BUBE, DAME, KÖNIG… UND EIN SCHWERT
7/10

Regie: Guy Ritchie
Mit: Charlie Hunnam, Jude Law, Eric Bana, Aidan Gillen


Ob Boliden-Macho und Riddick-Krieger Vin Diesel dem Angebot von Silvester Stallone für Expendables 4 wiederstehen kann? Womöglich ja. Denn die Expendables, die hat er selber. Zufälligerweise hat die charmante Glatze mit der vibrierenden Grabesstimme nach langjährigem Zaudern und der halbgaren Fortsetzung mit dem weniger sympathisch dreinblickenden Ice Cube doch noch das angebotene Honorar der Paramount abgenickt. Für hartgesottene Actionfans könnte es zu einem zweiten Weihnachten werden. Für das legendäre Produktionsstudio ist es ein Liebäugeln mit Stallones Erfolg auf Basis einfach gestrickten Krawumm-Teamworks. Mit dem Unterschied, dass XXX: The Return of Xander Cage nicht mit dem illustren Who is Who der Rentnergang aufwarten kann. Anstelle von van Damme, Dolph Lundgren, Chuck Norris oder gar Mel Gibson darf Vin Diesel exotische Models um sich scharen, die mit grünen Haaren, sportlichen Tops und ausreichend Know-How im Zielschießen den stiernackigen Actionhelden tatkräftig unterstützen. Damit geht nun unweigerlich die Selbstironie, die Schwarzenegger und Lundgren draufhatten, fast zur Gänze flöten. Humorlos ist der klassische Kracher aber trotzdem nicht. Das könnte er sich bei seinem trashigen Plot und der abgedroschenen Agentenstereotypie auch nicht wirklich leisten. Ernstzunehmen ist hier gar nichts mehr. Das Videotheken-Actionkino der Achtziger feiert wieder einmal fröhliche Urstände, und wäre es damals nicht Vin Diesel, dann wäre es Steven Seagal gewesen.
D. J. Caruso´s unfreiwillige Supereliten-Parodie ist eine anspruchslose Muskelkinoversion von Ein Colt für alle Fälle oder Suicide Squad. Wer hier nicht zum Bier greift, ist selber schuld. Und wer aber nebenbei ein Kreuzworträtsel lösen möchte, kann dies allerdings auch tun. XXX überfordert nicht. In seiner nicht unsympathischen Banalität bleibt der zweite Aufguss aber weit hinter Rob Cohens innovativem Erstling zurück. Zu stark ist der Einfluss der reanimierten Zoffabenteuer Stallones bemerkbar. Selbst der einnehmende Donnie Yu, der erst kürzlich als Chirrut Imwe in Rogue One – A Star Wars Story den Rebellen zu den Plänen des Todessterns verholfen hat, ist zwar gern gesehen, entspricht aber in seinem Filmcharakter den augenzwinkernden Auftritten von Jet Li. Und der Cameo von Ice Cube als völlig aus der Luft gegriffene Lösung aller Probleme hat fast schon Chuck Norris-Niveau. Wahrscheinlich, und das kann ich nicht mit Sicherheit beurteilen (da ich keinen Teil der The Fast & the Furious-Reihe gesehen habe), ähnelt XXX in seiner plumpen Austauschbarkeit der KFZ-Zerstörungsorgie so sehr, dass manch einer die beiden Franchises mittlerweile leicht verwechseln kann. Auch hier gehen Autos zu Bruch, und der abstürzende Kotzbomber, der den Babynator in der Schwerelosigkeit hantieren lässt, würde als zumindest am Boden rollendes Gefährt beim Ensemble der Furiosen sicherlich auch Gefallen finden. Zwei The Fast & the Furious-Filme gleichzeitg ins Kino zu bringen ist sicherlich keine gute Idee, also schnell noch das dreifache X gegen die Automarke tauschen und schon kann die Post abgehen.
Das neue Kräftemessen zu Wasser und zu Land lässt es also vorallem gegen Ende gehörig und ununterbrochen krachen und beschenkt übermüdete Vollzeitbeschäftigte an Feierabenden mit plakativen, bunten Bildern, Machofantasien und einem bizarren Samuel L. Jackson, der den Fußballer Neymar als Triple X abwerben will. Action für heranwachsende Halbstarke und solche, die es manchmal noch gerne sein würden. Kann aber auch sein, dass auch diese den Stunt- und Projektil-Zirkus als nicht mehr ganz zeitgemäße Intelligenzbeleidigung empfinden.

Er ist zurück! Hollywoods berühmt-berüchtigtster Australien-Export und temporäres Enfant Terrible – so lange, bis sich ein anderer Promi unkotrollierterweise selbst erniedrigt und die sprichwörtliche Sau rauslässt – auf Kosten von Ruf, Anstand und Würde. Kaum zu glauben, dass Mel Gibson früher mal, zu Zeiten von Lethal Weapon, tatsächlich mal ein gern gesehener Schauspieler war. Und ja, sympathisch und irgendwie authentisch hat er ja auch gewirkt. Eigentlich meistens. Und aus der Geschichte des Filmes wegzudenken ist er sowieso längst nicht mehr. Da gäbe es, angefangen von Mad Max über seine engagierte Regiearbeit Braveheart bis hin zu Die Passion Christi und Apocalypto einiges zu berichten. In Anbetracht dessen bräuchte sich Gibson tatsächlich nicht mehr anzustrengen. Und das tut er auch nicht, zumindest schauspielerisch und in der Wahl seiner Filme nicht. Schon seit geraumer Zeit beehrt der mittlerweile auch schon ziemlich angegraute und zerknitterte Star aus den 80ern Filmsets, an denen sich normalerweise stereotype Actionhelden wie Dolph Lundgren oder Steven Seagal (dieser wahrscheinlich vor allem aufgrund seiner physischen Expansion mittlerweile auch nicht mehr) herumtreiben. Doch Mel Gibson versucht ganz einfach wieder Fuß zu fassen. Sein Auftritt als Schurke in Stallone´s Expendables 3 hat anscheinend nicht gereicht, um ihn weitestgehend zu rehabilitieren. Doch ehrlich gesagt war sein Mitmischen bei all den Galionsfiguren aus dem verblichenen Videotheken-Zeitalter eher ein Schritt zurück in die falsche Richtung – der er sich nun wieder entgegenstemmt – mit einer neuen Regie. Hacksaw Ridge wird in Kürze in den Kinos anlaufen.
Doch zurück zum eigentlichen Thema, zum Film Blood Father, der Mel Gibson als filzbärtigen, tätowierten Ex-Knacki im Feinripp präsentiert. Zufälligerweise hat dieser eine Tochter, die in großer Gefahr schwebt und Papi um Hilfe bittet. Ganz nach guter alter Charles Bronson-Manier, aber um einen gehörigen Tick warmherziger und einer breiter gefächerten Mimik als das stahlharte Ledergesicht aus den 70ern. In jedem Fall aber besinnt sich der geläuterte Ex-Alkoholiker auf seine elterlichen Pflichten und legt sich mit einem Haufen finsterer Typen an. Und wem diese Fülle an Handlung nicht reicht, der wird leider Gottes enttäuscht durch die Finger schauen müssen. Denn der Thriller des französischen Regisseurs Jean-Francois Richet, der viel und gerne mit Vincent Cassel zusammenarbeitet, ist zwar eine Romanverfilmung, aber trotz allem ziemlich dürftig. Und auch wenn Gibson sich eindeutig mehr anstrengt als all die anderen Haudegen aus vergangenen Zeiten – er kann den Film nicht retten. Zu einsilbig ist die Geschichte, zu vorhersehbar und einfach zu abgedroschen. Ein Vater, der seine Tochter rettet, seiner Tochter beisteht oder was auch immer, dabei über sich selbst hinauswächst und den ganzen finsteren Bösewichten Mores lehrt – das gibt’s einfach schon zu oft. Natürlich nicht mit einem rauschebärtigen Mel Gibson, der dann auch der Grund dafür ist, in den Film aus reiner Neugierde mal reinzuschauen. Doch das Interesse an der Persona non grata ist rasch gestillt und man folgt nur mehr relativ desinteressiert den restlichen Geschehnissen.
Action Made in France, unoriginell bis zum Geht-Nicht-Mehr und bescheiden in all den anderen Eigenschaften, die einen guten B-Movie-Reißer a la 96 Hours von Pierre Morel ausmachen würden. Hinter der Kamera ist Mel mittlerweile eindeutig besser aufgehoben.

Wie funktioniert eigentlich das Drehbuchschreiben bei einem Actionfilm? Hat man da erstmal alle Actionszenen im Kopf, die man gerne machen will? Alle Stunts, die man ausführen, alle Sets, die man explodieren lassen möchte? Könnte sein. Und dann? Ja, dann ordnet man diese unter dramaturgischen Gesichtspunkten entsprechend an und flickt dazwischen eine Geschichte ein. Das macht dann nichts, wenn die Handlungsstränge so sehr verbogen werden, dass sie eine Actionszene mit der anderen verbinden. Das klingt irgendwie nach Pfusch. Und ist es auch.
Nach ähnlichem Tutorial dürfte der zweite Teil der Auftragskiller-Action mit der lakonischen Halbglatze Jason Statham entstanden sein. Dabei hat sich der deutsche Regisseur Dennis Gansel für dieses Abenteuer verpflichtet. Jemand, der bereits durchaus handwerkliches Geschick bewiesen hat, wie zum Beispiel in der Neuverfilmung von Morton Rhues Die Welle. Doch wie so oft hängen Drehbuch und Regie sehr eng zusammen. Und für den Inhalt kann man Gansel nicht wirklich belangen. The Mechanic: Resurrection nimmt zwar gleich von Anbeginn an ziemlich Fahrt auf, verheddert sich aber wie eingangs erwähnt in einem kruden Setzkasten billigster Versatzstücke, die auf Biegen und Brechen versuchen, das Geschehen von einer Keilerei zur nächsten voranzutreiben. Nicht nur einmal stellt sich die Frage des Warums, und im Kopf des Betrachters rattern bereits Handlungsalternativen dahin, die für das Szenario viel plausibler gewesen wären. Abgesehen davon ist der Expendable Statham ein für ausgedehnte Langeweile sorgender, weil unkaputtbarer Elitekämpfer, dem man außer Fesselspielen nichts wirklich anhaben kann. Sich die Kampfmaschine zum Feind zu machen, allein das entbehrt nicht einer gewissen Dummheit, die der Bösewicht an den Tag legt, übrigens wieder mal in feinster Stereotypie dargestellt und vorhersehbar wie das Wetter zu Weihnachten. Ob einen afrikanischen Diktator im Knast oder einen Waffenhändler im eigenen Swimming Pool – Statham schafft sie alle. Und das ist kein Spoiler, weil ohnehin klar. Langsam wird es an der Zeit, auch für den Chuck Norris des neuen Jahrtausends witzige Zweizeiler zu kreieren. Und nebenbei ziert Jessica Alba in absolut talent- und schulterfreier Aufmachung die bessere Seite des Haudegens, da ja nicht nur martialische Schauwerte, sondern auch weibliche Reize den routiniert-belanglosen Actioneintopf erst so richtig komplettieren sollen.
Bei aller Liebe zu Jason Statham und seinem ersten Auftritt als Arthur Bishop – hier haben die Macher von The Mechanic: Resurrection viel zu sehr mit den affektierten Largo Winch-Eskapaden aus dem Frankenreich geliebäugelt. Diese aalglatten Actionfilme hat man ob ihrer relativ ungriffigen, vorhersehbaren Nachahmerei unerreichbarer Vorbilder schnell wieder vergessen. Und dasselbe Schicksal wird auch der zweite Aufguss von The Mechanic ereilen. Ein schlecht durchdachter Actionfilm im Stile der 80er, aber ohne dem augenzwinkernden Retro-Charme von Sylvester Stallones Altherrenbande. An dem vieles gefällig wirkt, aber nichts wirklich Sinn macht. Was da vielleicht noch überbleibt, ist Tommy Lee Jones in einem gegen sein Image gebürsteten Cameo-Auftritt eines schwulen Waffenschmugglers, der ebenfalls auf der unfreiwillig auszuführenden Todesliste Stathams steht. Ihn vergisst man vielleicht nicht so schnell.

Idris Elba ist der neue Bruce Willis. Jener Mann, der Feinripp erst salonfähig gemacht hat, dürfte schon längst mit seinem filmischen Lebenswerk abgeschlossen haben, sieht man sich seine Filmauswahl der letzten Jahre mal genauer an – der stiernackige Brite allerdings läuft erst so richtig zur Hochform auf. Gut, einen Konkurrenten gibt es noch – das wäre Liam Neeson. Der ehemalige Oskar Schindler durfte selbst schon das eine oder andere Mal in der Stadt der Liebe ordentlich aufräumen. Man erinnere sich nur an Pierre Morel´s 96 Hours. Jetzt aber ist er dran – der Star aus The Wire und Luther sowie der Darsteller des Big Daddy Südamerikas – Nelson Mandela.
Bastille Day ist allerdings für den eindrucksvollen Schauspieler eigentlich nicht mehr als ein Routinejob – so wie der ganze Film, den man übrigens schnell wieder vergisst oder dessen Inhalt sich irgendwie mit anderen Actionfilmen amerikanisch-europäischen Couleurs vermischt. Was war da noch gleich? Ach ja, sowas Ähnliches wie ein Stirb Langsam-Szenario – daher auch mein Vergleich mit John McCLane. Bankräuber der organisiertesten Art brechen den Sturm auf die Bastille vom Zaun, um in Ruhe die Goldreserven des Frankenreiches zu plündern. Aber hallo, das ist ja wirklich ein unverblümter Abklatsch des dritten Stirb Langsam-Teils, in welchem Bösewicht Jeremy Irons (wahrlich fehlbesetzt) zu einer ähnlichen Finte gegriffen hat. Damals schon war der dritte Aufguss eines absoluten Actionklassikers – wenn nicht DES Actionklassikers schlechthin – eine ziemliche Gurke. Bastille Day gelingt die Einbettung des verbrecherischen Tarnens und Täuschens ins urbane Setting von Paris zum Glück deutlich besser. Obwohl auch Regisseur James Watkins, der sich für den Grusler Die Frau in Schwarz 2012 ziemlich ins Zeug gelegt hat, hier nicht über das Niveau eines mittelmäßigen Direct-to-DVD-Thrillers hinauskommt. Okay, Idris Elba und Games of Thrones-Thronfolger Richard Madden harmonieren ganz gut. Manche Szenen, wie die Verfolgungsjagd über den Dächern von Paris, die irgendwie an Polanskis Frantic erinnert, sorgen für spannende Kurzweil. Der schnittige Stadtkrimi konzentriert sich gleichermaßen auf Thrill wie auch auf Action und lässt es sich auch nicht nehmen, das Ganze vor dem Hintergrund realer sozialer Unruhen spielen zu lassen. Nicht umsonst bezieht sich der Titel des Filmes auf den Jahrestag der Französischen Revolution.
Somit ist der solide, aber nicht besonders feingezeichnete Reißer sogar ein bisschen wie eine unbequeme, sozialpolitische Vision. Dass aber das Volk dermaßen leicht manipulierbar wäre wie uns Regisseur Watkins hier weißmachen will, ist schon etwas sehr naiv. Fazit: Ein durchschnittliches Räuber-und-Gendarm-Spiel nach bewährten Mustern.

Viele Leser werden jetzt wahrscheinlich den Kopf schütteln und sich vielleicht fragen, ob ich tatsächlich nichts Besseres zu tun hatte als mir einen infantilen Actionfilm über vier ebenso infantile Schildkröten anzusehen, die unmissverständlich ins Kinderprogramm gehören und noch dazu keinerlei edukative Aufgabe übernehmen. Nun, tatsächlich beinhaltet Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows rein gar nichts, was man sich nach dem Abspann mit nach Hause nehmen kann. (Muss es aber auch nicht immer…) Vielleicht kann man später etwas mehr mit den Namen Leonardo, Raffael, Michelangelo und Da Vinci anfangen – sie richtig zuzuordnen wird man aber auch dann nicht imstande sein, wenn man diese Namen googeln würde. Denn dann würden wieder diese Schildkröten auftauchen – die aber sensationell animiert sind.
Ich will sicherlich kein Loblied über dieses Machwerk vom Stapel lassen. Wir wissen, es ist ein abendfüllender Werbeclip für Merchandising-Spielzeug. Purer Kommerz, der Kinder, die jugendfreie Action lieben, glücklicher macht – und Eltern um einiges Taschengeld ärmer. Das von Michael Bay produzierte Krötengekloppe bedient sich derselben Effektschmiede wie die Transformers-Filmreihe. Computeranimierter Motion-Capture-Naturalismus bis in die kleinste Pore und bis in jede noch so kleine Faser diverser fester Elemente. Action im HDR-Modus, der das Auge sehr schnell ermüdet. Allerdings – die Mimik und die Animation der fleischgewordenen Spielzeugfiguren ist ziemlich perfekt. Besser kann man diese Dinger nicht kreieren, dafür gibt’s ein Plus. Der Film selber bedarf aber kaum einer Erklärung. Ein plakatives Szenario rund um den Erzfeind Shredder, mittendrin Botox-Schönheit Megan Fox, die sich mit lächerlichem Fantasykram abgeben muss, da ihr Agenturmanagement sonst keine Angebote mehr erhaltet. Doch immerhin – gut bezahlt ist diese Rolle sicher, ist sie doch nur eine von wenigen realen Besetzungen in einem fast zur Gänze trickanimierten Film, der ordentlich dröhnt und klotzt, aber trotz allem in nichtssagender Albernheit versinkt. Wer immer diese Idee hatte, Schildkröten als Actionhelden ins Leben zu rufen – ihm gebührt mein Respekt. Vor allem aber eher in Anbetracht der Tatsache, mit dieser kruden Kreation Lizenznehmer und Wirtschaftspartnern überzeugt zu haben. Wie immer sind die schrägen Ideen die Besseren – somit sei den vier Reptilienbrüdern die Daseinsberechtigung sicher nicht aberkannt.
Die Zeichentrickserie hätte aber gereicht. Für Erwachsene zu dämlich, für Kinder zumindest visuell zu überfordernd. Wem soll dieser Film nun genügen? So schlingert das knallbunte Effektgewitter zwischen den Zielgruppen umher und wirbt für Pizza, Oberlippenbotox und Spielzeug. Popcornkino, bei dem das Popcorn den größeren Kick verleiht.