Gundala

MISTER BLITZABLEITER

5,5/10

 

gundala© 2019 Koch Media

 

LAND: INDONESIEN 2019

REGIE: JOKO ANWAR

CAST: ABIMANA ARYASTYA. TARA BASRO, ARIO BAYU, BRONT PALARAE, LUKMAN SARDI U. A.

 

Was das Entertainment im Westen so hervorbringt, scheint Indonesien zu gefallen. Am liebsten Marke Event – bunt und laut und wohlgefällig. Was eignet sich da nicht besser als Hollywoods Comic-Universen? Superhelden gehen immer. Aber müssen es wirklich immer nur die Avengers oder die Justice League sein? Gibt’s da nicht auch noch andere Helden? Nicht zwingend aus der zweiten Reihe, aber aus einer ganz anderen Hemisphäre. Siehe da, Indonesien hat sowas auch (wer hat die eigentlich nicht – ich warte eigentlich schon auf Österreichs Verfilmung von ASH). Erschaffen wurde einer dieser Charaktere vor wirklich schon langer Zeit, und zwar Ende der 60er Jahre, von einem Autor namens Harya „Hasmi“ Suraminata: Gundala. So heißt der gute Mann, und der hat fast schon eine ähnliche schicksalhafte Kindheit wie unser wohlbekannter Batman. Gundala also muss zusehen, wie sein Papa stirbt und wird dann auch noch von Mama alleingelassen. Den Reichtum eines Bruce Wayne hat der Knabe freilich nicht, also läuft er weg, irgendwo hin, und sieht dabei zu, dass er nicht in ein Gewitter kommt, was in der Regenzeit in Jakarta des Öfteren mal passiert. Die Blitze nämlich, die scheinen es auf den Kleinen abgesehen zu haben.

Dieses Jakarta, das ist wie Gotham City. Es herrscht Unfrieden zwischen dem Proletariat und den Arbeitgebern, Menschen- und Arbeitsrechte sind Mangelware, das Volk protestiert, wo’s nur geht. Irgendwo in diesem Moloch treibt so mancher zu Unrecht entstellter Antagonist sein Unwesen, mit sämtlichen anderen Finsterlingen im Schlepptau. Es folgt – wie kann es anders sein – für Gundala die große Stunde der Erkenntnis, für etwas ganz anderes bestimmt worden zu sein als nur für ein normales Leben, das geprägt ist von Wunschträumen nach der Heimkehr seiner Mutter.

Natürlich hat Gundala später auch sein eigenes Outfit, das ein bisschen aussieht wie das von Wolverine aus den Comics und Deadpool zusammen. Ein Superheld braucht sowas, und er braucht auch übermenschliche Kräfte, um den Bösen ordentlich den Hintern zu versohlen. Joko Anwar beginnt sein Origin-Movie nebst ordentlich Dramatik mit beeindruckenden Bildern, die manchmal an David Finchers grünstichig-verregnete Optik erinnern. Technisch gesehen gibts da wirklich nichts auszusetzen, Effekte und alles andere sind State of the Art, da müsste Hollywood anerkennend nicken. Aber wie das bei Origin-Stories eben mal so ist, kann auch Indonesien nicht anders, als im Grunde die immer gleiche Geschichte zu erzählen. Vom gekränkten Finsterling und vom selbstlosen Volksvertreter. Vor allem im Mittelteil hat Gundala schön fotografierte, aber satte Längen, die dem Genre der Comicverfilmung nicht viel Neues abgewinnen.

Die südostasiatische Antwort auf Marvel und Co ist nicht volltönend, aber grundsolide, durchaus sympathisch und für ein bereits verwöhntes Publikum gefällig genug, um seine Fans zu finden. Selbst den Teaser für eine mögliche Fortsetzung kann sich das Heldenkino Indonesiens nicht verkneifen. Die Comics um Gundala und Co wird man hierzulande aber vergeblich suchen – es sei denn, dieses DVD-Release entwickelt sich zu einem erfolgreichen Selbstläufer, was ich dann aufgrund des bereits gesättigten Marktes aber kaum glauben kann.

Gundala

Guardians

DER VERGLEICH MACHT UNS SICHER

1/10

 

guardians© 2017 capelight pictures / Quelle: comicbox.com

 

LAND: RUSSLAND 2017

REGIE: Sarik Andreasyan

MIT Alina Lanina, Sanzhar Madiyev, Sebastien Sisak

 

Eines muss gesagt sein – ich bin wirklich sehr froh, diesen Film gesehen zu haben. Denn um zu wissen, was gut ist, haben Filmfans auch mal die Pflicht, sich das hinterste Ende der filmischen Nahrungskette zu vergegenwärtigen. Erst in der Relation ist klar zu erkennen, was einen qualitativen Film eigentlich ausmacht. Und was es heißt, wenn das Soll für Anspruch so gar nicht erfüllt wird. Denn das Kinopublikum hierzulande ist ein verwöhntes. Eines, das aufgrund unserer und anderer Rezensionen bereits problemlos die Spreu vom Weizen trennen kann und eigentlich nur noch, wenn es jammert, auf hohem Niveau kritisiert. Der Kinogeher bewegt sich meist im High End-Bereich, innerhalb des Sahnehäubchens zum Medium Film. Und auch dort gibt es Unterschiede, keine Frage. Doch was dem gesättigten Auge selbstverständlich vorkommt, ist es längst nicht. Filmtechnische, schauspielerische wie dramaturgische Leistung kommt nicht von irgendwo. Das ist harte Arbeit. Und die meisten Filme, die wir sehen, haben mit Sicherheit in einem dieser spezialisierten Bereiche ihre Stärken. Es ist fast unmöglich, dass ein Film gar kein Soll erfüllt. 

Wie gesagt, nur fast unmöglich. Guardians erfüllt die geringsten Erwartungen. Und zeigt, was schlechtes Kino ist. Da haben die Killertomaten oder Bela Lugosi in Ed Wood´s Filmen noch einen gewissen skurrilen Charme: Guardians, die russische Antwort auf Marvel, versemmelt so gut wie alles. Und ist in seiner erschütternden Niederlage eben aus vorhin genannten Gründen ein grandioses Anti-Beispiel, um Qualität im Kino neu zu bemessen. In Guardians passt einfach nichts zusammen. Da gibt es das stramme Botox-Häschen als Geheimagentin. Ein Mutant, halb Mensch halb Bär, in grottenschlechtem CGI, mit immer wieder neuen Hosen und gerade mal recht ansehnlich sprießendem Rückenfell. Ein rasend schneller Schwertkämpfer, der aussieht wie der Zwillingsbruder des Winter Soldiers. Die Unsichtbare, klar abgekupfert von den fantastischen Vier. Und ein Telekinetiker – noch der Beste unter all den Möchtegern-Helden, die so charismatisch und in ihrer psychologische Tiefe ungefähr so dick auftragen wie ein polymerer Heckscheibenkleber. Doch das Allerbeste – oder Schlechteste an dieser Gurke ist der Widersacher. Was bitte ist hier passiert? Unglaublich, wie misslungen und lächerlich ein Six-Pack-Suit aussehen kann. Die bizarre Mischung aus Batman-Nemesis Bane und Iron Man-Peitschenknabe Whiplash ist an unfreiwilliger Komik kaum zu überbieten. 

Guardians hat keinerlei eigene Ideen. Superheldenkino ist eben nicht gleich Superheldenkino. Auch oder gerade wenn all die künstlich erzwungenen Nörgler gegen den so genannten Blockbuster-Einheitsbrei im wohlfinanzierten Genre des Comic-Kinos wettern – der Vergleich mit der plagiatsnahen Tundra-Action lässt sowohl das Marvel- als auch das DC-Kino wieder um Einiges heller erstrahlen. 

Guardians