Fast & Furious: Hobbs & Shaw

ZWEI BÄRENSTARKE TYPEN

5,5/10

 

FAST AND FURIOUS PRESENTS: HOBBS & SHAW© 2019 Universal Pictures Germany GmbH

 

LAND: USA 2019

REGIE: DAVID LEITCH

CAST: DWAYNE JOHNSON, JASON STATHAM, VANESSA KIRBY, IDRIS ELBA, EDDIE MARSAN, RYAN REYNOLDS, KEVIN HART U. A.

 

Nein, sie schenken sich wirklich nichts: Luke Hobbs und Deckard Shaw. Nicht-Kenner der Fast & Furious-Filmreihe werden sich wohl fragen: Moment, wer sind die zwei? Das gleiche habe ich mich auch gefragt. Ich kenne nämlich keinen einzigen der vorangegangenen acht Teile, wobei man bemerken muss, das Fast & Furious: Hobbs & Shaw eigentlich ein Spinoff ist und eher weniger etwas mit dem – falls vorhandenen – roten Faden des Franchise zu tun hat. Wie erwartet sind tatsächlich keine Vorkenntnisse nötig, um Hobbs & Shaw charakterlich auf die Reihe zu bekommen. Das war bei Bud Spencer und Terence Hill genauso wenig der Fall. Biographischen Background gibt es hier allerdings mehr als beim Krokodil und seinem Nilpferd. Aber im Grunde sind die beiden Streithähne, die in Wahrheit aber sowieso wie Pech und Schwefel zusammenhalten (was jetzt keine Überraschung ist) genauso frechzüngige vier Fäuste wie es seinerzeit Spencer und Hill waren. Nur Spencer und Hill fuhren die Italo-Schiene wie keine zweiten. Das war natürlich Prügeltrash vom Feinsten, irre naiv und albern, und nur noch alles, was den Anschein eines Italowestern hat, auch heute noch ansehbar. Der raumfüllende Dwayne „The Rock Johnson“ mit dem unvergleichlichen Stiernacken und Oberarmen so breit wie meine Oberschenkel und der smarte Dressman im dunkelgrauen Rollkragen und Dreitagebart in Gestalt von Jason Statham – die sind da schon globaler unterwegs, so wie ein James Bond oder Ethan Hunt, das Buddy-Prinzip aber sitzt wie bei den Italienern – und sorgt so für eine Menge Schmunzel-Intermezzi zwischen einem Actionszenario, das sich in seinen rasant gefilmten Hochglanz- und Prügel-Stunts als reines, triviales Bubenkino verkauft. Und es verkauft sich gar nicht mal so schlecht.

Unterhaltsam ist er ja, dieser Film, durch Dwayne Johnson, der mit seiner Statur in jeder Szene neu erstaunt (herrlich: der Auftritt im samoanischen Wickelrock), sogar auch recht sympathisch. Durch Vanessa Kirby, die als Stathams unfolgsame Schwester einen todbringenden Virus mit sich herumträgt und dafür aber recht gelassen in die Zukunft blickt, ergänzt sich das ungleiche, dynamische Duo mit einem aufgeweckten sexy Sidekick, der schon mal ab und an das Ruder des fahrigen Plots herumreißen will. Soweit ich mich erinnern kann, hatte Kirby einen kurzen, aber denkwürdigen Auftritt im letzten Mission-Impossible-Abenteuer Fallout. Keine Frage, dass ihre herausfordernde Mimik (zumindest kommt das bei mir so an) auch in die Storyline einer ganz anderen Action-Franchise passen könnte. Das tut es, sehr gut sogar. An dem quer über den Erdball tingelnden Trio, das verblüffenderweise immer alles mithat, was es braucht, und auch alles, was zum Gelingen des Abenteuers beitragen kann, am Zielort vorfindet, könnte man aber relativ schnell das Interesse verlieren, wäre da nicht der stichelnde Humor und das schneidige Teamwork, das für gute Laune sorgt, auch wenn so ein Superschurke wie Idris Elba Sodbrennen verursacht. Seine Figur steckt irgendwo zwischen Wolverine und dem Terminator fest und sorgt für ordentlich Kollateralschäden, um an eben besagtes Virus ranzukommen, dass für seine ganz eigene Interpretation der Evolution des Menschen eingesetzt werden soll. Was für eine Gefahr – vor der man sich aber kaum fürchtet, solange es Kaliber gibt wie Hobbs & Shaw, die alles wieder ins Lot hämmern und so lange auf die Tube drücken, bis selbst einem Kampfhubschrauber die Hutschnur platzt.

Da frage ich mich nun: Macht es Sinn, jetzt wirklich einmal mit der Fast&Furious-Reihe anzufangen? Hat mich das hanebüchene Szenario des Films mit all seinen unmöglichen Möglichkeiten eigentlich auf den Geschmack gebracht? Oder reicht es, eben Hobbs&Shaw gesehen zu haben, damit man sagen kann – hat man einen gesehen, kennt man alle? Will ich Vin Diesel und Paul Walker sehen, müsste ich an die Anfänge zurückgehen. Will ich mehr schnittige Karosserie sehen, dann müsste ich das auch. Wenn noch Zeit bleibt, würde ich sagen. Wirklich notwendig wird’s wohl nicht sein.

Fast & Furious: Hobbs & Shaw

Pets 2

HELDEN FÜR ALLE FELLE

5/10

 

pets2© 2019 Universal Pictures Germany

 

LAND: USA 2019

REGIE: CHRIS RENAUD

MIT DEN STIMMEN VON (DEUTSCHE FASSUNG): JAN JOSEF LIEFERS, FAHRI YARDIM, DIETMAR BÄR, JELLA HAASE, STEFANIE HEINZMANN, DIETER HALLERVORDEN, FREDERICK LAU, MARIO BARTH U. A.

 

Da sind sie wieder, die Hunde, Katzen und Nager aus dem futuristisch-fiktiven New York, wohnhaft in einem Ziegelbau mit Feuertreppe, quasi dem Stiegenhaus für Haustiere inkognito. Wir treffen abermals auf Max, Duke und auf das Kaninchen Snowball, das ein Doppelleben führt – nämlich das eines Superhelden in blauem Satin. Nicht zu vergessen die affektierte Katzendame Chloë die sowieso allen die Show stiehlt und fast schon Garfield Konkurrenz macht, in dem, was das leicht untersetzte Tierchen so für Allüren an den Tag legt. Allein wegen dieser Charakterzeichnung ist es wert, Pets 2 als Da Capo für den ersten Teil anzusehen. Und gibt es noch andere Gründe? Nunja, mal sehen – vielleicht. Aber nichts Offensichtliches. Denn Pets 2 stolpert angesichts seiner Vielfalt an liebenswerten Pelz-Individualisten über seine Ambition, jedem Tierchen seine Challenge zu schenken. Aus einem handfesten Abenteuer quer durch urbane Gefilde wie im Original aus 2016 wird eine lose Episodenrevue, die keine Eigendynamik besitzt, zwar viel und gerne die Eigenheiten von Stubentiger und Co durch den Kakao zieht, aber für einen abendfüllenden Trickfilm das Thema grundlegend verfehlt.

Wobei Regisseur Chris Renaud seine kleinen Alltagshelden, die mit diversen Änderungen klarkommen müssen und jede Menge neue Erfahrungen sammeln, abgöttisch zu lieben scheint. Vor allem Katzen. Und was sich so sehr liebt, das neckt sich. Katzen könnten sich also kompromittiert fühlen. Oder aber, wie es viel eher ihre Art zu sein scheint, dazu stehen, nicht wirklich der selbstlose Good Fellow zu sein wie es Hunde in einer gewissen devoten Hörigkeit nun mal sind. Vielleicht macht ihr täglicher Ego-Trip, wie es Jim Davis fetter oranger Kater so augenzwinkernd karikiert, diese handlichen Whiskas-Jäger so unwiderstehlich, weil sie ihren eigenen Schwächen nicht widerstehen können, was sie dann wieder so menschlich macht. Chloë ist da ein schillerndes Beispiel, da kann sich die alte Katze Crisabella aus Cats durchaus etwas selbstverliebter zeigen. Wie die graumelierte Fellbirne jeden Morgen ihren Lebensmensch zu wecken versucht, ist eines der Highlights des Filmes. Und generell sind es diese kleinen Momente tierischen Verhaltens, wie wir sie kennen, nur herrlich überzeichnet oder gar nicht mal so sehr. Und Tiere zu karikieren ist wohl die dankbarste Art, sich über andere lustig zu machen. Nicht als Häme, sondern als Liebeserklärung, weil Kabinettsneurotiker wie diese uns so sehr ans Herz wachsen können. Vom Wellensittich bis zum Neufundländer. Da gehört das Klischee der verschrobenen Katzenfrauen natürlich dazu.

Schade, dass Drehbuchautor Brian Lynch dem Illumination-Team nichts Besseres vorlegen hat können. Die meiste Zeit läuft Pets 2 dreigleisig, wir switchen zwischen den kleinen, grob skizzierten Abenteuern hin und her, und nur mit Biegen und Brechen finden diese Storylines am Ende zusammen, obwohl dieser Versuch gar nicht mehr notwendig gewesen wäre. Pets 2 erzählt keine Geschichte mehr, sondern mehrere, eignet sich daher perfekt für eine Fernsehshow a 20 Minuten – nicht aber für einen Kinofilm, der erstens nicht als Episodenfilm deklariert ist, und zweitens als solcher zu wenig Substanz hat. Da hätte man noch jede Menge Hirnschmalz hineinstecken können, eine wirklich tolle Geschichte finden wie es Disney mit z.B. Aristocats oder Susi & Strolch geschafft hat. Und nicht auf ausgediente Versatzstücke aus dem Minions-Archiv zurückgreifen müssen. Aber was soll´s, immerhin sind die süffisanten Tierportraits garantierte Lachnummern, Selbstläufer wie bereits bewiesen. Vielleicht ist das dem jüngeren Publikum ja genug, vielleicht setzen sie bei Pets 2 gar nicht mal so aufs Geschichtenerzählen. So knapp nach Schulschluss sind knuffige Eskapaden gebürsteten Fells die Bringer schlechthin. Für alle anderen stellt sich die Frage, wann sich denn die losen Enden der roten Fäden endlich aufrollen, damit die Katze damit auch spielen kann. Inmitten dieses fragenden Erwartens ist der Film dann auch schon wieder vorbei. Zumindest Tatz & Co haben sich dann jeder für sich selbst übertroffen. Ein Erfolg, den ich den Vierbeinern freilich gönne. Dem Film dahinter allerdings nicht so sehr.

Pets 2

Jumanji: Willkommen im Dschungel

PANIK IN DER BOTANIK

5/10

 

jumanji© 2017 Sony Pictures

 

LAND: USA 2017

REGIE: JAKE KASDAN

MIT DWAYNE JOHNSON, KEVIN HART, JACK BLACK, KAREN GILLAN U. A.

 

Wenn einmal die Würfel fallen, gibt es kein Entrinnen mehr. Das Spiel muss zu Ende gespielt werden, und zwar von allen Spielern. Keiner darf aussteigen. Und das schlimme daran: Es geht um Leben und Tod. So sehr die ertönenden Buschtrommeln auch ein exotisches Abenteuer verheißen – als großer Brettspielfreund würde ich um Jumanji einen großen Bogen machen. Zu riskant, das Ganze. Vor lauer Nägelbeißen und Angstschweiß absondern vergisst man ja glatt das Würfeln. Doch zum Glück hatten wir Robin Williams, damals in den 90ern. Der begnadete und leider viel zu früh von uns gegangene Komiker und Charakterdarsteller hat in Zeiten der boomenden Spielkonsolen das Brettspiel wieder salon- und haushaltsfähiger gemacht. Wenngleich die Haushaltsversicherung bei Jumanji die Versicherung des Vertrauens wohl in den Ruin treiben würde. Im Original von 1995 bleibt wahrlich kein Stein auf dem anderen, und das phantastische Rennen, retten und Flüchten kocht nur so über vor zündenden Ideen und spannenden Wendungen. Damals war Jumanji auch tricktechnisch State of the Art. Und das dynamische Zusammenspiel der wirklich verzweifelt wirkenden Alt- und Jungdarsteller ist von ansteckender Motivation.

2017 gibt es keinen Robin Williams mehr. Und das zum Kult gewordene Brettspiel fristet seit 22 Jahren sein ungeöffnetes Dasein einer Tretmine gleich unterm Sand an irgendeinem namenslosen Strand (sofern ihr euch noch an die letzte Szene von damals erinnern könnt, wisst ihr, was ich meine). Das unter der Regie von Jake Kasdan nachgereichte Sequel – und nein, es ist kein Remake – schließt genau mit dieser Szene wieder an. Und um zeitgemäß zu sein, spielt man heutzutage Jumanji lieber auf der Konsole als auf einem analogen, rund 30 x 30 cm großen Brett mit Würfelschutz. Schade eigentlich, denn damit entledigt sich der neue Jumanji-Film haufenweise origineller Ideen. Die Digitalisierung des Abenteuerspiels wäre nicht zwingend notwendig gewesen. Gut, aber damit steht und fällt das Konzept des vorliegenden Filmes. Denn diesmal wird nicht nur Robin Williams alias Alan Parrish in die gefährliche Dschungelwelt hineingesogen – diesmal sind es alle, die mitspielen. Was ganz witzig ist, denn die Schüler, die während des Nachsitzens das mysteriöse Spiel in die Finger kriegen, werden in der virtuellen Welt so ziemlich gegen ihren Typ besetzt. Die Tussi vom Dienst ist ein übergewichtiger Kartograph mit Kniestrümpfen und Tropenhelm, der Schüchti aus der letzten Bank ein zwei Meter großer, muskelbepackter Hüne, der so gut wie alles kann und keine Schwächen hat, und der sportaffine lange Lulatsch ein abgezwickter Zoologe, der dem frohgemuten Dwayne Johnson fast nur bis zur Brust geht.

Damit hätten wir aber schon den Reiz des neuen Abenteuers beschrieben. Jumanji: Willkommen im Dschungel ist komödiantisches Schauspielkino voller fehlbesetzter Avatare, die die neugewonnene Situationskomik aufgrund all ihrer Unbeholfenheit für sich entdecken. Das ist manchmal wirklich saukomisch, manchmal aber – und das im Laufe des Films des Öfteren – seufzt man wissend und maximal nur noch schmunzelnd. Das Szenario selbst, die Geschichte hinter dem Spiel, bleibt mit ihrem Einfallsreichtum weit hinter dem Jaguarberg zurück. Ob Elefanten, Raubkatzen oder schnappende Krokodile – der Kniff mit der Kohärenz von Dschungelwelt und Realität fehlt hier ganz. Und genau das war aber der Reiz des unberechenbaren Originals. Vollends digitalisiert, erreicht das Jumanji von heute mit Ausnahme einiger weniger kreativer Momente den Reiz eines öffentlich begehbaren Dschungelzoos – Jurassic World lässt grüßen, allerdings ohne Dinos. Das würde ich mir in natura fraglos gerne ansehen – im Kino erwarte ich mir dann schon noch etwas mehr als eine klamaukige Gruppenführung durch die Botanik.

Jumanji: Willkommen im Dschungel