson, deren nächstes salomonisches Urteil bald wieder gefragt sein wird – nämlich im Fall des Jehova-Sprösslings Adam, der bereit ist zu sterben, für einen sektiererischen Glauben, und für seine Eltern, die denken, richtig zu handeln, indem sie die notwendige Hilfe verwehren. Ungewöhnlich für eine Richterin, sich dann auf den Weg ins Krankenhaus zu machen, um den Jungen persönlich zu sprechen. Und um sich ein Urteil zu bilden, ob dieser im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte so entscheidet oder ob diese Entscheidung von außen erwartet wird. Natürlich gibt niemand so selbstlos sein Leben hin, schon gar nicht ein Kind. Jehova oder nicht. Das erkennt auch Richterin Maye. Und setzt mit ihrem wegweisenden Präzedenz-Beschluss eine Eigendynamik in Gang, die ihre ganze Existenz als Ehefrau, Jurorin und Mensch neu hinterfragt. So gesehen ist Kindeswohl weniger ein Justizdrama, weniger ein Sekten- oder Familiendrama, sondern vielmehr und ganz bestimmt das Psychogramm einer verbissenen, einer immensen Verantwortung unterworfenen Frau, die nichts mehr erkennt außer ihre Pflicht, richtig zu entscheiden. Aber was ist schon richtig? Woran lässt sich das wohl messen? Unter diesem Druck der richtigen Antwort leidet auch Ehemann Stanley Tucci – und sucht das Weite. Während die Richterin in ihrer Befangenheit und am Gängelband von Göttin Justitia langsam ihre Blindheit Dingen gegenüber erkennt, die jenseits des Verhandlungssaals verzweifelt um Aufmerksamkeit heischen.

Nach Am Strand ist Kindeswohl eine weitere Verfilmung der Romane von Ian McEwan – und genauso bemerkenswert gelungen. Emma Thompson liefert eine der beeindruckendsten, wenn nicht die beeindruckendste Leistung ihrer Karriere. Ihr scheinbar versteinertes, rationales Äußeres ringt mit tief vergrabenen Emotionen, die an die Oberfläche sickern. Dieses Ringen vermittelt Thompson auf beeindruckende Weise. Was für eine einnehmende, elegante, wenngleich gebrochene Erscheinung, die sich keine Schwäche erlauben darf, obwohl sie das Wohl der Schwachen verfechtet. Das ihre Performance in Kindeswohl keine Nominierung für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nach sich gezogen hat, bleibt mir ein Rätsel. Auch der junge Fionn Whitehead als leukämiekranker Junge weiß sein darstellerisches Potenzial nachhaltig zu nutzen – seine Sehnsucht nach dem erhabenen Ideal eines gerechten Übermenschen wird zu einem Kampf gegen die Mühlen einer ambivalenten Justiz, die richtet, aber nicht fühlt. Regisseur Richard Eyre macht daraus ein vielschichtiges, facettenreiches Filmerlebnis, psychologisch durchdacht und grandios besetzt. Und solange Ian McEwan selbst die Drehbücher seiner Werke verfasst, geht von der präzisen Beobachtung seiner Figuren mitsamt ihren Schicksalen kein Quäntchen verloren. Erstaunlich, wie gut der Brite seine eigene Prosa dramatisiert. Dabei ist nicht selbstverständlich, dass Adaptionen dieser Art so gut gelingen wie hier.

Kindeswohl

Roman J. Israel, Esq.

VERRAT IN EIGENER SACHE

7,5/10

 

Roman J. Israel Esq.© 2017 Columbia Pictures

 

LAND: USA 2017

REGIE: DAN GILROY

CAST: DENZEL WASHINGTON, COLIN FARRELL, CARMEN EJOGO, TONY PLANA U. A.

 

Erst vor Kurzem noch hat er als unkaputtbarer Einzelkämpfer Robert McCall, genannt der Equalizer, sämtlichen Schurken gezeigt, was es heißt, Selbstjustiz zu üben. Einen gefühlten Augenaufschlag später wird der Profikiller zu einem nerdigen Paragraphenritter mit eidetischem Gedächtnis. Die Rede ist von Denzel Washington, einer meiner persönlichen Top Ten unter den gern gesehenen Schauspielern. Vielleicht ist es das enorm selbstbewusste, einnehmende Charisma hinter jeder seiner Rollen. Dieses expressive Versenken in seinen Figuren. Vollblut, nenne ich sowas. In Dan Gilroy´s filmgewordenen Justiz- und Moraldilemma Roman J. Israel, Esq. (ein nicht gerade verkaufsfördernder, weil kaum prickelnder Titel) agiert Washington in deutlichem Kontrast zu seinen Actioneskapaden und schlendert im Watschelgang, schlechtsitzenden Anzügen und Afro durch die Straßen von Los Angeles, der Stadt der gefallenen Engel. Diese Rolle, die wäre Schauspielkollege Forrest Whitaker geradezu auf den Leib geschnitten gewesen. Für den formatfüllenden König von Schottland mit Hängelied und dem irritierend naiven Gehabe eines großen Kindes wäre die Figur des hochbetagten Außenseiters vielleicht sogar zu aufgelegt gewesen. Für Washington ist diese Rolle ein weiterer Beweis seines profunden Talents und ein wichtiger Eckpfeiler seines darstellerischen Schaffens. Für jene, denen die Oscar-Verleihung 2018 schon zu weit zurückliegt: eine Nominierung als bester Hauptdarsteller war hierfür eigentlich selbstredend.

Umso mehr verwundert es mich erneut, dass sehenswerte Filme wie dieser vom Kinoverleih schmählichst ignoriert werden. Zumindest haben Filmliebhaber das leicht geschmälerte Vergnügen, Roman J. Israel, Esq. im Heimkino zu bewundern. Denn sehen sollte man diesen intensiven Streifen auf alle Fälle, nicht nur als Fan Washingtons. Vielleicht auch, wenn man ein Bewunderer der literarischen Werke Friedrich Dürrenmatts ist. Der geniale Schweizer Dramatiker und Romancier hat sich Zeit seines Schaffens mit Themen wie Moral, Verantwortung und den Achillesfersen der Gesellschaft angenommen, die er dann auf die Spitze trieb. Auf den Worst Case ließ er es ankommen, stets mit einem niemals allzu moralinsauren Sarkasmus, eher mit der alles verschluckenden Schwärze einer Konsequenz, die kommen muss.

Dan Gilroy, der schon mit Nightcrawler die Frage der Moral in den Grundfesten erschüttern ließ, hat nun, ebenfalls aus eigener Feder, einen wuchtigen Eigenbrötler und Einzelkämpfer aufs Tablett gebracht, der nach rund 40 Jahren als Partner eines Anwalts vor verschlossenen Türen steht und sich neu orientieren muss. Ein wandelndes Lexikon aller Paragraphen des amerikanischen Gesetzes, aber desillusioniert, was das System angeht. Der schmierige Lackaffe und Staranwalt George Pierce, raffiniert undurchsichtig verkörpert von Colin Farrell, will ihn mehr aus Mitleid als aus Überzeugung mit ins Boot holen, um ihn bald ob seiner unorthodoxen, weltfremden Arbeitsmethoden zu rügen. Schlimmer noch, er macht ihn zur Schnecke. Und irgendwann zerbricht das Weltbild des seltsamen, prinzipientreuen Vogels, der überall aneckt und unangenehm auffällt. Spätestens dann ist der Pakt mit dem Teufel nicht der mit dem Lackaffen als Advokat, sondern mit einem verräterischen Selbst, dass aus kindlichem Trotz rundumschlägt, resigniert und ein Lebensglück erzwingt, dass allen guten Vorsätzen widerspricht.

Wie Roman J. Israel das macht, ist faszinierend, spannend und umwerfend dargeboten. Die paraverbale Sprache Washingtons, der Entwurf dieses dem Mainstream entwurzelten Charakters, ist meisterlich bis ins Detail. Wenn er blickt, denkt, in Rage gerät, dann ist das schlüssig, greifbar und mitreißend. Dabei muss er gar keine großen Reden schwingen, doch selbst wenn er seine Quergedanken artikuliert, kommt man nicht umhin, sich ein Stück davon mitzunehmen. Denn prinzipiell hat er ja recht. Und um so schmerzlicher ist es, mitanzusehen, wie die eigenen Ideale dem einfordernden Wunsch nach Wohlstand zum Opfer fallen. Washington´s famoser Kraftakt ist ein erkenntnisreiches Gleichnis und ein hörbarer Imperativ, zu sich selbst zu stehen. Roman J. Israel, Esq. ist ein Antiheld, ein Verlierer, der aber schon längst gewonnen hätte, wäre da nicht der Druck von außen, der mehr und ganz etwas anderes verlangt.

Roman J. Israel, Esq.

The Ballad of Lefty Brown

NUR EIN MANN UND KEIN BEFEHL

6/10

 

x-default© 2018 EuroVideo

 

LAND: USA 2018

REGIE: JARED MOSHÉ

CAST: BILL PULLMAN, KATHY BAKER, JIM CAVIEZEL, PETER FONDA, TOMMY FLANAGAN, DIEGO JOSEF U. A.

 

Er zieht bei Weitem nicht schneller als sein Schatten, seine Stiefel sind bar jeglicher Blutspuren und wenn man so will, so hat der Teufel mit diesem Mann zwei linke Hände: der ewige Zweite, der Sancho Pansa des Wilden Westens, der devote Diener seines Herrn, das ist Lefty Brown. Allein auf weiter Flur ein Taugenichts, der immerhin nicht vom Pferd fällt uns ganz gut schießen kann. Lefty Brown ist eine treue Seele, die zwar daran scheitert, Verantwortung zu übernehmen, die aber zu Stelle ist, wenn Not am Mann ist, wenn Lynchjustiz mal wieder spruchreif wird oder ruchlose Mörder gefasst werden müssen. Der Gang zum Gericht ist dann eher etwas für Zimperliche – an der Seite von Altstar Peter Fonda (wann habe ich ihn zuletzt wohl in einem Film gesehen?) wird das Strafmaß an Ort und Stelle verhängt und exekutiert. Dieser Peter Fonda, ein Querkopf mit latent aggressiver Moral, darf dann auch nur nicht mehr als einen Gastauftritt absolvieren, denn so jemand, der Tacheles redet, irgendwo im Outback, der bleibt nicht lange gesund. Lefty Brown sitzt plötzlich alleine im Sattel und weiß vor lauter Eigenverantwortung nicht mehr, wo beim Pferd vorne und hinten ist.

Es darf geahnt werden, dass die Erfolgstangente von Zero to Hero relativ planmäßig gezogen wird, nicht umsonst nennt sich vorliegender Western The Ballad of Lefty Brown, denn eine Ballade, die rezitieren kommende Generationen auch nur dann, wenn Ruhm und Ehre auf den Schultern des Besungenen liegen. Der stets verschlafen wirkende Gammler mit dem ungepflegten Franz-Josef-Gedächtnisbart hat also freie Bühne, um zu beweisen, dass auch er trotz fälligen Ruhestands noch dazulernen und so manches, was bislang in so einem patscherten Leben alles schiefgelaufen war, wieder geradebiegen kann. Diese Rolle des gutherzigen, verschrobenen und anfangs relativ unselbständigen Verlierers, die hat der ewig als Nebendarsteller gebrandmarkte Bill Pullman übernommen. Gut, es gibt manches Filmwerk, da hat Pullman durchaus mehr zu sagen, zum Beispiel Lost Highway. Sogar als Präsident im alieninvasorischen Independence Day konnte er lautstark das Volk gegen den Aggressor mobilisieren. Als Lefty Brown zieht der Charaktermime aber alle Register seines Könnens und darf zumindest im Heimkino wohl die beste Performance seiner Karriere vorlegen.

Es ist vor allem Pullman´s Mimik, die unruhigen Blicke, das fahrige Gebärden. Sein Lefty Brown ist ein konfuser Chaot, der angesichts des Schicksals mit rudernden Armen versucht, die innere Mitte zu finden. Klarheit über das eigene, verpfuschte Leben, das plötzlich Sinn macht. Darstellerisch ist das großes, psychologisches Kino, und das in einem eher biederen Rachewestern, der naturgemäß und auf konventionelle Parameter bedacht Schwarz und Weiß malt, und nur scheinbar zufällig Grautöne mit hineinmischt. Klar, dass der gestelzte Manschettenträger Jim Caviezel, den man auch erst auf dem zweiten Blick erkennt, gehörig Dreck am Stecken hat. Auch wenn so manch Gutmensch der Prärie mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hat – unter ihrem plakativen Pathos lassen sie sich alle relativ leicht zuordnen. Independentfilmer Jared Moshé findet für seinen selbst geschriebenen Selbstjustizwestern Bildnisse ockerfarbener Wildnis bis hin zu ausgewaschenem Gelb. Dazwischen eine Farm im Nirgendwo, und das obligate Kaff, in dem sich Recht und Unrecht die Flinte zuwirft. Lefty Brown, obwohl er mit sich selbst genug zu hadern hat, scheint es plötzlich mit der ganzen Welt aufzunehmen, wie ein plötzlich erleuchteter Don Quixote im Unterkleid und mit nichts als der idealen Vorstellung von Gerechtigkeit im zauseligen Hinterkopf.

The Ballad of Lefty Brown bequemt sich als Western alter Tradition, ist ein Abgesang auf den Sturm und Drang draufgängerischer Junghelden und ein Loblied auf das alte Eisen, das dem Pferd immer noch die Sporen gibt, wenn es denn sein muss. Über allem die einnehmende Solo-Performance Bill Pullman´s, die den Film überhaupt erst richtig sehenswert macht.

The Ballad of Lefty Brown

A Beautiful Day

KATHARSIS EINES SCHATTENKRIEGERS

8,5/10

 

beautifulday© 2017 Constantin Film Verleih GmbH

 

ORIGINALTITEL: YOU WERE NEVER REALLY HERE

LAND: USA, GROSSBRITANNIEN, FRANKREICH 2018

REGIE: LYNNE RAMSAY

MIT JOAQUIN PHOENIX, EKATERINA SAMSONOV, JUDITH ROBERTS U. A.

 

Auf den Plakaten, die Lynne Ramsays Film beworben haben, war die an alle Cineasten gerichtete, verkaufsfördernde Zeile „Der Taxi Driver des 21. Jahrhunderts“ zu lesen. An diesem genrespezifischen Richtungsweis ist was Wahres dran. Doch in welchem Ausmaß? Dazu muss ich mir die Figur des Travis Bickle hernehmen, seines Zeichens eine Kultfigur und Wegbereiter des urbanen Irokesenschnitts, famos dargeboten von dem damals unverwüstlichen und mittlerweile ziemlich verwüsteten Robert De Niro. Der Taxifahrer aus New York City ist ein Einzelgänger, ein introvertierter Beobachter, der bei seinen Nachtfahrten allerhand mitbekommt, was sich in den Niederungen der Gosse so alles abspielt. Als ihm angesichts der minderjährigen Prostituierten Iris, dargestellt von Jodie Foster, die Schlechtigkeit des Menschen die Grenzen des für ihn Belastbaren sprengt, greift er zu drastischen Mitteln – er wird zu einem bewaffneten Anti-Helden, der dort aufräumt, wo es im Argen liegt. Er wird zum Befreier.

Ein Befreier ist auch Joe. Auch er befreit minderjährige Mädchen aus den Fängen perverser Kinderschänder. Allerdings steckt bei Joe ein System dahinter. Er ist buchbar, über mehrere Ecken, sodass er gänzlich anonym agiert. Immer wieder rückt er aus, nach wohlüberlebtem Schlachtplan. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Joe taucht auf wie ein Schatten, schlägt mit dem Hammer Schädel ein und befreit seine Opfer, deren Identität per Foto gesichert ist. So schnell wie er gekommen ist, so schnell ist er wieder verschwunden. Hochprofessionell, scheinbar emotionslos. Bickle´s Befreiungsschlag hingegen könnte der Anfang einer solchen Ära der idealisierten Gerechtigkeit sein, wir wissen es nicht. Der Antrieb, der hinter dem Taxi Driver steht, ist jedenfalls nicht der, den Joe für sein Tun und Handeln voraussetzt. Genau hier beginnt A Beautiful Day, in eine ganz andere Richtung zu gehen und die Dimension eines gesellschaftskritischen Selbstjustiz-Thrillers weit über Genre-Grenzen hinweg in die Luft zu sprengen. Der Film, für welchen Joaquin Phoenix für sein intensives Spiel die Goldene Palme gewonnen hat, betitelt sich im Original sowieso ganz anders: You were never really here. Zugegeben, mit A Beautiful Day als sarkastischen Überbau kann ich natürlich mehr anfangen als mit dem Original – obwohl Du warst niemals wirklich hier auf subtil-provozierende Art eine gewisse Neugier weckt. Wer genau war niemals wirklich hier? Und sagt das Joe? Oder das Mädchen Nina, das es zu retten gilt?

Der Originaltitel ist nicht der einzige Aspekt, der mit dazu beiträgt, aus den Elementen einer anfangs simpel erscheinenden Kriminalgeschichte eine kryptische Filmerfahrung zu entfesseln. A Beautiful Day ist tatsächlich ein besonderes Werk, das lange nachwirkt und erst zur vollen Entfaltung gelangt, nachdem sich die Eindrücke, die man aus dem Kino mitnimmt, so richtig gesetzt haben. Diese Wirkung, die erzielt Lynne Ramsey vor allem damit, den asketischen Schwermut ihrer wuchtigen Poesie mit einer ganz eigenen Interpretation von Gewalt zu verbinden. Dieses Zusammenspiel erinnert an das japanische Killer-Kino eines Takeshi Kitano oder Park Chan-Wook´s Oldboy. Ramsey zeigt aber nicht die Gewalteruption an sich, lässt diese nie zum Selbstzweck verkommen, sondern blickt sogar demonstrativ weg und filmt das statische Brachland der Zerstörung danach. So, als wäre man nicht wirklich dabei, aber irgendwie schon. Ganz so wie Joe selbst, der andere befreit, um sich selbst zu befreien. Wir sehen in verstörenden Intermezzi, was das Trauma des einsamen Schattenkriegers ausmacht – wie Splitter eines zerbrochenen Spiegels geistern Bildfetzen aus der Kindheit durch dessen Alltag. Aber nicht nur diese – auch Krieg und Menschenschmuggel spielen eine Rolle. Joe ist eine gequälte Seele, psychisch kaputt, den Gedanken an Selbstmord stets im Kopf. Kein Leben wie dieses, oder nur dann, wenn sich Joe immer und immer wieder selbst befreit, das Grauen durchspielt. Eine Art extreme Therapie, die nur Momente lang für Linderung sorgt. Dazu sorgenfreie Rhythmen, die in ihrem Zynismus den Abgrund, in dem sich die Figuren befinden, konterkarieren.

A Beautiful Day ist mindestens genauso brillant wie Abel Ferrara´s Bad Lieutenant, und lässt sich in der Katharsis seiner zentralen Figur mit Harvey Keitels Tour de Force durchaus vergleichen. Beeindruckend, wie Ramsey – gekonnt liebäugelnd mit den unorthodoxen Erzählstilen Asiens – aus der literarischen Vorlage von Jonathan Ames ein pulsierendes, virtuos zusammengesetztes Labyrinth aus Erlösung, Verfolgung und Vergebung errichtet, aus dem das Mädchen Nina wie Theseus´ roter Faden vielleicht zu einem Ausgang führt, vorbei an den Monstern der Vergangenheit und der Gegenwart – als Symbol von Joes eigenem zerstörten Ich, das im Zwiegespräch nur mehr sich selbst retten kann.

A Beautiful Day

True Story

DER TEUFEL UND SEIN SCHREIBER

6/10

 

truestory© 2015 Twentieth Century Fox

 

LAND: USA 2015

REGIE: RUPERT GOOLD

MIT JAMES FRANCO, JONAH HILL, FELICITY JONES U. A.

 

Kriminalpsychologen haben sich an diesem Fall sicher die Zähne ausgebissen – und das nicht, weil der Mörder nicht zu überführen gewesen wäre. Vielmehr sind es die Beweggründe, die eine so unvorstellbar schlimme Tat zur Folge gehabt hat. Das Motiv ist meist immer am schwierigsten nachzuvollziehen. Als unergründliches Beispiel für die Psyche eines Menschen, der sein eigen Fleisch und Blut am Gewissen hat – oder zumindest am Gewissen haben könnte – führt das Kriminaldrama True Story den authentischen Fall eines Familienvaters an, der seine Frau und seine drei kleinen Kinder ermordet, in Koffer verpackt und versenkt haben soll. Was ist das wohl für ein Mensch? Und ist es überhaupt ein Mensch? Vielleicht ist der Täter Opfer einer Psychose, denn nach vorsätzlichem Mord sieht das Ganze auch nicht aus. Kurzschlussreaktion? Dazu bin ich selbst zu wenig Profiler, um diese Fragen zu beantworten. Die kann nicht mal der Journalist Mike Finkel beantworten, einst renommierter Journalist der New York Times, der sich aber mit einer bewusst falsch recherchierten Geschichte über Entwicklungshilfe in Afrika selbst den Podest hinter dem Allerwertesten weggezogen hat. Wieder am Boden der Tatsachen, fällt ihm die Sache mit dem vermeintlichen Mörder Christian Longo in den Schoß. So gesehen nicht verlockender als andere Kriminalfälle – nur Longo hat bei der Verhaftung die Identität eben jenes Journalisten angenommen. Natürlich muss Finkel da zuschlagen, schon allein, weil sonst keiner den in Verruf geratenen Schreiberling engagiert.

Kurze Zeit später sitzen sich beide gegenüber – der Mörder und sein Sprachrohr nach draußen. Der Teufel und sein Memoirenschreiber. Der manipulativen Redner und sein Laufbursche. Szenarien, die wir schon aus anderen gewichtigen Spannungsfilmen kennen. Mir fällt Der Totmacher mit Götz George ein. Eine Spielfilmlänge lang steht der bis zur Unkenntlichkeit getarnte Tatort-Star als Massenmörder Fritz Haarmann in einem Zimmer Rede und Antwort. Bedrückend, niederschmetternd, faszinierend. Jodie Foster blickt Anthony Hopkins durch die Glasscheibe bis ins Innerste seiner schwarzen Seele. Und Edward Norton führt Richard Gere auf geniale Weise hinters Zwielicht. James Franco, Mutlitalent und Alleskönner, kann auch in die Fußstapfen genannter Schauspielgrößen treten, wenn es heißt, einen des Mordes beschuldigten Horrorvater zu spielen. Seine Miene ist Tarnung pur, sein müder Blick versteckt hellwache Taktik. Oder doch nicht? Jonah Hill, der im Grunde auch alles spielen kann, was man ihm vorsetzt, scheint von dem verschlossenen Geheimnistuer ziemlich fasziniert. Ganz so wie der Interviewer von Fritz Haarmann. Oder Agent Starling von Hannibal Lecter. Abstoßend sind sie ja, die bösen Buben – aber andererseits ist das unergründlich Böse sowas wie eine Freiheit der Bestie, die sich keiner wirklich leisten kann. Der Journalist Finkel will die ganze Wahrheit wissen – und beginnt, dafür die eigene Seele preiszugeben.

Es ist so wie mit dem Abgrund, in den man hineinblickt. Es kommt immer darauf an, mit welcher Intensität oder welcher bizarren Leidenschaft man das macht. Theaterregisseur Rupert Goold begibt sich mit der Verfilmung des gleichnamigen Berichts von Journalist Finkel nicht weit weg von seinem eigentlichen Metier. True Story ist ein Kammerspiel, enorm nüchtern, reduziert und in graue Düsternis getaucht – einzig durch den orangen Overall des Sträflings zeitweise von aufweckender Farbgebung. Jonah Hill blickt streng, freudlos und begierig, alles zu hören, und sei es auch noch so verstörend. Franco dirigiert, manipuliert und heischt Mitleid. Dazwischen, oder eher aus der Distanz: Felicity Jones, die die Mechanismen des Psychoduells der beiden Egomanen als einzige erkennt. Für den Zuseher wird bald klar, was Sache ist. Und auch, was wirklich dahintersteckt. Dass sich diese Geschichte tatsächlich so ereignet hat, ist fast kaum zu glauben – viel zu bühnentauglich hört sich die ganze Begebenheit an.

Das gegenseitige Ergötzen am Gegenüber ist fast schon ekelhaft, doch wert, verfilmt worden zu sein. Spaß macht der Film allerdings keinen. Hobbykriminalisten und Fans von True Crime-Stories dürften den grauenvollen Einzelheiten der Ermordung sachlich gegenüberstehen – Zartbesaitete könnte die tragische Geschichte, die glücklicherweise meist nur erzählt wird, ziemlich beschäftigen – vor allem weil sich das Warum und Wieso im diffusen Zwielicht der Haftanstalt verstörend bedeckt hält. Und der Teufel über alles erhaben zu sein scheint. Übrigens: Briefkontakt haben die beiden immer noch (Stand 2015).

True Story