Mayday (2026)

AUFWÄRMEN IM KALTEN KRIEG

7/10

 

Maria Bakalova, Kenneth Branagh und Ryan Reynols auf der Flucht in Mayday
© 2026 Apple

 

LAND / JAHR: USA 2026

REGIE / DREHBUCH: JOHN FRANCIS DALEY, JONATHAN GOLDSTEIN

KAMERA: BARRY PETERSON
CAST: RYAN REYNOLDS, KENNETH BRANAGH, MARCIN DOROCIŃSKI, MARIJA BAKALOWA, DAVID MORSE, CLARK JOHNSON, WENDY CREWSON, LOUIS CANCELMI, JOSH HAMILTON U. A. 

LÄNGE: 1 STD 50 MIN



Russland ist ein schönes Land, ho ho ho ho ho… Wie ging noch gleich dieser alte Hadern aus den Siebzigern von Dschingis Khan? Das Lied nennt sich Moskau und irgendwie hört man beim Betrachten des Films Mayday ganz fern im Oberstübchen diese Melodie mitsamt der kitschigen Lyrics.

Die politische Buddy-Komödie im Wandel der Zeit

Was einem noch dazu einfällt? Arnold Schwarzenegger. Der hat in den Achtzigern in Walter Hills Red Heat einen Haudegen namens Ivan Danko gegeben. Na klar, der Ivan! Auf ein Packerl, wie man auf gut österreichisch sagt, muss er sich im Laufe der verzwickten Handlung mit James Belushi hauen, der natürlich, mental völlig anders geartet als der Russe aus dem Kalten Krieg, das ganze krasse, liberale und sündige Amerika verkörpert. Das Feindbild Nummer eins also, und dennoch müssen beide Mächte, symbolisiert durch bekannte Gesichter, an einem Strang ziehen.

Das war vor 38 Jahren! Hat sich also irgendetwas zwischen Russland und Amerika verändert? Nicht, wenn man die Zeit zurückdreht. In diesem Fall machen das John Francis Daley und Jonathan Goldstein (Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben), die auch noch gleich das Drehbuch dazu geschrieben haben – aus einem Guss ist immer besser. Wir schreiben das Jahr 1987, ein Jahr später wird Schwarzeneggers Ivan-Figur die Leinwand stürmen, und der Dekaden-Blockbuster schlechthin, nämlich Top Gun, ist auch ein Jahr nach seiner Kinopremiere immer noch in aller Munde.

Hilf dir selbst, sonst hilft dir der Russe

So viel Eier wie Tom Cruise hat auch Ryan Reynolds. Er ist Troy „Assassin“ Kelly, ein Fliegerass natürlich, und einer, der weiß, wie man Risiken eingeht. Bei einer Spionagemission wird dieser jedoch vom Himmel geholt und landet mehr oder weniger kopfüber im russischen Forst.

Welch ein Glück, dass Brite Kenneth Branagh gleich in der Nähe weilt. Der gibt diesmal, sichtbar weniger Muki-Bude und knallharte Mine, das Abziehbild eines rustikalen Waldschrats weitab vom Schuss, der als ehemaliger russischer Geheimagent der Einsamkeit frönt. Irgendwie muss Kelly wieder freundliches Terrain erreichen, und so wie in Red Heat muss der ami-begeisterte Ex-KGB-Profi mit dem „Feind“ gemeinsame Sache machen, wenn er seine Haut retten will.

Der Shakespeare-Afficionado mal ganz anders

Wer hätte gedacht, dass Kenneth Branagh so viel Spaß an dieser Rolle hat? Und wer hätte gedacht, dass dieser Rauschebart den ganzen Film lang hält? Ich jedenfalls nicht. Umso mehr macht es Laune, den unscheinbaren Gutmenschen aus der Tundra dabei zuzusehen, wie er seine Fäuste schwingt und zwischendurch auch mal über die Lage der Nationen nachdenkt.

Branagh kann also Actionkomödie und nicht nur Shakespeare (oder Harry Potter). Über Ryan Reynolds situationskomisches Talent braucht man aus meiner Sicht kaum streiten. Die Ulknudel kann er wie John Cena, und dennoch bleibt auch er zwischendurch aufgeräumt ernsthaft bei der Sache, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Fast schon sowas wie Lachgarantie

Diesen Mix, den Walter Hill damals so gut konnte – eben zwischen kerniger Action und Bromance – den hat man lange vermisst. Mit Mayday kehrt das Retro-Kino, auch wenn sich der Film stilistisch nicht Retro anfühlt, zumindest aus konzeptioneller Sicht zurück.

Lachen ist in Mayday also nicht nur für unsereins als zusehende Partei in Zeiten wie diesen richtig gesund, und auch die versöhnliche Tonalität unterstreicht die cartoonhafte Annäherung zwischen West und Ost. So einfach kann es gehen, und das Streaming-Kino zelebriert die unbekümmerte Naivität handwerklich solider Hemdsärmeligkeit aus einem medienreduzierten Damals, als man noch die Wählscheibe drehen musste.

Mayday (2026)

Percy

DAS GELD LIEGT AUF DEM FELD

5/10


percy© 2020 PVM Productions INC. 2019 / Mongrel Media


LAND / JAHR: USA, KANADA, INDIEN 2020

REGIE: CLARK JOHNSON

CAST: CHRISTOPHER WALKEN, CHRISTINA RICCI, ZACH BRAFF, LUKE KIRBY, ROBERTA MAXWELL, MARTIN DONOVAN U. A. 

LÄNGE: 1 STD 40 MIN


Monsanto, Bad Guy der globalen Konzernwelt: Jetzt ist das Unternehmen seit 2018 Teil von Bayer AG, der Name ist also Geschichte, und zwar eine, in welcher sich der Saatgutriese selten Freunde gemacht hat. Gerade noch dem Damoklesschwert des Giganten entronnen war ein Farmer namens Percy Schmeiser, der durch Zufall Saatgut von Monsanto auf seinen Feldern hatte. Wie man das feststellen kann? Durch Herumschnüffelei und Gen-Sequenzierung. Dabei ist den konzerneigenen Kontrolleuren aufgefallen, dass die patentierte Gen-Sequenz – nämlich das namentlich durchaus berühmt-berüchtigte Round-up – einfach so in Schmeisers Rapspflanzen auftaucht. Das geht natürlich nicht, so ganz ohne Abgaben. Doch Percy weiß von nichts. Hat niemals auch nur ein Gramm Saatgut von Monsanto erstanden, was dem Konzern natürlich egal ist – denn dieser fordert Nachzahlung. Nicht mit Percy, der alle Welt klarmachen will, dass Wind, Wetter und Evolution nicht für wirtschaftliche Gier instrumentalisiert werden können.

Dieses Unterfangen wird fast dessen Existenz kosten – zur Seite stehen ihm zumindest die Medien sowie einige NGO-Vertreter, die den hartnäckigen Farmer zumindest auch juristisch unterstützen können. Denn der geht vor Gericht, wobei natürlich der Vergleich David gegen Goliath gerne bemüht werden kann. Für den auf sein Recht pochenden Kleinunternehmer konnte Altstar Christopher Walken gewonnen werden, womit dieser nun aus der Rubrik „Was wurde aus“ getrost gestrichen werden kann. Mit Hut und Bart macht der Star aus Die durch die Hölle gehen eine gestandene Figur – ihm zur Seite entdecken wir Christina Ricci, die sich ebenfalls längere Zeit versteckt gehalten hat (wer gut aufpasst, kann sie gar im neuen Matrix-Ableger zumindest für ein paar Minuten bewundern). Doch abgesehen von diesen beiden freudvollen Momenten des Wiedersehens gerät Percy, ein Film mit brisantem Potenzial und wirtschaftsrechtlicher Aussagekraft, zu einer bedauernswert uninspirierten Auftragsarbeit, die, so hat man das Gefühl, gemacht wurde, weil sie gemacht werden muss, vielleicht auch ermöglicht durch diverse finanzielle Zuwendungen entsprechender Interessensgruppen – ich weiß es nicht.

Percy Schmeiser mag zwar als Begründer eines längst überfälligen Präzedenzfalles eine bemerkenswerte Person gewesen sein – Clark Johnson kann diesen Umstand aber nicht so recht einfangen. Vielleicht lässt sich Christopher Walken auch vermehrt lieber herumschubsen als proaktiv seinen Filmcharakter zu variieren – die Performance bleibt so eintönig wie ein Maisfeld, die Regie schleppt sich dahin. Ein Film vom Kaliber wie Vergiftete Wahrheit ist dieser halbambitionierte Beitrag zur globalen Marktwirtschaft nicht geworden.

Percy